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Schlimme "Fresssucht" - wie rauskommen? (

19. Juli 2011 um 10:51

Hallo!
Ich bin neu hier im Forum, und weiß irgendwie gar nicht so recht, wie ich beginnen soll. Ich schäme mich so, dass ich es bis jetzt nicht mal geschafft hab, mich in einem anonymen Forum anzumelden und über mein Problem zu reden. Gestern Abend wurde mir aber klar, dass es so nicht mehr weitergeht, und ich Hilfe brauche - welcher Art auch immer.
Ich bin ganz schlimm fresssüchtig. Ich will auch hier gar nicht ewig lang erzählen, wie es entstanden ist (weil ich das auch selbst gar nicht so genau weiß, kam vermutlich schleichend) - Tatsache ist aber, dass es JETZT wirklich schlimm ist. Ich stopfe Süßes in mich rein, ohne Ende. Wirklich ohne Ende. Ich kaufe mir zig Sachen pro Tag - alles mögliche, fast nur Süßes, und esse, bis mir schlecht ist. Vieles hau ich dann sogar weg, weil ich einfach nicht mehr kann - mein Bauch ist fast zum platzen, mein Magen tut weh, ich bin wie gesagt kurz vorm erbrechen (was ich aber nie tue). In diesem Stadium denk ich mir IMMER "morgen fang ich an, mich wieder normal zu ernähren, normal zu essen", und schlafe wirklich wild entschlossen ein. Am nächsten Morgen halte ich vielleicht bis mittags durch, dann geht die ganze Chose von vorne los......
Das geht mittlerweile seit etwa 4 Jahren so - dazwischen immer wieder Phasen, wo ich mich irrsinnig gesund ernähre (wochenland!) und brav ins Fitnesscenter gehe - das artet dann beinahe auch in ne "Sucht" aus (hat schon Tage gegeben, wo ich zwei Mal im trainieren war - morgens und abends).
Diese "guten" Phasen führen auch Gott sei Dank (noch!) dazu, dass ich nicht völlig aus allen Nähten platze. Mein Gewicht schwankt immer zwischen 60 und 75 Kilo (ich bin 1,63). Bei 60 Kilo bin ich super durchtrainiert und schön weiblich-schlank, bei 75 Kilo bin ich echt dick und fühl mich richtig beschissen, will nicht mehr weggehen usw. Im Moment steh ich wieder bei etwa 75 Kilo. Bis jetzt war das immer meine absolute Höchstgrenze, weil mir dann echt nix mehr passt usw. Ich krieg es aber einfach nicht auf die Reihe - ich hab IMMER WIEDER Rückfälle, die dann wochenlang/monatelang andauern, bis es wieder "klick" macht und ich mich wieder sehr gesund ernähre.
Ich merke aber, dass die schlimmen Phasen immer schlimmer werden. So viel wie im Moment habe ich noch nie gegessen - ich fühle mich wie eine Mastgans, die "gestopft" wird - nur dass ich nicht gestopft WERDE, sondern mich selbst stopfe.....
Während des essens denk ich mir die ganze Zeit "mir schmeckt das doch gar nicht, ich will das doch gar nicht essen, mir graust vor dem Zeug, hör endlich auf" usw - aber ich KANN EINFACH NICHT AUFHÖREN - es ist wie ein Zwang!!!! Ich muss es in mich reinstopfen - irre Zeug.....was alles, würde mir kein Mensch glauben...... angefangen bei einigen Mehlspeisen, über ne ganze Packung After Eight, Schokobons, zwei ganze Torten Coppenrath&Wiese, Tiramisu, Cheesecake usw!!! Manchmal denk ich mir, das kann doch gar nicht alles Platz haben in mir drin (
Ich würde so gern wieder "normal" leben....mir hin und wieder ein Stück Kuchen gönnen... - aber das kann ich gar nicht mehr. Im Gegenteil: wenn ich weiß, ich krieg nur ein Stück (wenn ich zb wo eingeladen bin), werd ich ganz nervös, weil ich MEHR möchte...
Es ist, als ob ich "fremdgesteuert" wäre - mein KOPF sagt mir eh etwas ganz anderes - er sagt immer "kauf dir nicht schon wieder was, lass es, du nimmst nur wieder jede Menge zu", aber mein KÖRPER geht einfach ins Geschäft oder zum Konditor und kauft sich dort alles mögliche......
Kennt das vielleicht jemand von euch? Bin ich essgestört?! Also richtig, mein ich? Brauch ich ne Therapie? Oder kann ich mir sowieso die Kugel geben, weil nix nutzt? ......

