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Meine Geschichte bisher.. nun will ich den Spieß undrehen

24. Februar 2009 um 21:15 Letzte Antwort: 26. Februar 2009 um 11:13

Als ich heute im Zug auf dem Weg nach Hause saß, kam ein kleines Kind zu mir, drückte mir sein Jojo in die Hand und strahlte mich an. Vor ein paar Wochen hätte ich wahrscheinlich nicht drauf reagiert und mit versteinerter Miene dagesessen.
Jedoch konnte ich lächeln. und habe festgestellt, dass ich in den letzten Tagen generell glücklicher bin als Monate zuvor und zwar, seit ich wieder regelmäßiger esse.

Ich weiß gar nicht, wann es angefangen hat. Mein Startgewicht lag irgendwo zwischen 67 - 69 kg.
Schon seit meiner Kindheit hab ich jeden Tag in der Schule und den rest des Tages zu Hause verbacht. Als ich 7 Jahre alte geworden bin, sind wir aufs Land gezogen. Hier gab es keine gleichaltrigen und es war auch nicht immer leicht, in die Stadt zu kommen. Ich hatte also NIE Freunde. Dies sollte sich auch in den nächsten Jahren nicht ändern, denn seit der 6. Klasse hatte ich mit Mobbing an der Schule zu kämpfen. Ich zog mich also noch mehr zurück, und auf meine Seite stellte sich auch keiner. Ich versuchte fast alles, um Anerkennung zu bekommen oder jemanden zu finden, mit dem ich anfreunden konnte. Doch ich schaffte ich nicht. Einmal im Französischunterricht stellten wir die Stadt Paris mit ihren Sehenswürdigkeiten nach. Ich war 'le Grand arche' (gesprochen: GrandARSCH). für einige natürlich wieder ein gefundenes Fressen (das Mobbing selbst beschränkte sich allerdings nicht allein auf meine Figur). In meiner Klasse waren sowieso nur Hungerhaken, aber sie waren beliebt. So begann ich abzunehmen.

Es ging zunächst damit los, dass ich das Frühstück ausließ, später alle möglichen Süßigkeiten, die ich zu mir nahm, verweigerte usw. wo das endet, kennen die meisten sicherlich.. es wurde immer weniger. irgendwann nahm ich nur noch, wenn es überhaupt so hoch kommt, 1 Mahlzeit am Tag zu mir, abends in meinem Zimmer folgten Gymnastikübungen etc. Nebenbei spielte ich noch Handball. Jeoch folgten auf 2-3 Wochen Hungern immer 1-3 Tage keine wirklichen Fressattacken, aber immer noch genug essen, um nach 5 kg Gewichtsabnahme wieder 2-3 kg zuzunehmen. Dies nahm ich jedoch in Kauf, da ich wusste, ich nehm mehr ab als dass ich zunehme. Es gab aber auch Zeiten, in denen sich auch über 2 Monate das Gewicht nicht geändert hat. Ich habe mich in diesen Zeiten gehasst, eigentlich habe ich mich die ganze Zeit gehasst.

Auch als ich abnahm, hat sich in der Klasse nicht viel geändert, zu einem bestimmten Zeitpunkt hatte das Mobbing zwar aufgehört, aber trotzdem hatte ich nichts mit den Leuten aus der Klasse zu tun. Als ich dann jedoch ein Auto hatten, meinten sie, sich bei mir einzuschmeicheln. Sie wären NIE auf die Idee gekommen, mich zu fragen, ob ich was am Wochenende mit ihnen machen möchte. 1x haben sie es getan - weil sie einen Fahrer benötigten. doch ich war froh, es war mein letztes Schuljahr mit denen zusammen, ich würde die nie wieder sehen.

Nach dem Abi folgten 5 Monate 'Ferien'. Ich hatte grad mein eigentliches Zielgewicht von 55 kg erreicht und es zu dem Zeitpunkz noch gehalten (die Sache mit dem eigentlich kenn die meisten ja bestimmt auch. Man setzt sich ein Ziel, wenn man jedoch einmal in dem Teufelkreis drin ist, werden es weniger und weniger). Als ich dann für 4 Wochen meinen Freund besuchte, mit dem ich eine Fernbeziehung führte, wurde ich dort regelrecht gemäßtet, sodass ich wieder auf 60 zunahm.

