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War der Klinikaufenthalt nun "für die Katz"?

5. November 2010 um 19:18 Letzte Antwort: 6. November 2010 um 18:12

Hallo,

ich war nun seit vier Monaten in einer Klinik gewesen wegen Magersucht.
In der Klinik habe ich mich wieder auf unteres Normalgewicht "gefressen".
So weit hört es sich erstmal positiv an.
ABER:
Ich finde mich nun schrecklich fett, und die Gedanken sind schlimmer als vor der Klinik.
Die gesamte Woche bin ich nun wieder am Hungern, weil mir Normalgewicht zu bedrohlich am Übergewicht ist, ich will wieder ins Untergewicht kommen.
Mit meinem Essplan halte ich zwar das untere NG, nehme nicht zu, aber das ist mir nicht genug an Sicherheit.

Untergewicht gab mir immer die Sicherheit, weit vom ÜG weg zu sein.
Dazu muss ich sagen, dass ich früher im ÜG war und deswegen bis aufs Blut gemobbt wurde in der Schule.
Im Moment lodert der Selbsthass noch schlimmer als vor der Klinik in mir, ich will wieder dürr werden, meine Knochen spüren können....
Für meine Undisziplin, dem normalen Essen, würde ich mich am liebsten selbst bestrafen, das mache ich auch häufig.
Mir geht es im Moment schlechter als je zuvor, ich halte mich für undiszipliniert und schwach.
Auch bedeutet leisten bei mir hungern und nicht normal essen.
Sowieso frage ich mich , weswegen ich in die Klinik gegangen bin... bestimmt nicht wegen mir.

Langsam denke ich, es war wegen meinen armen Kollegen und Eltern, die mit ansehen mussten wie ich mich abhungerte.
Desweiteren habe ich keine Lust mehr auf die ganzen ambivalenten Gefühle und Gedanken, am liebsten würde ich mich wieder gefühlstot stellen, wie ich es vor Jahren schonmal tat.

Keiner kann mir weh tun, wenn ich nichts empfinde, und ich kann ebenfalls niemanden weh tun.
Bei mir wurde Borderline festgestellt, das aber schon vor der Klinik von meinen ambulanten Psychotherapeuten.
Darauf habe ich ebenfalls keine Lust mehr, ich will keine Gefühle , ich will einfach nur noch funktionieren nach meinen eigenen perfektionistischen Ansprüchen.
Alles andere soll mir egal werden.
Ob ich irgendwann an der Sonde lande? Mir doch egal.

Ich will und werde funktionieren, ich werde leisten, alles andere ist mir egal.
Und als erstes muss ich diesen fetten, schäbigen Körper wieder dünn bekommen.

Sind diese Gedanken denn noch normal?
Oder eher typisch für solch eine Situation?
Hat sich der Klinikaufenthalt überhaupt gelohnt?
Im Moment denke ich , ich hätte mir dieses Fressen und zunehmen schenken können.
Wenigstens hätte ich dann jezt schon studieren können und müsste nicht bis zum nächsten WS warten.
Ich sehe mich als Komplettversager an....

Kennt jemand diese Gefühle und Gedanken?

Das einzige was ich weiß, ist, dass ich niemals mehr FREIWILLIG in eine Klinik gehen werde...
das werde ich mir nun wirklich schenken...

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6. November 2010 um 7:13

Danke...
erstmal für eure Antworten.
Es tut mir leid, dass es euch auch so mies geht....

Bei mir fingen diese Gedanken an, als ich in Stufe 3 (vom Vierstufenplan für Magersüchtige) kam und die Aussenwelt wieder aktiv in mein Leben trat.
Da traten dann die alten Mechanismen wieder zu Tage, und zwar noch stärker als vorher....
Da war ich zwei von vier Monaten in der Klinik.

Im Nachhinein betrachtet ist diese ganze Klinikwelt doch eh nur gekünstelt....
Inzwischen glaube ich, dass einem die Psychologen auch nur was vor machen..
Sie MÜSSEN ja so tun, als ob sie auf der Patientenseite stehen würden.
Es ist ja ihr Job.