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19. Juli 2011 um 15:50

Hm
Mir kommt das durchaus teilweise bekannt vor, was du da schreibst.

Du schreibst, bis Mittag hältst du durch, bevor du wieder loslegst. Was nimmst du da bis Mittags zu dir?
Wenn du gar nichts oder nur sehr wenig isst, also einen leeren Magen hast, aber der Rest des Bauches noch vom Vortag überfüllt ist, dann kann man das meiner Erfahrung nach gar nicht durchhalten.
Du musst da auf jeden Fall etwas zu dir nehmen, wenn du noch gar keinen Hunger hast, dann trink eben ganz viel Tee oder evt. auch Kaffee, wobei man nach dem auch ganz schnell süchtig werden kann, also damit nicht übertreiben.
Und wenn dann wieder Hunger kommt, iss Obst, oder Gemüse, irgendetwas volumenreiches, da dein Magen ja vom vielen Überessen vermutlich völlig überdehnt ist und du wahrscheinlich nur sehr schlecht Sättigung spüren kannst.
Und wenn du dich dann wieder ein bisschen wohler fühlst udn nicht mehr total überfüllt, kannst du dir was Richtiges kochen.

Zum Einkaufen könntest du dir vielleicht dein Geld vorher abzählen und eine genaue Liste schreiben, was du kaufen willst, und dann nichts anderes kaufen als das was da steht, und mehr kannst du dir ja dann sowieso nicht leisten.
Du musst selber gucken, ob es dir leichter fällt, für eine Woche auf Vorrat gesunde Sachen zu kaufen, oder ob du lieber möglichst wenige Vorräte da haben willst.
Falls du jetzt spontan sagst, du hast völlig das Verhältnis zum gesunden Essen verloren, dann wäre vielleicht auch eine Ernährungsberatung sinnvoll.
Oder du machst einfach mal so einen Kochkurs mit, dann kommst du unter Leute und du wirst ein bisschen von all dem Fertigessen so abgelenkt, was du zurzeit so isst.

Süßes muss immer im richtigen Verhältnis zum anderen Essen stehen, damit du davon keinen Zuckerrausch kriegst und noch stoppen kannst nach einer Portion. Sprich, wenn du eine große Portion Gemüse und Fleisch/Fisch/Tofu gegessen hast, ist ein süßer Nachtisch völlig ok, wenn du aber sehr wenig isst, kannst du dir auch nicht viel Süßes leisten. Das solltest du immer im Hinterkopf behalten.

Ich denke mal, nach all diesen Phasen hast du auch so einige Nährstoffmängel, dein Körper merkt, dass etwas fehlt, und du kriegst Hunger. Nur leider auf das Falsche. Du solltest also dringend versuchen, zumindest die Hälfte des Tages so viele Vitamine und Mineralstoffe in dich reinzukriegen, wie nur irgendwie möglich. Nur dann lässt die Gier vielleicht irgendwann nach.


Und dazu kommt natürlich der psychische Anteil.
Du scheinst sehr viel Zeit mit dir selber zu verbringen.
Hast du keine Arbeit/Schule/Studium?
Und wie ist das mit Freunden?
Du solltest unbedingt versuchen, ein bisschen Struktur und Geselligkeit in deinen Tag reinzubringen, zum Beispiel Sport nicht im Fitnessstudio machen, sondern zu Gruppenstunden gehen, versuchen, Freundschaften wieder aufzubauen usw.
Wie ist denn deine Situation außerhalb vom Essverhalten? Bist du zufrieden? Was könntest du noch ändern?
Gibt es irgendetwas Blödes, das du immer in dich hineinfressen musst?

Du könntest mal im Internet suchen, ob es in deiner Gegend Selbsthilfegruppen wie "Overeaters Anonymous" gibt, ich bin mir sehr sicher, die dürften schon ziemlich hilfreich sein.
Oder du rufst mal bei einer Frauenberatungsstelle an und erkundigst dich nach Möglichkeiten.
Eine Therapie könnte vermutlich auch hilfreich sein, allerdings habe ich damit keine Erfahrung, ich doktere immer noch selber an mir rum, mit wechselndem Erfolg.
Da musst du dich aber auch noch entscheiden, wo du den Schwerpunkt setzen willst, Psychoanalyse, wo du deine Vergangenheit aufarbeitest, oder Verhaltenstherapie, wo du lernst, auf bestimmte Situationen anders zu reagieren als mit Fressen.

Hoffnungslos ist es bestimmt nicht, es gibt so viele Möglichkeiten, die du probieren kannst.

