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Verzweifelt und kraftlos

9. August 2015 um 9:07

Hallo liebes Forum,

schon lange bin ich hier "Mitleserin", da ich auch selbst an einer Essstörung leide. Ich bin 27 Jahre alt und habe schon im frühen Jugendalter mit Essproblemen zu kämpfen gehabt. Oft lese ich hier in akuten Phasen, wo es mir schlecht geht, mit und es hilft mir zu wissen, wie andere in ähnlichen Problemen mit all dem umgehen.

Ich habe ein absolut katastrophales Essverhalten, esse entweder garnichts oder alles auf einmal. In der letzten Woche war es einfach nur noch schlimm, ich hatte jeden zweiten Tag einen Essanfall (meistens wenn ich nach der Arbeit nach Hause kam). An den übrigen Tagen hatte ich dann weder getrunken noch gegessen, um den Anfall irgendwie wieder auszugleichen. Jeden Tag stehe ich bis zu 10 mal auf der Waage, es macht mich wahnsinnig, wenn ich zugenommen habe. Selbst wenn ich mir vornehme, jetzt mal verantwortungsvoll mit mir selbst umzugehen und gesund zu essen, halte ich es nicht durch. Erst gestern wollte ich vernünftig frühstücken, was dann aber direkt in ein Essanfall umschlug (schon morgens!!! ). Den restlichen Tag hab ich nichts mehr gegessen, und heute bin ich trotzdem 2 Kilo schwerer, und fühle mich einfach nur noch grässlich. Ich habe das Gefühl, mein Körper sei total aufgedunsen und jeder um mich herum sieht mir an, wie viel ich zugenommen habe. Ich halte es kaum aus

Warum ich hier schreibe? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Ich weiß garnichts mehr... Gestern Abend hatte ich mir vorgenommen heute wenigstens viel Wasser zu trinken, um das alles "heraus zu spülen". Aber nachdem ich gerade auf der Waage stand und fast zusammen gebrochen bin, traue ich mich jetzt überhaupt nichts mehr zu mir zu nehmen. Auch wenn ich weiß, dass mein Körper wahrscheinlich all das Wasser "nur" eingelagert hat... ich fühle mich so schrecklich.
Schon jetzt habe ich Angst vor morgen, wenn die Arbeit wieder los geht. Wie gucken die Kollegen? Sieht man mir die ganze Fresserei schon an? Wie komme ich bloß durch den Tag?
Ich kann das schöne Wetter im Moment garnicht genießen. Im Gegenteil - ich hasse es. Ich laufe nur in langen Schlabberklamotten herum, ich habe Angst, dass man meinen dicken Körper sieht. Ich kann mich ja selbst kaum im Spiegel betrachten...

Es macht mich verrückt, dass es immer schlimmer wird und ich das Ganze nicht mehr im Griff habe. Niemand weiß von meinen Essproblemen (auch nicht mein Freund), und man sieht es mir auch (noch) nicht an. Ich will einfach nur, dass es aufhört, aber kriege die Kurve nicht.
Es tut mir Leid, dass das jetzt so viel geworden ist, aber ich musste das mal loswerden. Ich weiß garnicht mehr, wohin mit mir... eigentlich ist es ein schöner Sonntag heute, aber ich würde am liebsten im Bett bleiben und mich verkriechen...

Ein ganz großes Danke an euch, dass ihr euch das durchgelesen habt...

Liebe Grüße...

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9. August 2015 um 13:13

Hallo meine Liebe
Erst einmal herzlich Willkommen im Forum - das war ein guter erster Schritt, sich hier mitzuteilen und alles von der Seele zu schreiben!

Kurz zu mir: ich bin 29 Jahre alt und war viele Jahre hier aktiv im Forum, bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich meine Essstörung bezwungen hatte. Ich hatte ca. 6 Jahre anorektische Bulimie. Mir wurde in diesem Forum sehr geholfen und das ist der Grund weshalb ich immer mal wieder hier herumstöbere und ab und an auch etwas schreibe.

