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Ich möchte meine Essstörung loswerden... aber irgendwie auch wieder nicht!

24. Februar 2014 um 17:01 Letzte Antwort: 25. Februar 2014 um 19:12

Hi Leute!
Ich bin 16 Jahre alt, 1,69m groß und wiege 57kg. Ich habe Bulimie, und das schon seit fast drei Jahren. Obwohl man nichtmal wirklich sagen kann, dass ich einfach nur Bulimie habe. Zeitweise bin ich auch wieder die total krasse Magersüchtige. Und dann gibt es wieder Zeiten, in denen ich ganz normal esse und alles wieder zunehme.
Und das ist bei mir wie so ein Teufelskreis.
Ich hungere mich runter auf irgendwas unter 55, durch echt wenig oder gar nichts essen. Das ist meine Magersucht-Phase.
Dann habe ich wie so einen lichten Moment, in dem mir klar wird was ich da eigentlich tue, dass ich mir nur schade, dass ich nicht abzunehmen brauche, ich bin ja schon ok so wie ich bin... Und dann fange ich an zu essen und schlage mir ein paar Tage lang den Bauch voll. Das ist die Phase, in der ich ziemlich normal esse.
Bis ich auf einmal wieder so einen Moment habe, nur genau anders herum. Dann ekel ich mich auf einmal vor mir selbst, fühle mich wie ein Wahlross und renne auf die Toilette. Dann werde ich ein paar Tage lang versuchen, nichts zu essen. Daran werde ich aber scheitern und mindestens einmal am Tag einen FA haben, den ich dann wieder rauskotze. Das ist dann meine Bulimie-Phase.
Diese Bulimie-Phase geht dann entweder über in die Magersucht-Phase oder wieder in die normal-ess-Phase.
Diese Sinneswandlungen von mir machen mich verrückt!!! Ich packe das nicht mehr, denn jedes Mal, wenn ich aus der einer der Phasen erwache, fühle ich mich total miserabel und hasse mich selbst für das, was ich die letzten Tage getan habe...
Zwar habe ich vor einigen Monaten eine Therapie angefangen, doch ich habe nicht den Eindruck dass das irgendwas hilft.
Das Problem ist eigentlich, dass ich nicht wirklich weis was ich will. Jetzt im Augenblick weis ich, dass ich aus dieser Essstörung rauswill, dass ich davon nur depressiv werde und mich selbst unglücklich mache. Aber jetzt im Augenblick bin ich auch in einer Phase, in der ich normal essen kann.
Und ich weis dass der Augenblick kommen wird, in dem ich mich wieder unendlich fett fühlen werde und ich wieder anfangen werde mit dem Scheiß. Denn während ich eine Magersucht- oder Bulimie Phase habe, bin ich vollkommen davon überzeugt, dass das das einzig Wahre ist. Dass das alles ist, was ich habe und mein Weg abzunehmen... versteht ihr? Meine Einstellung was meine Essstörung angeht verändert sich die ganze Zeit!
Ich weis nicht mehr, was ich tun soll!!
Weis jemand Rat? Ich wäre euch total dankbar!

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24. Februar 2014 um 20:50

Hallo Joju
Ich kann es mir ungefähr vorstellen,wie du dich gerade fühlst,denn mir ging es damals ähnlich.Ich war auch in einem Kreislauf meiner atypischen Anorexie gefangen,zu der durchaus auch Fressanfälle gehörten,die ich jedoch versuchte mit übermäßigen konsum an ausdauertraining auszugleichen,was gleichermaßen krankhaft war.
Ich habe mich furchtbar gefühlt.Für mich gab es auch nur das eine oder andere.Endweder Fressen oder Hungern und nur wenig normal essen,etwas anderes gab es für mich nicht.
Ich liebte und hasste mein Verhalten und wusste,dass ich damit nicht weitermachen durfte.Immer wieder nahm ich mir vor,wieder normal zu essen.Doch es klappte nicht,weil die Fresstage mir immer wieder meinen Kick gaben.

