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Symptomfrei nach 16 Jahren

28. September 2007 um 12:52

Tag ihr,

bis vor einiger Zeit hätte ich mir nicht vorstellen können, dass ich jemals da rauskomme.

Ich bin fast 31. Mit 13 wurde ich magersüchtig, ab meinem 17. Lebensjahr veränderte sich das Ganze in eine ausgewachsene Bulimie. Über zehn Jahre lang tägliche Fressattacken, meistens mehrmals am Tag. Es war Routine. Eigentlich habe ich nichts anderes mehr gemacht.

Von "Heilung" würde ich nicht sprechen. Die Fresserei kommt jetzt etwa 1- bis 2mal pro Monat vor.
Ich kann nicht einmal sagen, dass es so eine Art Sollbruchstelle oder Wendepunkt gab. Es war eher ein schleichendes Aufwiedersehensagen und die Erkenntnis, dass man sich mit (halbwegs, ich bin mit solchen Ausdrücken vorsichtig geworden) "normalem" Essverhalten so
unglaublich viel freier fühlen kann.

Erst jetzt - mit etwa eineinhalb Jahren Abstand - erkenne ich, wie anstrengend diese ganzen Jahre täglicher Kotzerei gewesen sein müssen - und wie viel ich verpasst habe. Das tat weh, aber ich habe aufgehört, mit mir zu hadern.

Es gibt wohl für jede/n einen eigenen Weg aus dieser Angelegenheit, und was sich finden lässt, ist bestenfalls eine Art gemeinsamer Nenner. Bei mir war es letztlich wahrscheinlich der Wunsch nach Lebensqualität und die Bereitschaft, auf das Essen als Trost in allen Lebenslagen zu verzichten.

Vielleicht klingt das abgeklärt, aber es ist ein Kampf, der jeden Tag andauert und andauern wird. Es ist nicht so einfach, wie es sich möglicherweise anliest - ich habe eine Essgestörte mal sagen hören, sie hätte sich die Bulimie "abtrainiert" und halte das für einen sehr passenden Ausdruck. Und dieses Training ist hart.

Weshalb ich das schreibe?

1. Für mich
2. Für diejenigen mit einer evtl. stark chronifizierten Essstörung, die glauben, es würde sich NIE ändern: doch. Das kann es.

Ach ja: bei einer Größe von 1,68 m wiege ich zwischen 58 und 60 Kilo und fühle mich, pardon, sauwohl.

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28. September 2007 um 14:04

Hi
deinen text find ich echt gut,und ich finds toll wie du das geschftt hast, ich bin jetzt 18 und leide seit meinem 11. Lebensjahr an Magersucht und Bulimie. Ich hab nun schon alles durch von Krankenhäusern, Kliniken und Psychologen, doch ich kann einfach nicht loslassen. obwohl ich schon denke, das ich einen starken willen habe. Was soll ich denn noch machen. Oft denkt man daran, das man einfach nicht mehr da sein will, es ist doch alles viel zu anstrengend. Steh imoment mit 1,69 bei 42 kilo. Die angst vor dem zunehemen geht einfach nicht weg. Wie hast du das denn geschafft, bist du an einem Tag einfach angefangen normal zu essen oder brauchte es seine Zeit. bitte um Antwort

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28. September 2007 um 18:37
In Antwort auf ceren_11892549

Hi
deinen text find ich echt gut,und ich finds toll wie du das geschftt hast, ich bin jetzt 18 und leide seit meinem 11. Lebensjahr an Magersucht und Bulimie. Ich hab nun schon alles durch von Krankenhäusern, Kliniken und Psychologen, doch ich kann einfach nicht loslassen. obwohl ich schon denke, das ich einen starken willen habe. Was soll ich denn noch machen. Oft denkt man daran, das man einfach nicht mehr da sein will, es ist doch alles viel zu anstrengend. Steh imoment mit 1,69 bei 42 kilo. Die angst vor dem zunehemen geht einfach nicht weg. Wie hast du das denn geschafft, bist du an einem Tag einfach angefangen normal zu essen oder brauchte es seine Zeit. bitte um Antwort

Auch hi,...
.. vielen Dank erstmal

Hin und wieder findet man in solchen Foren auch ähnliche Berichte von Quasi-Ehemaligen. Die Berichte machen deutlich, wie individuell der Weg aus der Krankheit ist.