Aber diese Zuckerwelt bringt einem doch nichts...
Man MUSS in der realen Welt ausserhalb der Klinik bestehen, funktionieren....
Und ich in meinem Fall meine eigenen Ansprüche erfüllen.
Gefühle sind da blockierend....

Leider, leider werde ich sie wohl nicht von heute auf morgen abschalten können, aber ich kann mich ziemlich schnell gefühlstot stellen, das kenne ich ja von mir.

Mein Klinikpsychologe stellte mir gestern die Frage, was ich denn machen würde, wenn ich über eine Strasse gehe und sich ein Laster gerade auf mich zu bewegt...
Dann würde ich mich weg bewegen.
Wenn so etwas unfallartig passieren würde, dann wäre es mir vollkommen egal was dann mit mir wäre, aber provozieren werde ich sowas auch nicht.
Schliesslich will ich nicht so feige und schwach wie mein ältester Bruder sein.
Aber wenn es zufällig passiert ?
Das wär mir egal.
Anscheinend wollte er so prüfen, ob er mich in die geschlossene stecken muss..
Die befindet sich ja praktischerweise nur drei Etagen unter der Station, wo ich bin und er arbeitet.

Aber da lasse ich mich nicht reinstecken, genausowenig zwangseinweisen.
Das können die mal schön vergessen.
Keiner wird mich je wieder in eine Klinik kriegen, dass werde ich schon irgendwie zu verhindern wissen.
Niemand kann und wird mich in eine Klinik zwingen.
Und mögen die mit ner Zwangsjacke und Totschlagmedikamente kommen... ich werde es zu verhindern wissen.

Niemand wird mir die Kontrolle und die Macht über mich selber nehmen.... ich bin das einzige, worüber ich die Kontrolle halten kann.
Kontrolle gibt mir Sicherheit, eben auch die Sicherheit, niemals im ÜG landen zu können - wieder.

Ausserdem ist es gegen die Menschenrechte, wenn zwangsweise einzusperren, meiner Meinung nach.

Ich will und werde funktionieren, und ich werde wiede ins UG kommen.
Falls der Preis wirklich hoch sein sollte für diese Sicherheit - dann bitte, ich bin bereit, ihn zu zahlen.
Durch die Klinik merkte ich, dass ich nicht ohne diese Sicherheit existieren kann.

Ich will nicht mehr so dick sein, wie ich mich jetzt fühle.
Meinen eigenen Anforderungen will ich gerecht sein, und ich will perfekt sein...
Das es krank ist, weiß ich, aber ich kann nicht anders.....
Es ist zum "Kühe melken"....

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6. November 2010 um 8:57
In Antwort auf fran_12730362

Danke...
erstmal für eure Antworten.
Es tut mir leid, dass es euch auch so mies geht....

Bei mir fingen diese Gedanken an, als ich in Stufe 3 (vom Vierstufenplan für Magersüchtige) kam und die Aussenwelt wieder aktiv in mein Leben trat.
Da traten dann die alten Mechanismen wieder zu Tage, und zwar noch stärker als vorher....
Da war ich zwei von vier Monaten in der Klinik.

Im Nachhinein betrachtet ist diese ganze Klinikwelt doch eh nur gekünstelt....
Inzwischen glaube ich, dass einem die Psychologen auch nur was vor machen..
Sie MÜSSEN ja so tun, als ob sie auf der Patientenseite stehen würden.
Es ist ja ihr Job.

Aber diese Zuckerwelt bringt einem doch nichts...
Man MUSS in der realen Welt ausserhalb der Klinik bestehen, funktionieren....
Und ich in meinem Fall meine eigenen Ansprüche erfüllen.
Gefühle sind da blockierend....

Leider, leider werde ich sie wohl nicht von heute auf morgen abschalten können, aber ich kann mich ziemlich schnell gefühlstot stellen, das kenne ich ja von mir.

