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Vater Alzheimer - Mutter neuen Partner...

11. Mai 2007 um 13:20

Hallo,

ich weiß zur Zeit nicht was ich denken soll, wie ich mich verhalten soll und und und...

Mein Vater (58)hat seit mehr als 15 Jahren Alzheimer und in den letzten beiden Jahren ist es im vergleich zu den vorherigen Jahren um einiges schlechter geworden. Die ersten Jahre ging es noch einigermaßen aber jetzt kann man sich nicht mehr normal mit ihm unterhalten. Er ist total Emotionslos, Charakterlich hat er sich total verändert (ruhig, wie ein ängstliches Kind) ist am Leben meiner Mutter (52) und mir (31) gänzlich unbeteiligt. Er weiß zwar dass meine Mutter sein Frau ist, aber was das genau bedeutet weiß er nicht. Meine Mutter ist seit dem Anfang der Krankheit unglücklich und oft am weinen. Sie bekommt keine LIebe oder Zuneigung von meinem Vater, weil der nicht mehr weiß was das ist. Er ist auch recht nervig, weil er ein Dickkopf ist und einfach Sachen macht, die nicht angebracht sind und meine Mutter aufregen. Alles natürlich unabsichtlich weil er es eben nicht besser weiß und es auch nicht versteht wenn man es ihm erklären will. Er ist eben wie ein kleines Kind, das es nicht schafft dazuzulernen. WEnn sie weint, dann fragt er sie nur warum WAsser aus ihrem Auge kommt und selbst bei der Erklärung kann er es einfach nicht verstehen.

Gestern hat meine Mutter mir dann nach langem hin und her und natürlich auch schweren Herzens erzählt, dass sie einen Mann gefunden hat, der sie liebt und den sie auch liebt. Sie sagt, dass sie meinen Vater auch liebt und ich keine Angst haben bräuchte, dass sie ihn verlässt oder so. Der neue weiß von der Situation mit meinem Vater und akzeptiert dies. Er war wohl auch schon öfters bei meinen Eltern zu Hause und hat sich mit meinem Vater unterhalten oder Karten mit ihm gespielt. Sie würden auch nie Zärtlichkeiten vor meinem Vater austauschen. DEr neue Mann ist Witwer und hat seine Frau vor 8 Jahren schon verloren. Er ist nur 2-3 mal die Woche bei meiner Mum, aber sie telefonieren jeden Tag und ich weiß wie wichtig es für meine Mutter ist zu reden, da sie sonst alles nur in sich hineinfrißt.

Ich bin total hin und her gerissen in dieser SItuation. Auf der einen SEite weiß ich, dass meine Mutter die letzten JAhre total unglücklich war und ich kann verstehen, dass sie sich auch ein bißchen Liebe und Zuneigung wünscht und ich freue mich auch, dass sie jemanden gefungen hat. Aber auf der anderen SEite sehe ich meinen Vater, der von nichts ne Ahnung hat, nichts von der ganzen Sache verstehen kann oder je verstehen wird und es tut mir im Herzen weh das zu sehen.

Ich verurteile meine Mutter nicht, ich weiß, dass sie das im Normalfall ohne die Krankheit meines Vaters nie gemacht hätte und ich sehe es auch ehrlich gesagt nicht wirklich als Ehebruch oder so an, weil mit meinem Vater seit 15 Jahren kein Eheleben mehr stattfindet.
Aber ich könnte heulen wenn ich in der ganzen Situation an meinen Vater denke und dass er dabeisteht und nichts mitkriegt. Es ist als ob er im Wachkoma sein würde und meine Mutter sich einen Mann gesucht hat, weil sie glaubt dass er nicht mehr aufwacht. Das schlimme an der SAche ist, dass er ja wirklich wach ist und nur sein Geist nicht mitspielt, er aber Augen und OHren offen hat. Ich denke die ganze Zeit darüber nach, ob er nicht doch irgendwo in seinen Gehirnwindungen was von der Sache mitbekommt und sich innerlich grämt es aber nicht rauslassen kann.

Ohje, ich glaube ich bin verrückt, ich hab meinen Vater lieb und natürlich hab ich auch meine Mutter lieb.
Keiner will in der Haut von meinen Eltern stecken, aber wie soll ich mich jetzt verhalten.

Meine Mutter will mir ihren neuen Freund am Sonntag vorstellen und ich weiß nicht wie ich mich verhalten soll. Auf der einen SEite freue ich mcih für meine Mutter und auf der anderen Seite könnte ich heulen.

Wie würdet ihr euch verhalten?

Helft mir bitte, wenn ihr könnt. Wie schaffe ich es mit der Situation zurecht zu kommen. Was ist richtig und was falsch?
Kann es sein, dass ich gar kein PRoblem mit dem neuen Mann meiner Mum habe sondern einfach nur mit der Krankheit meines Vaters nicht zurecht komme?

PS: Entschuldigt bitte wenn ich vielleicht alles verwirrend beschrieben habe, aber ich bin total durch den Wind.