Die Angst vor dem Zunehmen kann ich Dir bedauerlicherweise nicht nehmen. Die hatte ich natürlich auch. Ich dachte, dass ich mich vor mir ekeln würde, wenn ich mehr wiege, dass ich meinen Stolz verliere, dass ich schwach erscheine, dass alle anderen denken würden, mir ginge es super, nur weil ich - in meinen Augen - "fett" geworden sei... das hat mich jahrelang verfolgt.

Insgesamt kann ich für mich sagen, dass ich mit dem Nachdenken über die Krankheit - und über die damit verbundenen Gefühle - zwar ein ganzes Stück Selbsterkenntnis erlangt habe, dies aber wenig an meinem Essverhalten geändert hat.

Meine Angst vor dem Zunehmen hat sich erst zusammen mit dem steigenden Gewicht verringert, und zwar ganz allmählich - das geht schließlich nicht von heute auf morgen.

Für das Gefühl beim Zunehmen war meines Erachtens auch entscheidend, dass ich es selbst gewollt und eigenständig durchgeführt habe. Ich konnte es nicht mehr ertragen, diesem inneren Zwang ausgesetzt zu sein, ich wollte mich nicht länger selbst betrügen.

Regelmäßige Mahlzeiten, keine Verbote beim Essen mehr. Man muss es "aushalten" können, sich satt zu essen - oder auch mal übersatt, aber danach nicht zu kotzen. Ich habe nach und nach jegliches meiner selbst auferlegten, unausgesprochenen Verbote - nicht mit anderen essen, keine Süßigkeiten, keine warmen Mahlzeiten, nicht mehr als ein halbes Brötchen zum Frühstück, nicht ins Restaurant gehen, nicht abends essen etc.. selbst sabotiert, also bewusst abends gegessen (ohne folgende Kotzmöglichkeit) undsoweiter.

Bei mir ging das auch nicht von einem Tag auf den anderen. Ich merkte beispielsweise, das mir der Verzicht aufs Kotzen recht leichtfiel, wenn ich an dem Tag ein gutes Alternativprogramm hatte. Und bei diesem Kniff ist es im Grunde geblieben. Ich emfpände es jetzt als sehr stressig, jetzt täglich meinen Kreuzzug durch die Supermärkte zu starten - ganz abgesehen vom Finanziellen. Mir ist, so blöd es klingt, ein Fernsehabend lieber.

Das Gefühl, wenn die körperliche Schwäche verschwindet, ist sehr erleichternd. Wenn man kein ständiges Sodbrennen mehr hat, keine geplatzten Äderchen um die Augen..

Nicht zuletzt: Körperliche Präsenz hat auch etwas mit Körpergewicht zu tun. Wenn ich jetzt einen Raum betrete, weiss ich, dass die Leute eine gut gebaute Frau anschauen und nicht irgendwas, das ihnen automatisch Leid tut.

Wenn ich diesen Prozess des Zunehmens für mich bildlich veranschaulichen wollte, würde ich sagen, dass man eine vertrocknete Pflanze gegossen hat und die knitterigen Blätter jetzt wieder prächtig grün sind.

In diesem Sinne wünsche ich Dir alles Gute für Deinen Weg.

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28. September 2007 um 19:06
In Antwort auf regana_12368410

Auch hi,...
.. vielen Dank erstmal

Hin und wieder findet man in solchen Foren auch ähnliche Berichte von Quasi-Ehemaligen. Die Berichte machen deutlich, wie individuell der Weg aus der Krankheit ist.

Die Angst vor dem Zunehmen kann ich Dir bedauerlicherweise nicht nehmen. Die hatte ich natürlich auch. Ich dachte, dass ich mich vor mir ekeln würde, wenn ich mehr wiege, dass ich meinen Stolz verliere, dass ich schwach erscheine, dass alle anderen denken würden, mir ginge es super, nur weil ich - in meinen Augen - "fett" geworden sei... das hat mich jahrelang verfolgt.