Nun zu dir. Das, was du schilderst, all diese Gefühle und Gedanken kenne ich, von früherer Zeit, und wahrscheinlich alle hier, zu gut, von daher wird der Austausch mit Gleichgesinnten dir viel Kraft geben und eine Hilfestellung im Kampf gegen die Essstörung sein.

Einige Dinge solltest du für dich klären:
Wenn du dir sicher bist, gesund zu werden und ein geregeltes, entspanntes Leben, im Einklang mit dir und deinem Körper, führen zu wollen, dann solltest du dir wirklich professionelle Hilfe suchen, ganz gleich ob man dir nun die Essstörung ansieht oder (noch) nicht. Früher oder später wird es sich verselbstständigen, möglicherweise folgen weitere Symptome, in Richtung Bulimie, SVV etc.

Dein Freund und deiner Familie wird etwas auffallen, wenn sie es nicht bereits spüren, dass es dir schlecht geht.
Aus eigener Erfahrung leg ich dir ans Herz, dich ihnen von dir aus mitzuteilen, dich zu öffnen und zumindest ehrlich mit deinem Freund zu sein. Wenn er dich liebt, dann wird er mit dir gemeinsam diesen Weg gehen, dich unterstützen und bei dir sein.
Mein Freund hat mich vor fast 7 Jahren, mit der Essstörung kennen gelernt...er ist mit mir, im wahrsten Sinne des Wortes "durch dick und dünn gegangen". Und er hat all die Zeit nicht meinen Körper fokussiert, sondern all das, was dahinter steckt, all das, was ich selbst oft nicht sehen konnte.

Was ich damit sagen will ist, dass bedingungslose Liebe durch eine psychische Erkrankung nicht erschüttert werden kann.
Fass dir ans Herz, wenn du selbst zu dir stehst und dein Problem schilderst, dann wird sich bereits ein Stein deiner Seele lösen.

Wie lange geht die Essensproblematik bei dir schon (also die Hungerphasen, die von Essattacken abgelöst werden)?
Gab es irgendeinen Auslöser? Welche Situationen, begünstigen deine Essattacken?
Vielleicht magst du auch Angaben zu deiner Größe und Gewicht machen- damit wir eine genauere Vorstellung von deiner Situation bekommen!

Ganz Liebe Grüße und kämpfe jetzt für deine Gesundheit und für dich, bevor du tiefer in die Essstörung rutschen solltest. Du hast jetzt dich besten Chancen!!!

Deine PatchSu

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10. August 2015 um 6:38
In Antwort auf patchsu

Hallo meine Liebe
Erst einmal herzlich Willkommen im Forum - das war ein guter erster Schritt, sich hier mitzuteilen und alles von der Seele zu schreiben!

Kurz zu mir: ich bin 29 Jahre alt und war viele Jahre hier aktiv im Forum, bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich meine Essstörung bezwungen hatte. Ich hatte ca. 6 Jahre anorektische Bulimie. Mir wurde in diesem Forum sehr geholfen und das ist der Grund weshalb ich immer mal wieder hier herumstöbere und ab und an auch etwas schreibe.

Nun zu dir. Das, was du schilderst, all diese Gefühle und Gedanken kenne ich, von früherer Zeit, und wahrscheinlich alle hier, zu gut, von daher wird der Austausch mit Gleichgesinnten dir viel Kraft geben und eine Hilfestellung im Kampf gegen die Essstörung sein.

Einige Dinge solltest du für dich klären:
Wenn du dir sicher bist, gesund zu werden und ein geregeltes, entspanntes Leben, im Einklang mit dir und deinem Körper, führen zu wollen, dann solltest du dir wirklich professionelle Hilfe suchen, ganz gleich ob man dir nun die Essstörung ansieht oder (noch) nicht. Früher oder später wird es sich verselbstständigen, möglicherweise folgen weitere Symptome, in Richtung Bulimie, SVV etc.

