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Meine Geschichte (inspiriert von Losgelassen1 )

23. Oktober 2013 um 11:13 Letzte Antwort: 22. November 2014 um 23:17

Mein Leben ging eigentlich von vornherein drunter und drüber. Meine Schwester wurde von meinem Vater geschlagen, unter die kalte Dusche gestellt.... zum Glück zog er aus, als ich ein Kleinkind war- so hatte ich noch die Chance auf eine andere Erziehung. Allerdings war er noch lange nicht aus unserem Leben raus, da meine Mutter sich nicht lösen konnte.. obwohl er sie innerhalb von 25 Jahren Ehe sicher um die 7 Mal über Jahre betrug.
In der Schule wurde ich viel gemobbt auch per Internet- aber komischerweise verkraftete ich das alles noch, im Vergleich zu dem, was noch kommen sollte. Daran war mein bester Freund nicht so ganz unschuldig- ich habe ihn in der 6ten Klasse kennengelernt und er ist noch heute an meiner Seite also knapp 10 Jahre die beste Unterstützung, die man haben kann.
Das Mobben wurde in der 8.-9. Klasse so stark, dass ich 2008 die Schule wechselte. Ab da änderte sich vieles in meinem Leben- das Mobben wurde weniger, ich wurde selbstbewusster 2 Monate danach hatte ich sogar meinen ersten Freund und eigentlich schien alles besser zu werden. Knapp ein Jahr später, zwischen Ende 2009- Anfang 2010 begann dann der Schulstress, mich aufzufressen. Ich war schon immer perfektionistisch mir selbst gegenüber und verstand nicht, dass ich einfach nicht mehr schulische Leistungen bringen konnte, als ohnehin schon. Schrieb nur gute Noten zwischen 1-3, was ich gar nicht wahrnahm und mir immer einredete, dass ich schlecht wäre. Noch dazu war ich zwar noch in der Beziehung, allerdings hatte auch diese sich im Laufe der Zeit zum Schlechten gewendet, da er mich regelmäßig schlug egal ob es schubsen, in den Magen boxen, ins Gesicht schlagen war.. was ich damals noch nicht wahrnehmen wollte, weil ich ihn über alles geliebt habe. (Einmal sagte er sogar, dass er nicht wüsste woher es kommen würde und er wohl neidisch auf mein gutes Leben(?) wäre, da er selber auch so eine schlechte Vergangenheit durch Mobbing etc. hatte... vielleicht war er auch einfach überfordert, was aber noch lange keine Entschuldigung ist/war). Und so fing es wie von selber an. Ich bekam es zu dem Zeitpunkt gar nicht richtig mit. Ich frühstückte nicht und aß kein Abendessen.. wenn es hochkam, aß ich nur minimal Mittag mit meiner Mutter. Das Hungergefühl verschwand so schnell, dass ich es kaum noch empfand und so nahm ich innerhalb kürzester Zeit 20kg ab. Ich für meinen Teil war aber immer noch der Meinung, mich normal zu ernähren und verstand die anderen nicht, warum sie sich solche Sorgen machten. Inzwischen machten sich alle Sorgen- meine damalige Schwiegermutter.. selbst meine gesamte Klasse und die Lehrer bekamen es mit und sprachen mich immer öfter darauf an, was ich aber nur als Bestätigung und Lob sah, anstatt es als wachrütteln aufzufassen. Keine 2 1/2 Monate später war es dann schon so weit, dass ich nur noch hätte schlafen können.. wenn ich dann aufstand, konnte ich mich vor Trägheit kaum rühren und trotzdem fühlte es sich gut an für mich.. ich sah dauerkrank aus, da war nichts mehr von hübsch (53kg bei 1.72m) Doch irgendwann kam dann der Umschwung bis heute ist mir aber noch nicht ganz klar, wie das so plötzlich kommen kann. Es war eigentlich ganz simpel. An einem morgen sah ich in den Spiegel und plötzlich fühlte ich mich potthässlich. Mein Gesicht war knochig, meine Brüste kleiner und so schnell wie ich abgenommen hatte, machte ich mich auf den Weg des Zunehmens... ich glaube, damals nahm ich dann Stück für Stück wieder um die 15kg zu. Ich machte es ohne Therapeut.. denn damals war ich noch der Meinung, dass es bloß keiner mitbekommen soll. Anfang 2011 trennte sich dann nach etwas über 2 Jahren mein Freund von mir, weil er sich in eine gute Freundin verliebt hatte. Für mich brach meine Welt zusammen, obwohl es eigentlich das Beste war, was mir hätte passieren können. Ich wurde hochdepressiv, weil ich mich so sehr an ihn gebunden hatte und bekam sogar von Zeit zu Zeit Selbstmordgedanken. Allerdings war es eher a la was wäre, wenn?.. eigentlich wusste ich, dass ich es nie schaffen würde, weil ich viel zu viel Angst vor den Schmerzen hätte. Komischerweise kam es zu dem Zeitpunkt nicht zum Rückfall. ich dachte keine Sekunde daran, was auch gut so ist. Die ersten drei Monate waren für mich die Schrecklichsten bis ich mich wieder auf meine Ausbildung konzentrierte und irgendwann lernte, damit zu