Insgesamt kann ich für mich sagen, dass ich mit dem Nachdenken über die Krankheit - und über die damit verbundenen Gefühle - zwar ein ganzes Stück Selbsterkenntnis erlangt habe, dies aber wenig an meinem Essverhalten geändert hat.

Meine Angst vor dem Zunehmen hat sich erst zusammen mit dem steigenden Gewicht verringert, und zwar ganz allmählich - das geht schließlich nicht von heute auf morgen.

Für das Gefühl beim Zunehmen war meines Erachtens auch entscheidend, dass ich es selbst gewollt und eigenständig durchgeführt habe. Ich konnte es nicht mehr ertragen, diesem inneren Zwang ausgesetzt zu sein, ich wollte mich nicht länger selbst betrügen.

Regelmäßige Mahlzeiten, keine Verbote beim Essen mehr. Man muss es "aushalten" können, sich satt zu essen - oder auch mal übersatt, aber danach nicht zu kotzen. Ich habe nach und nach jegliches meiner selbst auferlegten, unausgesprochenen Verbote - nicht mit anderen essen, keine Süßigkeiten, keine warmen Mahlzeiten, nicht mehr als ein halbes Brötchen zum Frühstück, nicht ins Restaurant gehen, nicht abends essen etc.. selbst sabotiert, also bewusst abends gegessen (ohne folgende Kotzmöglichkeit) undsoweiter.

Bei mir ging das auch nicht von einem Tag auf den anderen. Ich merkte beispielsweise, das mir der Verzicht aufs Kotzen recht leichtfiel, wenn ich an dem Tag ein gutes Alternativprogramm hatte. Und bei diesem Kniff ist es im Grunde geblieben. Ich emfpände es jetzt als sehr stressig, jetzt täglich meinen Kreuzzug durch die Supermärkte zu starten - ganz abgesehen vom Finanziellen. Mir ist, so blöd es klingt, ein Fernsehabend lieber.

Das Gefühl, wenn die körperliche Schwäche verschwindet, ist sehr erleichternd. Wenn man kein ständiges Sodbrennen mehr hat, keine geplatzten Äderchen um die Augen..

Nicht zuletzt: Körperliche Präsenz hat auch etwas mit Körpergewicht zu tun. Wenn ich jetzt einen Raum betrete, weiss ich, dass die Leute eine gut gebaute Frau anschauen und nicht irgendwas, das ihnen automatisch Leid tut.

Wenn ich diesen Prozess des Zunehmens für mich bildlich veranschaulichen wollte, würde ich sagen, dass man eine vertrocknete Pflanze gegossen hat und die knitterigen Blätter jetzt wieder prächtig grün sind.

In diesem Sinne wünsche ich Dir alles Gute für Deinen Weg.

Sehr schöner text!
vor allem die letzten 3 absätze haben mir tränende augen beschert! herzlichen glükwunsch und mein voller respekt dafür, dass du es gelernt hast dich selbst zu lieben und richtig wahrzunehmen!
ich bewundere dich dafür sehr und wünschte, ich wäre auch endlich so weit, doch leider ist es für mich zur zeit mit diesem gewicht absolut unvorstellbar mich selbst zu akzeptieren...
trotzdem vielen dank!dein text macht mir etwas hoffnung und mut, dass ich endlich auch auf den richtigen pfad gelangen kann und die wesentlichen dinge des lebens sehe anstatt meine energien nur dafür verbrauche endlich meinem persönlichen schönheitsideal zu entsprechen!...

glg, glamourgirl

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30. September 2007 um 16:55
In Antwort auf regana_12368410

Auch hi,...
.. vielen Dank erstmal

Hin und wieder findet man in solchen Foren auch ähnliche Berichte von Quasi-Ehemaligen. Die Berichte machen deutlich, wie individuell der Weg aus der Krankheit ist.

Die Angst vor dem Zunehmen kann ich Dir bedauerlicherweise nicht nehmen. Die hatte ich natürlich auch. Ich dachte, dass ich mich vor mir ekeln würde, wenn ich mehr wiege, dass ich meinen Stolz verliere, dass ich schwach erscheine, dass alle anderen denken würden, mir ginge es super, nur weil ich - in meinen Augen - "fett" geworden sei... das hat mich jahrelang verfolgt.