Dein Freund und deiner Familie wird etwas auffallen, wenn sie es nicht bereits spüren, dass es dir schlecht geht.
Aus eigener Erfahrung leg ich dir ans Herz, dich ihnen von dir aus mitzuteilen, dich zu öffnen und zumindest ehrlich mit deinem Freund zu sein. Wenn er dich liebt, dann wird er mit dir gemeinsam diesen Weg gehen, dich unterstützen und bei dir sein.
Mein Freund hat mich vor fast 7 Jahren, mit der Essstörung kennen gelernt...er ist mit mir, im wahrsten Sinne des Wortes "durch dick und dünn gegangen". Und er hat all die Zeit nicht meinen Körper fokussiert, sondern all das, was dahinter steckt, all das, was ich selbst oft nicht sehen konnte.

Was ich damit sagen will ist, dass bedingungslose Liebe durch eine psychische Erkrankung nicht erschüttert werden kann.
Fass dir ans Herz, wenn du selbst zu dir stehst und dein Problem schilderst, dann wird sich bereits ein Stein deiner Seele lösen.

Wie lange geht die Essensproblematik bei dir schon (also die Hungerphasen, die von Essattacken abgelöst werden)?
Gab es irgendeinen Auslöser? Welche Situationen, begünstigen deine Essattacken?
Vielleicht magst du auch Angaben zu deiner Größe und Gewicht machen- damit wir eine genauere Vorstellung von deiner Situation bekommen!

Ganz Liebe Grüße und kämpfe jetzt für deine Gesundheit und für dich, bevor du tiefer in die Essstörung rutschen solltest. Du hast jetzt dich besten Chancen!!!

Deine PatchSu

Danke
Hallo PatchSu,

einen ganze lieben Dank für deine aufmunternden Worte. Als ich deinen Beitrag gelesen habe, habe ich gemerkt, mit wievielen Dingen du so Recht hast. Und es beruhigt mich zu wissen, dass du diese Gedanken selbst aus früherer Zeit noch kennst... damit fühlt man sich nicht ganz so einsam.

Darf ich fragen, wie du es aus deiner Essstörung heraus geschafft hast? Du schreibst, dass du anorektische Bulimie hattest. Waren das auch solche Hungerphasen mit Essanfällen?

Mittlerweile bin ich mir auch sicher, dass ich es alleine nicht mehr daraus schaffe. Zu oft habe ich es vergeblich versucht. Ich habe letzten Donnerstag per E-Mail eine Therapeutin angeschrieben und um ein Erstgespräch gebeten. Leider haben viele Therapeuten in meiner Nähe telefonische Sprechzeiten, zu denen ich wegen meiner Arbeit nicht anrufen kann. Ich hoffe sehr, dass sie sich zurück meldet. Gerne würde ich den direkten Weg zum Therapeuten gehen, ohne vorher zu meiner Hausärztin zu müssen... ich kann ihr gegenüber einfach nicht offen sein. Ähnlich geht es mir bei meinem Freund. Ich habe Angst davor, ihm davon zu erzählen. Ich weiß nicht, wie er reagiert. Und trotzdem belastet diese ganze Situation schon jetzt unsere Beziehung: Er merkt, dass es mir in den letzten Monaten zunehmend schlechter geht, ich kaum noch was erzähle, wenn wir uns sehen, ich mich immer mehr zurückziehe usw. Momentan schiebe ich es auf den Stress auf der Arbeit (den ich aber wirklich auch habe), aber ich fühle mich so fies dabei. Eigentlich möchte ich ihn nicht anlügen, aber nichts anderes tue ich damit

Ich habe schon sehr lange mit diesen Essproblemen zu kämpfen. Fühlte mich schon als Kind immer zu dick. Richtig angefangen hat es vor ungefähr 6-7 Jahren, als ich damals anfing zu studieren. Aber was der genauer Auslöser war, dass weiß ich garnicht mehr...
In Stresssituation, in großen (psychischen) Belastungen, wenn ich traurig bin oder mich alleine fühle - dann spüre ich immer schon die Gefahr eines Essanfalls. Aber ich komme nicht dagegen an, auch wenn ich schon die "Vorwehen" fühle. Im besten Fall schaffe ich es nur, den Essanfall nach hinten zu verschieben, aber kommen tut er trotzdem... und die anschließende Hungerphase ebenso.

