Home / Forum / Fit & Gesund / Ich kann nicht mehr.. (ist recht lang.. sorry)

Ich kann nicht mehr.. (ist recht lang.. sorry)

30. April 2013 um 20:10

Hallo ihr Lieben,

ich bin noch ganz neu in diesem Forum und war auch noch nie in irgendeinem anderen. Doch jetzt glaube ich, es könnte mir vielleicht helfen.

Mein gesamtes Dilemma begann letztes Jahr im September. Ich zog in eine andere Stadt um zu studieren. In der allersten Uniwoche kam dann die schlimmste Mail meines Lebens von meinem Freund.
Er schrieb er habe Knochenkrebs im Becken. Er hatte schonmal einen Tumor im Lymphknoten der aber entfernt werden konnte und als geheilt galt. Zudem hat er seine Mutter im Alter von 10 Jahren verloren.. Auch krebs.

Eine Welt brach für mich zusammen und ich packte meine sieben Sachen und fuhr sofort zu ihm. Dort verbrachten wir dann ein Wochenende gemeinsam. Wegen seiner Schmerzen schliefen wir kaum, redeten viel und unternahmen tagsüber einiges.
Es tat ihm gut, dass ich da war und mir tat es gut für ihn da sein zu können.
Dann kamen weitere Untersuchungen und es wurden Metastasen in der Lunge gefunden sowie eine weitere im Kopf. Die Ärzte entschieden sich zunächst für eine Bestrahlung des Tumors im Becken, welcher dadurch auch kleiner wurde und mein Schatz ganz ohne schmerzen laufen konnte.
Es folgte eine Chemo, die er jedoch nach zwei Infusionen abbrach.. Er wollte sich die Qualen ersparen, da die Behandlung sowieso nur palliativ war. Er wollte einfach nicht leiden.
Vor zwei Monaten wurde dann der Tumor im Kopf bestrahlt. Und seitdem habe ich das Gefühl, einen anderen Menschen vor mir zu haben.
Mein Freund weigert sich nun einen Check zu machen. Er will keine Untersuchungen mehr, obwohl ihm die Ärzte dazu raten, lässt seinen Kopf, seine Lunge und sein Becken nicht mehr scannen und will nun nach Südamerika reisen und anschließend nach Afrika.
Er ignoriert den Krebs ganz einfach und obwohl er mittlerweile wieder schmerzen im Becken und im Rücken hat will er reisen.
Er nimmt nun wahnsinnig viel Schmerzmittel ein und kämpft sich durch die Nächte.

Ich könnte den ganzen Tag nur weinen. Ich kann einfach nicht verstehen warum er nicht mehr weiterkämpft. Warum er davor wegläuft, ins Ausland geht ..Er war immer so davon überzeugt dass der Krebs weggeht, dass er das schafft. ich werde daheim sitzen, voller Angst ihn nie wieder zu sehen, voller Sehnsucht und Sorge. So auch sein Vater, seine Schwester und der Rest der Familie.

Ich weiß, es geht hier nicht um mich sondern nur um ihn und wie er sein Leben verbringt darf ich nicht entscheiden aber ich kann einfach nichtmehr damit umgehen.
Ich kann mir ein Leben ohne ihn einfach nicht vorstellen. Das war der Partner, den ich schon immer gesucht habe.. mit dem ich den Rest meines Lebens verbringen wollte. Ich war so lange Stark doch ich kann einfach nichtmehr.

Wieso tut er das? Wir sehen uns nun auch kaum noch. Er findet sich selbst nicht mehr schön, seine Haare werden dünner und fallen teilweise aus, seine Haut ist entzündet, er schwitzt viel..
Aber er fehlt mir und er versteht nicht dass ich ihn liebe so wie er ist. Er trifft nur noch seine freunde, selbst wenn ich in seiner heimatstadt bin will er mich nur ab und zu nachts sehen, nur bei mir schlafen, sex mit mir haben und dann haut er am nächsten morgen sofort wieder ab. den rest der zeit verbringt er bei kumpels, kifft, geht mit deinen aus.. ich habe das gefühl er will mich nichtmehr sehen. Er hat genug von mir...
Ich will nicht, dass das hier egoistisch klingt.. aber es tut mir alles so sehr weh. ich weiss nicht wie es weitergehen soll bei mir.. Noch dazu kam letzte woche die nachricht, dass meine Tante brustkrebs hat... Dieses Thema schaff ich einfach nichtmehr....

Ich hoffe, ein außenstehender sieht das ganze aus einer anderen Perspektive und kann meinen Freund vielleicht mehr verstehen. Warum er mich meidet, warum er verreist ohne sich checken zu lassen und ohne die Sprache im Ausland zu verstehen...

Danke schonmal.. und sorry, dass dieser post so lang ist.

xxxx Anny

Mehr lesen

4. Mai 2013 um 4:17

Erstmal die richtigen Worte finden
ist schon mal sehr schwer.
Es tut mir unendlich leid, daß euch das Schicksal so schwer getroffen hat.

Aber ich möchte dir schildern, wie ich das sehe. Du hast geschrieben, daß die Behandlung nur noch palliativ erfolgt...damit steht fest, daß es keine Heilung für ihn geben wird. Er wird sterben, die Behandlung zielt nur auf eine Verlängerung der Lebensspanne ab. Das schlimme ist, das Chemos den Krebspatienten Kraft kosten, das es ihnen damit schlechter geht als es nur durch den Krebs gehen würde. Da sein Krebs nicht heilbar ist, kann ich seine Entscheidung verstehen. Er stand schließlich vor der Frage, mache ich eine Chemo, die mir vielleicht 2-6 Monate mehr einbringt, habe dafür aber eine deutlichere schlechtere Lebensqualität und verbringe einen Großteil meiner Zeit im Krankenhaus oder nutze ich die mir verbleibende Zeit so wie ich es will.

Und ich kann auch verstehen das er ins Ausland will. Er versucht daß wofür andere Menschen ein ganzes Leben für haben in die kleine Zeitspanne zu packen, die ihm noch bleibt.Mach ihm deshalb keine Vorwürfe, sondern unterstütze ihn.

Das er sich von dir zurückzieht ist auch vollkommen normal, ob bewusst oder unbewusst, tut er es um dich zu schützen. Ein Freund von mir, der vor Jahren an einem Hirntumor gestorben ist hat ähnlich gehandelt. Er hat seine Freundin geliebt und sie gleichzeitig von sich gestossen, weil er ihr den Kummer und den Schmerz ersparen wollte, er hat ihr Gründe gegeben die Beziehung zu beenden, weil er dachte es wäre das Beste für sie, wenn sie schnell über ihn hinwegkommt und ihr Leben führt.
Er sagte aber auch einmal, daß es für ihn unerträglich wäre bei ihr zu sein, da sie schon so um ihn trauerte, oft weinen mußte und das ihn das noch mehr runterzieht. Das es aber auch furchtbar wäre ,sie nicht zu sehen, das er leidet, wenn sie nicht da ist. Ich denke, daß es deinem Freund da ähnlich geht.

Das er seine Freunde trifft und nicht dich hat wohl auch mit dem eben geschriebenen zu tun, auf der anderen Seite lenkt ihn das ab, er muß nicht mehr daran denken, daß er krank ist und das er nicht mehr lange zu leben hat.

Alles in allem kann ich dir nur raten, die Zeit die ihr noch gemeindam habt zu nutzen...füllt sie mit schönen Erinnerungen und nicht mit dem Gedanken an seine Krankheit. Feiert das Leben und erwartet nicht den Tod !

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

Frühere Diskussionen
Teste die neusten Trends!
experts-club