Insgesamt kann ich für mich sagen, dass ich mit dem Nachdenken über die Krankheit - und über die damit verbundenen Gefühle - zwar ein ganzes Stück Selbsterkenntnis erlangt habe, dies aber wenig an meinem Essverhalten geändert hat.

Meine Angst vor dem Zunehmen hat sich erst zusammen mit dem steigenden Gewicht verringert, und zwar ganz allmählich - das geht schließlich nicht von heute auf morgen.

Für das Gefühl beim Zunehmen war meines Erachtens auch entscheidend, dass ich es selbst gewollt und eigenständig durchgeführt habe. Ich konnte es nicht mehr ertragen, diesem inneren Zwang ausgesetzt zu sein, ich wollte mich nicht länger selbst betrügen.

Regelmäßige Mahlzeiten, keine Verbote beim Essen mehr. Man muss es "aushalten" können, sich satt zu essen - oder auch mal übersatt, aber danach nicht zu kotzen. Ich habe nach und nach jegliches meiner selbst auferlegten, unausgesprochenen Verbote - nicht mit anderen essen, keine Süßigkeiten, keine warmen Mahlzeiten, nicht mehr als ein halbes Brötchen zum Frühstück, nicht ins Restaurant gehen, nicht abends essen etc.. selbst sabotiert, also bewusst abends gegessen (ohne folgende Kotzmöglichkeit) undsoweiter.

Bei mir ging das auch nicht von einem Tag auf den anderen. Ich merkte beispielsweise, das mir der Verzicht aufs Kotzen recht leichtfiel, wenn ich an dem Tag ein gutes Alternativprogramm hatte. Und bei diesem Kniff ist es im Grunde geblieben. Ich emfpände es jetzt als sehr stressig, jetzt täglich meinen Kreuzzug durch die Supermärkte zu starten - ganz abgesehen vom Finanziellen. Mir ist, so blöd es klingt, ein Fernsehabend lieber.

Das Gefühl, wenn die körperliche Schwäche verschwindet, ist sehr erleichternd. Wenn man kein ständiges Sodbrennen mehr hat, keine geplatzten Äderchen um die Augen..

Nicht zuletzt: Körperliche Präsenz hat auch etwas mit Körpergewicht zu tun. Wenn ich jetzt einen Raum betrete, weiss ich, dass die Leute eine gut gebaute Frau anschauen und nicht irgendwas, das ihnen automatisch Leid tut.

Wenn ich diesen Prozess des Zunehmens für mich bildlich veranschaulichen wollte, würde ich sagen, dass man eine vertrocknete Pflanze gegossen hat und die knitterigen Blätter jetzt wieder prächtig grün sind.

In diesem Sinne wünsche ich Dir alles Gute für Deinen Weg.

Die Hoffnung stirbt zuletzt
Ich bin 24 und hab eine ähnliche karriere hinter mir wie du. Magersucht>Klinik>Bulemie>Therapien>"H-eilung". Heilung ist für mich die Zeit in der ich angefangen habe mich für mein Leben und gegen die Krankheit zu entscheiden. Auch mich quälen immer wieder Gedanken und in unsicheren/unbekannten Situationen kotze ich auch, obwohl ich sonst "relativ" normal esse. Am Anfang war es für mich auch sehr schwer auszuhalten, nach dem Essen nicht zu kotzen. Dadurch bin ich zum Sport gekommen. Ein Freund hat mir gesagt, nach dem Essen war ich früher wie ein PingPong-Ball. Das mit dem Sport ist dann auch irgendwann eskaliert, ich konnte nicht mehr essen ohne vorher oder nachher was zu machen, aber wenigstens war das mit dem Kotzen weg. Lange war meine persönliche Gewichtsgrenze immer noch sehr niedrig. Mitlerweile bin ich in dem Prozess, mich als Frau zu akzeptieren. Mehr Gewicht, Problemzonen, Hormonschwankungen und Schokogelüste. Ich kotze wieder ein bischen mehr, 1x/Wo, aber ich sehe es als Teil des Prozesses, stehe jeden Tag wieder auf und weis das ich es schaffen kann, auch wenn die Gedanken vielleicht immer Teil von mir sein werden. Ich hab einmal ein nettes gedicht gelesen, in dem die Bulemie als Freundin dargestellt wird. So kommt es mir auch manchmal vor. Immer wenn sich bei mir etwas ereignet, egal ob schlecht oder auch wenns was schönes ist, rufe ich meine Freundin Bulemie an und sie hat auch blöderweise immer Zeit. Aber ich suche mir neue Freunde, Sport, lesen, telefonieren,... Auch kochen gehört zu meinen Hobbys, aber es hat lange gedauert, bis ich das akzeptieren konnte, weil ich jede Art von Beschäftigung mit dem Essen als Teil meiner Krankheit gesehen hab und dachte das darf ich nicht. Wichtig ist glaub ich echt, das man sich so akzeptiert wie man ist und aufhört ständig jemand anders sein zu wollen