Im September begann dann meine Ausbildung. Zunächst lief alles ganz gut. Im Oktober, 4 Tage vor meinem Geburtstag, machte mein Freund mit mir Schluss, seitdem ging es bergab. Danach nahm ich wieder so gut wie nichts zu mir. hinzu kamen der Stress durch die Klausuren und durch die Pendelei. ich bin 06:00 Uhr aus dem Haus und 18:00 wieder zurück.
Einen Tag vor Weihnachten hatte ich mir wohl ne Magen-Darm-Grippe oder ähnliches eingefangen. am 23. konnte ich gar nichts essen, bis ich abends gekotzt habe. An den Weihnachtstagen konnte ich ebenfalls fast nix zu mir nehmen. Nach 5 Happen bekam ich nichts mehr runter. Im Restaurant am 1. Weihnachtsfeiertag müsste ich quasi einen vollen Tagen in die Küche schicken. Dabei habe ich mir vorgenommen, zumindest an Weihnachten normal zu essen, wenn die ganze Familie zusammen ist. Sonst seh ich meine Eltern zu Hause nur abends, und essen tun wir auch selten zusammen, da war es nicht schwer, nichts zu essen, aber jetzt an Weihnachten?...
An Silvester hatte ich dann mein niedrigstes Gewicht von 52 kg erreicht. Mein Silvester verbrachte ich dann Hamburg bei der einzigen aus der Klasse, mit der ich auch nach dem Abi Kontakt hatte. Aber keine tiefe freundschaft, nur etwas völlig oberflächliches. Silvester und in den Wochen danach hatte ich dann wieder die Kilos drauf, die mir an Weihnachten verschont geblieben sind.

Natürlich wollte ich anschließend wieder weiterhungern. Jedoch hatte ich andere Probleme im Kopf, die größten mit meinem Ex, mit den Leuten aus meiner jetzigen Klasse, die ich auch zum ersten Mal als 'Freunde' bezeichnen würde und der Schulstress. Dabei bekam ich gar nicht mit, dass ich relativ normal aß.

Ich habe jedoch festgestellt:
- ich fror nicht mehr, wenn ich morgens auf dem Bahnhof auf meinen Zug wartete oder abends, wenn die Heizung in meinem Zimmer schon seit 3 Stunden auf 5 steht
- ich bin nicht ständig gereizt
- ich schlaf nicht während des Unterrichts vor Erschöpfung fast ein
- mir ist nicht schwindelig, wenn ich aus der heißen Badewanne steige
- ich kann auch wieder lächeln wie heute im Zug
- etc.

Es tut natürlich immer noch weh, wenn ich jetzt die 56 auf der Waage stehen sehe. Aber ich stell mich grad vor die Frage, was mir wichtiger ist: meine Freunde, mein Spaß, meine Gesundheit oder das Abnehmen in der Annahme, dass ich dann glücklicher sei. ich denke, wenn ich noch ein paar Monate so weitermache / weitermachen würde, und evtl. irgendwann sich die FAs zwischendurch einstellen, wäre ich bald richtig drin in der Magersucht. So soll(te) es jedoch nicht enden.
Ich fand auch meinen Körper, als ich abnahm, nicht schöner als vorher. Wenn ich die Probleme, die dahinter stecken, außen vor lasse und nur von den Äußerlichkeiten ausgehe, so fand ich nur meinen Hintern und meine Beine zu dick, Reiterhosen eben. Ich nahm an, durch das Abnehmen bessere Proportionen zu bekommen. Jedoch hatte ich schon vorher wenig Oberweite, die durchs Abnehmen noch weniger wurde, während ich beim Hintern das Gefühl hatte, er wird nicht kleiner. Dies merkte ich nur an den Hosen, aber gesehen hab ichs nicht.
Wie gesagt, schöner und vor allem glücklicher fand ich mich mit weniger Kilos nicht.

