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Mein letzter Tag mit Bulimie

4. März 2017 um 13:05 Letzte Antwort: 5. März 2017 um 10:27

Hallo liebe Leser,

ich möchte mit euch einen bzw. heute meinen letzten Tag in der Krankheit teilen. Eigentlich tue ich das für mich, um es als Statement nach "außen zu tragen"..
Trotzdem denke ich, dass es welche unter den Lesern gibt, die sich in ein Paar Gedanken, Handlungsweisen o.ä wiederfinden. Für manche, die die Krankheit nicht kennen, ist das die Möglichkeit zu sehen, wie ein Bulimiekranker denkt/ handelt.
Ich muss offen gestanden zugeben, dass ich meinen Tag relativ oberflächlich verfasst habe, es sind deutlich mehr Gedanken, die einen Erkrankten durch den Kopf gehen....

Ihr könnt gerne ein Kommentar hinterlassen oder eure eigenen Gedanken, Gefühle, etc. die euch beim Lesen in den Sinn kommen. 
Danke!

Heute nehme ich offiziell Abschied von dir meinem langen Begleiter Bulimie (6 Jahre). Lange genug hast du mich begleitet und ich glaube, dass du mir sowohl eine Hilfe warst, aber nichtsdestotrotz hast du mich im Großen und Ganzen doch mehr beeinträchtigt.

Ich sage Goodbye, weil ich nicht länger von dir begleitet werden möchte. Ich sage Goodbye, weil du meinen Körper kaputt machst. Ich sage Goodbye, weil du mich psychisch zu stark beeinträchtigst. Ich sage Goodbye, weil ich meinen Weg nun alleine weitergehen möchte, weil ich frei sein will von dir. In schwierigen Zeiten hast du mir Trost geschenkt, allerdings hast du mich gleichzeitig in einen Teufelskreis geritten, aus dem es schwer ist auszubrechen. Vergleichsweise mit einem Sumpf, in dem man nur sehr langsam voran, geschweige denn heraus kommt.
 
Gestern Abend und heute Früh hatte ich eine ganz andere Vorstellung vom heutigen Tag. Dennoch hat mir der heutige Tag die Augen geöffnet und das führt nun zu dem Schluss, dass ich den endgültigen Entschluss gefasst habe, diesen Abschiedsbrief zu verfassen.
 
Ich hatte den Plan heute früh einen Cupcake zu frühstücken, ggf. mit etwas zu trinken und im Anschluss in die Shopping Mall zu gehen, um mich dort dann in einen Buchladen zu setzen und dort zu studieren. Im Anschluss mittags zu meinem „H.-Dad“ in die Praxis zu gehen, um ihm einen Besuch abzustatten und danach wieder zurück in die Buchhandlung zu gehen und dort weiter zu studieren.
Es kam jedoch anders...
 
Ich wachte auf, ging aufs Klo und konnte tatsächlich mal ein Geschäft erledigen! (freu) Dann entschloss ich mich (noch planmäßig) auf den Weg zu machen, um mein Frühstücksmuffin zu kaufen. Auf dem Weg machte ich mir aber ständig Gedanken, was ich zusätzlich essen könnte, wie zum Beispiel: Chips, kleines Gebäck, Kekse,...

Dann ließ ich mich tatsächlich von meinen Gedanken steuern und ging zuerst zum Kiosk und kaufte  die Packung Chips, die kleinen Küchlein und zwei große Kekse. Dann überquerte ich schließlich die Straße und kaufte mir den Muffin.
Dann machte ich mich auf den Weg zurück zur Schule, um mich dort in einen Lernsaal zu setzen, in dem ich gleichzeitig meine Einkäufe verzehren konnte. Nachdem ich alles gegessen hatte plagte mich mein schlechtes Gewissen, denn ich konnte mich auch nicht recht konzentrieren.
Meine Gedanken kreisten weiter und ich dachte an den nächsten Laden, an dem ich fix vorbei kommen könnte, um mich mit „etwas Essen“ eindecken könnte.
Ich kam zuerst jedoch am „BaoZi“ Laden vorbei, wo ich mir ein BaoZi kaufte, den ich natürlich im Laufen verschling. Direkt im Anschluss lief ich weiter und meine Gedanken kämpften gegeneinander:
A) Hör auf zu essen, du hast doch schon ein schlechtes Gewissen, noch kannst du das Gefühl vom ganzem Essen in dir „ertragen“...
B) Wo kannst du noch schnell etwas herbekommen? Muss auch nichts großes sein, wie wäre es mit Chips und ´ner Coke?
 
