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Intraoculare Kontaktlinsen - ich habe es riskiert

1. September 2015 um 14:55 Letzte Antwort: 14. September 2015 um 17:15

Schon seit einigen Wochen habe ich irgendwie einen inneren Drang über ein einschneidendes Ereignis in meinem Leben zu schreiben. Ich habe mir IOLs implantieren lassen, das sind Kontaktlinsen, die operativ in die Augen einoperiert werden.
Ich fange aber zuerst ganz von vorne an. An meine Baby- und Kindheitsjahre kann ich mich natürlich nicht mehr erinnern. Da basiert mein Bericht auf Erzählungen meiner Eltern.
Bei meinen ersten Laufversuchen bin ich über fast alles gestolpert, was am Boden lag, meine Kuscheltiere suchte ich mehr durch Ertasten, Puzzleteile wurden fast mit der Nase erschnüffelt und es gab weitere Auffälligkeiten. Von meinem damaligen Kinderarzt wurde ich mit 18 Monaten an einen Augenarzt überwiesen, und dort oh Schreck- wurde mir die erste Brille verpasst. Ich war hochgradig kurzsichtig. Die genaue Stärke meiner ersten Brille ist unbekannt, aber sie lag im Bereich von -10 Dioptrien, wohl eine Erbschaft meiner inzwischen verstorbenen Oma mütterlicherseits, die ebenfalls sehr stark kurzsichtig war.
Jeden Morgen wurde mir dann die Brille aufgesetzt und mit einem Band fixiert, damit ich sie nicht verlor und sie den richtigen Sitz hatte.
Alle 6 Monate ging es dann regelmäßig zum Augenarzt. Es gab fast immer eine neue Brille, weil die Stärke sich geändert hatte oder der Kopf und die Kopfform sich verändert hatten.
Die Kindergarten- und Schulzeit habe ich gut überstanden. Mit 10 Jahren stand dann ein Schulwechsel an und meine Eltern haben sich von meinem Augenarzt überzeugen lassen, dass Kontaktlinsen wohl auch für mich eine zusätzliche Alternative wären.
Das Anpassen meiner ersten Kontaktlinsen werde ich nie vergessen. Es war wie Weihnachten, Ostern und Geburtstag zusammen. Der Optiker setzte mir die Kontaktlinsen ein und ich durfte, musste etwa 1 oder 2 Stunden mit meiner Mutter in der Stadt verbringen ohne Brille! Es war unbeschreiblich! Danach wurde noch einmal der Sitz überprüft und ich musste solange üben, sie einzusetzen und wieder herauszunehmen, bis ich es alleine konnte. Ich erinnere mich noch, dass ich an diesem Abend viele Freundinnen, Bekannte, Nachbarn besucht habe, nur um ihnen meine neueste Errungenschaft zu zeigen.
Mit Kontaktlinsen war alles, was ich sah, auf einmal größer als mit Brille, völlig ungewohnt war das zunächst, aber ich habe mich sehr schnell daran gewöhnt. Am liebsten hätte ich die Linsen 24 Stunden täglich getragen, aber meine Eltern haben nur 8, manchmal 10 Stunden zugelassen. Wo ich vorher übervorsichtig war, um ja nicht meine schon damals sehr teure Brille zu schrotten, mit meinen Kontaktlinsen war ich frei!
Mit 14 war ich so bei -15 Dioptrien, und in diesem Lebensabschnitt waren starke und häufige Veränderungen die Regel. Ich hatte den Wunsch, meine heißgeliebten Linsen länger als 8 oder 10 Stunden zu tragen. Außerdem hatte ich im Internet gelesen, dass formstabile Linsen eventuell die dauernde Zunahme zum Stillstand bringen könnten und die Tragezeit länger sein kann als bei meinen weichen Linsen. Also hin zum Optiker! Es wurden sog. Probelinsen bestellt, und es war zunächst schrecklich. Ich hatte das Gefühl, ich hätte Schmirgelpapier in den Augen. Nach einer Stunde ging gar nichts mehr mit diesen harten Dingern. Dann habe ich mich einige Tage durchgekämpft durch allmähliche Steigerung der Tragezeit, und auf einmal hatte ich dann keine Probleme mehr. Mein Visus war mit Kontaktlinsen sogar besser als mit Brille. Der Führerschein war kein Problem.