leben, auch, wenn ich nie ganz drüber weg war. Fast genau ein Jahr später lernte ich dann den neuen Mann an meiner Seite kennen- ein guter Freund meiner besten Freundin. Er schien direkt Interesse an mir zu haben und redete viel mit mir.. 4 Wochen später verabredeten wir uns dann und wir hatten riesig Spaß. Wie gut es sich anfühlte.. wieder einem Mann so nah zu sein und es Öffentlich zeigen zu können- einige Zeit später küsste er mich und wir kamen zusammen. Mit ihm ging alles sehr schnell, seine Familie wurde zu meiner- wir zogen zusammen und er machte mir vor 400 Menschen einen Heiratsantrag.. doch so unendlich glücklich ich in den ersten Monaten auch war, so schnell wendete sich das Blatt. Er begann, täglich zu trinken, gab seine Arbeit auf, wurde depressiv und ab da riss er mich mit zurück in den Abgrund, da er sämtliche Gründe seines schlechten Wohlergehens auf mich übertrug. Ich gab mir so viel Mühe ihm alles recht zu machen, weil ich so große Verlustängste hatte und so erkannte er, dass er in mir das richtige Opfer gefunden hatte. Ich stand kurz vorm Abschluss meine Ausbildung, hatte wieder extrem viel Druck und schon bei dem Gedanken, zu ihm nach Hause zu fahren, überschlugen sich meine Gedanken und ich begann von Tag zu Tag, von der Schule aus direkt zum Einkaufen zu fahren und zu essen, essen und essen. Dies fiel ihm natürlich auf und er beschwerte sich immer öfter darüber, dass ich in seinen Augen zu dick wurde- was mich noch mehr runterzog und anstatt dass ich die Notbremse ziehen konnte, aß ich noch mehr, um die schlechten Gefühle zu ersticken. Ein reiner Teufelskreis ohne nahem Ende. Als meine Abschlussprüfungen vor der Tür standen und ich Zuhause saß und lernte, bekam ich solche riesen Angst davor zu versagen, dass ich zum ersten Mal den Wunsch verspürte, mich zu übergeben. Diesmal war es aber nicht so unbewusst wie beim ersten Mal in der Magersucht- im Gegenteil. Doch ich versuchte, so schnell es ging die Notbremse zu ziehen und rief meine Schwester an, die total geschockt reagierte.. na klar, wie denn auch anders. Damals kam mir schon alles so schlimm vor, wenn der Heißhunger kam und ich versuchen musste, zu widerstehen. Das Übergeben bekam ich relativ schnell in den Griff, im Gegensatz zu dem Rest. Nach einigen Wochen erzählte ich auch meiner Schwiegermutter davon und bat meinen Verlobten um Hilfe, der aber direkt auf Durchzug stellte. Ich versuchte, so offen wie möglich mit dem Thema umzugehen und mir selber nichts vorzumachen- Einerseits wollte ich mehr dort raus als alles andere, andererseits fühlte es sich unbeschreiblich gut an. Auch, wenn das Gefühl nur für ein paar Minuten anhielt, für mich war es wie im Himmel..
Die Monate mit meinem Verlobten wurden immer schlimmer und nachdem es soweit kam, dass er mich nicht mal mehr ein Stückchen Eis essen ließ, ohne mich zu ermahnen und mich heimlich sogar mit einer Prostituierten betrug, weil ich ihm zu dick war (allerdings befand sich mein Gewicht noch im Normalgewicht, wenn auch grenzwertig) kam es schließlich zu der Trennung. Schlagartig ging es mir besser und die ersten 3 Wochen hatte ich weder das Bedürfnis zu fressen, noch mich zu übergeben.. das Gefühl war so befreiend. Doch dann- er meldete sich und schon war es schlimmer als die ganzen Monate davor. Zuerst nur Phasenweise und am Ende drehte sich mein ganzer Tag nur ums Essen. Entweder ich aß zu viel, oder zu wenig- ein dazwischen gab es für mich nicht. Um mich selber davon abzuhalten zu essen, essen und zu essen begann ich mir wieder anzugewöhnen, lieber gar nichts zu essen, als wieder alles in mich hineinstopfen zu müssen- kaum würde ich etwas anrühren.
Was noch für mich persönlich ein wichtiger Bestandteil war und ist, ist, dass meine Familie immer wahnsinnig viel von mir verlangt- perfekt sein, nie Fehler machen... alles auf Anhieb können müssen. Dieses Gefühl wird mir noch bis heute fast täglich vermittelt und vorallem, dass ich ihren Ansprüchen nicht gewachsen bin und sie mich deshalb für.. naja, schlecht und dumm halten. Oft habe ich das Gefühl, ich wär deshalb nach meinem Vater das schwarze Schaf der Familie. Ich habe inzwischen schon unzählige Male mit meiner Mutter darüber geredet, was aber nicht eingesehen wird.. letztendlich ist doch niemand perfekt- es sollte nicht verlangt werden.. und gerade, wenn man es nicht ist, macht es doch erst menschlich, finde ich. Ob ich mich da wegen der Krankheit oder der Gesamtsituation nur reinsteiger oder es wirklich so ist.. für mich ist es jedenfalls sehr sehr schmerzhaft.

