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Wie sieht bei euch amb. Psychotherapie aus?

8. November 2013 um 21:55

Hallo,

bisher war ich immer nur stille Mitleserin, habe mich aber nun doch dazu entschlossen mich hier zu registrieren.

Mich würde interessieren, wie bei euch die ambulante Therapie aussieht, sofern ihr denn eine macht?
Macht ihr eine Verhaltenstherapie oder eine tiefenpsychologische/analytische Therapie?

Sucht ihr in euren Therapiestunden nur nach den Ursachen oder sprecht ihr auch mal über aktuelles Essverhalten und Gewichtsveränderungen?

Ich habe schon einige Therapieerfahrungen hinter mir, war gerade jetzt Anfang dieses Jahres erneut für drei Monate stationär und mache, seitdem ich entlassen worden bin, eine ambulante Therapie. Eigentlich bin ich mit meinem Therapeuten auch total zufrieden, ich konnte Vertrauen aufbauen, kann gut mit ihm sprechen und habe - endlich - das Gefühl, dass sich jemand auch mal um die Ursachen kümmert.
Und trotzdem bin ich seit heute völlig verwirrt, dass es ihn scheinbar gar nicht interessiert (?), wie meine körperliche Verfassung ist bzw. wie sehr mich mein Essverhalten eigentlich im Alltag beeinflusst.

Ich bin seit ungefähr 8 Jahren essgestört (bin jetzt 24) und es war immer ein Mittelding zwischen Magersucht und Bulimie.
Anfang diesen Jahres bin ich mit einem BMI von 16 stationär gegangen, wobei ich aber auch sagen muss, dass es auch um einige andere Dinge gegangen ist und es sich "nur" um eine akut psychiatrische Klinik handelte. Mir war bewusst, dass die sich wahrscheinlich nicht so auf die Essstörung konzentrieren, aber das es so vollkommen ignoriert wird...
Es hat sich kein Schwein für mein Essverhalten interessiert. Ich wurde zugepumpt mit Medis, bekam (u.a. auch dadurch) FA's ohne Ende und nahm in kurzer Zeit verdammt viel zu. Ich kam damit überhaupt nicht zurecht, aber Aussagen der Ärzte war lediglich nur: "Ihr jetziges Gewicht ist doch vollkommen in Ordnung."

Eigentlich kann man sich da ja schon denken, dass es dann zuhause nicht lange gut geht, aber ich habe mich doch eine zeitlang gut gehalten und war einigermaßen symptomfrei!
Nur irgendwann kamen die Zweifel und Gedanken zurück, Stress auf der Arbeit und zuhause, ein Medikament habe ich abegesetzt und ich war wieder schneller in der ES als ich gucken konnte...

In der letzten Zeit habe ich nun wieder 10kg abgenommen und bin nun wieder an der Grenze zum UG.
Auf der Arbeit macht sich gerade meine eine Kollegin wieder Gedanken, mit meinem Mann gibt es auch ständig Stress wegen dem Essen... und ich habe wahnsinnige Angst davor, wie es eigentlich weiter geht. Phasenweise schaffe ich es wieder zu essen, aber dann holen mich die ES-Gedanken so stark wieder ein... mir geht es auch wirklich nicht gut zurzeit, obwohl ich nach außen hin immer noch funktioniere.

Nun aber zu meiner eigentlichen Frage... mit meinem Therapeuten habe ich bisher immer um Auslöser, etc. gesprochen. Er weiß auch, dass es mit dem Essen nicht gut läuft, hat es aber bisher nicht weiter kommentiert.
Auch heute wollte ich wieder mit ihm über das Essen sprechen und habe ihm auch erzählt, dass ich von einigen wieder auf meine Gewichtsabnahme angesprochen worden bin und damit überhaupt nicht gut umgehen kann.
Er hat aber weiterhin nur nach dem geguckt, was die letzten zwei Wochen passiert ist und stellt es immer wieder in den Raum: Ich muss Grenzen setzen, muss lernen mich abzugrenzen, muss Kontrolle anderweitig erlenen, darf nicht immer alles mit mir machen lassen... (so in der Art) ... dann wird es sich auch legen, dass ich über das Essen meine Kontrolle suche.
Zum Schluss meinte er dann nur noch, dass ich ja auch nicht untergewichtig bin und das also, was das angeht, alles ok ist.
Das war für mich irgendwie ein Schlag ins Gesicht... und gleichzeitig ein Freifahrtsschein. Wenn schon mein Therapeut sagt "es ist ok" ... ist es dann wirklich ok so weiter zu machen? Ständig zu hungern, zu kotzen??

Funktioniert diese Art und Weise der Therapie wirklich? Nur nach den Auslösern zu gucken, die zu bekämpfen und dabei völlig Essverhalten und Gewichtsentwicklung zu ignorieren? In der Hoffnung, dass sich alles von alleine gibt, wenn Ursachen erstmal bearbeitet worden sind?!
Ich bin echt verunsichert...

Wie war das bei euch?

