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Vollständige Genesung möglich?

2. November 2014 um 14:45 Letzte Antwort: 7. November 2014 um 15:57

Hallo ihr,
Mich beschäftigt seit einiger Zeit die Frage, ob eine vollständige Genesung möglich ist.
Es beschäftigt mich, weil ich zwar fast alles esse, aber eben sehr kontrolliert. Kein Vergleich zu der Zeit ohne die ES.
Als Beispiel..
Vor der ES habe ich zur Arbeit drei Scheiben Brot, Gemüse, Obst und einen Schokorigel mitgenomme und je nach Schicht zwei Becher Kakao oder 0,5l Cola getrunken. Zuhause habe ich gegessen was meine Mutter gekocht hatte und Abends nochmal zwei-drei Scheiben Brot und 1,5l Eistee getrunken. Oft genug habe ich einfach so nebenbei noch ne Tüte Chips oder Gummibärchen gegessen und wenn ich Spätschicht hatte hab ich auch häufiger Fast-Food gegessen. In meinem Job hab ich 7 Stunden gestanden/gegangen, ich bin jeden Tag mit meinem Hund 30min draußen gewesen und einmal die Woche war ich reiten. Mehr Bewegung hatte ich nicht und mit dieser doch eher ungesunden Ernährung habe ich nie zugenommen. Jetzt habe ich mehr Bewegung, aber ich kann es mir nicht vorstellen ohne schlechtes Gewissen ne ganze Tüte Chios zu essen.
An die die gesund geworden sind, wie ist das bei euch? Gehen solche Dinge wieder ohne schlechtes Gewissen? Was ist eure Erfahrung?
Würde mich sehr freuen, wenn mir jemand antwortet...

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3. November 2014 um 21:42

Es braucht Zeit, aber...
Hallo liebe Chocofreak!

Ich kann nicht lange schreiben, deshalb komme ich direkt zu deiner Frage, ob es möglich ist, wieder ohne schlechtes Gewissen auch ungesundes Essen (in grösseren Mengen) zu essen. Die gute Nachricht zuerst: JAAAAA! Dies ist nach meiner Erfahrung absolut möglich. Es ist oftmals sogar richtig schön, ich zelebriere das schlechte Essen und feiere so jedesmal ein wenig mich selber, habe dann so Gedanken im Kopf à la "schau dich nur an wie weit du es gebracht hast, jetzt ist du schon das zweite Stück Kuchen und hast noch nicht einmal daran gedacht nachher joggen oder k**zen zu gehen!" So werden - auch wenn das jetzt vielleicht etwas schräg klingt und schwierig zu glauben sein mag- solche (früher durch die Krankheit von der inneren Stimme ausdrücklich verbotene) Dinge zu einem kleinen, ganz persönlichen Fest! Und letzthin konnte ich es sogar als Kompliment ansehen und mich darüber freuen als eine Freundin sagte, dass ich wirklich immer Hunger hätte. Ich freute mich darüber, weil es früher nie so war und weil ich wusste, das bedeutet zu leben und gesund zu sein.
Die schlechte Nachricht ist, dass es bis dahin wohl ein langer Weg ist. Ich kenne deine Geschichte nicht genau, aber ich denke je länger man in der MS drinn gewesen ist, desto beschwerlicher gestaltet sich auch der Weg raus aus dem Gedankengewirr, das einem ohne Zweifel noch lange verfolgt und dass auch schwer abzuschütteln ist. Vermutlich gestaltet sich die vollständige Gesundwerdung in etwa so (jedenfalls ist dies meine Theorie): Erst schafft man es aus der Störung so weit raus, dass einem die Gedankenkreisel, die früher ständig und überall gelauert hatten nicht mehr mit nach unten ziehen können, man entgeht dem Sog erstmal und nach einer gewissen Zeitspanne (oder mit einem gewissen Gewicht) kann man dann glücklicherweise von sich behaupten gesund zu sein. Nur ist das Leben nicht wirklich so schwarz-weiss gestaltet und geheilt von der Krankheit ist meist nicht gleichbedeutend mit frei von Zwängen und Kontrollwahn zu sein. Geht es einem dann also plötzlich wieder schlechter (dies kann sowohl einfach so passieren als auch durch Kommentare von anderen, persönliche Niederlagen, etc geschehen) entsteht ein Zurückkehren-Wollen in die Sicherheit, die die Krankheit einem dank der vielen Regeln tückischerweise gibt und die Gedanken, die innere Stimme kehren zurück. Manchmal geschieht dies nur für einige Stunden oder Tage, manchmal jedoch ist es ein regelrechter Rückfall. Ist dies aber erstmal überstanden, so kehrt man meist stärker und besser gewappnet ins gesunde Leben zurück. Diese Gedanken sind zwar nervtötend und aufreiben, aber ich denke sie sind normal und solange sie in Zaum gehalten werden können sollte man sich darüber nicht allzu viele Sorgen machen, wichtiger ist das Nachvorneschauen! Denn meine Erfahrungen haben gezeigt, dass nach jedem ''Mini-Rückfall'' eine immer wie grössere Zeitspanne kam, die frei von solch negativen Gedanken war. Die destruktiven Gedanken kamen immer seltener und wenn sie da waren liessen sie sich immer wie schneller wieder fortjagen...
Es braucht seine Zeit, all dem Mist zu entkommen. Aber glaube mir, es ist machbar und auch du kannst es schaffen, Chocofreak!!
(Und sollte es doch einmal zu schwierig werden, die kontrollierenden Gedanken zu belastend, wende dich doch vertrauensvoll an einen Psychologen! Oder für kurzfristig: Gehe spatzieren. Es wirkt Wunder )
Ich wünsche ich dir alles Gute weiterhin und drücke dir die Daumen!

