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Meine Mutter treibt mich in den Wahnsinn

7. März 2013 um 19:59 Letzte Antwort: 8. März 2013 um 17:41

Guten Abend ihr Lieben,
ich möchte hier über ein Thema sprechen dass mich einfach beschäftigt. Vielleicht gibt es ja Gleichgesinnte.
Neulich wurden wir, also meine Familie und ich, von der Familie meines Freundes zum Essen eingeladen. Mein Freund kommt gebürtig aus Dubai. Als es dann irgendwie auf das Thema Heiraten kam, meinte mein Bruder scherzhaft, dass die Braut bei den Arabern vorher gewogen wird und pro Kilo Körpergewicht ein Kilo Gold von den Eltern des Bräutigams locker gemacht wird. Meine Mutter meinte dann, dass wenn ich so weiterfresse, sie durch mich reich werden würden.
Das hört sich vielleicht erstmal lustig an, aber mich hat das sehr traurig gemacht. Bei meiner Vorgeschichte.
Ich war nämlich bis zum Erwachsenenalter, bin jetzt 22, immer das Pummelchen der Familie. Dabei stand ich immer im Schatten meiner schönen schlanken Schwester. Meine Mama hat das gar nicht gepasst, deshalb kamen dann immer wieder Sprüche wie: wenn du keine Süßigkeiten mehr isst, dann kaufe ich dir auch so schöne Kleider wie die deiner Schwester. Doch meiner Meinung nach ist gerade meine Mutter schuld an meinen Gewichtsproblemen gewesen, da sie mich als Kind oft irgendwo abgeschoben hat damit sie arbeiten gehen konnte. Dabei musste sie das eigentlich nicht. Naja ich habe dann meinen Frust und meine Einsamkeit versucht mit Essen zu kompensieren. Bis ich älter wurde und die Sticheleien ua meiner Klassenkameraden nicht mehr ertragen konnte, und angefangen habe zu hungern. Meinen Eltern ist das nicht mal großartig aufgefallen bis ich 18 Kilo runter hatte. Ich habe dann mit 17 im Fitnessstudio angefangen und exzessiv Sport getrieben, um ja nicht zuzunehmen. Das Gewicht konnte ich auch bis nach dem Abi halten. Dann habe ich meinen Freund kennengelernt als ich 20 war. Dem ist mein merkwürdiges Essverhalten relativ schnell aufgefallen. Ich hatte teilweise diese komischen Rituale, dass ich zum Beispiel erst was gegessen habe, wenn ich beim Sport war. Oder 7 Tassen grünen Tee hintereinander getrunken habe, weil das angeblich entschlacken soll. Alles in allem fand er, dass ich zu dünn bin und zu wenig esse. Er hat mich dann oft zum Essen eingeladen, und ich meldete mich vom Fitnessstudio ab, weil ich sowieso nicht mehr hinging. Plötzlich hatte ich wieder 10 Kilo mehr. Das ging so schnell. Nun trage ich 38/40 und ich bin nicht übergewichtig. Dennoch falle ich eben auf, da alle so schlank sind in meiner Familie und sich sehr viel mit dem Thema abnehmen beschäftigen. Ich fühle mich jedoch eigentlich relativ wohl in meinem Körper, denn im Gegensatz zu früher, hat sich das heute ganz gut verteilt, ich habe zum Beispiel relativ wenig Bauch, dafür mehr Busen und Po. Mein Freund findet es auch super.
Dennoch war diese Äußerung meiner Mutter sehr verletzend. Und nein, ich übertreibe nicht, denn sowas kommt häufiger vor. Ich finde es nicht in Ordnung, dass sich meine eigene Mutter an meinem Körper ergötzt, und das vor anderen. Ich habe auch schon mit ihr gesprochen, ich wohne noch zuhause und da kriegt sie natürlich auch mit, dass ich eingeschnappt bin. Sie meint dann immer, dass ich immer alles in den falschen Hals kriege und keine Kritig vertragen würde. Aber das eine hat mit dem anderen gar nichts zu tun? Ich erwarte von meiner Mutter einfach, dass sie mich eher schützt, als vor versammelter Manchschaft auflaufen zu lassen. Zumal ich auch einfach nicht fett bin! Ich habe einfach das Gefühl, als Zielscheibe für den Frust anderer zu dienen. Denn anscheinend bin ich eh nie gut genug.
Das eigentliche Problem hierbei ist, dass in mir dann manchmal der Gedanke aufkommt, wieder zu hungern. Und zwar solange bis ich richtig magersüchtig aussehe. Dass sie dann endlich sieht, was diese Sticheleien auf meinem Gewicht auslösen. Dass sie schuld ist. Und dass sie dann ein schlechtes Gewissen bekommt. Und das, obwohl ich selbst eigentlich gut mit meinem Körper klarkomme.
Ich habe es schon ein paar mal versucht, 1, 2 Tage nichts zu essen. Aber länger halte ich es nicht durch. Gottseidank vielleicht, denn dann schwindet dieser Gedanke wieder. Und ich habe wieder genug Kraft und Selbstbewusstsein.
Ich habe nur Angst davor, dass ich es irgendwann mal wirklich durchziehe und in die Magersucht rutsche, denn das will ich nicht.
So ein langer Text, tut mir leid. Ich musste mir das einfach mal von der Seele schreiben.

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8. März 2013 um 17:41

Danke für deine netten Worte..
ich weiß nicht, ob ich wirklich jemals krank oder magersüchtig war, denn ich hatte nie irgendwie eine Stimme im Kopf die mir verbot zu essen. Ich konnte ja auch irgendwann wieder damit aufhören. Es war irgendwie nur eine Phase in der Teenagerzeit, in der ich noch keinen richtigen Charakter ausgebildet hatte und zu schwach war um zu mir und zu meinem Körper zu stehen. Ich konnte diese ja auch wieder aus freien Stücken beenden.
Es ist nur so, dass ich ab und an in dieses alte Muster zurückfalle, denn meine Mutter war schon immer der Mensch in meinem Leben, der so kritisch mit mir umging, dass ich sie ganz besonders überzeugen wollte. Es ist einfach so, dass ihre Äußerungen mich immer wieder in dieses Tief verlocken, an dem ich an mir selbst zweifle. Ich frage mich auch, wie es sein kann, dass ich jedes ihrer Worte so zu Herzen nehme und es mich jedes mal so fertig macht. Ich will auch nicht, dass meine Beziehung zu ihr daran zerbricht, aber ich schäme mich manchmal sehr für ihre Äußerungen, da sie das auch immer wieder öffentlich bringt und sich die anderen wohl auch fragen, wie man seine eigene Tochter so in die Pfanne hauen kann.
Unter anderem auch beim Shoppen, wenn sie mich vor Verkäuferinnen blamiert. Oder noch schlimmer vor Freunden. Ich weiß einfach nicht was ich machen soll, es fühlt sich so an als ob jede Speckrolle unter ihrer Beobachtung steht.

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