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Meine Geschichte, mein Leben und meine ES

23. Mai 2010 um 21:48 Letzte Antwort: 4. Juni 2010 um 10:36

Guten Abend ihr Lieben,

seit Monaten verfolge ich dieses Forum, meistens in den
Zeit in denen es mir schlecht geht und versuche irgendwo Mut zu finden und mich nicht von der ES zerstören zu lassen, denn das Leben ist so viel mehr als eine Krankheit.

Nun erstmal zu mir: Ich bin 24 Jahre, weiblich und meine ES ( Mischung aus A-typischer Bulimie und Magersucht). begleitet mich nun seit fast 10 Jahren - mal schlimmer, mal besser (wobei ich immer im NG rumpendele) aber sie lässt mich nie ganz los. Ich habe extreme Hunger- und Fressphasen inkl. Gewichtsschwankungen und ich halte es keinen Tag aus mich nicht zu wiegen, ich habe sonst das Gefühl ich verliere die Kontrolle über alles. Ich war bereits 10 Wochen in stationärer Therapie, um heraus zufinden woran das alles liegt und um mein Essverhalten Schritt für Schritt zu normalisieren, weil ich psychisch so schrecklich unter dieser Krankheit leide. Ich habe allerdings keine Antwort gefunden woher das alles kommt und warum es so ist. Ich bin aber auch an dem Punkt angelangen, wo ich mir sage "was hast du denn davon wenn du weisst woher die ES kommt..?" - denn es ist doch eher wichtig, wie man damit leben kann und nicht die Entstehung. Nach der Klinik war es bisschen besser. aber schnell bin ich wieder in die alten Muster verfallen und kämpfe seither alleine abwechselnd gegen die FAs ( oft tausende von kcal durch Süssigkeiten, fettigen Sachen usw. aber immer das selbe Essen) und gegen die Hungerei ( oft Phasen wo ich tagelang nichts! esse, also wirklich gar nichts), gegen alle damit verbundenen Gefühle & die vielen Gedanken. Allerdings fühle ich mich in keiner Phase wohl. d.h. Esse ich - beruhigt es mich für kurze Zeit irgendwie, es nimmt mir Druck und irgendwie "befriedigt" es mich auch. Andererseits macht es mir ein schlechtes Gewissen, unzufrieden, Wut und Ärger überkommen mich, es macht mich nervös und hippelig und baut wieder Druck in mir auf. Wenn ich hungere, dann hab ich das Gefühl von Disziplin, Macht und Kontrolle über mich selbst. Es ist ein verdammter Teufelskreis aus dem ich immer wieder versuche auszubrechen - bisher leider erfolglos!
Im Moment versuche ich einfach nicht wieder in die FAs zu verfallen und regelmässig und vorallem gesund zu essen, auch wenn ich täglich exakt das selbe esse. Natürlich hab ich schreckliche Angst vor dem Zunehme, aber ich will mich nicht aufgeben, auch wenn das schon alle anderen um mich rum getan haben. Oft fühle ich mich unverstanden und nicht akzeptiert, weil es eben nur Menschen verstehen können, die das selbe Problem haben. Trotzallem und ttrotz der langen Zeit mit der ES will ich weiterkämpfen und es mir selbst beweisen, das ich es schaffen kann!

Ich hab mal zurück geblickt in die Zeit vor der Krankheit, damals war ich meistens glücklich, fröhlich und unbeschwert, hab mir keine Gedanken darum gemacht. Und was ist jetzt, meine Gedanken kreisen Tag und Nacht , 24 Stunden nur um diese eine verdammte Sache. Ich wünschte ich könnte die Krankheit einfach loslassen, sie gehen lassen, aber vielleicht liegt es auch daran, dass sie mich nicht loslässt, das sie mich bei sich behält bis sie mich endlich kaputt gemacht hat. Aber ich frage mich immer und immer wieder wieso ich dabei zusehe und mich nicht wehren kann? Ich hasse es so sehr und ich hasse es so sehr, dass ich mich so wahnsinnig hilflos fühle. Ich fühle mich so alleine gelassen mit der ganzen Sache, fühle mich als hätte ich ein riesen Paket auf den Schulter und trage es immer mit mir herum. Ich bin nicht mehr ich, ich habe mich verändert, habe mich zurück gezogen und vergesse so oft zu leben, weil ich viel zu viel mit dem Essen bzw. Nicht-Essen beschäftigt bin. So oft frage ich mich selbst bzw die ES :" wieviel Leben, Kraft und wieviel Zeit willst du mir noch nehmen?"