Mit Ende 21 hatte ich dann noch eine kleine Verschlechterung auf -18,75 und -19,75, und diese Stärke hatte ich fast 2 Jahre und bis zu meinen Augenoperationen, wo vorher die Werte bestätigt werden mussten.
Sorry, jetzt habe ich doch sehr weit ausgeholt.
Ein Abend im Februar. Mein zukünftiger Schwiegervater erzählt von seinen Staroperationen bis ins kleinste. Er hatte vorher viel Angst, aber das wäre ganz unnötig gewesen, weil es völlig komplikationslos und schmerzfrei war. Und dann kam die alles entscheidende Frage von ihm: Das müsste doch bei dir auch gehen? Finanziell würden wir dich unterstützen. Informiere dich einfach mal!
Ich habe mehrere Tage überlegt, bevor ich eine renommierte Augenklinik in unsere Stadt angerufen habe und einen Termin zur Vorbesprechung gemacht habe. Im März war es dann soweit, die Vorbesprechung mit einer dort angestellten Augenärztin, die mir sehr kompetent, ehrlich und vertrauenswürdig war. Sie nannte die Risiken, auch dass es nicht immer gelingt, auf 0 Dioptrien zu kommen und dass man von Erfolg spricht, wenn die Reststärke bei <+/-1,0 liegt. Auch könnte es sein, dass ein Anstieg immer noch trotzdem nicht auszuschließen ist.
Dann gab man mir eine Mappe mit Informationen und Verhaltensvorschriften, falls ich mich dafür entscheide. Aber eigentlich stand mein Entschluss schon fest.
Für die Voruntersuchung sollte ich viel Zeit, ein aktuelles EKG und ein Blutbild mitbringen, was ich bei meiner Hausärztin habe machen lassen. Außerdem sollte ich meine Kontaktlinsen ein paar Tage vorher weglassen.
Anfang April. Mit gemischten Gefühlen brachte mich mein Schatz zur Augenklinik, weil ich selbst nicht fahren durfte, und stand um 8 Uhr auf der Matte, EKG und Blutbildausdruck in der Hand. Die Klinik war voll von älteren Menschen, ich glaube, ich war die bei weitem Jüngste. Viele liefen mit einem verklebten Auge herum, aber das kannte ich ja von meinem Schwiegervater. Als Privatpatientin wurde ich von einer netten Arzthelferin an allen vorbeigeschleust. Leider zählen ja diese Operationen als Schönheitsoperationen und werden nicht von den GKVs bezahlt, also ist man automatisch Privatpatient. Jemand sagte, jetzt kommt sie wieder und gibt eine Runde. Ich habe es zuerst nicht verstanden, aber kurz danach wusste ich, was gemeint war. Es gab für viele und auch für mich Pupillen erweiternde Tropfen wie am Fließband. Sparsam waren sie damit nicht. Bis zur Wirkung kam man dann ins Gespräch. Bis auf eine waren alles Starpatienten, und die eine hatte eine Voruntersuchung zum Lasern.
Nach etwa 45 Minuten hat die Arzthelferin sich meine Augen angeschaut und dann ging es los. Augendruck, objektive Refraktion und dann wieder warten, nachtropfen, warten und in einen anderen Raum. Dort dann eine Gesichtsfeldmessung, Netzhaut, Hornhaut. Alles wurde mir erklärt, dass es sich um biometrische Messungen handele, um herauszufinden, ob es operabel ist. Dann wieder warten. Inzwischen war es 11 Uhr. Da wurde ich wieder aufgerufen zu einem Gespräch mit der Augenärztin, die alles, was sie untersucht wurde, auf ihrem PC hatte. Ich hatte keine Ahnung, was es für Linsen gibt, und habe ihr ganz vertraut. Sie sagte, dass für mich sog. Vorderkammerlinsen in Frage kämen. Sie hat es mir erklärt, aber so richtig war ich gedanklich woanders und nach fast 4 Stunden physisch am Ende. Sie können jeder Zeit davon zurücktreten und absagen. Aber ich wollte es nur noch durchziehen und habe nur noch Ja gesagt. Dann bekam ich 3 Termine, Vorbesprechung der Anästhesie, 1. Operationstag rechtes Auge, 2. Operationstag linkes Auge. Dazwischen lag 1 Woche. Dann habe ich angerufen, um mich abholen zu lassen und erstmal bin ich eingeschlafen, weil mich das Ganze sehr geschlaucht hat.