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30. September 2007 um 19:54
In Antwort auf olivie_12936800

Die Hoffnung stirbt zuletzt
Ich bin 24 und hab eine ähnliche karriere hinter mir wie du. Magersucht>Klinik>Bulemie>Therapien>"H-eilung". Heilung ist für mich die Zeit in der ich angefangen habe mich für mein Leben und gegen die Krankheit zu entscheiden. Auch mich quälen immer wieder Gedanken und in unsicheren/unbekannten Situationen kotze ich auch, obwohl ich sonst "relativ" normal esse. Am Anfang war es für mich auch sehr schwer auszuhalten, nach dem Essen nicht zu kotzen. Dadurch bin ich zum Sport gekommen. Ein Freund hat mir gesagt, nach dem Essen war ich früher wie ein PingPong-Ball. Das mit dem Sport ist dann auch irgendwann eskaliert, ich konnte nicht mehr essen ohne vorher oder nachher was zu machen, aber wenigstens war das mit dem Kotzen weg. Lange war meine persönliche Gewichtsgrenze immer noch sehr niedrig. Mitlerweile bin ich in dem Prozess, mich als Frau zu akzeptieren. Mehr Gewicht, Problemzonen, Hormonschwankungen und Schokogelüste. Ich kotze wieder ein bischen mehr, 1x/Wo, aber ich sehe es als Teil des Prozesses, stehe jeden Tag wieder auf und weis das ich es schaffen kann, auch wenn die Gedanken vielleicht immer Teil von mir sein werden. Ich hab einmal ein nettes gedicht gelesen, in dem die Bulemie als Freundin dargestellt wird. So kommt es mir auch manchmal vor. Immer wenn sich bei mir etwas ereignet, egal ob schlecht oder auch wenns was schönes ist, rufe ich meine Freundin Bulemie an und sie hat auch blöderweise immer Zeit. Aber ich suche mir neue Freunde, Sport, lesen, telefonieren,... Auch kochen gehört zu meinen Hobbys, aber es hat lange gedauert, bis ich das akzeptieren konnte, weil ich jede Art von Beschäftigung mit dem Essen als Teil meiner Krankheit gesehen hab und dachte das darf ich nicht. Wichtig ist glaub ich echt, das man sich so akzeptiert wie man ist und aufhört ständig jemand anders sein zu wollen

...
Die Krankheit als eine Freundin zu sehen, die immer Zeit hat, ist eine sehr passende Veranschaulichung. Es gab früher einfach keinen Gefühlszustand, den ich länger ertragen habe, ohne zu essen. Dafür reichte dann natürlich auch schon die Angst vor dem Gefühl. Zu viel oder zu wenig Stress, zu wenig oder zu viel Freude, Langeweile... die einzige Begrenzung für Essattacken war bei mir das Geld. Ich habe mich buchstäblich arm gefressen.