LG
Sensibelchen75

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11. Mai 2007 um 15:22

Tut mir echt Leid
und finde es traurig, denn diese Krankheit ist so zerstörend. Kenn es auch nur aus meinem Bekanntenkreis wo die Oma einer Freundin es hatte.
Ich möchte Dir nur sagen, dass Deine Einstellung völlig okay ist. Und auch wenn es schwer für Dich ist, dass Deine Mam einen Anderen hat, sozusagen, aber sehe es doch ganz optimistisch - sie hat einen Freund der sich um sie und auch Deinen Vater kümmert (finde es super wenn er mit ihm Karten spielt) und zeigt das der "Andere" wirklich ein netter Mensch ist und das ist wahrscheinlich genau das was Deine Mam braucht. Klar ist es traurig wenn Dein Vater "dabei" ist aber leider oder zum Glück merkt es ja nicht was für eine Beziehung der Mann zu Deiner Mam hat.
Freu Dich einfach für Deine Mutter und geh locker an den Anderen ran - vielleicht magst Du ihn ja genauso.Und schaden tut es bestimmt nicht - eher dass es Deiner Mam gut geht, denn denke dass die 15 Jahre schwer genug waren.
Hoffe es hilft Dir ein bißchen!

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11. Mai 2007 um 15:42

Hallo
es ist sicher sehr schwer für dich einen neuen Partner an der Seite deiner Mutter zu sehen, und dein Vater steht daneben. Aber du mußt bedenken, daß dein Vater in seiner eigenen Welt lebt. Du weißt nicht wie lange dein Vater noch mit dieser Krankheit lebt. Unter diesem Gesichtspunkt ist es auch für deinen Vater besser, wenn er eine glückliche Frau bei sich hat. Deine Mutter kann mit der Situation dann sicher auch besser klar kommen.
Wenn dieser andere Mann mit dieser Lage zurechtkommt, dann find ich das super und vielleicht will deine Mutter dich auch nicht zu sehr belasten.
Deine Mutter ist noch jung und ich glaube nach so vielen Jahren hat sie sicher auch etwas Glück verdient, zumal sie deinen Vater ja nicht alleine läßt.
Lg trauser

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7. Juli 2007 um 22:38

Kopf hoch!!!
Es ist für Dich eine sehr schwere Situation. Da gibt es keine zwei Meinungen. Es ist bewundernswert, dass Deine Mum sich seit so vielen Jahren um Deinen Vater kümmert. Ich glaube Ihr, dass Sie Ihn liebt. Nur leider kann Dein Vater es Ihr nicht zurück geben. Ich denke das tut sehr weh. Vieles im Leben Deiner Mum wird durch die Pflege auf der Strecke geblieben sein. Freu Dich für Sie. Nach langer Zeit, hat Sie das Gefühl geliebt zu werden. Und wie Du selbst sagst:"Sie hat jemanden zum Reden." Das ist sehr wichtig. Sie kann mal wieder das ein oder andere unternehmen und etwas Spass haben. Sie hat die Chance, mal wieder auf andere Gedanken zu kommen. Das wird Sie etwas ablenken. Ich denke, Deine Mutter hat sich "Das neue Glück" mehr als verdient. Und Sie wird trotzdem weiter für Deinen Vater da sein.
Es klingt wahrscheinlich alles seeehr hart für Dich.
Die Situation ist auch sehr hart für Euch beide.

Kopf hoch, es gibt IMMER einen Weg!!!

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26. Dezember 2007 um 14:48

Weihnachten
Hallo,

ich bin zwar nicht in der gleichen Situation, aber ich denke, es verbinden einem schon viele Gemeinsamkeiten, wenn ein Elternteil an Alzheimer erkrankt ist. Meine Mutter (71 Jahre) hat seit circa sechs Jahren Alzheimer und ist nach 6-wöchigem Aufenthalt in der geschlossenen Nervenheilanstalt nach Hause zurück gekehrt. Es war 2007 das erste Weihnachten mit einer Frau, die einerseits durch Tabletten vollkommen benommen ist, andererseits aber einen Hass in sich trägt, der es mir und meinem Papa schwer macht, für sie da zu sein.

Ich wünschte, er hätte jemandem, der einem Kraft geben kann. Natürlich wäre es auch für mich nicht einfach, das alles zu akzeptieren, aber ehrlich gesagt wünsche ich mir nichts mehr als einen Menschen, der meinem Papa all die Kraft zurückgibt, die er in eine Frau investiert, die bereits in einer anderen Welt ist. Eine Kraft, die ans Eingemachte geht, wenn du verstehst, was ich meine...

Der neue Partner deiner Mama hätte sich bestimmt nicht darauf eingelassen, wenn er keine ehrlichen Gefühle hätte. Wenn deine Mama einen anderen Partner hat, sei froh! Es ist deine Chance, dein eigenes Leben zu leben ohne die ständigen Zweifel jemanden allein zu lassen. Und ihre Chance, dass der Schmerz um ihren lieben Menschen sie nicht ganz auffrisst.

Glaub jetzt nicht, dass eine alte Trulla dir mailt, ich bin auch erst 32, aber mit Alzheimer wird man schneller erwachsener, als man denkt.

Wünsche dir schöne Weihnachten, Liebe Grüße
Sunnyday75

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