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Wie mit dem Trinkverhalten des Vaters umgehen?LANG!

2. Januar 2010 um 22:29 Letzte Antwort: 23. März 2010 um 0:06

Hallo,
ich hoffe, der ein oder andere "Hobbypsychologe" oder selber Betroffenene kann mir vielleicht helfen.

Die "Eckdaten": ich bin 26, habe eine Tochter von 5 Monaten, meine Eltern sind beide Ende 40, leben 350 km von mir entfernt.
Meine Mutter: Hausfrau und 2 Std tägliche Arbeit, leidet unter Depressionen, hat 2 Selbstmordversuche hinter sich(beide innerhalb der letzten 2,5 Jahre), nimmt seit ca. 1 Jahr starke Antidepressiva.
Mein Vater: Selbstständig, Firmensitz allerdings ca. 150 km entfernt, somit nur am WE zu Hause.
Mein Bruder 12, stottert phasenweise schlimm.
Ich hoffe, dass es nicht "abgeklärt" rüberkommt aber wenn man sich tagtäglich über diese Sachen Gedanken macht, reduziert man das Ganze irgendwann auf das Wesentliche.
Nun zu meinem Problem:

Das Verhältnis zu meinen Eltern ist seit ich mit 18 zu Hause ausegzogen bin nicht das Allerbeste, ich bin meistens froh, so weit entfernt zu wohnen.Seit meine Tochter auf der Welt ist, bemühe ich mich allerdings um ein besseres Verhältnis, sehe allerdings auch viele Sachen enger als vorher.
Meine Eltern haben beide immer gerne getrunken, oft auch viel und ohne jedes Maß.Leider ist es in dem Ort (dörflich) wo meine Eltern leben nicht unüblich zu jeder sich bietetenden Gelegenheit zu trinken so das es erstmal im Bekanntenkreis nicht auffällt, ob jemand Probleme mit Alkohol bzw mit dem Verzichten hat.
Seit längerem ist es jetzt aber so, dass mein Vater auch zu Hause viel trinkt, selbst wenn der Besuch gar nichts trinkt.Gelegentlich trinkt er auch vormittags schon Alster oder direkt Bier.Jetzt im Winter sogar Glühwein.Meist vorm Mittagessen und wenn es am Abend vorher Alkohol gab.Auf Festen ist er eigentlich immer betrunken, oft auch hinter anderen Frauen her.(Die Ehe meiner Eltern ist eher einseitig, mein Vater kann sich alles erlauben,meine Mutter nimmt es hin, würde das so aber nie zugeben)
Meine Schwester arbeitet in einem Restaurant wo meine Eltern meiner Meinung nach viel zu häufig sind um zu Essen (hat angeblich auch wieder was mit der Krankheit meiner Mutter zu tun).Mein Vater nutzt diese regelmässigen Restaurantbesuche um zu trinken.Er trinkt dann 3-5 Weizen und einige Dessertliköre, fährt dann auch meistens noch mit dem Auto wieder nach Hause.(Wir haben ihm gesagt dass das nicht OK ist, schon gar nicht wenn meine Mutter und mein Bruder mit drin sitzen)Meine Mutter trinkt seit sie Tabletten nimmt deutlich weniger, verzichtet allerdings nicht komplett obwohl ihr Arzt, meine Schwester und ich ihr gesagt haben, dass sie zu diesen starken Medikamenten keinen Alkohol trinken darf.Sie weß das, schafft es aber wohl nicht, abstinent zu bleiben.Sie war seit sie die Tabeltten sind auch mehrmals wieder richtig betrunken,meistens verbunden mit einem Streit zwischen meinen Eltern.Meinen Vater haben wir darum gebeten, aus Rücksicht auf meine Mutter den Alkohol wegzulassen, das sieht er aber nicht ein und sagt, selbst wenn er nichts mehr trinken würde, würde sie in der Woche abends heimlich trinken.Ich weiß langsam nicht mehr wer von beiden das größere Problem hat.Wir sind alle der Meinung das es meiner Mutter auch in Bezug auf ihre Depressionen besser ginge, wenn beide komplett auf Alkohol verzichten würden aber laut meinem Vater hat das alles mit dem Trinken nichts zu tun.Er dreht auch alles rum was man ihm sagt.Ich habe ihn am Heiligabend nach wochenlanger Funkstille angerufen, er war wieder angetrunken.Erst hat er geweint weil es ihn angeblich stark mitnimmt, dass meine Schwester und ich ihm ständig Vorwürfe machen, kurz darauf hat er mehr oder weniger über meine Mutter geschimpft, ihr Krankheit würde ihn sehr belasten und wir wüssten nicht wie schwer er es mit ihr hat.Ein paar Minuten später hat er mich dann angegriffen weil ich ihm seit einiger Zeit sage, dass seine Verhalten nicht gut ist.Weder für meine Mutter noch für meinen Bruder der im Stillen unter der Trinkerei leidet.Er wird von Freunden schon angesprochen ob sein Vater immer soviel trinkt.
Kann mir vielleicht jemand sagen, wie ich mich weiterhin verhalten soll?Alles was ich sage, wird so dargstellt, als würde ich einen Streit anfangen wollen.Meine Mutter hat schon gesagt, dass mich bzw meine Schwester das Ganze nichts angeht.Aber wenn doch die restliche Verwandschaft, was eigentlich nur noch eine Hand voll ist, nur noch darüber redet, und die beiden eigentlich zu keiner Feier mehr einladen möchte weil mein Vater regelmässig "austickt" geht es mich doch sehr wohl was an oder nicht?Soll man sich weiter einmischen oder den Kontakt ganz abbrechen?Ich bin so sauer auf meinen Vater weil er ständig nur diskutiert statt zu akzeptieren dass wir uns Sorgen machen.Ich weiß wirklich nicht mehr weiter.Ich hoffe, das ich das alles realistisch darstellen konnte, es gibt noch tausend andere Sachen die eigentlich dazu geschrieben werden müssten aber ich hab ja jetzt schon soviel hier stehen.
Ab wann kann man eindeutig sagen, dass mein Vater Alkoholiker ist?Reicht es schon, dass er sich vornehmen muss, nichts mehr zu trinken?

