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Neu hier und einfach mal reinen Tisch machen .. vor mir selbst

25. August 2015 um 22:31 Letzte Antwort: 13. September 2015 um 16:16

Hallo in die Runde,

ich bin neu hier und habe mich, nachdem ich seit längerem immer wieder Beiträge lese und verfolge, entschieden, mich selbst einmal zu melden. Eigentlich habe ich keine konkrete Frage, es fiel mir schon schwer, einen Titel für die Diskussion zu finden...

Vermutlich geht es mir darum, endlich einmal all das loszuwerden, was ich im Alltag herunterspiele, da ich weiß, was folgen würde, wenn ich den lieben Menschen um mich herum schildere, was wirklich los ist.

Ich habe mich eigentlich immer recht wohl gefühlt mit mir, bin ein offener und fröhlicher Mensch. Ich habe - äußerst ungewollt, so viel kann ich versichern, denn ich hasse kaum etwas mehr als bewusst inszenierte Hilflosigkeit und Mädchenniedlichkeit - diesen Bambitouch, ich bin nur 1,58 groß, habe große dunkle Augen und stets so um die 50 Kilo gewogen. Alles in allem also alles gut, ich hatte nie einen Grund, mich in irgendeiner Weise als minderwertig zu empfinden - und dennoch war es so. Stets habe ich mich mit meinen Freundinnen verglichen, fand immer alle anderen hübscher, witziger, klüger und charmanter als mich, völlig unabhängig von den Reaktionen auf meine Person. Ich habe Erfolg im Beruf und weiß, dass ich ohne größere Schwierigkeiten mit sehr vielem zurecht kommen kann. Trotz allem hatte ich immer das Bedürfnis, ein klitzekleines bisschen dünner zu sein, da kleine Menschen ja schon mit wenig mehr Gewicht schnell molliger aussehen.
Ich habe während meines Studiums völlig sorglos alles in mich hineingeschaufelt, was es gab, Sahnenudeln, Pizza, Fertigmahlzeiten, Chips... irgendwann dann angefangen, mehr auf mein Gewicht zu achten, sodass es sich bei 50 Kilo plus/minus einpendelte. Ich mache gern Sport und ich habe immer gern und mit Genuss gegessen.
Im letzten Jahr habe ich zehn Tage Urlaub in New York gemacht und bin durch das straffe Touristenwanderprogramm mit zwei Kilo weniger nach Hause gekommen. Das fand ich super. 48 Kilo, traumhaft! Dann kam Stress auf der Arbeit hinzu und immense psychische Belastungen durch eine Familiengeschichte. Irgendwann erster kleiner Kreislaufzusammenbruch, Gastritis Nummer eins, Gastritis Nummer zwei.. und immer weniger Gewicht, immer weniger Appetit. Und immer größeres Erstaunen darüber, wie viel man abnehmen kann. Das erste Mal der Gedanke, dass ich, wenn ich noch ein Kilo abnähme, ja mit Genuss eine dicke Pizza essen könne, denn ich habe mir ja quasi ein Kalorienkonto angelegt und darauf im Vorhinein viel gespart. Diese Pizza habe ich bis heute nicht gegessen. Ich esse noch nicht mal mehr Brot. Und wenn, dann so wenig, dass es nicht ins GEwicht fallen kann. Oder ich kaue und spucke es aus. Oder fühle mich immens schlecht. Jede Grammschwankung auf der Waage ist morgens die Hölle.

