Home / Forum / Fit & Gesund / Umgang mit Auszubildender

Umgang mit Auszubildender

7. Januar 2014 um 1:02 Letzte Antwort: 8. Januar 2014 um 1:30

Hallo zusammen,

ich habe vor kurzem eine neue Azubine bekommen und schon nach einiger Zeit ist mir aufgefallen, dass mit ihr irgendetwas nicht stimmt. Von meiner obersten Chefin und anhand der Bewerbungsunterlagen wusste ich nur, dass sie längere Zeit krank war, trotz Spitzen-Abi verschiedene Sachen studiert, aber nichts abgeschlossen hatte und den Unterlagen lag ein Schreiben eines Arztes bei, dass sie nun wieder arbeitsfähig sei.
Zu Beginn der Ausbildung war sie oft unkonzentriert, fahrig, war mit Kleinigkeiten überfordert und ist einmal regelrecht ausgeflippt, als sie etwas nicht sofort konnte. Ich habe da schon sofort gemerkt, dass man sie nicht unter Druck setzen darf.
Ich habe mir dann immer mal wieder Gedanken gemacht, was mit ihr los sein könnte; ich wusste ja, dass sie wohl in der Vergangenheit länger krank gewesen ist. Ich hatte mal eine Mitschülerin, die extrem magersüchtig war und ich habe bei der Azubine immer mal wieder Parallelen zu dieser Mitschülerin gesehen. Ich habe dann angefangen, sie auf den Verdacht der Magersucht hin zu beobachten und mir sind dann einige Sachen aufgefallen, die das bestätigen könnten: Will keine ganze Stunde Mittagspause machen, ist in der Pause immer unterwegs, nie im Pausenraum, hab sie noch nie was essen sehen, ist nicht zum Weihnachtsessen mitgekommen, will nicht mit zum Azubi-Seminar (Wochenende Fr. bis So.) mitfahren, trinkt nur Cola Light, hat ständig Kaugummi drin, raucht (Appetitminderung?), ihr ist ständig kalt (immer dick angezogen), ... Zur Figur: Sie ist schon recht schlank, aber nicht so wie die Mitschülerin von damals (bei der war es aber auch echt extrem!).
Ich habe dann mit meiner Chefin über meinen Verdacht gesprochen und sie meinte daraufhin, dass die Azubine ihr im Vorstellungsgespräch gesagt hat, dass sie jahrelang (gesamte Schulzeit) magersüchtig gewesen ist ("kurz vorm Sterben"), die Schulzeit mehr in Kliniken als in der Schule verbracht hat, trotzdem eine Klasse übersprungen hat und von der Klinik aus ein super Abi geschrieben hat. Sie hat gesagt, dass sie im Gespräch aber einen ganz aufgeräumten Eindruck gemacht hat und sie zuvor auch ein FSJ im Krankenhaus gemacht hat, das anscheinend gut geklappt hat und sie eben auch die Bestätigung vom Arzt hat, dass sie physisch und psychisch in der Lage ist zu arbeiten.
Sie arbeitet jetzt seit einem Monat bei uns und war in der Zeit auch schon 2x krank. Ich mache mir echt Sorgen, dass sie die Krankheit nicht im Griff hat und bin grad ein bisschen überfordert mit der Situation.
Ich weiß nicht, ob ich mit ihr reden soll oder ob es ihr lieber ist, wenn ich sie nicht drauf anspreche. Ich will halt z.B. nicht, dass sie sich kontrolliert/beobachtet vorkommt oder so... Gleichzeitig schließt sie sich mit ihrem Verhalten wirklich auch aus, wir gehen im Team öfter zusammen zum Essen; wenn sie da nie mitkommt, ist das auch nicht gut fürs Betriebsklima. Auch, dass sie zu dem Fortbildungs-Wochenende nicht mitkommen will macht auf unsere Chefs natürlich grundsätzlich keinen guten Eindruck.
Bei einem "normalen" Azubi wäre die Tatsache, dass er innerhalb eines Monates schon 2x krank war und auf die Fortbildung und das Weihnachtsessen verzichtet, unkonzentriert und überfordert wirkt, für mich schon ein Grund, die Ausbildung zu überdenken und sich zu überlegen, ob man ihn nach der Probezeit behalten will. Wenn ich das allerdings vor dem Hintergrund sehe, bin ich natürlich anderer Meinung. Man muss aber halt auch aufpassen, dass man alle Mitarbeiter gleich behandelt und ich will ihr unter den Azubis keine "Sonderstellung" geben. Ich bin so hin- und her gerissen, wie ich mit ihr umgehen soll... Eine andere Azubine hat mir z.B. erzählt, dass sie ihr von ihrer Magersucht erzählt hat, sie geht also recht offen mit dem Thema um, ich bin mir halt bloß nicht sicher, ob sie es wirklich im Griff hat...