Prim

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4. November 2014 um 5:40

Ich glaube immer noch daran....
Liebe Chokofreak,

mich beschäftigt die gleiche Frage und hätte ich sie mir vor einem halben Jahr gestellt hätte ich sie definitiv sofort mit ja beantwortet. Heute kommt ein aber hinzu. Ich kann für mich sagen, dass wenn ich damals um die Hintergründe der ES gewusst hätte und mich aktiv mit ihnen auseinander hätte setzen können mich das wahrscheinlich vor einem Rückfall geschützt hätte. So hat mich das ganze fast 11 Jahre später wieder eingeholt.
Ich habe es damals alleine geschafft da raus zu kommen. Ich wollte zwar therapeutische Unterstützung aber ich habe keine gefunden. Meine Eltern haben sich einen Scheiß um mich gekümmert. Hätte ich damals meinen jetzigen Partner nicht kennengelernt (von daher stimmt das mit dem alleine- schaffen doch nicht so ganz) und hätte er mich nicht nach einiger Zeit von meinen Eltern weggebracht wäre ich wahrscheinlich dran zu Grunde gegangen.
Ich war 11 Jahre völlig symptomfrei. Wie es in der Anfangszeit meiner Genesung war kann ich nicht genau sagen, denn die liegt auf Grund von anhaltender Traumatisierung noch immer im Dunkeln. Ich habe zumindest die letzten 10 Jahre alles gegessen ohne mir die geringsten Gedanken darüber zu machen. Kein Kalorienzählen, kein schlechtes Gewissen. So wie jeder andere gesunde Mensch auch. Ein Leben im Normalgewicht und hätte mir jemand gesagt, dass es mir jemals wieder so gehen würde, dem hätte ich den Vogel gezeigt. Ich war die, die mal essgestört war, warum auch immer, aber ich war draußen. Ich habe kaum noch einen Gedanken dran verschwendet. Dann ist mein Vater gestorben. Die Mauer die meine Erinnerungen zurück hielt wurde bröckeliger. Es tauchten Erinnerungen auf, Bilder, Flashbacks...ich bekam Panikattacken, Depressionen. Es ist nicht so das ich der Meinung war eine gute Kindheit gehabt zu haben. Meine Eltern waren beide alkoholabhängig, ich würde geschlagen, aber die Erinnerung an den Missbrauch war vermauert. Abgespalten. Weg. Auf jeden Fall kam sie mit dem Tod meines Vaters zurück. Ende letzten Jahres habe ich endlich eine Therapeutin gefunden mit der ich das alles aufarbeiten kann, doch es kostet mich enorm viel Kraft und durch die Erinnerungen ist meine ES wiedergekehrt. Auf leisen Sohlen. Beihnahe klammheimlich. Aber ich kämpfe dagegen an. Und ich bin auf dem Weg. Ich kenne jetzt die Hintergründe und habe wirklich die Hoffnung es diesmal vollkommen hinter mir lassen zu können. Diese Jahre ohne ES- Gedanken waren so wundervoll und dahin möchte ich zurück.