Für eine Antwort wäre ich sehr dankbar!

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5. Januar 2010 um 3:06

Hi küstengold
ich habe selber eine ALK Mutter seit fast 30 Jahren. Trinken Tut sie seit ca 45 Jahren, also kenne diese Problematik leider nur zu gut. Kann mich auch nicht komplett von meiner Mutter lösen, obwohl es mir unter Umständen besser täte.Naja versuche zumindest mit deiner schwester deinem Bruder irgendwie zu helfen und dann ein Gespräch mit deinen Eltern. Vielleicht besinnen sie sich dann, wenn die kinder erstmal(vor allen dein kleiner Bruder woanders untergebracht sind) Kann er nicht bei deiner schwester oder erstmal bei dir unterkommen. Bei solchen sachen muß der Wille da sein, wenn die nicht wollen- kommst du auch nicht an mit deinen gesprächen. Traurig, aber du mußt jetzt egoistisch werden und für dein Baby da sein. Wenn alle strike reißen, würde ich mich an das jugendamt wenden, die können auch in solchen fällen hilfe anbieten, wenn sie wollen. Viel Glück und alles gute

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5. Januar 2010 um 10:29
In Antwort auf spring_12514189

Hi küstengold
ich habe selber eine ALK Mutter seit fast 30 Jahren. Trinken Tut sie seit ca 45 Jahren, also kenne diese Problematik leider nur zu gut. Kann mich auch nicht komplett von meiner Mutter lösen, obwohl es mir unter Umständen besser täte.Naja versuche zumindest mit deiner schwester deinem Bruder irgendwie zu helfen und dann ein Gespräch mit deinen Eltern. Vielleicht besinnen sie sich dann, wenn die kinder erstmal(vor allen dein kleiner Bruder woanders untergebracht sind) Kann er nicht bei deiner schwester oder erstmal bei dir unterkommen. Bei solchen sachen muß der Wille da sein, wenn die nicht wollen- kommst du auch nicht an mit deinen gesprächen. Traurig, aber du mußt jetzt egoistisch werden und für dein Baby da sein. Wenn alle strike reißen, würde ich mich an das jugendamt wenden, die können auch in solchen fällen hilfe anbieten, wenn sie wollen. Viel Glück und alles gute

Danke
für eure antworten.ich denke ja ähnlich darüber was den kontaktabbruch angeht etc aber es fällt wirklich schwer.vor allem weil wir schon einmal eine phase hatten in der mein vater und ich ein jahr nicht miteinander gesprochen haben.
ich habe heute nachmittag einen termin bei einer beratungsstelle für suchtkranke und angehörige.mal gucken was sich da ergibt

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1. März 2010 um 11:47

Alkohol
hallo zusammem!ich habe eine 7 jährige bz hinter mir,vor knapp 6 wochen habe ich mich von meiner ex getrennt.ich habe eine kleine tochter die im april 2 jahre alt wird,der vater meiner tochter ist von beruf kraftfahrer und verbringt sein we ständig in der gastätte wo er jedesmal stramm rausgeht.er hat überhaupt kein maß,wann er aufhören müsste.wie wir noch zuammen waren rief er mich ständig an und beschimpfte mich bis unter die gürtellinie das er es mal wieder geschafft hatte das ich in tränen ausbrach.am nächsten tag tat er immer so als ob nix gewesn wäre.mal wieder verzieh ich ihn!doch er zieht sein trinken leider vor.jetzt will er unsere tochter sehen aber das gestatte ich ihn nicht,zumal ich das alleinige sorgerecht habe! ich fange an ihn zu hassen was er nir angetan hat und ich wünschte mir er würde elendig verrecken!bitte sagt mir eure meinung dazu.gglg