Aber es ist ein Kampf, ich versuche, so normal wie möglich zu essen. ich nehme auch wieder essen mit in die Schule, nachdem meine erste und einzige Mahlzeit monatelang immer erst 17:30 war. Andererseits sind da immer noch die Gewohnheiten, 5-10x am Tag auf die Waage zu gehen, darauf zu achten, was man isst.
Trotzdem möchte ich gerne wieder von den 56 kg momentan auf die 53-54 kommen, da die Hosen, die ich mir damals gekauft habe, langsam zwicken
Dies möchte ich jedoch auf gesunde Weise schaffen, ohne mir ständig Gedanken ums Essen zu machen, weil ich wieder glücklich sein möchte!

PS: Sorry für evtl. Rechtschreib- und Grammatikfehler oder halbe Sätze. Les mir das jetzt nicht nochmal durch.

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24. Februar 2009 um 22:52


wow, deine geschichte hört sich schlimm an, mit mobbing und deinem freund. ich freu mich aber grad richtig für dich! es hört sich so an, als ob du auf nem verdammt guten weg bist. ich hoffe,dass du immer an das kleine kind mit dem jojo denkst. solche "kleinigkeiten" öffnen einem die augen und können einen stark machen.
ich glaube, dass alles vermeindlich schlimme aus einem bestimmten grund passiert und einm die tür zu etwas besseren öffnet. bei dir scheint das auch der fall gewesen zu sein.
ich wünsch dir viel kraft und gute freunde, die zu dir halten!

p.s.: waren gar nicht so viele rechtschreib- und grammatikfehler

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25. Februar 2009 um 18:13

Vielen Dank für die Antworten
Mein größter Trugschluss war wohl, dass ich immer gedacht, ich könnte mich nicht als essgestört bezeichnen, weil 1. selbst mein niedrigstes Gewicht noch kein untergewicht war, sondern unteres Normalgewicht und weil es 2. ja nicht in eine bestimmte Richtung ging, also keine Magersucht z.B.


und egal, ob es schon 2, 5, 10, 30 oder noch mehr Jahre sind, ich würde dir trotzdem raten, nicht aufzugeben und zu kämpfen. ich weiß, dass das leichtg gesagt ist. und selbst, wenn du nicht für immer geheilt wirst, dann nehm dir die 'guten' Phasen als Motivation, falls du diese guten Phasen auch hast. ich gehe mal davon aus.

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26. Februar 2009 um 11:13

Ab in eine glückliche Zukunft
Da hast du dir eine eindrucksvolle Geschichte von der Seele geschrieben, die das auf und ab einer Essstörung beschreibt. Der Moment in demes "Klick" macht, in demman versteht, dass es so nicht weitergehen kann und man sich eingesteht essgestört zu sein und das man im Endeeffekt nicht automatisch glücklich ist, wenn man zwanghaft auf die Figur achtet ist wohl der erste Schritt für einen Wandel. Aber ich weiß auch aus Erfahrung, dass es nicht leicht ist von einem Tag auf den Anderen aus dem Teufelskreis rauszukommen. Ich weiß, es ist nicht das Gewicht, sondern die innere Balance, die glücklich macht, die Fähigkeit mit sich selbst glücklich und dem Körper glücklich zu sein. Erst als ich an meinem Selbstbewusstsein gearbeitet habe und mir eingestanden habe, dass sich meine Essstörungen gar nicht vom Schlankheitswahn kommen, sondern aufgrund von seelischen Ängsten und Schmerzen herrühren, kam ein Wandel. (Auch wenn ich immer noch extrem auf gesundes, regelmässiges Essen achte, was ja eigtl auch gut ist) Ich wünsche dir wirklich, dass du in Zukunft glücklicher leben wirst und dich selbst akzeptieren kannst und mit mehr Selbstbewusstsein durch Leben schreitest. Gib nicht auf! Nur ein gesunder Körper birgt auch eine glückliche Seele!!!

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