Was soll ich sagen, es wurde schlimmer und schlimmer, derzeit bin ich bei 41 Kilo, habe jede Freude am Essen verloren und stelle mit Schrecken fest, wie zwanghaft alles geworden ist. Ich esse immer das Gleiche, hochgradig gesund, aber kalorientechnisch nichts dahinter. Ich traue mich noch nicht mal mehr, einen ganzen Apfel zu essen. Mehr als 100g Obst am Tag sind nicht drin, dazu Rohkost ohne Ende, jeden Abend ca. 20 Gramm Harzer Käse, zwei Scheiben Putenbrustaufschnitt, Sauerkrautsaft, um die Verdauung anzukurbeln und fett- und kohlenhydratarmer Hüttenkäse. Rettich- und Gurkensalat, nur mit Kräuteressig angemacht. Alles muss abgewogen werden, nichts dem Zufall überlassen. Ich habe schon Beruhigungsmittel genommen abends, damit ich nicht mehr essen muss oder aber, um die Panik zu bekämpfen, wenn ich dann doch mehr gegessen habe, als ich "durfte" (zum Beispiel eine halbe Scheibe fettarmen Gouda). Ich bin mir völlig bewusst, dass das ein krankhaftes Verhalten ist. Gottseidank bin ich mit einer totalen Hingabe zu Nüssen, insbesondere Erdnüssen gesegnet, darauf kann ich nicht verzichten, und esse (trotz der horrenden Nährwerte) jeden Tag ein halbes Glas Erdnussmus. Ich weiß nicht, wo ich sonst mit meiner Kalorienbilanz stünde.
Ich weiß um all die Probleme, meine Periode kommt nicht mehr, ich habe schlechte Haut, unglaubliche Muskelschmerzen, alle Knochen stehen raus... Und dennoch sitze ich jetzt hier und ziehe meinen Bauch ein. Und kaufe mir immer noch viele Klamotten nicht, weil ich darin zu fett aussehen könnte. Wenn mir mal jemand nicht voller Schreck attestiert, wie dünn ich denn geworden sei, gehe ich davon aus, zugenommen zu haben. Ein "Du siehst aber gut aus" ist für mich das Zeichen, dass ich zu viel gegessen habe. Der Gedanke an Gewichtszunahme erfüllt mich mit Panik, daher auch der ablehnende Gedanke an eine Therapie, obwohl ich weiß, dass es nötig wäre. Ich bin Mitte 30 und stelle mit Schrecken fest, dass ich eine heftige Essstörung entwickelt und jeglichen Genuss verloren habe. Auch mein Geschmacksempfinden ist übrigens dahin. Dazu immer die Gedanken, wie andere es schaffen, normal zu essen und trotzdem dünn zu sein... Ständige Vergleiche mit anderen... Ich weiß nicht mehr weiter.

Uff, es tut mir leid, dass es so lang geworden ist, vermutlich musste es mal raus.. Manchmal kann ich mir einreden, dass alles halb so wild ist und meine Situation sich schon wieder klären wird, Vermutlich wird sie das nicht.
Danke fürs Lesen, ich weiß auch gar nicht, was man mir antworten könnte... konkret habe ich ja nichts gefragt... Also einfach danke, dass ich schreiben durfte, einmal nicht die Fassade wahren musste.
Euch allen viel Kraft bei euren Kämpfen und liebe Grüße

Peanut

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11. September 2015 um 13:13

Liebe Peanut,
willkommen bei uns und schön, dass du nicht mehr allein damit bist.

Ich denke wir alle können deine Geschichte gut nachempfinden und wissen genau wie es dir geht. Wie Banane das alles ist, weißt du ja selbst, aber immer wieder interessant, dass man sich dieser paradoxen Sache bewusst ist, sie aber doch nie tatsächlich hinterfragt.

Du hast keine konkrete Frage. Aber ich. Wie ist dein Plan? Wie gehts denn weiter? Wo solls hingehen? Wie? Wann?
Du sagst, du hättest nie Grund gehabt, dich minderwertig zu fühlen. Aber dennoch hattest du nie das Selbstbewusstsein um dich von anderen abzugrenzen. Was brauchst du um dich selbst zu mögen, dich abzugrenzen und wieder gesund zu werden?

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12. September 2015 um 22:01
In Antwort auf blamimibla

Liebe Peanut,
willkommen bei uns und schön, dass du nicht mehr allein damit bist.