Ich hoffe und glaube daran, dass du es schaffst liebe Chokofreak. Ich glaube das wir es alle schaffen können.
Liebe Grüße Amy

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4. November 2014 um 9:13
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Es braucht Zeit, aber...
Hallo liebe Chocofreak!

Ich kann nicht lange schreiben, deshalb komme ich direkt zu deiner Frage, ob es möglich ist, wieder ohne schlechtes Gewissen auch ungesundes Essen (in grösseren Mengen) zu essen. Die gute Nachricht zuerst: JAAAAA! Dies ist nach meiner Erfahrung absolut möglich. Es ist oftmals sogar richtig schön, ich zelebriere das schlechte Essen und feiere so jedesmal ein wenig mich selber, habe dann so Gedanken im Kopf à la "schau dich nur an wie weit du es gebracht hast, jetzt ist du schon das zweite Stück Kuchen und hast noch nicht einmal daran gedacht nachher joggen oder k**zen zu gehen!" So werden - auch wenn das jetzt vielleicht etwas schräg klingt und schwierig zu glauben sein mag- solche (früher durch die Krankheit von der inneren Stimme ausdrücklich verbotene) Dinge zu einem kleinen, ganz persönlichen Fest! Und letzthin konnte ich es sogar als Kompliment ansehen und mich darüber freuen als eine Freundin sagte, dass ich wirklich immer Hunger hätte. Ich freute mich darüber, weil es früher nie so war und weil ich wusste, das bedeutet zu leben und gesund zu sein.
Die schlechte Nachricht ist, dass es bis dahin wohl ein langer Weg ist. Ich kenne deine Geschichte nicht genau, aber ich denke je länger man in der MS drinn gewesen ist, desto beschwerlicher gestaltet sich auch der Weg raus aus dem Gedankengewirr, das einem ohne Zweifel noch lange verfolgt und dass auch schwer abzuschütteln ist. Vermutlich gestaltet sich die vollständige Gesundwerdung in etwa so (jedenfalls ist dies meine Theorie): Erst schafft man es aus der Störung so weit raus, dass einem die Gedankenkreisel, die früher ständig und überall gelauert hatten nicht mehr mit nach unten ziehen können, man entgeht dem Sog erstmal und nach einer gewissen Zeitspanne (oder mit einem gewissen Gewicht) kann man dann glücklicherweise von sich behaupten gesund zu sein. Nur ist das Leben nicht wirklich so schwarz-weiss gestaltet und geheilt von der Krankheit ist meist nicht gleichbedeutend mit frei von Zwängen und Kontrollwahn zu sein. Geht es einem dann also plötzlich wieder schlechter (dies kann sowohl einfach so passieren als auch durch Kommentare von anderen, persönliche Niederlagen, etc geschehen) entsteht ein Zurückkehren-Wollen in die Sicherheit, die die Krankheit einem dank der vielen Regeln tückischerweise gibt und die Gedanken, die innere Stimme kehren zurück. Manchmal geschieht dies nur für einige Stunden oder Tage, manchmal jedoch ist es ein regelrechter Rückfall. Ist dies aber erstmal überstanden, so kehrt man meist stärker und besser gewappnet ins gesunde Leben zurück. Diese Gedanken sind zwar nervtötend und aufreiben, aber ich denke sie sind normal und solange sie in Zaum gehalten werden können sollte man sich darüber nicht allzu viele Sorgen machen, wichtiger ist das Nachvorneschauen! Denn meine Erfahrungen haben gezeigt, dass nach jedem ''Mini-Rückfall'' eine immer wie grössere Zeitspanne kam, die frei von solch negativen Gedanken war. Die destruktiven Gedanken kamen immer seltener und wenn sie da waren liessen sie sich immer wie schneller wieder fortjagen...
Es braucht seine Zeit, all dem Mist zu entkommen. Aber glaube mir, es ist machbar und auch du kannst es schaffen, Chocofreak!!
(Und sollte es doch einmal zu schwierig werden, die kontrollierenden Gedanken zu belastend, wende dich doch vertrauensvoll an einen Psychologen! Oder für kurzfristig: Gehe spatzieren. Es wirkt Wunder )
Ich wünsche ich dir alles Gute weiterhin und drücke dir die Daumen!

