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Therapiebeginn wirft mich zurück in die Krankheit

1. Dezember 2011 um 8:28 Letzte Antwort: 2. Dezember 2011 um 9:16

Moin!
Ich hatte vor einigen Tagen schonmal was verfasst (siehe Beitrag "Ich muss mich wiegen und hab solche Angst" - dann muss ich nicht alles nochmal schreiben ) und hab mich heute morgen auf die Waage gestellt - 66kg.
Ich muss sagen... Mir geht es SCHLECHT!!! Schlechter, als es die ganzen letzten Wochen zusammengerechnet war. Ich hab den ganzen Morgen geheult.

Mir ist klar, dass 66kg auf 1,80m medizinisch gesehen nicht zuviel sind. Aber ich habe somit innerhalb eines Jahres sage und schreibe 10kg zugenommen. 8 davon allein innerhalb der letzten 6 Monate. Ich habe seit über 7 Jahren nicht mehr so viel gewogen. Ich verstehe nicht, wie ich das überhaupt zulassen konnte, dass es soweit kommt....

Und nun ist das eingetreten, was ich wahrscheinlich unbewusst durch das monatelange Nicht-Wiegen umgehen wollte: ich mache Diät. 5kg runter bis Silvester. Ich kann so nicht weiterleben.

Ist das denn überhaupt der richtige Weg von meiner Therapeutin? Dass sie mich quasi auf die Waage zwingt? Denn nun ist ja meine Panik wieder da. Es ist nicht nur das Gewicht - ich fühle mich ja sowieso schon seit Wochen total unwohl - ziehe nur noch weite Kleider und Leggings an. Aber die Zahl definitiv auf der Waage zu sehen, hat mir nochmal nen Kinnhaken verpasst.

Und meine nächste Frage: denkt Ihr, dass 61kg als annehmbares Tiefstgewicht okay ist? Ich muss ja mit meiner Therapeutin ein Gewicht vereinbaren. Ursprünglich wollte ich ihr 59kg nennen, aber damit wäre ich wieder bei BMI 18 und sie meinte, das wäre zu wenig.

Ich würde mich sehr freuen, wenn mir jemand von Euch ein bissl Mut zusprechen würde - in welche Richtung auch immer.

Habt einen schönen Tag alle und passt auf Euch auf!

Eure Prinzessin

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1. Dezember 2011 um 10:19

Hallo Prinzessin,
du hast ein wunderbares Gewicht. Der Kampf gegen deine ES bedeutet, zu lernen, sich mit diesem Gewicht zu akzeptieren. Du darfst auf keinen Fall innerhalb eines Monats 5 KG abnehmen. Damit würdest du dein Krankheitsbild nur verschlechtern. Ich befürchte aber, dass es dir nicht gelingen wird, dein gegenwärtiges Gewicht zu halten, was richtig wäre. Trotzdem solltest du weiterhin regelmäßig essen, jetzt nicht die Nerven verlieren und panikartig abnehmen, sondern wenigstens täglich 1800 Kcal essen. Diese Kalorienmenge zu essen, wird dir viel Kraft abverlangen, aber es ist eine Kraft, die du gegen deine ES einsetzt und die dir bei der Heilung hilft. Jetzt seiner Gewichtsphobie nachzugeben und zu hungern, macht sie nur stärker und bringt dich nicht weiter.

LG Nus

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1. Dezember 2011 um 11:07
In Antwort auf selver_11957295

Hallo Prinzessin,
du hast ein wunderbares Gewicht. Der Kampf gegen deine ES bedeutet, zu lernen, sich mit diesem Gewicht zu akzeptieren. Du darfst auf keinen Fall innerhalb eines Monats 5 KG abnehmen. Damit würdest du dein Krankheitsbild nur verschlechtern. Ich befürchte aber, dass es dir nicht gelingen wird, dein gegenwärtiges Gewicht zu halten, was richtig wäre. Trotzdem solltest du weiterhin regelmäßig essen, jetzt nicht die Nerven verlieren und panikartig abnehmen, sondern wenigstens täglich 1800 Kcal essen. Diese Kalorienmenge zu essen, wird dir viel Kraft abverlangen, aber es ist eine Kraft, die du gegen deine ES einsetzt und die dir bei der Heilung hilft. Jetzt seiner Gewichtsphobie nachzugeben und zu hungern, macht sie nur stärker und bringt dich nicht weiter.