Hat irgendjemand, ob Betroffener oder Angehöriger/Kollege/Arbeitgeber, etc. Erfahrungen oder Tipps, wie ich mich verhalten könnte?

Grüße,
Lotta

Mehr lesen

7. Januar 2014 um 11:22

Mir...
...hat es den entscheidenen tritt in den hintern verpasst, dass meine chefin mir ein paar mal lieb und einmt energisch klar gemacht hat dass wenn ich so bleibe bei dem essverhalten und dem gewicht, für die Aufgabe dort nicht mehr tragbar sei weil ich eine hohe Verantwortung habe und es geht nicht dass man sich jederzeit sorgen machen muss, dass ich gleich umkippe... vlt solltest auch du ihr klarmachen, dass sie MAL WIEDER! kurz davor steht alles zu verlieren. .wie gesagt bei mir wars der entscheidende faktor der es nach über sechs jahren es dazu geführt hat dass ich endlich umdenken konnte...

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !
7. Januar 2014 um 13:07

Eigentlich noch heftig,
dass dich die chefin über die krankheit deiner auszubildenden informiert hat.mir wäre das ziemlich unangenehm und wäre vom chef enttäuscht.eigentlich geht das ja niemanden an.man weiss ja nicht,vielleicht geht es ihr ja schon besser.und man hat ewigs denn stempel einer magersüchtigen.auch wenns besser geht.das setzt dann ziemlich unter druck.macht sie denn ihre arbeit?und stellt keine gefahr für sich selbst oder andere während der arbeit dar?klar ist 2x im monat krank sein und das nicht mitkommen an essen und so für die anderen mitglieder vielleicht komisch und wirft fragen auf.aber solange ein arbeitsessen nicht als weisung gilt,muss sie sich weder rechtfertigen noch gross entschuldigen.und wie bereits unten geschrieben,sie ist sich ja bewusst,dass sie anorexie hatte oder hat.und ist vielleicht auch ein grosses stück weiter gekommen.ich als mitarbeiterin würde bei deinem wissen mal abwarten und ihr einfach als kollegin entgegentreten.wenn sie deprimiert ist,kannst sie ja ansprechen.vielleicht ist sie ja auch froh um einen gesprächspartner(wobei ich das in einem arbeitsverhältnis recht schwierig finde,da ihr euch nur über die arbeit kennt) aber sie jetzt darauf ansprechen nur weil sie 2x krank war,nicht in den pausenraum kommt,nicht zum essen...würde ich glaub nicht machen.ausser das arbeitsleben leidet wirklich darunter.lg

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !
7. Januar 2014 um 21:55

Hallo Lotta,
Erst einmal ein ganz großes Kompliment an dich.Soetwas,wie du hier machst,würden wahrscheinlich nicht viele tun.
Ich finde es klasse,dass es noch Menschen gibt,die sich um andere "kümmern" oder zumindest daran Anteil nehmen und überhaupt erst einmal die Beobachtungsgabe dafür haben,zu merken,dass etwas nicht stimmt.
Außerdem denke ich,dass alles,was du in deinem Bericht erwähnt hast stimmt.

Ich finde Magersucht/Essstörungen im Arbeitsleben sind immer ein schwieriges Thema.
Ich persönlich habe meinen Chefs nie von der Magersucht erzählt,nur gesagt,dass ich längere Zeit krank war,wenn danach gefragt wurde,weil ich die Krankheit eben nicht mit in mein Berufsleben schleppen wollte.

Ich denke nämlich,dass es nicht nur Vorteile hat,die Magersucht an der Arbeitsstelle zu thematisieren,da dadurch schnell Ablehnungen,Vorurteile,aber auch Bevorzugungen und übertriebene Rücksichtnahme stattfindet,die weder den Arbeitskollgen noch der Betroffenen selber wirklich gut tun würden.