Ich weiß, dass ich so viel mit all dem aufs Spiel setze... meine Beziehung, meinen Job (bin ständig unkonzentriert, müde und schwach) und all meine Freunde, die ich kaum noch sehe. Aber es ist so schwer, etwas zu ändern, mich zu ändern.
Ich bin 161 klein und wiege momentan 46 Kilo.. ich fühle mich aber absolut nicht so, wie es die Zahlen vielleicht aussehen lassen. Wahrscheinlich ist genau das mein Problem

So, jetzt hoffe ich, dass der Tag einigermaßen glimplich vorrüber geht und wünsche dir und allen anderen trotzdem einen guten Start in die Woche.

Liebe Grüße..

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10. August 2015 um 10:59
In Antwort auf lami_12894748

Danke
Hallo PatchSu,

einen ganze lieben Dank für deine aufmunternden Worte. Als ich deinen Beitrag gelesen habe, habe ich gemerkt, mit wievielen Dingen du so Recht hast. Und es beruhigt mich zu wissen, dass du diese Gedanken selbst aus früherer Zeit noch kennst... damit fühlt man sich nicht ganz so einsam.

Darf ich fragen, wie du es aus deiner Essstörung heraus geschafft hast? Du schreibst, dass du anorektische Bulimie hattest. Waren das auch solche Hungerphasen mit Essanfällen?

Mittlerweile bin ich mir auch sicher, dass ich es alleine nicht mehr daraus schaffe. Zu oft habe ich es vergeblich versucht. Ich habe letzten Donnerstag per E-Mail eine Therapeutin angeschrieben und um ein Erstgespräch gebeten. Leider haben viele Therapeuten in meiner Nähe telefonische Sprechzeiten, zu denen ich wegen meiner Arbeit nicht anrufen kann. Ich hoffe sehr, dass sie sich zurück meldet. Gerne würde ich den direkten Weg zum Therapeuten gehen, ohne vorher zu meiner Hausärztin zu müssen... ich kann ihr gegenüber einfach nicht offen sein. Ähnlich geht es mir bei meinem Freund. Ich habe Angst davor, ihm davon zu erzählen. Ich weiß nicht, wie er reagiert. Und trotzdem belastet diese ganze Situation schon jetzt unsere Beziehung: Er merkt, dass es mir in den letzten Monaten zunehmend schlechter geht, ich kaum noch was erzähle, wenn wir uns sehen, ich mich immer mehr zurückziehe usw. Momentan schiebe ich es auf den Stress auf der Arbeit (den ich aber wirklich auch habe), aber ich fühle mich so fies dabei. Eigentlich möchte ich ihn nicht anlügen, aber nichts anderes tue ich damit

Ich habe schon sehr lange mit diesen Essproblemen zu kämpfen. Fühlte mich schon als Kind immer zu dick. Richtig angefangen hat es vor ungefähr 6-7 Jahren, als ich damals anfing zu studieren. Aber was der genauer Auslöser war, dass weiß ich garnicht mehr...
In Stresssituation, in großen (psychischen) Belastungen, wenn ich traurig bin oder mich alleine fühle - dann spüre ich immer schon die Gefahr eines Essanfalls. Aber ich komme nicht dagegen an, auch wenn ich schon die "Vorwehen" fühle. Im besten Fall schaffe ich es nur, den Essanfall nach hinten zu verschieben, aber kommen tut er trotzdem... und die anschließende Hungerphase ebenso.

Ich weiß, dass ich so viel mit all dem aufs Spiel setze... meine Beziehung, meinen Job (bin ständig unkonzentriert, müde und schwach) und all meine Freunde, die ich kaum noch sehe. Aber es ist so schwer, etwas zu ändern, mich zu ändern.
Ich bin 161 klein und wiege momentan 46 Kilo.. ich fühle mich aber absolut nicht so, wie es die Zahlen vielleicht aussehen lassen. Wahrscheinlich ist genau das mein Problem

So, jetzt hoffe ich, dass der Tag einigermaßen glimplich vorrüber geht und wünsche dir und allen anderen trotzdem einen guten Start in die Woche.