Mein Klinikpsychologe stellte mir gestern die Frage, was ich denn machen würde, wenn ich über eine Strasse gehe und sich ein Laster gerade auf mich zu bewegt...
Dann würde ich mich weg bewegen.
Wenn so etwas unfallartig passieren würde, dann wäre es mir vollkommen egal was dann mit mir wäre, aber provozieren werde ich sowas auch nicht.
Schliesslich will ich nicht so feige und schwach wie mein ältester Bruder sein.
Aber wenn es zufällig passiert ?
Das wär mir egal.
Anscheinend wollte er so prüfen, ob er mich in die geschlossene stecken muss..
Die befindet sich ja praktischerweise nur drei Etagen unter der Station, wo ich bin und er arbeitet.

Aber da lasse ich mich nicht reinstecken, genausowenig zwangseinweisen.
Das können die mal schön vergessen.
Keiner wird mich je wieder in eine Klinik kriegen, dass werde ich schon irgendwie zu verhindern wissen.
Niemand kann und wird mich in eine Klinik zwingen.
Und mögen die mit ner Zwangsjacke und Totschlagmedikamente kommen... ich werde es zu verhindern wissen.

Niemand wird mir die Kontrolle und die Macht über mich selber nehmen.... ich bin das einzige, worüber ich die Kontrolle halten kann.
Kontrolle gibt mir Sicherheit, eben auch die Sicherheit, niemals im ÜG landen zu können - wieder.

Ausserdem ist es gegen die Menschenrechte, wenn zwangsweise einzusperren, meiner Meinung nach.

Ich will und werde funktionieren, und ich werde wiede ins UG kommen.
Falls der Preis wirklich hoch sein sollte für diese Sicherheit - dann bitte, ich bin bereit, ihn zu zahlen.
Durch die Klinik merkte ich, dass ich nicht ohne diese Sicherheit existieren kann.

Ich will nicht mehr so dick sein, wie ich mich jetzt fühle.
Meinen eigenen Anforderungen will ich gerecht sein, und ich will perfekt sein...
Das es krank ist, weiß ich, aber ich kann nicht anders.....
Es ist zum "Kühe melken"....

Frust nach Klinik
Hallo fallensoul,

es tut mir wahnsinnig leid, dass dir der Klinikaufenthalt so wenig gebracht hat. Andererseits weiß ich, dass durch einen ersten Klinikaufenthalt nicht allen (aber doch etlichen) geholfen werden kann. Ich denke, dass es momentan ganz richtig und für dich wichtig war, dir zunächst einmal den ganzen Frust von der Seele zu schreiben.

Ich habe dich noch nicht aufgegeben.

LG Nus

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6. November 2010 um 12:19
In Antwort auf selver_11957295

Frust nach Klinik
Hallo fallensoul,

es tut mir wahnsinnig leid, dass dir der Klinikaufenthalt so wenig gebracht hat. Andererseits weiß ich, dass durch einen ersten Klinikaufenthalt nicht allen (aber doch etlichen) geholfen werden kann. Ich denke, dass es momentan ganz richtig und für dich wichtig war, dir zunächst einmal den ganzen Frust von der Seele zu schreiben.

Ich habe dich noch nicht aufgegeben.

LG Nus

'''
@yellowdress:

Es stimmt schon , es tut gut zu wissen, das man wohl nicht die einzige ist mit solchen Gedanken und Gefühlen.
Dann fühlt man sich zumindest nicht so extrem alleine.
Ich bin auch am überlegen, ob ich die ambulante Therapie bei meinen Psychotherapeuten nicht sein lassen sollte... ich meine,was bringt es?
Ich war in der Klinik, jetzt habe ich wieder zu funktionieren und werde dies auch, und ich muss und werde alleine klar kommen.
Es gibt doch soviele Leute, denen es noch viel schlechter geht und die rennen auch nicht gleich zum Psychologen oder in eine Klinik.

Die meisten Leute kommen doch auch so klar, warum also ich nicht?
Ich will und werde so klar kommen, und dafür brauche ich keinen Psychologen, wie sollte der mir auch helfen?
Du hast schon Recht, ich bin letztlich auch nicht mehr als eine Akte.

@ Nus:

Bist du zufällig ein Psychologe?
Soll jetzt nicht böse oder so gemeint sein, aber du hörst dich ein wenig danach an.
Das frage ich aus Neugierde.