Mir gefiel in dem Moment Gedanke B) besser, weshalb ich nachgab und dem Gedanken folgte. Ich kaufte mir also die Chips und die Coke. Ich suchte nach einem „friedlichen“ Platz, um zu versuchen, diesen Einkauf etwas mehr zu genießen als den vorigen... und ich wurde fündig.
Ein Ort, an dem nicht so viele Leute vorbeikamen und an dem ich mein Lernbuch auspacken konnte, um erneut den Versuch zu wagen, produktiv zu sein.
 
Ich kann mir jetzt nicht erklären, wie ich immer noch nicht genug haben konnte. Nach etwa 45 Minuten setzten meine Gedanken wieder ein und ich überlegte, wo ich als nächstes etwas kaufen könnte, um mein Verlangen zu stillen. Ich hatte hier schon ein tatsächlich sehr schweres Gewissen!
 
Ich ging jedoch los und wusste auch schon, wo meine nächste Anlaufstelle war. Ich ging zuerst zum Saftladen und holte mir einen Milchtee, im Anschluss daran ging ich in die Bäckerei und holte mir eine „Eier-Tarte“. Ich setzte mich hinten in deren Café und holte erneut mein Lernbuch heraus, um weiterzulernen.
 
(Erstaunlich wie hartnäckig ich bin, dass ich überall und permanent meinen Lernkram auspacke und wirklich lernen möchte)
Als ich auch mit der kleinen „Eier-Tarte“ und dem Milchtee fertig war, fühlte ich mich schon mehr als zum Kotzen voll. Ich überlegte, welches Klo ich am besten besuchen könnte, um das, was noch herauszuholen ist, heraus zu kotzen.
Aber um es an einem noch möglichst sauberen Ort zu tun, entschloss ich mich für mein Wohnheimzimmer. Das Problem war jedoch meine Mitbewohnerin, ich hoffte, dass sie nicht in meinem Zimmer sei... aber sie war da.
Zu meinem Glück würde sie das Zimmer nach wenigen Minuten verlassen, sodass ich meine Zeit dann ausschöpfen könnte.
 
Sie ging. Und ich legte sofort los. Es kam verhältnismäßig nicht mehr viel heraus, aber ich fühlte mich etwas „besser“ als vorher.
Nach dem Erbrechen hatte ich aber wieder das Bedürfnis nach Essen, weshalb ich mich schnell auf den Weg machte, um am Kiosk schnell Kekse und Schokolade zu kaufen. Ich aß auch diese Packung leer und erbrach schon wieder.
 
Danach sollte es aber wirklich ein Ende nehmen, sodass ich mich auf mein Bett legte und begann einen Film zu schauen.
 
Ich mache mir jetzt nur noch sorgen, dass ich durch das lange und viele Essen zugenommen habe und zwar sichtbar zugenommen. Bzw. dass die Kcal direkt in Form von wabbeligem Fett ansetzen, wie an meinen Oberschenkeln, meinem Po und Bauch...
 
Ich weiß, dass ich essgestört bin, aber mein Entschluss steht und von jetzt an WAR ich bulimisch!
 
 

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5. März 2017 um 10:27

ja aber zur Zeit habe ich eine Pause eingelegt, da ich mich im Ausland befinde. 

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