Liebe Grüße

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19. Juli 2011 um 16:42

Hallo meine liebe Littlemisssunshine
Echt ein süßer Name und da du ihn gewählt hast, steckt sicherlich ganz viel Herzlichkeit und Frohsinn in dir (zumindest eigentlich.... )

Mensch, das klingt, als stecktest du tief in einer ES (binge-eating disorder).
Hoffnungslos ist niemand, das solltest du dir auch bitte bitte immer wieder vor Augen halten

Aber: Du musst genau jetzt reagieren, jetzt, da du merkst, dass es stetig akuter wird und du immer unglücklicher wirst und du, wie du selbst beschrieben hast, fremdgesteuert wirst...
Du verlierst immer mehr den Zugang zu dir selbst und stopfst all deinen Kummer in dich hinein!

Du hast eine Chance gesund zu werden und an deiner Stelle würde ich ganz schnell zusehen, dass du einen Klinikplatz bekommst-Stationär!!!

Allein schaffst du es nicht!!!
Das würde keiner schaffen, du brauchst Hilfe zur Selbsthilfe, um wieder ein normales Leben führen zu können...

Nimm diese Hilfe an, schäm dich nicht dafür!
Was meinst du wie vielen jungen Menschen es so geht, die sich verstecken, andere nicht belasten wollen, sich schämen, sich völlig isolieren, weil sie sich und ihr Verhalten nicht mehr ertragen..."Andere verstehen es sowieso nicht...."
Aber: Dem ist nicht so, es gibt gute Hilfe und die brauchst du ganz dringend!

Es wird besser, das versprech ich dir, aber nur, wenn du endlich diesen Schritt wagst...was hast du zu verlieren???? Du kannst doch nur gewinnen

Ich drücke dich ganz fest! Und halte uns auf dem Laufenden...deine Susi

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20. Juli 2011 um 16:06
In Antwort auf patchsu

Hallo meine liebe Littlemisssunshine
Echt ein süßer Name und da du ihn gewählt hast, steckt sicherlich ganz viel Herzlichkeit und Frohsinn in dir (zumindest eigentlich.... )

Mensch, das klingt, als stecktest du tief in einer ES (binge-eating disorder).
Hoffnungslos ist niemand, das solltest du dir auch bitte bitte immer wieder vor Augen halten

Aber: Du musst genau jetzt reagieren, jetzt, da du merkst, dass es stetig akuter wird und du immer unglücklicher wirst und du, wie du selbst beschrieben hast, fremdgesteuert wirst...
Du verlierst immer mehr den Zugang zu dir selbst und stopfst all deinen Kummer in dich hinein!

Du hast eine Chance gesund zu werden und an deiner Stelle würde ich ganz schnell zusehen, dass du einen Klinikplatz bekommst-Stationär!!!

Allein schaffst du es nicht!!!
Das würde keiner schaffen, du brauchst Hilfe zur Selbsthilfe, um wieder ein normales Leben führen zu können...

Nimm diese Hilfe an, schäm dich nicht dafür!
Was meinst du wie vielen jungen Menschen es so geht, die sich verstecken, andere nicht belasten wollen, sich schämen, sich völlig isolieren, weil sie sich und ihr Verhalten nicht mehr ertragen..."Andere verstehen es sowieso nicht...."
Aber: Dem ist nicht so, es gibt gute Hilfe und die brauchst du ganz dringend!

Es wird besser, das versprech ich dir, aber nur, wenn du endlich diesen Schritt wagst...was hast du zu verlieren???? Du kannst doch nur gewinnen