Deswegen würde ich wahrscheinlich noch etwas warten,ehe ich das Thema Magersucht ansprechen würde,da sie sich nicht in eine Rolle gedrängt fühlen soll,aus der sie nicht mehr herauskommt.

Ich weiß jetzt nicht,um welche Ausbildung es geht.Aber es wäre vielleicht günstig,wenn man die Aufgabenaufteilung so gestaltet,dass sie mit ihrer Aufgabe zufrieden und erfolgreich ist.
Allerdings nur,wenn sich das machen lässt.

Denn ich finde auf der anderen Seite auch,dass jeder gleich behandelt werden sollte.Es hilft nichts,Magersüchtige immer in Samtfolie einzuwickeln.Erstens ist das Leben nun einmal nicht so und zweitens könnte sie das sogar nur noch stärker in die Essstörung zurücktreiben.

Ich finde es am besten,wenn zwischen euch ein vertrauensvoller,respektvoller Umgang herrschen würde,bei dem sie angemessene Aufgaben bekommt,bei denen sie weder über-noch-unterfordert ist.
Ich denke nicht,dass du mehr für sie tun kannst.

Falls sich die Situation natürlich nicht bessert und du mit ihr ins Gespräch kommen solltest,würde ich ihr freundlich und verständnisvoll aber auch energisch,wie oben schon erwähnt,sagen,dass es so auf Dauer zu Schwierigkeiten kommen könnte,da es für keinen der Beteiligten so mehr zu stemmen wäre.
Das klingt vielleicht hart.Aber manchmal müssen Magersüchtige einfach aufwachen.

Als ich in mein Praktikum gegangen bin hat sich keiner um mein Wohlbefinden gekümmert und auch ich war Monate zuvor noch schwer essgestört.In diese Phase war ich noch sehr labil,aber sie hat mich im Endeffekt stärker gemacht,weil ich gemerkt habe,ich kann etwas,wofür ich die Nahrung brauche,außer das Hungern.
Ich denke jeder sollte so weit sein,um in das Berufsleben eingegliedert werden zu können.Das ist eine wichtige Vorraussetzung.Ansonsten hat alles keinen Sinn.
Jemand der nur halb gesund ist kann schon schlecht arbeiten,aber jemand der seiner Krankheit verfallen ist,sollte nicht arbeiten.
Ich habe begriffen,dass die Arbeit wichtig ist und dafür einen Teil der Essstörung losgelassen.Wenn sie noch nicht so weit ist,dann ist es natürlich ziemlich schwierig,sie zu erreichen.

Das ist das,was ich aus meinen Erfahrungen gezogen habe.

Gib ihr also mehrere Chancen,aber nicht zu viele.Denn die Einzige,die sich hier eine Chance geben muss,ist eigentlich sie selber.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !
7. Januar 2014 um 22:07

Vielen Dank...
...für eure bisherigen Antworten.

Es ist halt so, dass ich ihre direkte Vorgesetzte bin. Ich habe ihr gegenüber laut Gesetz eine Fürsorgepflicht; MUSS mir also Sorgen/Gedanken machen. Wir haben im Unternehmen alle ein recht gutes Verhältnis und meine oberste Chefin hat mir das erzählt, nachdem ich sie darauf angesprochen habe, ob sie weiß, was mit ihr los ist. Und wenn sie es beim Bewerbungsgespräch unserer Firmenchefin erzählt, dann muss sie damit rechnen, dass auch ich als ihre direkte Vorgesetzte das dann weiß. Ich muss sie ja schließlich ausbilden und jeden Tag mit ihr zusammenarbeiten.
Was ich mir von einem Gespräch erhoffe? Vielleicht ist es etwas utopisch, aber ich denke mir halt, wenn wir offen über das Thema reden, würde es ihr vielleicht nicht mehr so unangenehm sein. Ich kann mir vorstellen, dass, auch wenn sie die Krankheit mittlerweile ganz gut im Griff hat, es ihr einfach unangenehm ist, vor anderen zu Essen und sie deswegen zu o.g. Dingen nicht mitkommen will. Wenn wir als Team das wüssten, würden wir auch nicht komisch reagieren und keine blöden Kommentare bringen, wenn sie bei einem gemeinsamen Essen nichts essen mag. Mir wäre es halt wichtig, dass sie sich nicht selbst ausschließt. Wenn sie mir glaubwürdig versichert, dass sie es im Griff hat, würde ich sie mit dem Thema auch in Ruhe lassen, aber im Gegenzug müsste sie mir dann halt auch sagen, wenn es mal nicht mehr so sein sollte. Sie wird bei uns im Unternehmen jede Hilfe bekommen, die sie kriegen kann, nur eines wäre fatal: Wenn sie uns anlügen/verarschen würde.
Wir hatten in einer anderen Filiale schon mal einen ähnlichen Fall, nur dass diese Azubine absolut uneinsichtig war. Und letztendlich hat es dazu geführt, dass wir sie am Ende nicht übernommen haben, weil sie einfach alle Hilfen (oberster Chef persönlich hat ihr nochmal einen Klinikplatz besorgt) verweigert hat. Die Klinik sie schnellstmöglich wieder verlassen, musste dann stationäre Therapie machen, um im Unternehmen bleiben zu dürfen, hat diese dann auch abgebrochen und uns nur angelogen und verarscht und irgendwann sahen wir keine andere Möglichkeit mehr, als ihr die Arbeit, die sie so gerne gemacht hat, zu nehmen... Wir wollten sie damit aufrütteln, aber nichtmal das hat etwas gebracht...
Was ich damit sagen will: Wenn jemand Probleme hat und gesund werden will, wird man bei uns nicht alleine gelassen.

