Home / Forum / Fit & Gesund / Meine beste Freundin ist krank-Hilfe!

Meine beste Freundin ist krank-Hilfe!

23. Oktober 2018 um 23:15

Hallo liebe Community!

Ich bin verzweifelt. Ich richte mich jetzt an Euch bzw. an diese Seite und dieses Forum, weil ich tatsächlich nirgendwo sonst ein spezifisches Forum zu diesem Thema gefunden habe und ich nicht weiß, wen ich noch um Rat bitten könnte. Dazu kommt, dass ich denke, dass Außenstehende mir eventuell Dinge und mögliche Lösungen aufzeigen können, die mir selbst und anderen in meinem Umkreis bisher verborgen geblieben sind.
So, jetzt aber zur Problematik und dem Grund dieses Threads.
Meine beste Freundin, Marie, hat Magersucht. Das ist nicht etwa eine Vermutung, sondern so schrecklich es ist, ein kalter Fakt. Dass es tatsächlich so schlimm ist, wurde mir allerdings erst in den letzten Wochen bewusst. Um die weitere Lage besser zu verstehen, muss ich allerdings noch etwas ausholen. Das ist tatsächlich auch ebenfalls ein großes Problem und etwas, das die ganze Lage noch schwieriger und komplizierter macht, als sie ohnehin schon ist. Marie ist vor neun Jahren mit ihrer Mutter und ihrem Stiefvater in die USA ausgewandert, damals war sie 13 und dort studiert sie jetzt auch. Sie ist vor drei Jahren von Zuhause ausgezogen und in eine vier Stunden entfernte Stadt gezogen. Dort lebt sie in einem Studentenwohnheim, seit drei Jahren also alleine. Zuletzt gesehen habe ich sie 2015, als sie noch einmal in Deutschland war, um mich zu besuchen und zusammen mit mir meinen Schulabschluss und meinen Erwerb des Abiturs zu feiern. Sie war schon immer schlank, aber damals hatte sie noch eine ähnliche Figur wie ich. Sie ist ein wenig größer als ich und recht sportlich. Damals ist sie schon viel gelaufen. In den letzten drei Jahren hatte ich also nur via Internet aka. SMS und so weiter Kontakt zu ihr. Dementsprechend ist mir nicht wirklich aufgefallen, dass sie zusehends immer dünner wurde. Vor etwa einem Jahr hat ihre Mutter auf facebook dann Fotos hochgeladen, von ihrem gemeinsamen Urlaub. Die haben mich schockiert. Sie war viel dünner, als ich sie in Erinnerung hatte. Da sie aber ganz normal mit mir schrieb und auch ihre Mutter ganz normal mit den Fotos ''umging'', dachte ich, es läge einfach nur am Uni Stress. Vor einem halben Jahr dann, schickte sie mir ein Foto von sich in einem kurzen, blauen Cocktailkleid und wollte meine Meinung dazu haben. Das Kleid war mir definitv egal. Das einzige was ich auf dem Bild sah, war eine Marie, die ausgezehrt, blass und krankhaft dürr aussah. Ich war vollkommen geschockt. Meine Vermutungen manifestierten sich und ich konnte es nicht mehr ignorieren. Also sprach ich sie vorsichtig darauf an. Ich sagte ihr, sie sehe schon recht dünn auf dem Foto aus und dass ich mir Sorgen um sie machen würde und nur wolle, dass es ihr gut geht. Ich kenne sie gut. Verdammt gut. Wir sind heute etwa 18 Jahre befreundet. Ich wusste, dass sie empfindlich darauf reagieren würde. Sie antwortete mir, dass es nur an dem Winkel des Fotos liegen würde und schrieb einfach weiter, als wäre nichts geschehen. Ich ließ mich darauf ein, weil mir klar wurde, dass sie sich nur weiter einschließen würde, wenn ich nachbohren würde. Vor ein paar Wochen fand ich dann ein Foto von ihr auf instagram, das ihre Uni gepostet hatte. Es war eine Aufnahme von einer Zumba Gruppe ihrer Uni. Sie trug ein schwarzes Top und eine weiße Sporthose. Sie sah aus wie ein Skelett. Das war dann der Punkt, an dem es mir reichte. Ich schrieb