Lg, Nelli

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9. November 2013 um 1:53


Hallo Nelli,

nach fast 20 Jahren mit der Krankheit und fast genauso vielen Jahren Therapie habe ich endlich eine Therapeutin/Therapie gefunden mit der ich sehr gut zurecht komme.

Meine Therapeutin befasst sich in erster Linie mit der Tiefenpsychologie was meiner Meinung nach bei so einem Problem angebracht und hilfreich ist (erstrecht wenn der Auslöser ein Trauma ist was bei Essstörungen sehr, sehr oft der Fall ist), sie bespricht aber auch aktuelle Situationen mit mir und ab und zu bezieht sie einige Elemente aus der Verhaltenstherapie mit ein.

Das wichtigste bei einer Therapie bist Du, Du musst mit der Therapieform klar kommen, Du musst mit dem Therapeuten klar kommen und Du musst es wollen. Für mich klingt es schon so als wärest Du mit dieser Form unzufrieden, Dir fehlen die Gespräche über die aktuellen Themen und das Interesse hierfür, nicht wahr? Hast Du ihm schon deutlich gesagt das Du auch aktuelle Themen besprechen möchtest? Wenn sich nichts ändert wäre die radikalste Option der Wechsel, oft muss man suchen bis man DEN Therapeuten gefunden hat.

Du musst im Endeffekt selbst wissen ob Du mit dieser Therapie klar kommst oder ob Du den Therapeuten lieber wechseln möchtest. Leider kann Dir hier auch niemand sagen ob die Therapie erfolgreich sein wird oder nicht, das hängt davon ab wie Du dich auf die Therapie einlässt und wie der Therapeut genau vorgeht, jeder Therapeut hat seine eigene Vorgehensweise. Es kann auch sein das dein Therapeut ganz bewusst die akuten Dinge weg lässt, das könnte seine Vorgehensweise sein.

Die Tiefenpsychologie ist aber eigentlich sehr erfolgreich, mir hilft sie auch sehr gut. Ich würde auf jeden Fall behaupten das die Krankheit allein durch die Tiefenpsychologie (mehr oder weniger) verschwinden kann.

Ich wünsche Dir alles Gute und viel Erfolg für die Zukunft!

Liebste Grüße

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9. November 2013 um 20:58

...
Hallo,

vielen Dank euch beiden für eure lieben Antworten.

Eigentlich bin ich auch der Meinung, dass Tiefenpsychologisch die "richtige" Therapie (für mich) ist und ich bin eigentlich auch ganz froh darum, dass ich endlich einen Therapeuten gefunden habe, der nicht die Augen vor meiner Vergangenheit verschließt, sondern auch mit mir daran arbeiten möchte.
Im grundegenommen denke ich auch, dass wenn man die ES besiegen möchte, auch ganz klar die Ursachen mit beseitigen muss.

Wenn es nur Verhaltenstherapie ist, so wie bei dir Leslie, würde ich damit sicherlich auch nicht zurecht kommen.
Ich sehe es also auch schon so wie ihr beide. GGf ein Mix aus beiden ist sicherlich irgendwo ein guter Weg...
Meine damalige Therapeutin hat auch tiefenpsychologisch gearbeitet, hatte aber auch immer das aktuelle mit im Blick. Also wenn sie gesehen hat, dass das Gewicht immer weiter runter geht, hat sie schon irgendwo versucht mit mir einen Schlussstrich zu ziehen und zu schauen, wie man das Verhalten ändern kann, um nicht wieder komplett abzurutschen.
Und das ist jetzt einfach meine Angst... ich kann es mir eigentlich absolut nicht leisten, wieder zu weit ins UG zu rutschen. Da hängt einfach zu viel mit dran... Das rufe ich mir auch immer wieder in Erinnerung, nur die ES-Gedanken sind oft so stark.
Und ich finde es einfach schwierig "ohne Bedenken" "erstmal so weiter zu machen, denn irgendwann habe ich ja evtl. meine Ursachen für alles aufgearbeitet und dann löst sich die ES irgendwann auch mit auf..." .. wenn ihr versteht, was ich meine...

Meinen Therapeuten möchte ich eigentlich nicht wechseln. Denn alles andere kann ich gut mit ihm besprechen und habe da jetzt auch echt Vertrauen aufbauen können. Zumal ein Therapeutenwechsel auch einfach zu viel Zeit mit sich bringen würde... Wartelisten, etc. ... nein, ich denke, das muss ich irgendwie versuchen bei ihm anzusprechen und ihm deutlich machen, dass ich momentan einfach auch mehr Unterstützung für mein Essverhalten brauche.
Vielleicht ist auch einfach mit das Problem, dass er sich nicht so gut mit Essstörungen auskennt? Ist oft meine Vermutung, da er bei dem Thema doch oft recht schnell abblockt... und zumindest meinte er auch ganz zu Anfang zu mir, als er mein tiefstes Gewicht wissen wollte, nur: "Achso ok, das ist ja noch in Ordnung." (BMI 16 ) ...
Klar, es geht nicht nur darum... aber man redet sich dann doch einfach wieder zu schnell ein, dass ja wirklich alles nicht so schlimm ist und es evtl doch nur darauf ankommt.