Liebe Grüße..

Hey,
ich finde dass du dich und dein Verhalten gut reflektierst und auch gedanklich auf einem guten Weg bist.
Du siehst, dass du etwas ändern musst und bewegst dich auch in die Richtung, aktiv etwas gegen die Essstörung zu tun. Das ist schon mal sehr positiv, zeigt auch, dass du die Stärke hast gegen all das anzukämpfen. Diese Stärke haben alle hier, nur oftmals versteckt sie sich.

Die Bedenken und Ängste dich deinem Freund anzuvertrauen, kann ich gut nachempfinden. Ich konnte dies alles zum Glück umgehen, da mein Freund schon bevor wir zusammen gekommen sind, von meiner Essstörung wusste. Bei mir war das, mit den Anfängen der Essstörung, recht ähnlich wie bei dir. Ich hatte auch seit meiner Kindheit, Jugend... Probleme mit meinem Körper und damit mich selbst so anzunehmen, wie ich bin (ständige Vergleiche mit anderen etc.)

Die Essstörung begann bei mir ebenso während des Studiums, ich glaub 2006, damals war der Auslöser, bzw. das I-Tüpfelchen eine unglückliche Beziehung zu meinem Kommilitonen. Es schlich sich zu Beginn eine Magersucht ein, die sich dann zu einer Bulimie entwickelte. Zudem habe ich exzessiv Sport betrieben. Ich hatte zu der Zeit meine Studienarbeit unter starken Depressionen geschrieben und hatte Suizidgedanken...ich habe mein Studium nach 8 Semestern freiwillig abgebrochen!

Zu meinem schlimmsten Zeiten wog ich 47 kg, bei 1,67 m, also einen BMI von 16,9
Ich war nur noch ein Schatten meiner Selbst. Seit 2012 bin ich nun "symptomfrei". Inzwischen bin ich in der Mitte des NG angelangt

Ja, wie hab ich es geschafft? Durch die bedingungslose Liebe meines Freundes. Er hat mir eines Tages gesagt, dass unter meiner Situation auch unsere Beziehung leiden kann. Seine direkten Worte haben in mir stark gearbeitet, denn meine Angst ihn zu verlieren war immens groß und das, was ich aus den Worten herausgehört habe-der will sich von mir trennen!
Zudem habe ich gesehen, wie sehr er, besonders unter meinen Depressionen, die in der Zeit sehr stark ausgeprägt waren, gelitten hat...ich lag tagelang nur noch im Bett, habe Spiele gezockt und so gut wie nicht mehr das Haus verlassen.

Jedenfalls war das mein Schlüsselerlebnis. Ich wusste, dass ich aufstehen und wieder am Leben teilhaben muss. Ich wusste, dass die Depression nur verschwindet, wenn ich wieder ein gesundes Körpergewicht habe, ohne Mangelerscheinungen, meine Tage wieder bekomme...
Mein Freund und ich haben dann eine Art mündlichen Vertrag aufgesetzt, dass ich zunächst die 50 kg Grenze knacken muss.

Dann begann mein zweiter Weg durch die Hölle...das Aushalten der Zunahme, die Sportreduzierung, das Beibehalten der Nahrung, die regelmäßige Nahrungszufuhr, die enger werdenden Klamotten...
Als Nachwehe der Bulimie bekam ich eine Histaminintoleranz, die mich nach wie vor fast täglich begleitet, aber damit kann ich inzwischen gut umgehen und ich vertrage immer mehr Lebensmittel...
Ich bin froh, dass dies meine einzige Folgeerscheinung ist, obwohl ich meinen Körper über so viele Jahre gequält habe...