ihre ältere Schwester an (Sie wanderte mit aus, ging dann aber wieder zurück nach Deutschland und studierte auch hier) und schilderte ihr meine Bedenken. Ein letzter Funken Hoffnung blieb mir noch, dass ich eventuell doch nur Gepenster sah. Diesen Funken Hoffnung erstickte sie dann rasch im Keim. Sie bestätigte meine Auffassung von ihr und erzählte mir desweiteren, dass sie schon seit Langem versucht, mit ihr zu reden. Ein Zitat von ihr:"Das Problem mit Maries Gewicht habe ich schon vor ein paar Jahren wahrgenommen und ich habe da schon befürchtet, dass das in so einem Extrem endet, wie es das jetzt leider auch getan hat. Ich habe über die Zeit hinweg alles mögliche (also alles was mir einfiel) getan, um bei ihr ein Verständnis/Bewusstsein für ihr krankhaftes Verhalten zu wecken, aber bin erfolglos. Habe es erst empathisch versucht, dann habe ich ihr die medizinischen Folgen versucht aufzuzeigen, habe die Möglichkeit eines Besuchts beim Psychologen angesprochen und und und... wirklich auf alle möglichen Wege habe ich versucht an sie ranzukommen. Mittlerweile blockt sie gleich ab oder ist sauer auf mich, bevor ich überhaupt alles sagen konnte, was ich wollte, bzw sie hat mittlerweile so ein verdrehtes Bewusstsein, dass sie glaubt ich würde aus Neid so reden. Dementsprechend hab ich die Hoffnung aufgegeben, noch was an der Lage ändern zu können." (Sie hat kürzlich ihren Doktor in Medizin gemacht, Marie studiert übrigens ebenfalls Medizin). Ich werde nächstes Jahr für einen längeren Zeitpunkt in die USA fliegen und Marie dann auch besuchen. Ich weiß, dass ich dann irgendetwas tun muss. Und wenn es nur reden ist. Das Problem ist, dass die meisten Hilfe-websites empfehlen einfach für die Person da zu sein, in Reichweite und so viel mit ihnen zu unternehmen, wie möglich, um ihnen zu zeigen, wie wichtig sie einem sind und wie sehr man sie schätzt. Das ist allerdings fast unmöglich für mich, weil ich auf einem anderen Kontinent lebe. Das Selbe gilt für ihre Schwester. Ihre Mutter sieht sie nicht oft, da sie mit der Uni und der Arbeit alle Hände voll zu tun hat. Dazu kommt, dass ihre Schwester schwanger ist und jetzt vermutlich noch weniger Zeit und Energie hat, sich um Maries Krankheit zu kümmern. Ein weiterer Faktor ist, dass sie ein extrem perfektionistischer Mensch ist. Sie will IMMER ALLES perfekt machen und alles kontrollieren. Sie hatte nur Einser in der Schule und ist in der Uni jetzt nicht mehr so gut, wie sie es sonst immer war. Dazu kommt, dass sie im Grunde keinen Vater hat, da er die Familie verließ, als sie zwei war und seit dem, wenn es hoch kommt, an drei ihrer Geburtstage gedacht hat. Er schert sich einfach nicht um sie. Ihre Mutter ist eigentlich nett und ich verstehe mich auch gut mit ihr. Aber sie verhält sich eher wie eine Tante, als eine Mutter. Sie ist schon immer sehr lieblos gewesen (Hat ihr im Kindergarten verboten zu weinen, etc. pp.) und absolut nicht empathiefähig.
Es tut mir leid, dass das hier jetzt so lang geworden ist, aber ich hatte einfach das Gefühl, dass man eine Menge Kontext haben muss, um die ganze Geschichte zu verstehen. Hier sind wir also jetzt. Ich bin verzweifelt und bange um das Leben meiner besten Freundin. Ich weiß nicht, wie ich ihr nächstes Jahr begegnen soll und ich weiß nicht, was ich tun kann um sie zu retten. Mir ist bewusst, dass sie selbst verstehen muss, dass da etwas falsch ist, aber ich glaube, das schafft sie alleine nicht.
Ich bin um jeden Ratschlag dankbar.

Grüße,
Isabella

Mehr lesen