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Magersucht - Meine Geschichte

8. März 2013 um 13:24

Hallihallo!

Also ich bin zwar ganz neu hier aber habe diese Seite schon sehr oft besucht, und ich sehe immer wieder Beiträge von jungen Mädchen und Frauen, die noch recht am Anfang einer Essstörung sind und bereits immer zwischen hungern und fressen stehen und sich somit fast selbst zerstören... Deshalb möchte ich euch heute meine Geschichte vorlegen, euch zeigen, wie es enden kann und dass man es auch schaffen kann, diese Krankheit zu überwinden

Es fing alles im Juni 2012 an: Ich wog bei einer Größe von 166cm ca 60kg was meiner Meinung nach für eine 14 Jährige zu viel ist. Von einem Tag auf den anderen wollte ich schlagartig abnehmen. Es fing alles recht harmlos an: Weniger essen und mehr Sport. Ohne Kalorienzählen und der ständige Gedanke an Essen. Die Sommerferien begannen und ich verrreiste, d.h. ohne Waage. Im August begann die Schule wieder und ich wog nur noch 50kg! Ich war überglücklich und wollte um keinen Preis zunehmen. Die Angst vor dem Jojo-Effekt war groß.

Ich begann im Internet nach den besten Abnimm-Tipps und Tipps zu Gewicht halten zu suchen. Es gibt eine Reihe von Behauptungen, ich will gar nicht alle aufzählen, die ich für wahr gehalten habe. Jetzt im Nachhinein weiß ich, dass das alles völliger Mist ist! Ich erzähl euch mal die häufigsten Behauptungen:

Kohlenhydrate macht fett, Fett macht fett, Zucker macht fett,Abends keine Kohlenhydrate, Abendessen macht fett, Zwischenmahlzeiten sind aufgrund des steigenden Isulinspiegels tabu...

Jedoch sind meine Erfahrungen:
1. Es spielt keine Rolle, was (Brot, Schoki, Wurst) man zu sich nimmt, solange die Gesamtkalorienanzahl stimmt wird man nicht zunehmen! Man kann auch an einem Tag seinen Kalorienverbrauch nur durch Butter abdecken, solange man den nicht übertrifft nimmt man nicht zu. Hier kann ich euch ein ganz einfaches Beispiel nennen: Früher im Mittelalter hatten die Bauern oft nur Brot, weil sie sich Fleisch und Öl nicht leisten konnten. Nahmen sie zu? Nein!
2. Es ist egal, wann man isst und was man dann isst. Hier gilt wieder: Solange die Kalorienbilianz stimmt ist alles im grünen Bereich. Schließlich isst doch mind. 90% der Menschheit ein "normales" Abendessen mit Brot, Reis, Nudeln oder Kartoffeln ohne Übergewichtig zu sein, oder? Und Zwischenmahlzeiten lassen Isulinspiegel ansteigen und machen dadurch fett? Ebenfalls bullshit. Alles Sachen, die sich irgendwelche Ernährungswissenschaftler ausgedacht haben um uns das Leben schwer zu machen.

Nun ja, ich glaubte, wie viele von euch bestimmt auch, jedoch an diese Ernähungsmythen. Ein Fehler, den ihr bitte nicht (mehr) machen sollt! Ich wusste, dass ich zu wenig aß und als ich dann bei 48kg nicht mehr abnehmen wollte, wollte ich mit Kalorienzählen meine Nahrungsmenge steigen. DAS, war der größte Fehler aller Zeiten!

Statt die Kalorienmenge zu erhöhen, blieb ich auf ca 500 am Tag stehen. Natürlich ging das Gewicht weiter runter, ich wollte zunehmen und wieder normal essen, dochdie innere Stimme hinderte mich daran. Es gab Momente, in denen ich einfach loslassen wollte und mein Leben wieder lebe, aber mein Kopf setzte sich durch und sagte: Du darfst nicht die Kontrolle verlieren! Du bekommst den Jojo-Effekt! Ich wachte oft auf und dachte mir: Heute wirst du mehr essen. Es klappte nie. Ich strebte die Perfektion an, meine schulischen Leistungen waren ganz weit oben. Es fiel mir aber immer schwerer, mich auf andere Sachen zu konzentrieren, statt im Internet zu surfen oder mit Freunden zu chatten, guckte ich mit lieber Kalorientabellen an. Ich sonderte mich von meinen Freunden ab, trieb Sport statt mit ihnen shoppen zu gehen. Ich fror bei 14 Grad und trug ne Leggings. Ich war am Ende.

Oktober: Ich wog 42 kg und wollte zunehmen. SO bat ich meine Eltern um Hilfe, wir erstellten einen Ernährungsplan mit einer Kalorienerhöhung in jeder Woche. Innerhalb drei Wochen steigerte ich mich auf 1300 kcal am Tag. Ich aß kaum Fett, aber sonst war es aufgewogen. Sport reduzierte ich auf 3 Mal die Woche. Eigentlich hätte ich zunehmen müssen, nach den Jojo-Effekt-Regeln, doch ich nahm weiterhin brav ein Kilo die Woche ab. Es war zum verzweifeln. Eigentlich habe ich gedacht, durch meinen angeblich gedrosslten Stoffwechsels müsste ich längst zunehmen. Was lernen wir daraus: HUNGERSSTOFFWECHSEL bei Sport ist nicht möglich!