Irgendwann kam der Zeitpunkt an dem ich merkte, ich muss nicht mehr für meinen Freund oder unsere Beziehung zunehmen - ich kann es nun für mich selbst tun!
Das Gefühl war ein ganz neues; ich konnte mich wieder im Spiegel ohne Hass und Ekelgefühle ansehen, ich sah mir wieder in die Augen und nicht (nur) auf den Körper und das Schönste, ich wusste wieder wer ich bin
Meine Ausbildung, die ich 2013 begonnen hat, hat ebenso positiv auf mich und mein Selbstwertgefühl beigetragen.

Joa, das war so meine Geschichte im Schnelldurchlauf.
Heute scheint das Alles in weiter Ferne, dennoch ist es noch nicht allzu lang her.
Ich bin behutsamer mit mir und meinen Gefühlen geworden, achte mehr auf mich, horch in mich hinein und ich lasse schlechte Gefühle zu und gebe ihnen Raum-Depressionen hatte ich seit dem nie wieder!

Ich weiß noch, dass meine Mutter oft während meiner Zeit der Essstörung sagte:"Du hast immer so viel gelacht-jetzt bist du nur noch traurig...!"
Ich glaub inzwischen lache ich noch mehr als früher

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22. August 2015 um 10:32
In Antwort auf patchsu

Hey,
ich finde dass du dich und dein Verhalten gut reflektierst und auch gedanklich auf einem guten Weg bist.
Du siehst, dass du etwas ändern musst und bewegst dich auch in die Richtung, aktiv etwas gegen die Essstörung zu tun. Das ist schon mal sehr positiv, zeigt auch, dass du die Stärke hast gegen all das anzukämpfen. Diese Stärke haben alle hier, nur oftmals versteckt sie sich.

Die Bedenken und Ängste dich deinem Freund anzuvertrauen, kann ich gut nachempfinden. Ich konnte dies alles zum Glück umgehen, da mein Freund schon bevor wir zusammen gekommen sind, von meiner Essstörung wusste. Bei mir war das, mit den Anfängen der Essstörung, recht ähnlich wie bei dir. Ich hatte auch seit meiner Kindheit, Jugend... Probleme mit meinem Körper und damit mich selbst so anzunehmen, wie ich bin (ständige Vergleiche mit anderen etc.)

Die Essstörung begann bei mir ebenso während des Studiums, ich glaub 2006, damals war der Auslöser, bzw. das I-Tüpfelchen eine unglückliche Beziehung zu meinem Kommilitonen. Es schlich sich zu Beginn eine Magersucht ein, die sich dann zu einer Bulimie entwickelte. Zudem habe ich exzessiv Sport betrieben. Ich hatte zu der Zeit meine Studienarbeit unter starken Depressionen geschrieben und hatte Suizidgedanken...ich habe mein Studium nach 8 Semestern freiwillig abgebrochen!

Zu meinem schlimmsten Zeiten wog ich 47 kg, bei 1,67 m, also einen BMI von 16,9
Ich war nur noch ein Schatten meiner Selbst. Seit 2012 bin ich nun "symptomfrei". Inzwischen bin ich in der Mitte des NG angelangt

Ja, wie hab ich es geschafft? Durch die bedingungslose Liebe meines Freundes. Er hat mir eines Tages gesagt, dass unter meiner Situation auch unsere Beziehung leiden kann. Seine direkten Worte haben in mir stark gearbeitet, denn meine Angst ihn zu verlieren war immens groß und das, was ich aus den Worten herausgehört habe-der will sich von mir trennen!
Zudem habe ich gesehen, wie sehr er, besonders unter meinen Depressionen, die in der Zeit sehr stark ausgeprägt waren, gelitten hat...ich lag tagelang nur noch im Bett, habe Spiele gezockt und so gut wie nicht mehr das Haus verlassen.

Jedenfalls war das mein Schlüsselerlebnis. Ich wusste, dass ich aufstehen und wieder am Leben teilhaben muss. Ich wusste, dass die Depression nur verschwindet, wenn ich wieder ein gesundes Körpergewicht habe, ohne Mangelerscheinungen, meine Tage wieder bekomme...
Mein Freund und ich haben dann eine Art mündlichen Vertrag aufgesetzt, dass ich zunächst die 50 kg Grenze knacken muss.