LG Nus

Hallo Nus,
vielen Dank für deine lieben Worte... Die Kalorienmenge an sich ist kein Problem für mich - ich zähle schon seit Jahren nicht mehr. Vielmehr ist mein Problem, dass ich bestimmte Lebensmittel meide: Süßigkeiten, alles zuckerhaltige und Obst (weil ich mit Hefepilzen im Körper kämpfe und jeder Versuch, wieder zuckerhaltig zu essen damit endet, dass mein Darmpilz wiederkommt), Weißmehl, Weizen- und Roggenprodukte, fetten Käse usw. Vegetarierin bin ich auch, das allerdings schon seit fast 18 Jahren und das wird sich nicht mehr ändern. Ich esse recht viel (bestimmt so um die 2000 bis 2500 Kalorien täglich) - interessant ist nur, dass ich mit 10kg weniger auf den Rippen GENAUSO VIEL gegessen habe. Die Gewichtszunahme kam einfach so..

Ich weiß, dass die Heilung darin besteht, mein Gewicht zu akzeptieren. Nur finde ich 66 wirklich recht viel für mich. Das bin nicht ich irgendwie... Ich bin auch eher skeptisch, ob sich dieses Denken bei mir überhaupt noch normalisieren lässt, denn ich habe ja Probleme mit meinem Körper seit ich in der Grundschule bin und werde nun im Dezember stattliche 28 Jahre alt. Der Hass auf den Körper und der Wunsch schlank zu sein, sind also quasi schon immer da.

Des Weiteren bin ich ein wenig überrascht, dass die Therapie nun doch so auf die ES fokussiert, denn dort angemeldet habe ich mich eigentlich wegen meinen Panikattacken und Ängsten (kann kein Zugfahren, nicht über offene Plätze gehen und Flugzeugfliegen schon gar nicht).

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1. Dezember 2011 um 12:05
In Antwort auf friede_12375283

Hallo Nus,
vielen Dank für deine lieben Worte... Die Kalorienmenge an sich ist kein Problem für mich - ich zähle schon seit Jahren nicht mehr. Vielmehr ist mein Problem, dass ich bestimmte Lebensmittel meide: Süßigkeiten, alles zuckerhaltige und Obst (weil ich mit Hefepilzen im Körper kämpfe und jeder Versuch, wieder zuckerhaltig zu essen damit endet, dass mein Darmpilz wiederkommt), Weißmehl, Weizen- und Roggenprodukte, fetten Käse usw. Vegetarierin bin ich auch, das allerdings schon seit fast 18 Jahren und das wird sich nicht mehr ändern. Ich esse recht viel (bestimmt so um die 2000 bis 2500 Kalorien täglich) - interessant ist nur, dass ich mit 10kg weniger auf den Rippen GENAUSO VIEL gegessen habe. Die Gewichtszunahme kam einfach so..

Ich weiß, dass die Heilung darin besteht, mein Gewicht zu akzeptieren. Nur finde ich 66 wirklich recht viel für mich. Das bin nicht ich irgendwie... Ich bin auch eher skeptisch, ob sich dieses Denken bei mir überhaupt noch normalisieren lässt, denn ich habe ja Probleme mit meinem Körper seit ich in der Grundschule bin und werde nun im Dezember stattliche 28 Jahre alt. Der Hass auf den Körper und der Wunsch schlank zu sein, sind also quasi schon immer da.

Des Weiteren bin ich ein wenig überrascht, dass die Therapie nun doch so auf die ES fokussiert, denn dort angemeldet habe ich mich eigentlich wegen meinen Panikattacken und Ängsten (kann kein Zugfahren, nicht über offene Plätze gehen und Flugzeugfliegen schon gar nicht).

