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"unwissenheit" wie verhalten, vater schizophren

5. November 2013 um 1:13

Hallo Leute,

Das ist mein aller erster beitrag. Ich habe eine frage und zwar geht es um meinen vater. Kurz die geschichte:
Ich bin 24 jahre alt und habe vor ein paar jahren erfahren das mein vater schizophren ist. Es muss alles vor meiner geburt angefangen haben, jedenfalls hat mein vater vor ein paar jahren einen schweren arbeitsunfall gehabt und dadurch hat er eine zeit lang auf seine medikamente verzichtet. Ich war ungefähr 15 jahre alt als ich die veränderungen bemerkte. Auf einmal fing er an von gott zu erzählen und wie er ständig mit den "engeln" komuniziert. Er hat mir gezeigt wie er "betet" das er als ich klein war mir das auch beigebracht hat auf diese art und weise zu "beten" . Dazu muss ich sagen das wir moslem sind. Für mich ist die welt zusammengebrochen. Mein vater, mein beschützer ist nicht der mann für den ich ihn gehalten habe.
Mittlerweile bin ich erwachsen und kann ganz gut mit dem umgehen. Ich habe aber trotzdem noch ein paar fragen und hoffe das mir hier evt jemand weiterhelfen könnte
Mein vater ist ein sehr stolzer und auch traditoneller mann, er kann (will) mit mir nicht über seine krankheit sprechen.
Nun beschäftigt mich:
Könnte er jemals seine medis absetzen? (es belastet ihn sehr, zittern hände und beine, übergewicht, schlafstörungen und orientierungslosigkeit in der nacht etc)
Wenn er sie absetzen würde, würde die krankheit schlagartig wieder eintreten?

Ich frage mich ob das für immer sein wird, oder ob das auch "weggehen" kann (ich weiss es hört sich sehr naiv an) aber ich liebe meinen vater abgöttisch und es schmerz mich jedesmal wenn ich es sehe wie beschissen es ihm geht dadurch.

Wie fühlt sich mein vater mit dieser krankheit, und kann ich irgentwas tun zum unterstützen?

Leute es hört sich verrückt an aber das ist das erste mal das ich darüber rede (schreibe)

Ich wäre froh um andere meinungen/erfahrungsberichte.

Danke!!!

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11. November 2013 um 10:39

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Hey,
Also dein Vater kann bzw. Sollte die Medikamente nicht absetzen. Er kann aber mit seinem Arzt sprechen, um auf andere Neuroleptika zurück zu greifen.
Normalerweise werden die Medikamente ca 4 Jahre durchgenommen, dann unter Ärztlicher aufsicht abgesetzt und geschaut was passiert.
Wenn dann symptome für eine Schizophrenie auftreten kann man sagen das man die Medikamente leider immer nehmen muss.
Zum Krankheitsbild der Schizophrenie gehört leider das die Menschen keine Krankheitseinsicht haben.

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21. November 2013 um 21:05

Angehörige und Psychose
Liebe nura,

ich finde es zunächst einmal klasse, dass du deinen Vater unterstützen möchtest und du dir darüber so viele ernsthafte Gedanken machst. Auch für dich ist die Lage sicherlich nicht einfach. Damals haben sich die Rollen vertauscht und dann lag es plötzlich an dir, "stark" und deinem Vater eine Stütze zu sein.

Antipsychotika sind auf eine langfristige, wenn nicht lebenslange Behandlung ausgerichtet, da tatsächlich sich bei einer Absetzung das Risiko für einen Rückfall drastisch erhöht. In der Tat ist das eine Wahl zwischen Pest und Cholera: gedämpfte Gefühle, Übergewicht etc. gegen den Kontrollverlust bei einem psychotischen Schub mit Plussymptomatik und allem drum und dran. Neuroleptika wirken auch immer präventiv, da ein Rückfall auf jeden Fall vermieden werden sollte.

Vielleicht würde es helfen, könnte er sich mit anderen mit derselben Erkrankung austauschen - andere Männer, Familienväter, die dasselbe durchmachen und nicht länger Scham für ihre "Schwäche" empfinden. Es gibt Gruppen für einen solchen Austausch, und mitunter können Angehörige mit- und zu Wort kommen. Ich denke da an Projekte wie:

http://www.psychose-forum-duesseldorf.de/
http://www.kompetenznetz-schizophrenie.info/forum/
http://www.heim.sozialpsychiatrie.de/?q=node/7

Wer weiß, vielleicht wird es dann einfacher für ihn, sich dir mitzuteilen. Ich weiß nur, dass ab einem gewissen Punkt niemand mehr den Kranken erreichen kann und die Angehörigen sich dies nicht zum Vorwurf machen sollten. Zu akzeptieren, dass man Psychose nie ganz bezähmen oder kapieren kann, ist nicht einfach, aber man kann ihr durch Austausch ein ganzes Stück Schrecken nehmen.
Wünsche dir und deinem Vater alles Gute.

zhengyisao

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21. November 2013 um 22:20

Dankeschön
Vielen herzlichen dank für eure unterstützenden und hilfreichen antworten!! Ich fühl mich wirklich verstanden!! danke danke danke!!
Da wir aus der schweiz kommen und mein vater zusätzlich verständigungsprobleme hat im deutschen (migranten) werden solche sitzungen problematisch.
Mein grösstes problem ist es das ich mir ständig und immer sorgen mache. Da ich einzelkind bin fühle ich mich irgendwie noch verantwortlicher für meine eltern als andere altersgenossen.
Das macht mich fertig, aber ich denke ich muss lernen loszulassen.. Es bringt schliesslich niemandem etwas und durch mein ständiges nachdenken schade ich mir mehr als das ich jemandem helfe.
Ich wünsche euch einen schönen abend und liebe grüsse aus der schweiz

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