Ich denke wir alle können deine Geschichte gut nachempfinden und wissen genau wie es dir geht. Wie Banane das alles ist, weißt du ja selbst, aber immer wieder interessant, dass man sich dieser paradoxen Sache bewusst ist, sie aber doch nie tatsächlich hinterfragt.

Du hast keine konkrete Frage. Aber ich. Wie ist dein Plan? Wie gehts denn weiter? Wo solls hingehen? Wie? Wann?
Du sagst, du hättest nie Grund gehabt, dich minderwertig zu fühlen. Aber dennoch hattest du nie das Selbstbewusstsein um dich von anderen abzugrenzen. Was brauchst du um dich selbst zu mögen, dich abzugrenzen und wieder gesund zu werden?

Meine Pläne...
Liebe Blamimibla,

hab herzlichen Dank für Deine Antwort. Als ich sie las, habe ich gemerkt, wie sehr es mich berührt und gefreut hat, dass jemand antwortet, dass ich auf einmal nicht mehr allein bin mit den ganzen Gedanken und Ängsten. Da musste ich direkt eine Runde heulen - das tat gut. Vielen lieben Dank.

Du fragst nach meinem Plan... ich weiß es nicht. Ich habe mich bereits auf die Suche nach einer Therapeutin gemacht, auch eine gefunden, die mir sehr zusagt, allerdings behandelt sie nur Privatpatienten. Ich kann bei ihr angenommen werden, wenn ich nachweisen kann, dass mich zehn gesetzlich zugelassene Therapeuten in meiner Nähe nicht in den nächsten drei Monaten aufnehmen - in diesem Prozess des Suchens und Telefonierens und Protokollierens stecke ich gerade.
Der zweite Punkt ist, dass ich eine Klinik gefunden habe, in der ich gern eine Kur machen möchte. Es ist keine Klinik ausschließlich für ES, sondern arbeitet sowohl psychosomatisch als auch orthopädisch (was ich ebenfalls brauche), sowohl präventiv als auch rehabilitierend). Dorthin würde ich gern gehen, es wäre ein Anfang. Das Problem ist, dass wir nur zu zweit im Büro sind, ich im Veranstaltungsbereich arbeite und wir so viele Termine habe, die allein nicht zu schaffen sind. Ich liebe meinen Beruf und habe ein wunderbares Verhältnis zu meinem Chef (der wie ein väterlicher Freund ist und sich ebenfalls sehr sorgt). ICh weiß nur, in welche Bredouille ich ihn und unsere Arbeit bringe, wenn ich nun plötzlich weg bin. Von daher muss ich schauen, wann es passen könnte - denn nur dann kann ich mich hundertpro drauf einlassen, ich bin nicht dieser "Nach mir die Sintflut"-Mensch, wenn es irgendwie geht, möchte ich ihn nicht im Stich lassen. Ich weiß, dass es allein kaum zu schaffen ist. Natürlich weiß ich auch, dass GEsundheit vorgehen muss. Schwierig. Ab Mitte November wird es bei uns ruhiger und ich versuche es himzubekommen, dann noch vor Weihnachten in die Kur zu gehen.
Der dritte Schritt ist, mir im Alltag so oft es geht Gutes zu tun. Momentan bin ich sehr auf dem Wellness-Trip Heute morgen habe ich mir eine fantastische Thai-Massage gegönnt. Es tut gut, den Körper mal wieder als etwas zu erleben, was liebevoll behandelt werden muss. Überhaupt mal wieder zu fühlen. Ich habe das Gefühl, dass ich ansonsten nur noch aus Schmerzen und Druck bestehe. Hunger empfinde ich kaum noch, Appetit auch nicht. Es schmeckt auch nichts mehr. Geht es dir/geht es euch auch so? Dass man den Appetit auf Geschmäkcer verliert? Was ich immer noch gut essen kann, auch wenn ich mich aufgrund der Kalorienanzahl und der Fette immens schlecht fühle, sind Erdnuss- und Mandelmus. Da kenne ich auch kein Halten Ansonsten schmeckt mir alles gleich. Ich würze extrem scharf, esse alles mit Senf oder Salz, um überhaupt noch zu schmecken.