1. November: Meine Rettung. Ich ging auf nüchternen Magen zum Arzt und wanderte auf die Waage: 39,5 kg! Mein Puls lag bei 45 Schläge die Minute was lebensgefährlich war ( ich erkannte dies nie ). Augenblicklich wurde ich ins Krankenhaus eingewiesen und ans Bett gefesselt mit einer Magensonde mit der man mich künstlich ernährte. Damals fühlte ich mich wie der Tod persönlich. Eine Erfahrung, die ich keinem zumute. ALSO: Reißt euch zusammen bevor ihr auch noch ne Magensonde angehängt bekommt!

Im Krankenhaus blieb ich nicht lange, nur ne knappe Woche. Ich bemerkte, wie meine Gefühle zurückkamen, wie meine Haare aufhörten, herauszufallen, wie ich nicht mehr fror und wie ich wieder mit meinen Freunden in Kontakt trat. Als mein Herz wieder halbwegs normal schlug, kam ich in die Klinik. Mit einem Stufenplan und Essensplan fing ich an, wieder normal zu essen. Ich bemerkte, dass ich trotz riesen Mengen von Essen (ca. 2800 kcal am Tag), nur etwa ein Kilo die Woche zunahm. Ich hatte auch Therapiegespräche, aber die haben nichts bewirkt. Es war letztendlich die eigene Erfahrung, dass man so viel essen muss, damit man nicht abnahm und sein Gewicht hält, die mich wieder "normal" werden ließ.

Als ich merkte, dass ich es schaffen kann, selbst zuzunehmen, verließ ich die Klinik nur nach 6 Wochen, pünktlich zu Beginn der Weihnachtsferien. Der Aufenthalt hatte schöne und schlechte Erinnerungen. Zu Hause arbeite ich mich auf 50kg hoch und halte es seit 1,5 Monaten. Ich bin immer noch sehr schlank, aber nicht mehr abgemagert. Ich esse gesund und ausgewogen, verbiete mir nichts mehr. Zwar funken mir hin und wieder irgendeine Kalorienanzahl dazwischen, aber sie hat keine Kontrolle mehr über mich. Denn ich vertraue meinen Körper und seine Signale.

Im Nachhinein ärgere ich ich über mich selbst: Wie ich lieber irgendwelche Internetseiten vertraut habe als mir selber! Wie ich nicht erkannt habe, dass ich genauso gut in irgendeiner Nacht aufgrund einen zu langsamen Pulses sterben hätte sterben können! Es ist nur eine Zahl, eine verdammte Zahl auf der Waage die niemand, wirklich NIEMAND interessiert!

Zusammenfassend kann ich euch nur raten: Lasst nicht zu, dass die Anorexie über euer Leben bestimmt, seid stark und kämpft dagegen! Jeder Weg ist besser als der Tod und ich kann euch sagen, er ist näher dran als ihr glaubt! Ihr seid noch jung, ihr habt euer ganzes Leben noch vor euch, also versaut euch es nicht selber indem ihr eurem Körper solche Schaden zufügt!

Wenn ihr irgendwelche Fragen habt zum Thema Essen, Essenspläne oder einem Klinikaufenthalt, fragt mich ruhig, ich werde mein Bestes geben, euch zu helfen, sodass ihr wieder zurück ins Leben findet! Beispielsweise kann ich euch helfen, einen Ernährungsplan zusammenzustellen oder euch über einen Klinikaufenthalt aufklären. Ich bin zwar erst 15, aber das Alter ist irrelevant, wenn es darum geht, was ich durchgemacht und erlebt habe.

Ich glaube an euch und wünsche euch alles Gute!

Kuss, M.


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9. März 2013 um 17:09

Also
Zunächst einmal finde ich es gut, dass du dich entschieden hast gesund zu werden, großes Kompliment!

Also ich kann dir mal ein typischer Essensplan aus der Klinik vorlegen, er beinhaltet immer zwischen 2700 und 3200 Kalorien:

Frühstück: 2 Brötchen, 10g Butter, 20g Frischkäse, 1 Scheibe Schinken, 1 Scheibe Käse, 40g Quark, Rohgemüse, Obst= ca. 670 kcal

Vormittag: Sahnequark mit frischen Früchten, Schokoriegel (also solche twix, Snickers 58g Riegeln, etwas Süßes muss sein ) = ca. 600 kcal

Mittag: Montag: Spaghetti Bolognese; Dienstag: Chinaspfanne mit Hähnchenbrust, Gemüse und Reis (200g); Mittwoch: Frühlingsrolle, 200g Reis, Brokkoli; Donnerstag: Schlemmerfilet mit Gemüserahsoße und 200g Nudeln; Freitag: Nudeln mit Tomatensoße und Parmesan; Samstag: Königsberger Klopse, Kapernsauce, 200g Kartoffelpüree, Salat mit Dressing; Sonntag: Kartoffelröstis, Gebratener Seelachs und Mischgemüse
Das liegt immer zwischen 500-700 kcal