Prim

Hallo Prim
Hallo Prim,

kannst du vielleicht mal näher schreiben, wie du es geschafft hast und wie du heute isst? Wie hast du das schlechte Gewissen nach dem Essen wegbekommen??? Kannst du mittlerweile alles Essen ohne weiter zuzunehmen?

LG

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4. November 2014 um 11:17
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Hallo Prim
Hallo Prim,

kannst du vielleicht mal näher schreiben, wie du es geschafft hast und wie du heute isst? Wie hast du das schlechte Gewissen nach dem Essen wegbekommen??? Kannst du mittlerweile alles Essen ohne weiter zuzunehmen?

LG

Hallo 1982honey
ist es nicht total egal, was Prim heute isst? Sie isst wahrscheinlich wie jeder normale Mensch das, worauf sie gerade Lust hat. Brauchst du ihren Speiseplan, um diesen ernsthaft nachzumachen? Das bezweifle ich eher....

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4. November 2014 um 11:46

Frage
Mich interessiert vor allem, wie ehemalige MS, die auch mal als Kind dick waren heute essen und vorallem was "normal essen" ist! Hoffe du verstehst mich richtig.

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7. November 2014 um 12:18
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Frage
Mich interessiert vor allem, wie ehemalige MS, die auch mal als Kind dick waren heute essen und vorallem was "normal essen" ist! Hoffe du verstehst mich richtig.

Hei
Also ich kann dir schon erzählen, was ich ess, nur ist es halt so, dass ich keinen Essplan habe und mich auch nicht gross daran erinnern kann, was ich wann zu mir genommen habe. Des Weiteren hat Kanzlerin recht, ich esse einfach wie irgendjemand anderes der gesund ist auch isst. Aber zu deiner Frage: Ja es ist mir möglich zu Essen ohne immer weiter zuzunehmen. Kurz nach der MS habe ich natürlich schon zugenommen aber das ist ja auch gut so! Aber unterdessen hat es sich mein Gewicht im Normalbereich gemütlich gemacht und es gibt höchstens mal ein halbes Kilo Gewichtsschwankungen. Also was ich esse ist unter der Woche zum Frühstück meist nicht so viel, weil ich immer Stress habe um den Zug zu erwischen, da gibt es meistens einfach ein Joghurt und Orangensaft. Danach auf der Uni kaufe ich mir in den Pausen ein Brötchen, Kaffee, Schokoladenriegel oder Obst. Zum Mittagessen gibt es ein Sandwich und danach meist noch ein Brownie oder ähnliches und dann irgendwann noch einmal ein Latte Macchiatto. Zum Abendessen gibt es dann was auch immer, hauptsache etwas Warmes, also beispielsweise esse ich häufig Spaghetti mit Tomatensosse oder Pizza. Dazu am liebsten Salat. Nach dem Abendessen gibts manchmal noch einen Tee oder noch einmal Schokolade. Und am Wochenende esse ich oft auch mittags und abends warm. Aber keine bange, ich denke nach einer Weile pendelt sich dein Körpergefühl so ein, dass du von selbst merkst, wie hungrig du bist und worauf du Apetit hast
Alles Gute, LG
Prim