Ob all das reicht, um mich selbst zu mögen... das weiß ich nicht. Ich mochte mich noch nie großartig. Dabei bin ich, glaube ich, ein ganz netter Mensch, habe tolle Freunde - und trotzdem ist da immer die Stimme im Kopf, die mir sagt, dass ich all das nicht verdient habe. Die sich fragt, warum andere gern mit mir zusammen sein wollen. Es ist so blöd.
Es gibt ein Buch vom Philosophen Wilhelm Schmid, da spricht er davon, dass man mit sich selbst befreundet sein sollte. Das würde ich gern hinbekommen. Aber ich weiß nicht wie. Für Tipps wäre ich dankbar.

Wie schaffst du es, liebe Blamimibla? Schaffst du es?

Entschuldigung, es ist schon wieder so lang geworden. vermutlich weil es so gut tut, es mal auszusprechen, was sonst immer unterdrückt wird.

Danke fürs Lesen und viele liebe Grüße!

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13. September 2015 um 16:16
In Antwort auf peanut1707

Meine Pläne...
Liebe Blamimibla,

hab herzlichen Dank für Deine Antwort. Als ich sie las, habe ich gemerkt, wie sehr es mich berührt und gefreut hat, dass jemand antwortet, dass ich auf einmal nicht mehr allein bin mit den ganzen Gedanken und Ängsten. Da musste ich direkt eine Runde heulen - das tat gut. Vielen lieben Dank.

Du fragst nach meinem Plan... ich weiß es nicht. Ich habe mich bereits auf die Suche nach einer Therapeutin gemacht, auch eine gefunden, die mir sehr zusagt, allerdings behandelt sie nur Privatpatienten. Ich kann bei ihr angenommen werden, wenn ich nachweisen kann, dass mich zehn gesetzlich zugelassene Therapeuten in meiner Nähe nicht in den nächsten drei Monaten aufnehmen - in diesem Prozess des Suchens und Telefonierens und Protokollierens stecke ich gerade.
Der zweite Punkt ist, dass ich eine Klinik gefunden habe, in der ich gern eine Kur machen möchte. Es ist keine Klinik ausschließlich für ES, sondern arbeitet sowohl psychosomatisch als auch orthopädisch (was ich ebenfalls brauche), sowohl präventiv als auch rehabilitierend). Dorthin würde ich gern gehen, es wäre ein Anfang. Das Problem ist, dass wir nur zu zweit im Büro sind, ich im Veranstaltungsbereich arbeite und wir so viele Termine habe, die allein nicht zu schaffen sind. Ich liebe meinen Beruf und habe ein wunderbares Verhältnis zu meinem Chef (der wie ein väterlicher Freund ist und sich ebenfalls sehr sorgt). ICh weiß nur, in welche Bredouille ich ihn und unsere Arbeit bringe, wenn ich nun plötzlich weg bin. Von daher muss ich schauen, wann es passen könnte - denn nur dann kann ich mich hundertpro drauf einlassen, ich bin nicht dieser "Nach mir die Sintflut"-Mensch, wenn es irgendwie geht, möchte ich ihn nicht im Stich lassen. Ich weiß, dass es allein kaum zu schaffen ist. Natürlich weiß ich auch, dass GEsundheit vorgehen muss. Schwierig. Ab Mitte November wird es bei uns ruhiger und ich versuche es himzubekommen, dann noch vor Weihnachten in die Kur zu gehen.
Der dritte Schritt ist, mir im Alltag so oft es geht Gutes zu tun. Momentan bin ich sehr auf dem Wellness-Trip Heute morgen habe ich mir eine fantastische Thai-Massage gegönnt. Es tut gut, den Körper mal wieder als etwas zu erleben, was liebevoll behandelt werden muss. Überhaupt mal wieder zu fühlen. Ich habe das Gefühl, dass ich ansonsten nur noch aus Schmerzen und Druck bestehe. Hunger empfinde ich kaum noch, Appetit auch nicht. Es schmeckt auch nichts mehr. Geht es dir/geht es euch auch so? Dass man den Appetit auf Geschmäkcer verliert? Was ich immer noch gut essen kann, auch wenn ich mich aufgrund der Kalorienanzahl und der Fette immens schlecht fühle, sind Erdnuss- und Mandelmus. Da kenne ich auch kein Halten Ansonsten schmeckt mir alles gleich. Ich würze extrem scharf, esse alles mit Senf oder Salz, um überhaupt noch zu schmecken.