Hallo Prinzessin,
Angststörungen, Depression, ES sind alles psychische Krankheiten, die sich gegenseitig beeinflussen. Daher ist es richtig, die gesamten Symptome zu behandeln, also auch deine ES. Auch deine ES ist mit Ängsten verbunden, was du ja aktuell mit der Angst vor dem Wiegen verspürt hast. Ziel deiner Behandlung sollte es also sein, alle deine Ängste zu überwinden, zumindest spürbar zu vermindern. Das gelingt nur durch eine Konfrontation mit der Angst. Bei der Gewichtsphobie erfolgt dies, indem man gegen seine Angst zunimmt oder sein Gewicht hält, sich gegen seine Angst wiegt oder häufiges panisches Wiegen unterlässt. Bei der Agoraphobie besteht die Konfrontation mit der Angst darin, dass man sich schrittweise den angstauslösenden Situationen und Plätzen annähert.

Bei der ES ist es nicht ganz so einfach, da es sich um ein komplexeres Krankheitsbild handelt und nicht um eine reine Angsterkrankung. Wenn du heute mit der gleichen Kalorienmenge zunimmst, mit der du früher dein Gewicht gehalten hast, liegt es daran, dass dein Grundbedarf gesunken ist. Möglich, dass er früher nach Zeiten des Hungerns zunächst überhöht war.

Alles Liebe Nus

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1. Dezember 2011 um 12:25

Es gibt überhaupt keinen sachlichen Grund,
dass Prinzessin ihre Therapeutin wechseln müsste. Nicht ihre Therapeutin verunsichert sie sondern du mit deiner kranken Empfehlung, dass sie bis auf 60 KG abnehmen soll. Genau das soll sie nicht, genau das ist Sinn der Vereinbarung eines Mindestgewichts, das im Normalgewicht liegen sollte.

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1. Dezember 2011 um 12:30
In Antwort auf selver_11957295

Hallo Prinzessin,
Angststörungen, Depression, ES sind alles psychische Krankheiten, die sich gegenseitig beeinflussen. Daher ist es richtig, die gesamten Symptome zu behandeln, also auch deine ES. Auch deine ES ist mit Ängsten verbunden, was du ja aktuell mit der Angst vor dem Wiegen verspürt hast. Ziel deiner Behandlung sollte es also sein, alle deine Ängste zu überwinden, zumindest spürbar zu vermindern. Das gelingt nur durch eine Konfrontation mit der Angst. Bei der Gewichtsphobie erfolgt dies, indem man gegen seine Angst zunimmt oder sein Gewicht hält, sich gegen seine Angst wiegt oder häufiges panisches Wiegen unterlässt. Bei der Agoraphobie besteht die Konfrontation mit der Angst darin, dass man sich schrittweise den angstauslösenden Situationen und Plätzen annähert.

Bei der ES ist es nicht ganz so einfach, da es sich um ein komplexeres Krankheitsbild handelt und nicht um eine reine Angsterkrankung. Wenn du heute mit der gleichen Kalorienmenge zunimmst, mit der du früher dein Gewicht gehalten hast, liegt es daran, dass dein Grundbedarf gesunken ist. Möglich, dass er früher nach Zeiten des Hungerns zunächst überhöht war.

Alles Liebe Nus

Danke!
Nus, ich muss dir, wie viele hier in diesem Forum, einfach mal danken! Du stehst hier immer mit Rat zur Stelle, und das auch noch mithilfe fundierten Wissens. Toll, dass es dich gibt!

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1. Dezember 2011 um 12:44
In Antwort auf friede_12375283

Danke!
Nus, ich muss dir, wie viele hier in diesem Forum, einfach mal danken! Du stehst hier immer mit Rat zur Stelle, und das auch noch mithilfe fundierten Wissens. Toll, dass es dich gibt!

Prinzessin,
das ist ganz lieb von dir und motiviert mich auch, weiterhin hier im Forum zu schreiben. Danke für deine anerkennenden Worte!