Ach man... ... es geht eigentlich um so viel andere Dinge, das ist mir durchaus bewusst, aber zurzeit ist die ES einfach viel zu präsent...

Trotz allem... nochmal lieben Dank für eure Antworten!

Lg, Nelli

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9. November 2013 um 23:58
In Antwort auf erma_12143849

...
Hallo,

vielen Dank euch beiden für eure lieben Antworten.

Eigentlich bin ich auch der Meinung, dass Tiefenpsychologisch die "richtige" Therapie (für mich) ist und ich bin eigentlich auch ganz froh darum, dass ich endlich einen Therapeuten gefunden habe, der nicht die Augen vor meiner Vergangenheit verschließt, sondern auch mit mir daran arbeiten möchte.
Im grundegenommen denke ich auch, dass wenn man die ES besiegen möchte, auch ganz klar die Ursachen mit beseitigen muss.

Wenn es nur Verhaltenstherapie ist, so wie bei dir Leslie, würde ich damit sicherlich auch nicht zurecht kommen.
Ich sehe es also auch schon so wie ihr beide. GGf ein Mix aus beiden ist sicherlich irgendwo ein guter Weg...
Meine damalige Therapeutin hat auch tiefenpsychologisch gearbeitet, hatte aber auch immer das aktuelle mit im Blick. Also wenn sie gesehen hat, dass das Gewicht immer weiter runter geht, hat sie schon irgendwo versucht mit mir einen Schlussstrich zu ziehen und zu schauen, wie man das Verhalten ändern kann, um nicht wieder komplett abzurutschen.
Und das ist jetzt einfach meine Angst... ich kann es mir eigentlich absolut nicht leisten, wieder zu weit ins UG zu rutschen. Da hängt einfach zu viel mit dran... Das rufe ich mir auch immer wieder in Erinnerung, nur die ES-Gedanken sind oft so stark.
Und ich finde es einfach schwierig "ohne Bedenken" "erstmal so weiter zu machen, denn irgendwann habe ich ja evtl. meine Ursachen für alles aufgearbeitet und dann löst sich die ES irgendwann auch mit auf..." .. wenn ihr versteht, was ich meine...

Meinen Therapeuten möchte ich eigentlich nicht wechseln. Denn alles andere kann ich gut mit ihm besprechen und habe da jetzt auch echt Vertrauen aufbauen können. Zumal ein Therapeutenwechsel auch einfach zu viel Zeit mit sich bringen würde... Wartelisten, etc. ... nein, ich denke, das muss ich irgendwie versuchen bei ihm anzusprechen und ihm deutlich machen, dass ich momentan einfach auch mehr Unterstützung für mein Essverhalten brauche.
Vielleicht ist auch einfach mit das Problem, dass er sich nicht so gut mit Essstörungen auskennt? Ist oft meine Vermutung, da er bei dem Thema doch oft recht schnell abblockt... und zumindest meinte er auch ganz zu Anfang zu mir, als er mein tiefstes Gewicht wissen wollte, nur: "Achso ok, das ist ja noch in Ordnung." (BMI 16 ) ...
Klar, es geht nicht nur darum... aber man redet sich dann doch einfach wieder zu schnell ein, dass ja wirklich alles nicht so schlimm ist und es evtl doch nur darauf ankommt.

Ach man... ... es geht eigentlich um so viel andere Dinge, das ist mir durchaus bewusst, aber zurzeit ist die ES einfach viel zu präsent...

Trotz allem... nochmal lieben Dank für eure Antworten!

Lg, Nelli

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Hallo nochmal,

es ist sicherlich nicht für jeden das richtige wenn die akuten Probleme so dermaßen außer acht gelassen werden, ich kann Dich da sehr gut verstehen.

Ich habe mittlerweile herausgefunden das viele Therapeuten das akute Problem herunterspielen, sie denken das sie das Thema sonst dramatisieren und dem Patienten die Krankheit vermehrt einreden sodass es ihn belastet und er sich krank fühlt Den Grundgedanken kann ich zwar ganz gut verstehen aber ich bezweifle das das immer die richtige Vorgehensweise ist.

Ich bezweifle zwar stark das er sich das noch lange mit ansehen wird aber wenn Du damit nicht klar kommst macht das ja kein Sinn. Ich würde dir erstmal empfehlen das Problem anzusprechen, Du solltest ihm sagen das Du auch die akuten Probleme besprechen möchtest und das Du Dir in der Hinsicht mehr Aufmerksamkeit von ihm wünschst, Du bist mittlerweile auch in einem Alter in dem die Therapeuten offener werden, er wird Dir sicherlich sagen warum er darauf nicht eingeht.

Therapeuten nehmen sowas eigentlich immer sehr ernst wenn man das Problem anspricht.

Liebste Grüße

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