Ob all das reicht, um mich selbst zu mögen... das weiß ich nicht. Ich mochte mich noch nie großartig. Dabei bin ich, glaube ich, ein ganz netter Mensch, habe tolle Freunde - und trotzdem ist da immer die Stimme im Kopf, die mir sagt, dass ich all das nicht verdient habe. Die sich fragt, warum andere gern mit mir zusammen sein wollen. Es ist so blöd.
Es gibt ein Buch vom Philosophen Wilhelm Schmid, da spricht er davon, dass man mit sich selbst befreundet sein sollte. Das würde ich gern hinbekommen. Aber ich weiß nicht wie. Für Tipps wäre ich dankbar.

Wie schaffst du es, liebe Blamimibla? Schaffst du es?

Entschuldigung, es ist schon wieder so lang geworden. vermutlich weil es so gut tut, es mal auszusprechen, was sonst immer unterdrückt wird.

Danke fürs Lesen und viele liebe Grüße!

Hallo peanut,
Loyalität ist eine wunderbare Eigenschaft, aber sie ist sehr schädlich, wenn du nur an andere denkst und dich vergisst. Du könntest mit deinem Chef in einen Dialog treten und erzählen, dass du für eine gewisse Zeit nicht arbeiten kannst. Nun, ob du vor November in eine Klinik kannst weiß ich natürlich nicht, aber ich denke es klingt schon nach einer normalen Wartezeit. Außerdem könnte dein Chef auch für Ersatz sorgen. Es gibt die Möglichkeit jemanden befristet für 1 - 2 Monate einzustellen, oder eine studentische Hilfskraft für diese Zeit zu suchen (einfach Unis und Hochschulen mit geeigneten Studiengängen anschreiben, die schicken es dann an alle Studenten), man könnte eine*n Mitarbeiter*in über eine Zeitarbeitsfirma buchen, Praktikanten, Aushilfen... usw. Ich denke da gibts genug Auswahl auf dem Arbeitsmarkt um dann ab November die Nebensaison gut zu überstehen. Das ist - finde ich - eine faire Lösung.
Du darfst auch mal nein sagen, auch wenn es vielleicht im November dann doch noch nicht so ruhig ist, wie du gehofft hast. Aber du bist ja auch nur eine halbe Arbeitskraft, wenn du nicht gesund wirst.

Generell finde ich, dass dein Plan mit Klinik und ambulanter Therapie großartig klingt. Dein intakter Freundeskreis ist auch eine sehr wertvolle Ressource, die du viel "nutzen" kannst auf deinem Weg der Gesundung.