Dann begann mein zweiter Weg durch die Hölle...das Aushalten der Zunahme, die Sportreduzierung, das Beibehalten der Nahrung, die regelmäßige Nahrungszufuhr, die enger werdenden Klamotten...
Als Nachwehe der Bulimie bekam ich eine Histaminintoleranz, die mich nach wie vor fast täglich begleitet, aber damit kann ich inzwischen gut umgehen und ich vertrage immer mehr Lebensmittel...
Ich bin froh, dass dies meine einzige Folgeerscheinung ist, obwohl ich meinen Körper über so viele Jahre gequält habe...

Irgendwann kam der Zeitpunkt an dem ich merkte, ich muss nicht mehr für meinen Freund oder unsere Beziehung zunehmen - ich kann es nun für mich selbst tun!
Das Gefühl war ein ganz neues; ich konnte mich wieder im Spiegel ohne Hass und Ekelgefühle ansehen, ich sah mir wieder in die Augen und nicht (nur) auf den Körper und das Schönste, ich wusste wieder wer ich bin
Meine Ausbildung, die ich 2013 begonnen hat, hat ebenso positiv auf mich und mein Selbstwertgefühl beigetragen.

Joa, das war so meine Geschichte im Schnelldurchlauf.
Heute scheint das Alles in weiter Ferne, dennoch ist es noch nicht allzu lang her.
Ich bin behutsamer mit mir und meinen Gefühlen geworden, achte mehr auf mich, horch in mich hinein und ich lasse schlechte Gefühle zu und gebe ihnen Raum-Depressionen hatte ich seit dem nie wieder!

Ich weiß noch, dass meine Mutter oft während meiner Zeit der Essstörung sagte:"Du hast immer so viel gelacht-jetzt bist du nur noch traurig...!"
Ich glaub inzwischen lache ich noch mehr als früher

Danke für die liebe Antwort
Hallo zusammen,

ich möchte mich zuerst einmal entschuldigen, erst so spät wieder zu antworten. Leider geht es mir im Moment sehr schlecht, sodass ich mich nicht in der Lage gefühlt habe, etwas hier zu schreiben... ich möchte ja auch niemanden triggern oder so etwas

Deine Antwort Patchsu hat mir aber sehr viel Mut gegeben, weiter zu kämpfen. Ich bin sehr gerührt von deiner Geschichte und glaube, dass du ein unheimlich starker und toller Mensch sein musst Es ist wahnsinnig schön zu lesen, dass du so viel hinter dich bringen konntest, solch enorme Fortschritte gemacht hast - und dich trotzdem noch so einfühlen kannst in andere, denen das alles noch bevorsteht. Irgendwie macht es mir Hoffnung, dass das Ganze doch irgendwann einmal aufhören kann - wenn ich daran arbeite - und gleichzeitig macht es mir solche Angst, weil ich weiß, wie schwer das alles sein wird..

Noch immer konnte ich mich im Privaten noch nicht öffnen und schaffe es nicht, meinem Freund oder meiner besten Freundin davon zu erzählen.
Aber ich habe jetzt in der kommenden Woche am Mittwoch einen Termin bei einer Therapeutin zum Erstgespräch ausgemacht (bin aber nicht über meinen Hausarzt gegangen, sondern mache das jetzt erstmal privat... bevor ist diese Hürde niemals überwinde).
Schon jetzt bin ich sehr aufgeregt und ziemlich unsicher, weil ich garnicht so recht weiß, was ich ihr erzählen soll und kann... es ist komisch, denn noch niemals habe ich darüber gesprochen. Ich weiß auch garnicht, was genau ich mir da jetzt erhoffe - oder ob sie überhaupt die richtige Therapeutin wäre - aber vielleicht ist es ein ganz kleiner Anfang?

Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass diese ganzen Gedanken rund ums Gewicht, ums Essen/Nicht-Essen und um die furchtbare Angst zuzunehmen aufhören... ich will endlich leben

Ganz liebe Grüße...

Eure VerirrteSeele

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