Dessert: Unterschiedlich, mal Götterspeise mit Vanillesoße, mal Grießbrei, mal ein Sahnefruchtjoghurt = zwischen 150-200 kcal

Nachmittag: Mal ein Brötchen mit Honig oder Marmelade, oder ein Croissant, auch mal Kuchen = 300-400 kcal

Abends: 2 Scheiben Brot, 10g Butter, 20g Frischkäse, 1 Scheibe Schinken, 1 Scheibe Käse, Salat mit Dressing = ca. 560 kcal

Spätmahlzeit: Obst, meistens einen Apfel = 50 kcal

Und hier noch ein paar Tipps:
1. Keine Lightprodukte verwenden! (Ist dir warscheinlich klar aber trotzdem nochmal zur Sicherheit )
2. Naschen ist erlaubt, aber durch Süßigkeiten und Knabberrein zunehmen ist ungesund aufgrund von Karies, Blutfett usw. Also gönn dir ruhig nen Schokoriegel, paar Lollis, paar Kekse oder auch mal ne große Hand voll Gummibärchen!
3. Mittagessen: Die Beilagen sollten GEKOCHT immer so 200g schwer sein, Gemüse (gebraten, gegrillt, gekocht) kann man gerne mit einer Soße verfeinern und das Eiweiß darf nicht fehlen. Jedoch bitte nicht ständig Currywurst, Steaks usw, sondern greif zu Hähnchen, Schnitzel, Frikadellen. Wenn du Fisch mags esse reglemäßig Lachs, Seelachs, Forellen wegen ihren hochwertigen Fettsäuren. Du kannst Fisch sowohl selber frisch zubereiten als auch tiefgekühlt braten. Finger weg von der Fritteuse! (aber 1 Mal die Woche Burger King oder so ist aber kein Problem)
4. iss hin und wieder mal Obst, es hat zwar wenig Kalorien, stärkt aber dein Immunsystem und versorgt dich mit Vitamine. Kennst bestimmt den Spruch: One apple a day keeps the doctor away!
5. Wenn du dir nicht sicher bist, ob du solche Portionen schaffst, verfeine deine Gerichte mit Olivenöl, greife zwischendurch immer mal zu Nüssen, die sind reich an ungesättigten Fettsäuren. Auch Sojamilch ist lecker, es enthält viel Eiweiß, Calcium und hat im Gegensatz zu herkömmliche Milch wenig gesättigte Fettsäuren. (Es gibt sie auch in verschiedene Geschmacksrichtungen, ich kaufe immer die von Alpro Soja.)

Ich wünsche dir beste Genesung und falls du noch Fragen hab, scheue dich nicht davor sie zu stellen

Bussi, M.

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20. April 2016 um 13:52

...
Nun .. ich bin 13 und deine Geschichte könnte meine sein nur das meine momentan beim "Kalorien zählen "angelangt ist. Ich ... ja ich will irgendwie, dass es aufhört mir mein Leben von Zahlen bestimmen zu lassen, da ich total oft auf diesen ... seiten verbringe, worüber ich nicht stolz bin, aber auch nicht aufhören kann, da (wie bei dir) mir eine innere Stimme immer wieder sagt "bis zum Sommer muss dein Körper perfekt sein" Ich hab auch total angst, das, wenn ich meine Kalorien Zufuhr auf z.b 1000 erhöhe (momentan ist es 700) so zunehme das ich bis zum Sommer Ausschau wie ein Ballon. Anfangs hab ich noch gegessen und jeden Tag Sport gemacht, bis ich auf das böse Wort "Kalorien" gestoßen bin. Jetzt hab ich eh keine Kraft mehr so viel Sport zu machen, also hab ich mich komplett den Kalorien zugewandt. Großer Fehler, aber was soll man machen?

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20. April 2016 um 16:36

Alles schön und gut,
ABER bitte keine pauschalen Aussagen, die nicht belegbar sind , wie "Hungerstoffwechsel ist bei Sport nicht möglich".
Erstens gibt es genug Gegenbeispiele, zweitens kann das Leute hier triggern (zu noch mehr Sport verleiten)

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7. Juni 2016 um 14:43

Hilfe
hallo, ich habe zurzeit quasi das gleiche Problem.
Ich habe wochenlang max nur 500 kcal am tag gegessen und das auch nur obst und gemüse.
Ich wiege 40 kg bei einer Große von 1,53m.Ich war gestern bei meiner Kinderärztin und sie meinte ich habe den Anfang von Magersucht, ich hab jetzt 2 wochen zet das gewicht zu halten oder zuzunehmen,ansonsten werde ich eingewiesen.Sie meinte ich muss wieder ganz normal essen aber ich habe so unendlich angst vor dem jojo effekt, ich kann das nicht, bitte helf mir

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