Nun ja... das mit dem Essen und Schmecken ist momentan irgendwie anders. Bei mir hat sich - denke ich - viel geändert mit der Behandlung meiner extremen Schildrüsenunterfunktion und zusätzlich wirklich taffen Zeiten die mir alles abverlangt haben. Momentan esse ich "normal". Ich hab so meine Ängste vor manchen Brot/Brötchen Sorten, Nudeln, Zucker usw... aber paradoxerweise kann ich diese Lebensmittel doch in angenehmen Setting essen. Mein Partner hilft mir irgendwie total, auch wenn wir diese Themen gar nicht wirklich besprechen. Wir sind nun seit einem Jahr zusammen. Anfangs hab ich komplett verzichtet und nur meinen gestörten Fras da gepickt. Dann habe ich unter der Wohe Diät gehalten und am Wochenende mit ihm geschlemmt. Jetzt Esse ich so nach Hunger/Sättigung, aber manchmal leider auch Apettit, und am Wochenende lassen wir es uns richtig gut gehen (selbstgebackene Pizza!!). Ich bin wie du ein Fan von Scharf und Salzig - alles muss gewürzt werden. Dennoch bin ich eine typische monoton-Esserin. Nur meine Hauptmahlzeit varriiert eben.
In den Semesterferien gehts mir immer ziemlich mies, der ganze Druck für die Semesterarbeiten macht mir zu schaffen, ich versinke dann immer in so eine depressive Haltung, will nicht aufstehen, nicht duschen, nix machen, nur noch im Bett liegen. Aber ich habe einen Hund und der hält mich am Laufen. Deshalb kann ich gar nicht so richtig in diesem Essstörungssumpf versinken. Das ist großartig. Trotzdem futtere ich in der Zeit schrecklich viele Süßigkeiten... Kekse... Chips... Schokolade... Gummibärchen...
Im Moment habe ich ziemlich sicher aaaaalles von mir weggeschoben, weil irgendwie läufts einfach verdächtig rund. Wenn ich mein Herzblatt dann am Sonntag zum Bahnhof bringe (wir sehen uns nur am We, weil beide Studenten), dann kommt die große Traurigkeit. Und mit der kommt auch wieder der Apettit und es verschwindet eine Packung Süßkram - was auch immer ich dann hier habe.
Seitdem ich wieder in Zahnärztlicher Behandlung bin erbreche ich so gut wie gar nicht - also in 9 Monaten waren das jetzt vielleicht 4 oder 5 mal. Es bleibt halt momentan eher beim Frustessen.

Zu deiner Frage ob ich es schaffe mich zu mögen: Eher nicht. Vielleicht ja manchmal. Ich sehe mich immer in spiegelnden Flächen überall an - wir kennen das alle - die Augen kleben immer an unseren Spiegelbildern. Und ich find mich ganz schrecklich und unaushaltbar. Ich denke immer alle sehen mich, keiner kann mich übersehen, sie denken alle ich bin ein Wal.
Letzte Woche war ich nach 2,5 Jahren mal wieder in meiner alten Heimat, im Haus meiner Kindheit. Mein Spiegelbild war ganz anders. Ich wusste gar nicht was los war. Und ein sehr viel erträglicheres Spiegelbild, kombiniert mit netten Menschen, wunderschöner Natur, Sonnenschein und Wanderungen in meiner Heimatstadt... ja... da konnte ich mich dann tatsächlich ein bisschen mögen, oder zumindest viel weniger ablehnen.

Nun ja... wir leben alle mit dieser gewissen Ambivalenz. Ich stehe aber an einem ganz anderen Punkt, die Essstörung ist zwar schon da und präsent, aber irgendwie in einer ganz anderen Dimension als noch vor einigen Jahren.

Ich wünsche es dir und mir, dass wir lernen werden uns zu mögen. Du bist auf einem guten Weg, halt daran fest und lass dich nicht davon abbringen! Schreib es dir auf, wenn nötig. Diese Stimme die wir hören, die Stimme die uns sagt, dass alle sich irren und wir nicht liebenswert sind weil dies und jenes... Diese Stimme hat nicht recht. Ich denke wir wissen das. Aber wissen heißt nicht, dass wir es so empfinden, fühlen und wirklich daran glauben. Das ist der Prozess der Therapie ausmacht. Wir dürfen nicht aufgeben. Sonst stehen wir in 10 Jahren immernoch auf der selben Stelle.

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