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7. November 2014 um 12:40
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Hei
Also ich kann dir schon erzählen, was ich ess, nur ist es halt so, dass ich keinen Essplan habe und mich auch nicht gross daran erinnern kann, was ich wann zu mir genommen habe. Des Weiteren hat Kanzlerin recht, ich esse einfach wie irgendjemand anderes der gesund ist auch isst. Aber zu deiner Frage: Ja es ist mir möglich zu Essen ohne immer weiter zuzunehmen. Kurz nach der MS habe ich natürlich schon zugenommen aber das ist ja auch gut so! Aber unterdessen hat es sich mein Gewicht im Normalbereich gemütlich gemacht und es gibt höchstens mal ein halbes Kilo Gewichtsschwankungen. Also was ich esse ist unter der Woche zum Frühstück meist nicht so viel, weil ich immer Stress habe um den Zug zu erwischen, da gibt es meistens einfach ein Joghurt und Orangensaft. Danach auf der Uni kaufe ich mir in den Pausen ein Brötchen, Kaffee, Schokoladenriegel oder Obst. Zum Mittagessen gibt es ein Sandwich und danach meist noch ein Brownie oder ähnliches und dann irgendwann noch einmal ein Latte Macchiatto. Zum Abendessen gibt es dann was auch immer, hauptsache etwas Warmes, also beispielsweise esse ich häufig Spaghetti mit Tomatensosse oder Pizza. Dazu am liebsten Salat. Nach dem Abendessen gibts manchmal noch einen Tee oder noch einmal Schokolade. Und am Wochenende esse ich oft auch mittags und abends warm. Aber keine bange, ich denke nach einer Weile pendelt sich dein Körpergefühl so ein, dass du von selbst merkst, wie hungrig du bist und worauf du Apetit hast
Alles Gute, LG
Prim

Vielen lieben Dank
Und damit hälst du dein Normalgewicht? Wie groß bist du denn? Isst du dann beim Abendessen immer einen normalen Teller voll? Isst du denn auch mal Kuchen oder Eis oder sogar Eisbecher und trinkst du auch mal Alkohol? Wie hast du dich überwunden so zu essen??? Zählst du noch Kalorien??? Was würdest du raten, wie man mit dem schlechten Gewissen nach dem Essen umgeht?Was hat dir am meisten geholfen gesund zu werden?
LG
honey

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7. November 2014 um 15:57
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Vielen lieben Dank
Und damit hälst du dein Normalgewicht? Wie groß bist du denn? Isst du dann beim Abendessen immer einen normalen Teller voll? Isst du denn auch mal Kuchen oder Eis oder sogar Eisbecher und trinkst du auch mal Alkohol? Wie hast du dich überwunden so zu essen??? Zählst du noch Kalorien??? Was würdest du raten, wie man mit dem schlechten Gewissen nach dem Essen umgeht?Was hat dir am meisten geholfen gesund zu werden?
LG
honey