Mit der jetzigen Situation und wenn ich sie wie jeden anderen Azubi auch behandle, muss ich mir halt wirklich überlegen, ob ich sie nach der Probezeit behalten will. Bei uns wird sehr viel Wert auf ein gutes Miteinander und Interesse an Fortbildungen gelegt, viele Kollegen sind befreundet und machen auch ab und zu privat etwas miteinander und mit unseren obersten Chefs sind wir auch alle per Du. (Wenn unser Firmenchef kommt, geht man IMMER erstmal mit ihm zum Essen. ) Wenn ich ihre Krankheit ausblende, muss ich das Ganze als Desinteresse werten und ihre Arbeit macht sie auch nicht sooo toll...

So. Genug der zusätzlichen Infos erstmal. Any more comments?
Danke!

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !
7. Januar 2014 um 22:19

@eisblumexxx
Ich habe deinen Beitrag erst gelesen, als ich meine Antwort scho gepostet hatte. Was du schreibst (dass du es toll findest, dass ich mich so kümmere und dass ich mit dem, was ich geschrieben habe, recht habe) freut mich sehr. Besonders freut es mich, dass es von jemandem kommt, der selbst die Krankheit hatte. Was meinst du zu meinen Zusatzinfos, die ich unten gepostet habe?
Danke!

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !
8. Januar 2014 um 1:05

...
Ich habe jetzt erstmal 2 Wochen Urlaub, aber für danach habe ich mir schon vorgenommen, dass ich irgendwann mit ihr reden will. Ich werde gerne hier berichten, wie das Gespräch gelaufen ist.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !
8. Januar 2014 um 1:11

Eine Frage noch...
Meint ihr, dass ich zu ihr sagen darf, dass mich die Situation ein bisschen überfordert oder wäre das kontraproduktiv?
Ich bin ein absolut ehrlicher mensch und würde halt gerne so etwas sagen wie "Mir ist es schon länger aufgefallen, hab aber irgendwie nicht gewusst, ob ich etwas zu dir sagen soll oder nicht ... ich mache mir Sorgen, weiß aber nicht, wie ich dir helfen kann ..." Sowas in der Art.
Oder wäre es blöd, wenn ich selbst solche Unsicherheiten zeige?

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !
8. Januar 2014 um 1:30

...
Mit dem "Helfen" meinte ich eher, wie ich ihr hier auf der Arbeit helfen kann, dass sie sich wohl fühlt, sowas in der Art. Nicht "Helfen" im Sinne von Thearpie oder so. Da hab ich mich vll. falsch ausgedrückt bzw. zu wenig erklärt. Es muss doch irgendwas geben, womit ich oder wir ihr (unbewusst) "helfen" können (sie komplett in Ruhe lassen mit dem Thema oder nicht, etc.)

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !
Frühere Diskussionen
Wie ausgeprägt kann eine unbehandelte Menopause sein
Von: lake_12672372
neu
|
7. Januar 2014 um 20:56
Du willst nichts mehr verpassen?
facebook