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Keine Periode trotz Normalgewicht

Letzte Nachricht: 27. August um 21:05
24.08.21 um 20:10

Hallo,

ich war vor ein paar Monaten in einer Klinik aufgrund von Magersucht. Hatte durch die ES auch meine periode verloren. Ich habe sie dann in der Klinik jedoch wieder bekommen, nachdem ich mein Gewicht erreicht hatte. Nachdem ich aus der Klinik bin, muss ich jede Woche einmal beim Arzt wiegen gehen. Und meine Grenze liegt bei - 2 Kilo. Und jedes Mal, wenn ich beim wiegen unter mein Gewicht kam, ist auch meine periode ausgeblieben. Obwohl dieses Gewicht auch noch im Normalbereich (bmi 20,6) liegt. Mein KFA ist auch normal. Manchmal habe ich sogar Angst, dass mein KFA zu hoch ist. Aber wieso bleibt dann meine Periode aus? Wenn ich dann wieder zugenommen habe auf mein "gewünschtes" Gewicht, kommt sie auch wieder. 

Danke schon mal  

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27.08.21 um 21:05

Hallo,

das Körperfett spielt bei der Stabilisierung des weiblichen Hormonhaushalts eine wichtige Rolle. Es dient gewissermaßen als Pufferspeicher für Östrogene. Hinter dem Ausbleiben des Zyklus steht auch ein tieferer biologischer Sinn: Während Hungerszeiten war für unsere Vorfahren eine Schwangerschaft ein Risiko, welches die eigene Überlebenschance reduziert hat (und die des Kindes sowieso). Deshalb hat sich unser Körper darauf eingestellt, bei Nahrungsmangel nicht schwanger zu werden.

Ein BMI von 20,x ist immer noch die untere Grenze von dem was aus bioligischer Sicht noch als akzeptabel angesehen werden kann. Die gängige Definition vom "Normalgewicht" spiegelt dabei übrigens nicht das biologische Optimum wieder, sondern hat sich in der Vergangenheit als eine Art Medianwert etabliert. Es gibt Ärzte/Biologen, die einen BMI von 25-30 als "Normalgewicht" empfehlen, da in dem Gewichtsbereich der Körper in der Regel am gesündesten ist. Mit einem BMI von 20 hast du zum Beispiel eine geringere Lebenserwartung und ein höheres Risiko, später mal an Demenz zu erkranken, als eine Frau mit einem BMI von 30. Die Grenze zum Untergewicht ist aus medizinischer Sicht jedenfalls kritischer zu sehen als leichtes/mittleres "Übergewicht" bei ansonsten gesunder Lebensweise.

Und dass es mit deinem Zyklus gerade eine Gratwanderung ist zeigt doch auch, dass du mit einem BMI von 20 noch lange nicht über den Berg bist. Gerade wenn du dir noch Gedanken machst, du könntest einen zu hohen Körperfettanteil haben - das Gegenteil ist der Fall. Und deine Gedanken zeigen, dass du mit deinem Kopf immer noch in der Magersucht festhängst... wobei da leider auch die Medien ihren Anteil haben, mit ihrer ständigen Hetze gegen angeblich so viele "übergewichtige" Menschen, dass sich dadurch am Ende auch viele Menschen mit einem völlig gesunden Gewicht unwohl in ihrem Körper finden und beginnen, gegen ihn anzukämpfen.

Mit einem BMI von 21-22 gaben die meisten Frauen einen stabilen Zyklus, in Einzelfällen kann aber auch etwas mehr nötig sein - bei einer Bekannte von mir sind ihre ständigen Zyklusbeschwerden in dem Moment verschwunden, wo ihr BMI über 23 gestiegen war. Ist zwar ein relativ seltener Fall aber zeigt eben auch, wie unterschiedlich der Körper reagieren kann. Mit einem BMI von 19-20 ist es jedenfalls völlig normal, dass sich das geringe Gewicht auf den Zyklus auswirken kann.

Was auch noch eine Rolle spielen kann ist, falls du früher mal hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille verwendet hast. Diese haben lange Nachwirkungszeiten und es gibt wohl auch Belege dafür, dass sie den Hormonhaushalt dauerhaft/längerfristig verändern und die Fähigkeit des Körpers, eigene Östrogene zu produzieren, einschränken. Dieser Effekt könnte dann mit dem geringen Körperfettanteil noch wechselwirken.

Ansonsten wären momentan noch die Corona-Impfungen zu nennen. Relativ viele Frauen berichten von Zyklusproblemen nach der Impfung, vermehrt wurde auch von umgeplanten Schwangerschaften berichtet. Irgendwelche Wechselwirkungen scheint es hier jedenfalls auch zu geben.

Lange Rede kurzer Sinn: Versuch weiter zuzunehmen, am besten auf einen BMI über 22-23. Das wäre auch im Hinblick auf deine (frühere?) Magersucht sehr sinnvoll. Also zu lernen, sich auch in einem gesunden Körper wohlfühlen zu können, der nicht an der Grenze zum Untergewicht ist. Manche Patienten mit Essstörungen werden aus ihrer Therapie übrigens erst entlassen, wenn sie längerfristig einen BMI von 23-24 halten können... insofern find ich auch etwas fragwürdig, dass du mit einem BMI von 20 entlassen wurdest, der gerade mal formal auf dem Papier als "Normalgewicht" gilt. Aber es gibt ja immer auch den psychischen Aspekt und das damit verbundene Selbstbild... das ist meistens die die größere Herausforderung als das Zunehmen auf ein formal gesehen "normales" Gewicht.

Ich wünsch dir auf jeden Fall alles Gute und dass du es schaffst, nach und nach noch etwas zuzunehmen und dich damit in deinem Körper wohlzufühlen!

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