Ich wünsche mir nur eins: Endlich ein normales Essverhalten, Genuss von Essen ohne Reue, schlechtem Gewissen davor und danach oder Scham und nicht immer diese Gedanken um das Essen, diese ganzen Verbote und Regeln, die ich mir selbst auferlege - einfach mehr Lockerheit & Ungeschwertheit und auch Genuss im Leben. Dieses Fressen - Hungern - Fressen - Hungern macht mich verdammt unglücklich und ich verliere mich selbst immer mehr dabei, weil mich die ES so sehr einnimmt.

Ich will euch allen Mut machen - vorallem denen, die oft vor dem Aufgeben stehen und keine Kraft und keine Engerie mehr haben - kämpft weiter - auch wenn ihr es allein für euch tut!

Alles was ihr braucht ist Mut - und zwar jede Menge davon!


Liebe Grüße an alle und vorallem an die - die sich hier selbst wiederfinden.

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27. Mai 2010 um 13:02

Etwas Beistand ...
Hey, auch wenn ich keine ES habe. Zumindest keine Richtige, denn ich bekomme schon des öfteren ein schlechtes Gewissen, obwohl ich mir keine Sorgen machen müsste, würde ich dir gerne helfen.
Ich habe mich sehr viel mit diesem Thema auseinander gesetzt, weil ich mich selbst als "gefärdet?" betrachte. Selber habe auch ich einen Haufen Probleme und ich (soweit ich das behaupten kann ) denke ich verstehe dich.
Es muss schrecklich sein, wenn die Menschen um dich herum aufgeben, aber es wird doch sicher jemand in deiner Nähe sein, vor allem deine Eltern, die wenn du sie ansprichst helfen möchten?!
Wahrscheinlich ist es am sichersten noch einmal in eine Therapie zu gehen ... aber es ist gut, dass du dich nicht selber aufgibst, denn dass ist das schlimmste was ein Mensch tun kann - sich selber aufgeben.

Du hast bestimmt schon einiges probiert, von radikal bis langsam ... naja, ich kann nur versuchen dir Anregungen zu geben:

Schau dir doch zuerst einmal Bilder von Mädchen an, die auch diese Krankheit haben. Wie schrecklich dünn sie sind. Dann mach vernünftige (qualitativ gute) Fotos von dir selber und mach dir klar wie dein Körper wirklich aussieht.
Du solltest erst mal anfangen etwas gesundes zu essen (Kartoffeln, Obst, Gemüse, Vollkornbrot). Vll. magst du auch süße Getränke (Cola, Fanta, Sprite). Etwas wovon dein Gewissen vll. nicht ganz so schlecht wird. Such dir Wunschgewicht aus. Halte dir immer vor Augen wie sehr du deinem Körper schadest und das es nicht mehr schön ist.

Belohn dich, wenn du ein Ziel erreicht hast! Und überleg dir einfach mal, wenn du eine gewisse Menge gegessen hast, dass du einfach ETWAS Sport machst um dein Gewissen zu beruhigen (Am Abend 15 Situps und 5 Liegestütze?). Vll. denkst du, wenn ich zunehme werde ich hässlich, das wird unpoportional, nur mein Bauch wird dick usw. aber wenn du dazu etwas Kraft training machst (bloß kein Ausdauer), baust du Muskelmasse auf, die deinen Körper dann schön formt. Fett ist nichts schlechtes es schützt - nur in Übermengen ist es schlecht, aber wenn du deinen Körper formst ist es, als wäre keines da.

Aber am wichtigsten ist wohl die Einstellung. Denn du müsstest deine gesammte Denkweise zu diesem Thema ändern. Nicht essen ist schlecht, sonder essen hilft. Und das ist wahrscheinlich das Problem und das Schwierigste und unmöglichste. Meine Einstellung (zu andern Themen) müsste ich auch ändern, weil ich sonst daran kaputt gehe. Ich weiß also, dass es einfach nicht geht! Meint man zumindest.

Ansonsten kann ich dir nur empfehlen. Schau dich nach Leuten um die dir gut gesinnt sind. Geh' nach draußen, verlier nicht den Mut zu leben und knüpfe wieder Kontakte zu liebenswerten Personen in deinem Leben! Vor allem Menschen die dir nahe sind können dir helfen, also lass sie an dich heran, mach auch anderen mal eine Freude. Beginn vll. mit deiner Familie, denn die (zumindest im Normalfall), stehen zu dir und nehmen dich mit offenen Armen auf, wenn du auf sie zugehst!

Ich würde mich über eine Antwort freuen und hoffe, dass ich dir wenigstens einen kleinen Ansporn gegeben habe.
Wenn du magst kannst du dich auch gerne bei mir Ausreden, ich habe Verständniss.