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1. Dezember 2011 um 13:33

Hallo Sophia,
danke für deinen Beitrag. Also meine Therapeutin, die übrigens noch gerad in der Lernpraxis ist (diese Institution arbeitet mit noch lernenden Therapeuten - sie hat aber schon ein "Dipl. psych." vor ihrem Namen ), arbeitet nebenher auch in einer Klinik für Essstörungen.

Ich habe bei den Erstgesprächen keinen Hehl aus meinem Problem mit meinem Körper gemacht, weil ich ja weiß, dass meine Ängste, die Schlafstörungen, meine Probleme mit Beziehungen, meine Hormonstörungen und die ES vermutlich eng miteinander zusammenhängen. Sie hat, während sie meinen Bericht geschrieben hat, wohl festgestellt, dass die ES zwar momentan optisch nicht so ersichtlich ist, dennoch aber ein ungelöstes Problem bei mir ist.

Das Gewicht muss sie wissen, um ein Mindestgewicht mit mir zu vereinbaren, welches ich nicht unterschreiten darf (ansonsten würde es Konsequenzen haben - welche, das hat sie mir nicht gesagt). Es ist schon komisch irgenwie: ich bin 28 und meine Thera ist vielleicht gerade mal zwei oder drei Jahre älter als ich. Und da wird dann mit Sanktionen gedroht... Letztlich ist mir aber natürlich klar, dass ich es für mich tue, denn ich will ja gesund werden. Nur leider befürchte ich, dass sich meine Therapiebereitschaft relativ schnell in Trotz verwandelt, wenn sie ein Mindestgewicht festlegt, welches für mich viel zu hoch ist. Deshalb meine Frage nach den 61kg ---> mir ist bewusst, dass das ein bisschen zu wenig ist. Aber mein Wohlfühlgewicht waren immer 58kg. In Anbetracht dessen empfinde ich 61kg als einen "sehr gesunden Kompromiss".

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2. Dezember 2011 um 9:16

Hallo Feder,
danke für die aufbauenden Worte... Du hast natürlich mit allem Recht, was du schreibst. Und ich weiß das auch. Ich beschäftige mich ja nun schon seit etwa fünf Jahren (wo ich endlich einsah dass ich ein Problem habe) mit dem Warum meiner ES.

Ich bin vernünftig genug, mich nicht auf Knochenmaße runterzuhungern - nur mein "Naturgewicht" (welches ich nicht kenne, weil ich von Kindsbeinen an schon Diäten halte und meinen Körper quäle) kann ich nicht akzeptieren. Meine Problemzonen sind Bauch und Hüften - mein Fett ist leider so ungleichmäßig verteilt und momentan sieht es so blöd aus, dass ich keine Jeanshosen tragen kann, weil es halt über den Bund quillt, egal welche Größe ich wähle.

Wenn ich meine Problemzonen soweit "im Griff" habe, dass ich mich damit arrangieren kann, hab ich dann schon ein Gewicht wo andere Körperteile einfach nur noch knochig sind. Ich hab selbst gesehen, dass ich mit 55kg auf die 1,80m nicht schön aussah. Dazu sei aber gesagt, dass ich zu dieser Zeit nicht gehungert habe.. die Kilos schwanden von alleine nur so dahin - vermutlich stressbedingt.

Dieses Drama begleitet mich nun schon seit Jahren. Und ich komme einfach nicht davon los. Hoffentlich bringt die Therapie was. Ich hab die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben. Außerdem hab ich seit kurzem einen sehr lieben Freund (ein vormals guter Kumpel von mir), sehr mich sehr liebt, egal wie ich aussehe. Es hilft mir momentan, dass er mich so nimmt wie ich bin. Problematisch finde ich bloß seine Aussage, dass er mich auch lieben würde wenn ich 10kg abnehme (sowas darf man essgestörten Personen nicht sagen - das weiß er vermutlich nur einfach nicht). Ich ziehe in Erwägung, im meine Anamnesebögen der Therapie (hab ich mir kopiert) zu lesen zu geben. Damit er vielleicht ein bisschen besser im Thema ist. Weiß noch nicht so genau, ob das eine gute oder schlechte Idee ist?

Bist du denn nun gar nicht mehr in therapeutischer Behandlung?

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