Mein neuer Partner hingegen ist wundervoll... sagt mir oft, wie schön ich bin, dass ich kein Gramm abnehmen muss- unterstützt mich voll und ganz und ohne wenn und aber und DAS ist es, was den richtigen Partner ausmacht- kein niedermachen & Vorwürfe über Vorwürfe, weil er mit seinem eigenen Leben nicht klar kommt und es sich nur nicht eingestehen will. Vor einigen Wochen habe ich mich auch mit einem Mädchen aus diesem Forum und einer inzwischen sehr guten Freundin(<3) getroffen und sie machte mir bewusst, wie wichtig es wirklich ist, zu essen. Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll... aber nur durch regelmäßiges, richtiges essen, schafft man es, abzunehmen (ich habe mir vorgenommen, bis zu einem bestimmten Gewicht im Normalgewicht abzunehmen, um mich wohler zu fühlen und so zu hoffen, dass es wieder aufhört. Wenn ich ab da nicht aufhören kann, werde ich eine Therapie machen, das habe ich mir geschworen und das werde ich auch durchsetzen!)

Mir ist viel Mist in meinem Leben passiert, gerade beim Thema Männer, doch letztendlich bin ich in den Jahren seit meines Schulwechsels sehr viel reifer geworden und habe die Chance bekommen, mehr zu mir selbst zu finden/ich selber werden zu können und genau deshalb bereue ich nichts von dem, was in meiner Vergangenheit geschehen ist- letztendlich hat es mich zu dem Menschen gemacht, der heute hier sitzt und diesen Text schreibt. Ich nehme das alles mehr als bewusst wahr und weiß, dass es falsch ist. Auch habe ich inzwischen einige Bekanntschaften gemacht, die in der Gleichen Situation sind wie ich, was ich persönlich sehr gut finde und es wirklich eine große Hilfe ist (eine Freundin von mir wollt mir von abraten, aufgrund des gegenseitigen Triggerns und des Runterziehens, was anderes konnt sie sich gar nicht vorstellen).
Nur mit dieser Einsicht wird einem klar, dass es so nicht weiter gehen kann und so habe ich seit einigen Monaten meinen Kampf gegen die Krankheit gestartet und für mich steht fest, dass ich mich nicht von ihr besiegen lassen werde.
Ich hoffe, dass die Geschichte nicht für einige zu negativ ist.. aber ich wollt euch auch so nochmal sagen: Daher weiß ich, was für schlimme Auswirkungen Männer auf uns haben können.. macht euch nie, nie, nie so sehr von ihnen abhängig, das haben wir nicht nötig!