Das Anästhesiegespräch war sehr kurz und hat den Aufwand nicht gelohnt. Mir wurde nahegelegt, dass alles unter lokaler Betäubung stattfindet, falls ich nicht ausdrücklich Vollnarkose wünschte. Aber die Entscheidung war leicht, es wurde mir ja in den Mund gelegt: lokale Anästhesie.
Mitte April. Nüchtern wie vorgeschrieben, mit Begleitung, die ständig erreichbar sein musste, bin ich also mit viel Schiss inne Buchs da aufgetaucht.. Es ging direkt in den OP-Bereich. Ich bekam so eine Fliege, wie es sie nannten, und es wurde etwas in meinen Körper gespritzt, um mich etwas zu benebeln. Und es wurde etwas ins Auge eingeträufelt. Warten, und dann wurde ich mit einem Rollstuhl in den OP geschoben, habe mich mit Hilfe auf eine Liege gelegt und dann wurde ein Tuch übergestülpt und durch ein Loch in dem Tuch konnte ich etwas Helles erkennen. Kurze Zeit danach kam ein Arzt, noch nie real gesehen, stellte sich mit Namen vor, also ein unsichtbarer, der an meinem Auge herumwerkeln wollte. Gemerkt habe ich nichts, aber auf einmal konnte ich die Lampen an der Decke erkennen. WOW, ohne Brille. Das Ganze hat ungefähr 15 Minuten gedauert, dann haben die Helferinnen das operierte Auge mit Medikamenten und einer Plastikkapsel zugeklebt, und ich habe etwas zu essen und zu trinken bekommen. Der Kontrolltermin war am nächsten Tag. Das Auge wurde freigelegt und es wurden Augentropfen verschrieben, die ich alle 4 Stunden 14 Tage lang eintropfen musste. Wieder Sehstärkenmessung, Augendruckmessung. Begutachtung durch die sehr nette Augenärztin. Aber es war alles im Normalbereich. Autofahren war sowieso nicht drin, damit hatte ich mich schon abgefunden. Arbeiten natürlich auch nicht. Überstundenabbau, Jahresurlaub, und das ging bei mir nach Absprache mit meinem Arbeitgeber.
Tropfen, Tropfen, Tropfen, und das genau nach Vorschrift, daran hält man sich von selbst nach einer OP.
Beim linken Auge war ich schon sehr viel gelassener. Es war schon fast Routine, wohin ich musste, was da passiert. Deshalb möchte ich nicht alles wiederholen.
Nach 6 Wochen nach der letzten OP wurde meine Sehstärke neu bestimmt. -0,75, Brille nur noch zum Autofahren. Das schließt zwar nicht aus, dass es dabei bleibt, und regelmäßig zum Augenarzt zu gehen auch nicht.
Ups, ist das lang geworden!

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2. September 2015 um 23:59

@eintony
Progressiv heißt doch nichts anderes als "fortschreitend". und sagt erst mal nicht viel. Fortschreitend ist Myopie ja doch meistens. Natürlich ist damit auch ein Netzhautthema mit integriert, Aufklärung und Vertrauen sind ja auch nicht schlechte Voraussetzungen, und das war bei mir so. Langzeitstudien über 50 Jahre gibt es ja nicht, und dass ab einem Alter Ü50+ sich einiges verändert, ist mir auch klar. Und dass es sich durchaus weiter verändern könnte, wurde mir auch klargelegt. Alles sehr ehrlich!!! Daumen hoch!

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14. September 2015 um 17:15

@eintony
Das habe ich auch nicht so geschrieben. Der Augenarzt hat mir die Brille verschrieben. Das wars! Wann und wo ich sie trage, dazu hat er nichts gesagt, nur dass sie beim Autofahren notwendig ist. Und das merke ich ja selbst.

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