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War mein Klinikaufenthalt denn umsonst???

12. September 2014 um 7:12

Guten Morgen meine Lieben,

ich habe ja neulich, also vor ein paar Tagen, schon einmal ins Forum geschrieben, dass ich wieder zu Hause bin (ich war 8 Wochen stationär in Therapie).

Es war definitiv zu früh mich entlassen zu lassen aber die doofe Versicherung wollte halt nicht noch einmal eine Verlängerung genehmigen.

Ja,jetzt bin ich hier daheim und weiß wie wichtig es ist zu essen und ich esse auch, allerdings spare ich extrem ein, achte wieder penibelst auf Kalorien, zähle sie auch, lasse Mahlzeiten aus, erbreche auch (nicht immer, nicht jede Mahlzeit aber ich erbreche... ).

Ich habe die bescheuerte Waage im Zimmer und wiege mich morgens und abends.

War denn alles umsonst?!?
Warum bin ich denn nur so schwach ... ?!?

Ich WILL gesund werden.
Ich WILL diese Krankheit loswerden!

Ich habe in der Klinik so positiv gedacht, in diesem geschützten Rahmen erschien alles so einfach.

Ich mein klar, ich habe Fortschritte gemacht, auf jeden Fall. Ich esse schließlich wieder Dinge die ich vor der Therapie nicht mehr angerührt habe, ich nehme Kohlenhydrate zu mir und und esse auch Dinge wie Studentenfutter, Obst und so.
Vor der Klinik habe ich quasi nichts mehr gegessen (im wahrsten Sinne des Wortes).
Vor meinem Klinikaufenthalt war ich eine Woche im Krankenhaus zum Aufpäppeln und "am Leben erhalten".
Mir wurde gesagt, dass ich sterbe wenn ich so weitermache und das würde womöglich nicht mehr lange dauern.
ICH WILL DA NICHT MEHR HIN, ICH WILL NICHT MEHR SO TIEF IN DEN STRUDEL DER ESSSTÖRUNG.
ICH HAB DIE NASE VOLL!!!

Und trotzdem fängt jetzt alles wieder von vorne an?!?

Meine Ziele habe ich immer vor Augen, ich habe einen Freund der mich liebt nur irgendwann wird auch der sagen "ich kann nicht mehr".
Ich will so gerne Kinder haben, das ist einer meine größten Wünsche wenn nicht sogar der größte Wunsch und ich weiß, dass ich momentan nicht einmal welche bekommen kann.
Warum fällt es mir so schwer dafür zu kämpfen?

Ich sehe Frauen auf der Straße die ganz normales Gewicht haben, vielleicht sogar ein bisschen mehr auf den Rippen haben und ich finde sie ATTRAKTIV und SCHÖN.
Und warum muss ich so aussehen wie ich aussehe?!?
Warum "darf" ich nicht zunehmen und auch schön sein?!?
Was ist an einem Knochengestell denn bitte schön, ohne Brust, ohne Weiblichkeit?!?


BOAH, Leute, ich hasse mich gerade wieder für meine Krankheit, ich HASSE MEINE KRANKHEIT!!!
Und trotzdem lasse ich mir tagtäglich von ihr befehlen wie ich zu leben habe, was ich essen darf und was nicht, dass ich brechen soll, dass ich hungern soll.


Hilfe, Hilfe, Hilfe, ich bin echt dermaßen verzweifelt.

Trotzdem schicke ich euch viele liebe Grüße,

Euer Moehrchen

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12. September 2014 um 7:23

Hey moehrchen.
Tut mir leid, dass es dir so schlecht geht bzw du so arg zu kämpfen hast.

Boah ey dämliche Versicherung. Sowas kann man echt nicht verstehen. Vorallem schneiden die sich damit ja ins eigene Fleisch, wenn die nur so kurze Aufenthalte genehmigen und davon ausgehen müssen, dass ihre Patienten nicht einigermaßen wieder gesund zurück kommen.

Aber umsonst war dein Klinikaufenhalt garantiert nicht. Ich kann verstehen, dass du frustriert bist, aber du darfst auch nciht zu viel von dir verlangen. Die Magersucht ist eine der am schwierigsten zu heilenden psychischen Erkrankungen und das wird eben leider noch so seine Zeit dauern bis du wieder gesund bist. Evt musst du nochmal einen Klinikaufenthalt in Kauf nehmen. Aber hey, sei doch erstmal stolz auf dich, was du schon geschafft hast. Alleine, dass du den Willen hast gesund zu werden und das du in die Klinik möchtest ist doch schon super. Du schaffst das schon.
Hast du denn ambulant eine Unterstützung?

liebe Grüße und halte die Ohren steif, nikati

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12. September 2014 um 8:41

Diesen Selbsthass kenn ich so gut.
In diesen Momenten hat meine bewusste Seite die Oberhand; die, die denken kann, Verstand hat und klar erkennt, dass mein Verhalten widersinnig ist.

ABER: es ist eine Fehleinschätzung anzunehmen, dass mein Verstand irgendetwas ausrichten kann! Das weiß ich und sobald ich mir das klar mache, werden die Selbstvorwürfe weniger.

Es ist eine ganz andere Seite von mir, die diese Ängste und dieses Kontrollbedürfnis hat;die, die nicht 'groß' werden und nicht Frau werden will. Das alles spielt sich auf der unterbewussten Ebene ab, ist viel viel älter, sitzt viel viel tiefer. Ich stelle mir immer vor, dass das innere Kind in mir schlummert, verletzt, ängstlich, traumatisiert und gar nicht anders kann, als dieses (aus Verstandessicht: Fehl-)Verhalten mit allen Mitteln aufrecht zu erhalten. Es hat so sehr Angst, die Krankheit loszulassen, weil damals, als es unbewusst die Krankheit wählte, diese Wahl geradezu seine Überlebensstrategie war. Das Ausgeliefertsein damals glich einer Todesangst.

Ich versuche nun, mein inneres Kind und seine Wahl zu verstehen und es nicht dafür zu verurteilen, für welche körperlichen Folgen (bis hin zur Todesgefahr; mir wurde das auch schon oft gesagt) es letztendlich verantwortlich ist. Es hockt nämlich nach wie vor da in seiner Ecke und wartet an sich nur darauf, dass ich selber es in den Arm nehme und ihm die Liebe gebe, die es damals nicht bekommen hat.

Leider schaffe ich es noch nicht. Aber irgendwie glaube ich, verstanden zu haben, dass das meine Aufgabe ist: mein inneres Kind und damit mich selber! anzunehmen und zu lieben. Solange bis das funktioniert (es scheint ein langer, steiniger Weg zu sein), sind alle Selbstvorwürfe und Schimpferei auf diese kranke Seite meiner Seele nutzlos - und leider sogar Wasser auf die Mühlen der Krankheit. Durch Selbshass machen wir es an sich alles nur noch schlimmer.

Viel Kraft auf deinem Weg zu deinem inneren Kind.

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