Es ist ein Prozess, und ich sehe das Kapitel ES für mich auch nicht als abgeschlossen an. Schon deshalb, weil man genug von Frauen hört und liest, die jahrelang symptomfrei waren und dann wieder mittendrin. Die Anfälligkeit für bestimmte Gedankengänge und Verhaltensweisen wird wohl immer gegeben sein - und gerade deshalb halte ich es für so wichtig, auf sich aufzupassen und, wie Du schreibst, jeden Tag als neue Möglichkeit zu sehen. Insofern solltest Du das 1x pro Woche kotzen auch ruhig als Fortschritt betrachtet - schließlich bedeutet das ja sechs kotzfreie Tage die Woche, und das ist etwas, für das manche Leute hier viel geben würden...



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30. September 2007 um 20:16
In Antwort auf dianne_12301251

Sehr schöner text!
vor allem die letzten 3 absätze haben mir tränende augen beschert! herzlichen glükwunsch und mein voller respekt dafür, dass du es gelernt hast dich selbst zu lieben und richtig wahrzunehmen!
ich bewundere dich dafür sehr und wünschte, ich wäre auch endlich so weit, doch leider ist es für mich zur zeit mit diesem gewicht absolut unvorstellbar mich selbst zu akzeptieren...
trotzdem vielen dank!dein text macht mir etwas hoffnung und mut, dass ich endlich auch auf den richtigen pfad gelangen kann und die wesentlichen dinge des lebens sehe anstatt meine energien nur dafür verbrauche endlich meinem persönlichen schönheitsideal zu entsprechen!...

glg, glamourgirl

...
Vielen Dank für das schöne Lob!

Man hört es so oft, aber ich sage es gern noch einmal, weil ichs für richtig halte: wenn irgendjemand aus meinem Leidensweg für sich noch Erkenntnisse und Hoffnung für sich ziehen kann, dann ist es nicht umsonst gewesen (wobei: umsonst war es genau genommen ohnehin nicht).

Schönheitsideal, mhja. Ich habe meine Waage nach einigem Zögern weggeschmissen. Das ist schon einige Jahre her. Seitdem wiege ich mich vielleicht 2mal im Jahr. Dieses Gerät ist eine Fundgrube für unheilvolle Prozesse.

Ich habe mich oft gefragt, wie das Leben ohne tägliche FAs wäre. Ich dachte, es sei einfach unmöglich, ich könne nicht darauf verzichten. Was bliebe übrig, wenn ich die Essstörung nicht mehr hätte? Ganz banal gefragt: wie sollte ich mich ernähren, ohne wieder magersüchtig zu werden? Ich kannte doch nur die extremen Varianten. Normales Essen hatte ich nie gelernt.

Kommt aber alles mit der Zeit. Man entwickelt sein Körpergefühl oder findet es gegebenenfalls wieder. Auch die Gefühle für Appetit und Hunger, Sättigung. Ohne ES ist zwar auch nicht alles rosa, aber zumindest nicht mehr so dunkelschwarz.

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1. Oktober 2007 um 12:38
In Antwort auf regana_12368410

...
Vielen Dank für das schöne Lob!

Man hört es so oft, aber ich sage es gern noch einmal, weil ichs für richtig halte: wenn irgendjemand aus meinem Leidensweg für sich noch Erkenntnisse und Hoffnung für sich ziehen kann, dann ist es nicht umsonst gewesen (wobei: umsonst war es genau genommen ohnehin nicht).

Schönheitsideal, mhja. Ich habe meine Waage nach einigem Zögern weggeschmissen. Das ist schon einige Jahre her. Seitdem wiege ich mich vielleicht 2mal im Jahr. Dieses Gerät ist eine Fundgrube für unheilvolle Prozesse.

Ich habe mich oft gefragt, wie das Leben ohne tägliche FAs wäre. Ich dachte, es sei einfach unmöglich, ich könne nicht darauf verzichten. Was bliebe übrig, wenn ich die Essstörung nicht mehr hätte? Ganz banal gefragt: wie sollte ich mich ernähren, ohne wieder magersüchtig zu werden? Ich kannte doch nur die extremen Varianten. Normales Essen hatte ich nie gelernt.