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6. November 2010 um 13:59
In Antwort auf fran_12730362

'''
@yellowdress:

Es stimmt schon , es tut gut zu wissen, das man wohl nicht die einzige ist mit solchen Gedanken und Gefühlen.
Dann fühlt man sich zumindest nicht so extrem alleine.
Ich bin auch am überlegen, ob ich die ambulante Therapie bei meinen Psychotherapeuten nicht sein lassen sollte... ich meine,was bringt es?
Ich war in der Klinik, jetzt habe ich wieder zu funktionieren und werde dies auch, und ich muss und werde alleine klar kommen.
Es gibt doch soviele Leute, denen es noch viel schlechter geht und die rennen auch nicht gleich zum Psychologen oder in eine Klinik.

Die meisten Leute kommen doch auch so klar, warum also ich nicht?
Ich will und werde so klar kommen, und dafür brauche ich keinen Psychologen, wie sollte der mir auch helfen?
Du hast schon Recht, ich bin letztlich auch nicht mehr als eine Akte.

@ Nus:

Bist du zufällig ein Psychologe?
Soll jetzt nicht böse oder so gemeint sein, aber du hörst dich ein wenig danach an.
Das frage ich aus Neugierde.

Heilung ist möglich
Hallo fallensoul,

nein ich bin kein Psychologe, ich hatte beruflich mit der Psychiatrie zu tun, auch den psychiatrischen Kliniken, auf die du nun so sauer bist.

Ich weiß, dass es dir jetzt nicht viel bringt, aber es ist eben auch eine Seite der Wahrheit, dass Antidepressiva, Psychotherapien und stationäre Behandlungen bei etlichen Patienten eben doch eine Besserung der Symptomatik oder sogar Heilung bewirken .Es sind aber immer nur Heilungschancen! Es ist eine bittere und alltägliche Erfahrung in der Psychiatrie, dass nicht allen Menschen geholfen werden kann.

Ich denke, dass du dich inzwischen wieder so weit gefasst hast, dass wir uns einig sind, dass andere selbstverständlich nicht auf ihre Heilungschancen verzichten sollen, nur weil dir der Erfolg versagt blieb. Ich kann deinen Unmut und deine Enttäuschung gut verstehen, trotzdem möchte ich dich und alle anderen auffordern, alles zu tun, um wieder gesund zu werden und nicht auf Maßnahmen zu verzichten, die grundsätzlich wirksam sind.

LG Nus

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6. November 2010 um 18:12

Hm
Ich verstehe das alles nicht. Wenn man in Therpie geht, dann möchte man doch Hilfe...? Wieso lügt man seinen Psychologen bitte an ?
Mal ganz davon abgesehen, dass ein Psychologe auch merken sollte, wenn man lügt... Naja, egal.
Und was soll dieser Quatsch, dass man als Patient "nur" eine Akte im Schrank des Psychologen ist ??
Solange Ihr glaubt, dass der Psychologe Euer Feind ist, seid Ihr gar nicht therapierbar.
Das kann mich ja sowas von aufregen !
Bei einem Arzt bin ich auch "nur" eine Akte und trotzdem versucht er, mich wieder gesund zu bekommen ! Jemand, dem das Schicksal anderer egal ist oder dem es egal ist, dass manche freiwillig verhungern wollen, wird ganz bestimmt nicht Psychologe

Auf der einen Seite wollt ihr nicht wie alle anderen sein. Aber es gibt doch so viele von Euch. Das ist doch nichts Individuelles !?
Auf der anderen Seite wollt Ihr aber auch umsorgt werden, weil Ihr ja so krank ausseht !
Häh ???

Und nur hervorzuheben, dass man in den Kliniken gemästet wird, ist wohl auch etwas einfach. Ist von den Therapien nichts hängen geblieben ? Lügt Ihr da auch ?
Meine Güte, man soll doch Psychologen nicht gefallen !

Wenn Du sagst, dass Dein Psychologe Dich wieder einweisen würde, wenn Du ihm nichts vorlügst, wird er einen guten Grund dazu haben.

Es dauert offensichtlich noch bis zur Einsicht, aber ich hoffe, dass sie bald kommt !

Alles Gute

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