Glaubt an euch, wir können alles schaffen, sind stärker als unsere falsche Wahrnehmung und stehen über den Dingen.. auch, wenn es ein langer Weg ist- es lohnt sich. Denn nur so können wir wieder zurück in ein unbeschwerteres Leben.

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23. Oktober 2013 um 11:48

Hab ich gern gemacht
Du bist ja mit sehr gutem Beispiel vorraus gegangen, also habe eher ich mich zu bedanken *smile*.

Da hast du vollkommen recht! Ich glaube aber, dass viele von uns als aller erstes in Männern den Halt suchen und sich deshalb dann dermaßen festklammern.. ist ja kein Wunder. Einerseits können sie uns das schönste Gefühl geben, andererseits das schlimmste. Was eigentlich echt traurig ist..
Richtig.. wir sind eigentlich so stark, nur sehen wir es genau in den Situationen, in denen es uns so schlecht geht, nicht.

Nach der Trennung von meinem Verlobten habe ich erst gelernt, mich nicht abhängig machen zu dürfen.. aber besser spät als nie. Und das kann ich auch allen anderen hier nur empfehlen! Auch, wenn es sich zurst unmöglich anfühlt, ohne so eine Person leben zu können- mit der Zeit merkt man, dass es das einzig Richtige und Beste war.

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23. Oktober 2013 um 11:52
In Antwort auf tilda_12628623

Hab ich gern gemacht
Du bist ja mit sehr gutem Beispiel vorraus gegangen, also habe eher ich mich zu bedanken *smile*.

Da hast du vollkommen recht! Ich glaube aber, dass viele von uns als aller erstes in Männern den Halt suchen und sich deshalb dann dermaßen festklammern.. ist ja kein Wunder. Einerseits können sie uns das schönste Gefühl geben, andererseits das schlimmste. Was eigentlich echt traurig ist..
Richtig.. wir sind eigentlich so stark, nur sehen wir es genau in den Situationen, in denen es uns so schlecht geht, nicht.

Nach der Trennung von meinem Verlobten habe ich erst gelernt, mich nicht abhängig machen zu dürfen.. aber besser spät als nie. Und das kann ich auch allen anderen hier nur empfehlen! Auch, wenn es sich zurst unmöglich anfühlt, ohne so eine Person leben zu können- mit der Zeit merkt man, dass es das einzig Richtige und Beste war.

Und ich finde,
dass Offenheit so wichtig ist- gerade bei diesem Thema.
Bei mir wissen eigentlich auch alle in meinem Umfeld bescheid, außer meinen Arbeitskollegen, meiner Tante + Cousin, Vater und Großeltern.
Wie ich schonmal gesagt habe.. es hilft einem auch, sich selber nicht mehr vormachen zu können, dass man nichts hat, sondern es sich eingestehen, akzeptieren und somit auch dran arbeiten kann. Selbst mir sagt meine Wahrnehmung noch manchmal sowas wie: Du bist doch gar nicht krank, du willst es dir nur einreden. Obwohl ich die Wahrheit ganz genau kenne und mich deshalb gar nicht erst auf sowas einlasse..

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24. Oktober 2013 um 9:01

Amelie11115
dankeschön auch an dich, für deine Lieben Worte !

Es ist wirklich so, dass wir uns am Besten unterstützen und motivieren können, gegenseitig.. und ich mache es echt gerne, war schon immer so ein fürsorglicher Mensch!

Liebe Grüße!

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22. November 2014 um 23:17

...
Damit ihr nicht lang suchen müsst, hier nochmal meine Geschichte.
Ich werd versuchen, nun wieder öfter hier zu sein!

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