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22. März 2010 um 21:16

Selbes Problem
Weißt du, ich hab ein ziemlich ähnliches Problem, nur dass ich erst 17 bin und leider noch nicht von Zuhause wegkann. Ich kann es nicht ertragen meinen Vater jeden Tag besoffen und meine Mutter jeden Tag unter Depressionen leidend zu sehen. Ich kann einfach nicht mehr!!!
Ich will so bald wie ich nur kann ausziehen. Leider habe ich mein ABI erst in 2 Jahren und eine Ausbildung braucht man ja auch noch um Geld zu verdienen. Da überlege ich mir sehr ernsthaft ob ich nicht einfach mit meinem Freund zusammenziehen will, damit ich nicht mehr zu Hause wohnen muss, oder mich gleich von ihm schwängern lassen will, damit ich ein Grund hab zu ihm zu ziehen. Auf jeden Fall will ich hier weg... und du hast es gut gemacht, dass du keinen Kontakt zu deinen Eltern hattest...
Ich will ja nichts sagen, sie haben mich aufgezogen, mein Vater verdient immer noch DAS Geld, für das ich mir alles kaufen kann was ich will ohne die finanzielle Unterstützung meiner Eltern wäre ich ein niemand. Dennoch halte ich es nicht aus. Ich will auch nicht meine Mutter mit ihm alleine lassen, die wegen seiner Sucht viele Probleme mit den Nerven kann. Nur er sieht alles in Rosa Wolken...
Er versteht ja gar nicht wieso wir uns immer über seine Sucht aufregen!!! Wie kann man DAS nur nicht verstehen!!!???
Meine arme Mutter, sie tut mir so leid, weil sie ihr ganzes Leben noch mit ihm verbringen muss.
Da hab ich noch ein Grund früher zu heiraten: Ich will von zu Hause weg!
Es gibt nichts mehr was ich tun kann. Mein Vater wird mich nie mehr verstehen solange der Alkohol herrscht.

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23. März 2010 um 0:06

Nicht zugeben
Dass Süchtige ihre Sucht nicht zugeben, ist nichts besonderes. Oft kommt die Einsicht erst, wenn sie den Boden unter den Füßen ganz verlieren.

Niemand will den Boden unter den Füßen verlieren und deshalb gehört es dazu, zumindest anderen gegenüber den Schein zu wahren.
Solange dein Vater sich nicht eingestanden hat, dass er ein Problem mit oder durch Alkohol hat, wird er es wohl versuchen abzustreiten. Das zuzugeben wäre für ihn ein Resignieren und das kann er nicht solange er noch Kraft hat.
Depressive Menschen kosten ihren Mitmenschen wirklich viel Kraft und dein Vater hat gegenüber deiner Mutter wahrscheinlich schon total dicht gemacht, dass sie ihm keine "Kraft mehr rauben" kann. Dadurch geht es deiner Mutter natürlich nicht besser.

Wenn du mit deinem Vater helfen willst, dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder die Flucht nach vorne, wenn er durch den Alkohol nicht mehr klar kommt oder ihn bestärken, damit er den Alkohol nicht mehr so braucht.
Wenn sich deine Eltern nicht mehr gegenseitig haben, um sich Kraft zu geben und die gefühlte Last des Alltags zu groß wird, frisst deine Mutter den Schmerz in sich hinein und dein Vater versucht ihn zu betäuben.
Je mehr du auch deinem Vater gegenüber diese absolute Schwelle aufbaust, die zwischen Alkoholiker und Nicht-Alkoholiker unterscheidet, wird er sich dagegen wehren, auf die "falsche Seite" gestellt zu werden. Diese Abwehrhaltung macht es ihm auch nicht leichter, zu akzeptieren, dass er ein Problem hat, auch wenn es bisher vielleicht nur ein kleines ist.

Mein Vater ist meiner Definition nach auch schon seit langem Alkoholabhängig, kommt bisher aber glücklicherweise ganz gut zurecht. Eine Sucht kommt immer schleichend und ein genauer Zeitpunkt lässt sich selten ausmachen.
Wenn der Alkohol (oder was auch immer) dazu verwendet wird, Probleme beiseite zu schieben, die man anders nicht bewältigen kann, ist die Gefahr groß, dass man süchtig wird.

Wenn du wieder ein besseres Verhältnis zu deinen Eltern willst, dann darfst du von ihnen nichts fordern, was sie nicht leisten können, auch wenn sie es vielleicht sogar selbst wollten. Denn sie haben wahrscheinlich Angst, von dir nicht mehr so akzeptiert zu werden, wie sie leider nun mal sind.

Ich wünsche dir viel Glück und Weisheit für die richtige Entscheidung!

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