( ... Naja, wenn du der Meinung bist, dass ich dir nicht helfen kann - dann berät dich sicher auch Jdm. anders hier )

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4. Juni 2010 um 10:36

Aufmunterne Worte.
Hey ihr lieben,

Eure Texte sind echt toll geworden und sie werden hoffentlich manchen mut machen weiterzukämpfen ich setze mal noch ein paar Folgen von esstöruungen rein damit es noch mehr abschreckt und man versucht weiterzumachen und sich hilfe zuholen.Habe diesen Text aud dem internet herrausgesucht.




Die Anpassung an die Mangel- und Unterernährung führt bei Anorexia nervosa, Bulimia nervosa und beim experimentellen Fasten zu sehr ähnlichen Veränderungen. Die Unterschiede sind mehr quantitativer als qualitativer Art und hängen von der Art, dem Ausmaß und der Dauer selbstzerstörerischer Verhaltensweisen ab.



Eine Mangel- und Unterernährung wird mit Übergang in den Zustand des Verhungernsm zu einer zunehmenden Hormon- und Stoffwechselkrankheit mit Auswirkungen auf nahezu alle Organsysteme:
Akute Schäden betreffen dabei vor allem das Herz, am häufigsten in Form von Rhythmusstörungen. Besonders gefährlich ist die Kombination: Hungern, Kaliummangel, körperliche Aktivität. Außerdem kann, bevorzugt vor dem rechten Herzen, ein Perikarderguss (Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel) auftreten, der eine Bewegungsreduktion nach sich zieht. Chronische Schäden betreffen bevorzugt Knochen, Niere und Zähne (letztere bei den bulimischen Patienten). Auch das Körperlängenwachstum kann verzögert sein. Zunehmend werden als chronische Folgen des Hungerzustandes auch überdauernde Probleme um spätere Schwangerschaften und Geburten berichtet.



Eine Mangel- und Unterernährung hat auch psychische Folgen: die typische, vermehrte gedankliche Beschäftigung mit Nahrung und die gesteigerte motorische Aktivität, der Bewegungsdrang Magersüchtiger. Beides wird in letzter Zeit nicht nur als unsinnige oder absichtlich den Energieverbrauch steigernde Reaktion der Betroffenen angesehen, sondern auch als entwicklungsgeschichtlich erklärbar, da durch beide Verhaltensweisen die Wahrscheinlichkeit des Auffindens von Nahrung erhöht werden kann und es in Vorzeiten Sinn gemacht hat, sich im Zustand des Hungerns vermehrt bis ausschließlich mit der Nahrung zu beschäftigen und sich aktiv darum zu bemühen, diese zu finden.



Der Bewegungsdrang Magersüchtiger kann aber auch Schuldthematiken beinhalten, mit der Überzeugung, sich Essen erst über Bewegung verdienen zu müssen. In Bewegung zu sein kann auch dazu eingesetzt werden, Gefühle von Unruhe abzumildern: inneren Druck, das Gefühl, sich selbst nicht aushalten können oder ein verzehrendes sich Getriebenfühlen in Ruhesituationen.



Der Hungerzustand kann als weitere Folgen eine ungewöhnliche Nahrungsauswahl, einen (vermehrten) Substanzgebrauch (Alkohol, Drogen, Nikotin, Kaffee), zwanghafte Verhaltensweisen, ritualisiertes Essen, erhöhte Reizbarkeit und Konzentrationsstörungen nach sich ziehen, weshalb wir vom Schulbesuch oder einer Berufstätigkeit im anorektischen Gewichtszustand abraten. Eine Mangelernährung scheint über psychobiologische Mechanismen auch die Wahrscheinlichkeit impulsiven Verhaltens (Aggressionsschübe mit gewalttätigen Durchbrüchen, Selbstverletzungen) erhöhen zu können.



Aber medizinische Folgen und Komplikationen sind nur Begleitsymptome und nicht das verursachende Problem. Komplikationen erfordern, zum Teil schon aus lebenserhaltenden Gründen, die medizinisch angemessene Behandlung. Aber jede Behandlung nur der medizinischen Seite bleibt einseitig und nicht nachhaltig, wenn sie nicht auch an den Ursachen der Störung angreift. Aufgrund der Natur der Erkrankung brauchen auch schwerst Erkrankte von Anfang an eine spezifische Behandlung, die der zugrunde liegenden seelischen Störung gerecht wird


An alle lasst euch helfen und hört nicht auf zukämpfen den es lohnt sich.

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