Kommt aber alles mit der Zeit. Man entwickelt sein Körpergefühl oder findet es gegebenenfalls wieder. Auch die Gefühle für Appetit und Hunger, Sättigung. Ohne ES ist zwar auch nicht alles rosa, aber zumindest nicht mehr so dunkelschwarz.

Warum?
Hallo!

Ohne das direkt beantworten zu müssen. Hast Du denn herausgefunden warum Du Magersüchtig geworden bist?
Also ichwarauch Magersüchtig und erst jetzt wo ich zur Psychotherapie stellt sich raus warum alles wirklich began.


Waldmaus 16

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1. Oktober 2007 um 20:57
In Antwort auf valda_11889125

Warum?
Hallo!

Ohne das direkt beantworten zu müssen. Hast Du denn herausgefunden warum Du Magersüchtig geworden bist?
Also ichwarauch Magersüchtig und erst jetzt wo ich zur Psychotherapie stellt sich raus warum alles wirklich began.


Waldmaus 16

Anstrengend
Ich hab lang zusammen mit therapeuten und durch Bücher danach gesucht, warum es soweit gekommen ist, aber nachdem ich es weis ist es nicht wirklich besser geworden. Klar hab ich die Auslöser dann gemieden, aber wichtig ist doch viel mehr wie gehts weiter. Die ständige Suche nach dem Warum und weshalb empfinde ich als wahnsinnig anstrengend und hindert einen eigentlich nur daran seine ganze Energie in die Gegenwart und Zukunft zu investieren

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1. Oktober 2007 um 21:02
In Antwort auf regana_12368410

...
Die Krankheit als eine Freundin zu sehen, die immer Zeit hat, ist eine sehr passende Veranschaulichung. Es gab früher einfach keinen Gefühlszustand, den ich länger ertragen habe, ohne zu essen. Dafür reichte dann natürlich auch schon die Angst vor dem Gefühl. Zu viel oder zu wenig Stress, zu wenig oder zu viel Freude, Langeweile... die einzige Begrenzung für Essattacken war bei mir das Geld. Ich habe mich buchstäblich arm gefressen.

Es ist ein Prozess, und ich sehe das Kapitel ES für mich auch nicht als abgeschlossen an. Schon deshalb, weil man genug von Frauen hört und liest, die jahrelang symptomfrei waren und dann wieder mittendrin. Die Anfälligkeit für bestimmte Gedankengänge und Verhaltensweisen wird wohl immer gegeben sein - und gerade deshalb halte ich es für so wichtig, auf sich aufzupassen und, wie Du schreibst, jeden Tag als neue Möglichkeit zu sehen. Insofern solltest Du das 1x pro Woche kotzen auch ruhig als Fortschritt betrachtet - schließlich bedeutet das ja sechs kotzfreie Tage die Woche, und das ist etwas, für das manche Leute hier viel geben würden...



Du hast ja recht
Klar, sechs kotzfreie tage sind im gegensatz zu den "Orgien" die ich zu meinen Bestenzeiten gefeiert habe sicher ein Fortschritt. Andrerseits war ich auch schon besser. Oft bin ich ja auch der Meinung zu sagen, OK heut hats mal wieder nicht geklappt, aber morgen ist ein neuer Tag, aber mein Mann leidet so darunter. Für ihn ist das wahnsinnig schlimm. Wie geht dein Umfeld damit um?

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1. Oktober 2007 um 22:05
In Antwort auf olivie_12936800

Anstrengend
Ich hab lang zusammen mit therapeuten und durch Bücher danach gesucht, warum es soweit gekommen ist, aber nachdem ich es weis ist es nicht wirklich besser geworden. Klar hab ich die Auslöser dann gemieden, aber wichtig ist doch viel mehr wie gehts weiter. Die ständige Suche nach dem Warum und weshalb empfinde ich als wahnsinnig anstrengend und hindert einen eigentlich nur daran seine ganze Energie in die Gegenwart und Zukunft zu investieren

Tut mir sehr gut
Hallo!