Ich drücke dich ganz fest! Und halte uns auf dem Laufenden...deine Susi

Tut gut
Wow, so liebe Antworten! Dank euch!
Fühl mich allein dadurch schon besser! Es tut gut, zu wissen, dass ich nicht die Einzige bin, die so nen "Knall" hat....ihr scheint euch gut mit meinem Problem auszukennen - und ihr habt mir echt schon ein paar Tipps gegeben, die ich super finde - zb gar kein Geld mehr mitnehmen, dann KANN ich gar nichts mehr kaufen usw. Wobei das halt echt schwierig ist, weil - WENN ich in so einer "schlimmen Phase" (wie ich das immer nenne) bin, dann - KANN ich gar nicht anders irgendwie?! Also dann ürd ich mir morgens, wenn ich ins Büro geh, einfach geld mitnehmen - ich glaub, ich würd das dann gar nicht schaffen, mir kein Geld einzustecken...oder ich würd mir einfach von ner Kollegin was borgen....
Zu einigen von euren Fragen: also Ernährungsberatung brauch ich definitiv nicht - THEORETISCH bin ich ein wahrer Ernährungsmeister, das könnt ihr mir glauben *lach* ich weiß genau, wie man sich ernähren soll, wie man essen soll, wann, wie oft.... nur leider schaff ich es eben in meinen schlimmen Phasen überhaupt nicht, mich daran zu halten....wie schon gestern erwähnt: da "denk" ich gar nicht mehr......
Zum Thema Arbeit und Freunde bzw Psyche allgemein: doch doch, ich hab nen Job, eigentlich sogar nen recht guten (bin Akademikerin), hab auch nette Freunde (allerdings nicht so megamäßig viele), aber zugegebenermaßen treffe ich mich halt nur noch relativ mit denen, weil die mich halt schlanker kennen, und im Moment bin ich halt echt wieder richtig dick ;-(( es stimmt also schon, wie von euch vermutet, dass ich abends (nach dem Büro) im Moment sehr viel allein bin, ich mag auch nicht mehr shoppen gehen usw.... fahr halt meistens nach dem Büro heim, und lese, oder schau fern, oder mach Haushalt, und: esse natürlich ne ganze Menge! Und meine Psyche ist grundsätzlich wirklich ok, hab ein gutes Leben, auch keine "schlimmen Kindheitserfahrungen" und dergleichen (hört man ja immer wieder) - ich bin eigentlich ein richtiges Glückskind, in einer tollen Familie aufgewachsen, und ein "Sonnenschein" - so nehmen mich auch meine Kollegen und meine Freunde wahr - die würden ja NIE glauben, dass ich so ne mega Essstörung habe und doch auch immer wieder Tage, an denen ich traurig bin!! Manche denken glaub ich, ich KANN gar nicht traurig sein.... Aber in den letzten Monaten bzw Jahren sind schon auch Sachen passiert, die mich mitgenommen haben, natürlich - jeder Mensch hat "sein Packl zu tragen", wie man so schön sagt. Ich habe meine große Liebe (11 Jahre) verloren....hab im Job mal ordentlich einstecken müssen....hatte eine Abtreibung..... aber im Grunde bin ich ein starker Mensch, und - all diese Dinge haben meine Essstörung glaub ich nicht AUSGELÖST.....aber ja, wie ich gestern schon sagte, kam wahrscheinlich schleichend....und eins ergibt das andere....und es stimmt schon, ich bin viel allein, sehn mich vielleicht nach Liebe....? Geb ich ja zu....so ganz "aufgeräumt" ist mein Leben im Moment nicht...
Naja, meine Familie - mit meiner Mutter hab ich sogar schon mal drüber geredet, und sie ist herzallerliebst und will mir helfen, aber - sie VERSTEHT mein Problem einfach nicht - sie sagt immer, warum ich nicht aufhöre nach einem Stück Kuchen und warum ich mich nicht zsamreissen kann. VERSTEHEN tu ICH mein Problem ja auch nicht...wie also soll SIE es verstehen, die so etwas noch nie erlebt hat?
Bezüglich Klinik: wow, da hat's mich schon gerissen, wie ich das gelesen hab..... ihr glaubt echt, ich schaff das ambulant gar nicht mehr, sondern muss stationär gehen?? ((( Aber wie soll das gehen? Ich mein, das dauert ja ein paar Wochen, oder? Ich kann doch in meinem Job nicht so lang wegbleiben! Was sag ich denen? Wie habt ihr das gemacht?
So, wieder so viel geschrieben - ich hoffe, ich geh euch nicht auf die Nerven, aber - ich weiß nicht, es tut mir gut, mal drüber reden/schreiben zu können..... bei euch hab ich das Gefühl, ich muss mich nicht schämen und ihr versteht mich

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20. Juli 2011 um 23:40

Hallo, Liebes,
herzlich wilkommen im Forum.
Ich hatte auch solche Phasen im Leben wie du.
Ich habe sogar in der Mittagspause ne Zeit lang jeden Tag über zehn Mohrenköpfe gegessen(ne Kollegin hatte mir erzählt ich solle die Waffel abmachen u den Rest kurz in die Mikrowelle u dann löffeln). Oder Nutellagläser
habe ich immer gelöffelt. Süßes Müsli tellerweise gegessen. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie es ist wenn man etwas nicht leer-macht.
Habe auch Süßigkeiten weggeschmissen oder verschenkt.
Das Problem ist, dass du dir wie ich damals alles "ungesunde" verbietest in der gesunden Phase und dein
Körper das dann alles wieder nachholt.
Auserdem solltest du dich Fragen, warum du dir Glücksgefühle durch Süßigkeiten holen musst(auser natürlich, wenn es dann zu viel war.)

Viele Grüße

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