Gerne
Also zu deinen Fragen: Ich bin etwas grösser als 170 cm. Abends esse ich einen normalen Teller voll oder auch mal zwei, weil da habe ich grossen Hunger nach dem langen Tag. Eisbecher und alles ist erlaubt und esse ich auch ab und zu, zum Beispiel auch Kuchen liebe ich sehr. Bis zum Eis war es aber doch ein etwas längerer Weg, also bin etwa vor eineinhalb Jahren von der Magersucht weggekommen und das Eis konnte ich diesen Sommer wieder so richtig geniessen und die schlechten Gedanken weit nach hinten verbannen. Kalorien zähle ich nicht mehr! (aber verzichte häufig auf Softdrinks um nicht unnötig viel Zucker zu mir zu nehmen, dies aber in erster Linie einfach weil sie ungesund sind und mir auch nicht wirklich schmecken und es verzichten ja auch viele andere Menschen auf Softdrinks, welche nie ES hatten. Das ist aber nur eine kleine Einschränkung von mir und hat nichts Zwanghaftes an sich, ausserdem bin ich überzeugt, dass es keinen Unterschied macht ob ich mal einen Schokoriegel oder doch lieber ein Ice Tea zu mir nehme.) Alkohol trinke ich bei Gelegenheit (vielleicht so alle zwei Wochen freitags oder samstags) und zwar sowohl Wein als auch irgendwelche stärkeren Drinks.
Mich zu überwinden hat mich anfangs erstaunlicherweise wenig Mühe gekostet, ich hatte eine Art Wette mit einer Freundin, die von meiner MS wusste und selbst auch mal Probleme mit dem Essen hatte. Sie hat also gesagt, ich soll ihr versprechen, nicht unter mein damaliges Gewicht zu fallen, also nicht weiter abzunehmen. Es war für mich wichtig, dieses Versprechen einzuhalten und ich bin bis heute überzeugt, dass mir das sehr viel gebracht hat. Denn plötzlich war alles erlaubt zu essen! Davor "durfte" ich nicht essen wegen meinen eigenen, kranken Gedanken. Danach musste ich, weil ich ja das Versprechen einhalten wollte! Es ging eine Weile sehr gut und ich fühlte mich wahnsinnig leicht und frei. Dann kamen die Gedanken zurück und ich fand mich erstmal auf dem Boden der Tatsachen wieder, es war doch schwerer als gedacht. Aber dann erinnerte ich mich an das schöne Gefühl, dass das Essen-dürfen mir gegeben hatte und wie lebendig ich mich gefühlt hatte und ich wusste, wenn ich mich jetzt wieder denn Gedanken ergeben würde, dann wäre das Versprechen und alles für die Katz' gewesen. Ich überwand mich also und begann wieder zu essen. Von da an ging es eigentlich stetig bergauf - zuerst ass ich schon noch etwas zögerlich oder etwas zuviel, ich lernte aber ein wichtige Lektion, nämlich auf den Körper und seine Signale zu hören. Hatte ich etwa unbändige Lust auf Schokolade, so ass ich Schokolade. Es war aber auch okay, wenn ich mal nicht so riesigen Hunger hatte und dann halt bloss eine kleine Portion ass.
Das Wichtigste ist, darauf zu hören was der Körper sagt und nicht etwa darauf, was die Stimme im Hirn sagt. (also beispielsweise nur wenig essen ist nur dann erlaubt, wenn der Körper wirklich noch gerade nicht viel Hunger hat, nicht aber wenn die Stimme nicht essen will!!)
Ich bin da wirklich kein Profi und weiss auch nicht, was ich dir genau raten soll, ich schätze, ich hatte auch einfach wirklich sehr viel Glück und die richtigen Umstände haben auch vieles dazu beigetragen, dass ich meine MS so schnell hinter mir lassen konnte. Also, wie ich bei der ersten Antwort auf Chocofreaks Frage geschrieben habe, denke ich, es ist normal, dass jemand, der aus der MS raus ist, trotzdem immer wieder Rückfälle hat, die dann aber hoffentlich immer schwächer und seltener werden. In diesen Rückfällen trieb ich dann immer sofort Sport nachdem ich gegessen hatte und wollte so mein schlechtes Gewissen tilgen. Ich glaube nun aber, dass das der falsche Ansatz ist! Denn bei mir wurden dadurch immer wieder von neuem die alten, schlechten Gedanken hervorgerufen und ich fühlte, wie sich wieder ein Abwärtsstrudel heranbahnte. Ich rate dir, dir anzugewöhnen regelmässig zu essen, am besten mindestens einmal pro Tag warm und die Zwischenmahlzeiten nicht zu vergessen! So kannst du vielleicht besser mit dem schlechten Gewissen umgehen, weil du dein Essen auf (mindestens) fünf Portionen verteilst und da darf dann ruhig auch eine Portion ein Eisbecher sein oder eben der Alkohol. Des Weiteren rate ich dir es ruhig anzugehen und ohne dir selber Druck machen zu wollen, denn das bringt genau gar nichts. Vielleicht magst du versuchen mal einen Tag ohne Kalorien zählen auszukommen oder du denkst dir einen Tag pro Woche in dem du mittags zwei Teller isst oder ähnliches, dass du dann langsam steigern kannst und wenn du dich wohl damit fühlst kannst du versuchen, es freier zu gestalten, sprich du versuchst nicht nach Regeln sondern dann eben nach deinem Körpergefühl zu gehen. Gegen das schlechte Gewissen hilft aber auch ein Spaziergang (aber nicht einen, den du unternimmst um Sport zu treiben, sondern einen den du machst um die Vögel singen zu hören!), Musik hören oder Zeichnen oder Geschichten schreiben oder was auch immer du gerne machst, Kreativität tut gut! Oder auch ein gutes Gespräch, hast du Freunde, die von deiner ES wissen, selber aber keine haben? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es sehr gut tut diesen zu schreiben, resp. mit ihnen zu sprechen, wenn ich ein schlechtes Gewissen haben, weil sie einen meist zeigen können, dass das unter keinen Umständen nötig ist. Dies alles sind aber nur so Ideen von mir, ich weiss nicht was daran gut oder schlecht ist.
Nun ja, hoffe konnte deine Fragen einigermassen beantworten...du darfst mir natürlich auch eine PN schreiben, falls du möchtest.
Alles Gute

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