Das stimmt,aber so meinte ich das nicht.
Magersucht wird meistens nur so gesehen,daß man immer dünner werden möchte. Es wird schnell Pubertätsmagersucht diagostiziert. Das wurde bei mir auch diagnostiziert,dabei ist Magersucht nur einer der wenigen Sachen die zu einem führen. Man muß sich damit nicht beschäftigen,aber ich wäre von aleine wohl nicht auf den Gedanken gekommen. Es tut mir gut zu wissen,was es ist was ich habe. Es mal beim Namen nennen zu können,so meine ich das.

Waldmaus 16

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3. Oktober 2007 um 15:45
In Antwort auf valda_11889125

Warum?
Hallo!

Ohne das direkt beantworten zu müssen. Hast Du denn herausgefunden warum Du Magersüchtig geworden bist?
Also ichwarauch Magersüchtig und erst jetzt wo ich zur Psychotherapie stellt sich raus warum alles wirklich began.


Waldmaus 16

...
Tag Du,

das "Warum" kann ich für mich wohl beantworten - allerdings mit mehr als nur einer Antwort bzw. einer recht komplexen Antwort. Es gibt wohl selten nur einen einzige Auslöser.

Das oben Geschriebene ist natürlich nur ein kurzer Abriss gewesen - ich habe auch jahrelange Therapien, ambulant wie stationär, hinter mir. Schwer zu sagen, ob und wie viel die Therapien in Bezug auf den Erkenntnisprozess genutzt haben - rein verstandesmäßig wissen die meisten Essgestörten ziemlich genau, warum und weshalb. In meiner Familie gibt es sozusagen eine ungute "Tradition" psychischer Störungen, und da ist es nicht leicht, ein gesundes Verhältnis zu sich selbst zu entwickeln. Ironischerweise hat sich an den "warum"s im Laufe der Zeit nicht viel getan. Ich habe irgendwann einfach eingesehen, dass sich bestimmte Personen und Umstände nicht ändern lassen und dass der einzige schadensbegrenzende Weg wohl der ist, meine Einstellung dazu zu verändern. Jahre habe ich damit verbracht, meine Eltern für ihre Erziehung zu verurteilen und für die Fehler, die sie (immer noch) machen. Letztlich bringt das aber gar nichts. Ich habe mich dann sozusagen zur Teilzeitarroganz entschlossen und mir gesagt, dass sie angesichts ihrer eigenen Erziehung selbst nicht aus ihrer Haut, ihrer Gedankenwelt und ihrem Verhalten heraus können. Klingt simpel, nicht wahr? Hat Jahre gedauert. Mittlerweile habe ich ein sehr gutes, kumpelhaftes Verhältnis zu meinen Eltern.

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3. Oktober 2007 um 15:59
In Antwort auf olivie_12936800

Du hast ja recht
Klar, sechs kotzfreie tage sind im gegensatz zu den "Orgien" die ich zu meinen Bestenzeiten gefeiert habe sicher ein Fortschritt. Andrerseits war ich auch schon besser. Oft bin ich ja auch der Meinung zu sagen, OK heut hats mal wieder nicht geklappt, aber morgen ist ein neuer Tag, aber mein Mann leidet so darunter. Für ihn ist das wahnsinnig schlimm. Wie geht dein Umfeld damit um?

...
Ein gutes Thema! Dein Mann scheint mitzubekommen, was Du durchmachst. Zwischen meinem Freund und mir ist die ES kein Thema. Für ihn sind Ess- und allgemein psychische Störungen mehr oder weniger "Einbildungen", die mit ein bisschen gutem Willen schon in den Griff zu bekommen wären. Kurz und gut: er kapiert es nicht(oder möchte es nicht kapieren). Da er noch nie miterlebt hat, wie ich mich überfressen oder übergeben habe, ist ihm das Ganze wohl auch nicht so nahe - wir leben nicht zusammen, und er hat mich in der harten Phase meiner Krankheit noch nicht gekannt.

In anderen Beziehungen war das anders, wobei das Verständnis, wie von Dir auch beschrieben, sehr in Mit-Leiden umschlagen kann. Ein ganz schmaler Grat ist das. Das Einzige, was der Partner letztlich tun kann, ist, für gute Momente zu sorgen - und somit für einen Ausblick darauf, dass es sich lohnt, gegen die Krankheit anzugehen.

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