Was ich echt wichtig finde,ist,dass du es erkannt hast,dass du aufhören musst,aber dir auch eingestehst,dass du die Essstörung noch nicht ganz hergeben willst.
Damals hatte ich das auch und habe es heute immer noch manchmal.
Das ist wichtig,dass du die Gefühle nicht als falsch abstempelst.Am Allerbesten lasse die Gefühle gegenüber der Essstörung,egal,ob du ihr gegenüber gute oder negative Gefühle hast,völlig wertfrei.
Denn Gefühle hat jeder Mensch und die kann man nicht werten.Dafür kannst du nicht.
Wichtig ist nur,dass du weißt,dass du diese Gefühle in dir hast.
Es ist wichtig,dass du herausfindest,wofür du die Essstörung hast.
Ich fand es damals wichtig,dass man mir meine Essstörung nicht "wegnehmen" wollte,dass anerkannt wurde,dass die Essstörung aus irgendeinem Grund wichtig für mich war/ist.
Diesen Grund muss man herausfinden.
Denn man weiß ja eigentlich,dass weder die Essstörung Ursache noch Lösung ist.
Nur dass muss man auch dem Herzen klar machen.
Nutze deine "hellen" Momente,um in dir zu forschen.Dann wirst du vielleicht merken,was dahinter verborgen ist/war.Dann wirst du die Essstörung wohlmöglich mehr und mehr loslassen können.

Versuche es nicht krampfhaft zu erzwingen.Habe Geduld mit dir.
Ich wollte immer viel zu viel.Von heute auf morgen normal zu essen war mir damals gar nicht möglich.Aber ich habe es immer wieder von mir verlangt und das war ein Fehler,weil ich mich für jedes "Versagen",jedes Zurückfallen in die Essstörung mehr gehasst und gestraft habe.
Und das nützt niemandem etwas.

Du musst versuchen,Verstand und Emotionen in Einklang zu kriegen.Das ist nicht leicht,es dauert vielleicht lange,aber ich denke es ist effektiver,als der krampfhafte Versuch ein "fehlerhaftes" Verhalten zu löschen.

Du musst klein anfangen und die Ziele nicht zu hoch ansetzen.Von heute auf morgen geht nichts.Verzeihdir kleinere Ausrutscher.

Ich habe versucht,wenn ich mich in der Lage dazu gefühlt habe,an den Fresstagen weniger zu fressen.Zwar immer noch mehr,als normale Menschen,aber immerhin,dass mir nicht übel war.
Und an den Hungertagen habe ich im Gegensatz dazu etwas mehr gegessen.Damit habe ich mich der normalen Ernährung wieder etwas angenährt.
Ich habe auch etwas zugenommen,aber im Normalgewichtsbereich und ich habe verstanden,dass ich nie zufrieden mit meinem Gewicht werden würde,egal,was die Waage anzeigt,wenn ich MICH nicht annehme und zwar nicht nur meinen Körper.

Ich hoffe,ich konnte dich in deinem Weg zur Gesundheit etwas unterstützen,

drücke dir die Daumen,

EisblumexXx

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25. Februar 2014 um 17:18

Danke! <3
Vielen Dank dass du so viel geschrieben hast, Eisblume! Total lieb von dir... Ich denke, ich kann aus deiner Nachricht ziemlich viel mitnehmen! Ich weiß, ich muss mich erst selbst annehmen und nicht mehr so streng zu mir selbst sein, damit das was wird... aber das ist ech schwer! Und ich denke du hast Recht - es gibt einen tieferen Grund für meine Essstörung als den Wunsch ein paar Kilo abzunehmen. So habe ich z. B. echt krasse familiäre Probleme mit einem Vater der die meiste Zeit wegen Depressionen in der Klinik sitzt, einem echt schlechten Verhältnis zu meiner Mutter und drei kleine Geschwister, die ich zu beschützen versuche. Außerdem bin ich eine unverbesserlich Perfektionistin. Nicht nur in der Schule. Ich glaube, dass sich erst etwas in meinem sozialen Umfeld bessern muss, damit ich gesund werden kann. Denn ich erkenne langsam einen Zusammenhang zwischen den Zeiten, in denen es in meiner Familie echt zum verzweifeln ist, und meinen Ana und Mia Phasen...
Wenn ich nur diese Sehnsucht nach Hunger und nach Reinigung aus meinem Herzen bekommen könnte!!!
Wie auch immer, vielen Dank für deinen Text! hat mich voll gefreut dass jemand so viel schreibt
Dir auch alles Gute :*

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25. Februar 2014 um 17:26

Hey colorful13!
Klar können wir schreiben!!! Würde mich rießig freuen!
Dachtest du dabei an das Forum hier oder sollen wir E-Mail Adressen oder Handynummern tauschen oder so? Also facebook hab ich nicht... :/ Wegen mir können wir ja WhatsApp schreiben - aber kann man hier so einfach seine Handynummer posten...?

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25. Februar 2014 um 19:12

Ne!
Also ich hab keine Nachricht von dir bekommen.
Jetzt hab ich dir mal geschrieben!

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