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Ich kann nicht mehr

26. April 2015 um 22:28 Letzte Antwort: 30. April 2015 um 12:18

Hallo ihr lieben!
Tut mir Leid für den langen Text aber ich bin gerade echt fertig und ich weiß nicht wen ich sonst Fragen soll....Also, bei mir war die Magersucht immer eher so ein Symptom. Ein furchtbares und lebensbedrohliches Symptom natürlich, aber halt ein Symptom. Wenn Ich gehungert hab war ich abgelenkt und so 'in meiner kleinen welt' abgeschottet. Für mich war das die einzige Möglichkeit um aus dem Haus gehen zu können und funktionieren zu können. Ihr wisst ja wie das ist, wenn man tief in der Magersucht drin steckt dann sieht man alles wie durch einen Schleier hindurch, alles ist irgendwie dumpf und nichts erreicht einen.
Ich hab meine Essgewohnheiten jetzt ziemlich gut unter Kontrolle und muss jetzt nicht mehr wirklich viel darüber Nachdenken.
Eigentlich wäre das ja gut, aber dadurch kommt das größere Problem wieder durch.
Ich bin ja in Therapie und nach einiger Verwirrung über den Bericht an die Krankenkasse und so wurde bei mir jetzt eine soziale Phobie und eine generalisierte Angststörung diagnostiziert, die in der Vergangenheit auch zu Depressionen geführt haben.
In letzter Zeit merke ich es wieder sehr. Durch den Kampf erst mit und dann gegen die Magersucht war ich eine Weile mit Hungern und dann mit wiedet mehr essen beschäftigt, aber jetzt hab ich nichts mehr um mich abzulenken. Ich versuche alles so gut wie möglich hinzukriegen und mir nichts anmerken zu lassen, in der Schule und mit Freunden, aber ich merke dass ich immer mehr Angst davor habe das Haus zu verlassen. Alles macht mich nervös, ich hab vor Prüfungen tagelang Bauchkrämpfe, kann nicht einschlafen und wenn ich dann schlafen habe ich jede Nacht mehrere Albträume. Es wird mir alles zu viel, einerseits krieg ich das Lernen und den Umgang mit Menschen immer weniger gebacken, andererseits habe ich so große Versagensängste dass ich nicht aufgeben kann.
Meine Freunde und Lehrer wissen davon nichts, meine Eltern wissen es zwar so ungefähr aber nicht wie schlimm es ist, da ich mich nie traue solche Sachen mit ihnen zu besprechen.
Den nächsten Termin bei meiner therapeutin habe ich erst in zwei Wochen und ich drehe langsam durch.
Ja, ich bin froh dass ich gelernt habe mich besser zu akzeptieren.
Dass ich meine Probleme nicht mehr durch hungern kompensiere.
Aber was bringt das alles wenn mir das Leben so Angst macht dass ich dann doch alleine in der Ecke sitze und vor lauter unbegründeter Panik fast durchdrehe??

Verzweifelte grüße,
Nordwindchen

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27. April 2015 um 7:15

Hallöchen
Hallöchen liebes Nordwindchen, erstmal muss ich dir sagen, dass ich mich total gefreut habe zu lesen, dass du das mit dem Essen so gut in den Griff bekommen hast. Respekt!!! Das jetzt die Angst und Panikattacken und die Depression zurückkommen ist zwar doppelt belastend, aber gar nicht so unnormal. Du hast ja selbst schon erkannt, dass du eine Zeit lang nur mit Nicht- Essen bzw. Essen beschäftigt warst und da hatte dies natürlich alles keinen Platz. Die MS hat das einfach alles völlig zugedeckt, für irgendwelche Emotionen war da so gar kein Raum mehr. Jetzt kehrt das Alles zurück, was natürlich im ersten Moment richtig fies ist, aber vielleicht hilft es dir ja das jetzt noch mal als Chance zu sehen, das in den Griff zu bekommen. Angst ist grundsätzlich ja keine schlechte Emotion. Sie hält uns normalerweise von Gefahr fern, möchte uns vor etwas warnen. Wie bei Allem im Leben ist es aber so das zu wenig oder zu viel davon schlecht ist. Im Gegensatz zu Phobien, aber das weißt du ja alles schon, ist sie ziemlich ungerichtet. Es gibt keinen spezifischen Auslöser. Bei mir war es so, dass diese Angst- und Panikattacken immer und überall auftauchen. Zu jeder Tag und Nachtzeit, immer und überall. Das hat dazu geführt, dass ich mich sozial völlig isoliert habe. Ich hab nix mehr gemacht. Das blöde war, dass ich irgendwann Angst vor der Angst hatte Ich habe ihr damit einen riesengroßen Raum gegeben. Es gibt auch Ad's die gegen Angst helfen, aber die lindern nur das Symptom Angst. Hinter dieser Angst steckt etwas. Sie will dir irgendetwas sagen. Natürlich können Sie erstmal etwas Erleichterung verschaffen, aber nur als Übergangslösung. Aber die braucht man manchmal um wieder einen klaren Blick auf die Dinge zu haben. Ich weiß nicht ob es dir was hilft, aber mir hat es geholfen es erstmal so anzunehmen wie es ist. mir zu sagen, dass mich diese Angst eigentlich vor etwas schützen möchte, dass diese Panikattacken nichts lebensgefähriches sind, übelst unangenehm, aber nicht tödlich. Ich habe Skills gelernt um sie zu vermeiden, aber auch ganz bewusst durchlebt und damit zumindest die Angst vor der Angst genommen. Diese Angststörung ist Ausdruck für einen tiefer liegenden Konflikt, wie auch bei der MS und daher ist es gut das du schon in Therapie bist. Scheiße ist natürlich das jetzt noch so viel Zeit bis zum nächsten Termin mit deiner Therapeutin ist. Mein Tipp: Ruf sie an oder schreib ihr eine Mail. Das muss dir nicht unangenehm sein um Hilfe zu bitten. Mich hat so eine schwere Krise mal zu einer ähnlichen Zeit erwischt. Nach langem hin und her hab ich mich gemeldet und sie war sehr froh darüber. Du kannst dich auch ruhig trauen mit deinen Eltern oder Freunden darüber zu reden. Das ist keine Schande und allemal besser als in einen Rückfall zu schliddern. Hört sich doof an, aber es ist ein weiterer Schritt zum Gesund - werden. Nordwindchen, du hast jetzt schon sehr viel geschafft. Ich bin mir gaaaaanz sicher, dass du das auch durchstehst. Ich hoffe ich konnte dir wenigstens ein bißchen helfen. Gedanklich bin ich bei dir! Liebe Grüße und viel Kraft Amy

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30. April 2015 um 12:18

Hallo Nordwindchen
Ich kann dich sehr gut verstehen. Mir geht es ähnlich. Seitdem ich nicht mehr in dem Hungerkreislauf stecke und zugenommen habe, kämpfe ich jetzt auch mit massiven Depressionen und Panikattacken. Was amy dir gepostet hat, hat mir meine Therapeutin auch gesagt. Früher wurden alle Gefühle und Emotionen weggehungert und jetzt kommen sie halt mit voller Stärke zurück, gerade weil man ein bisschen lebendiger ist und wieder fühlen kann. In der Magersucht hat mich nichts erreicht, ich habe nur den Hunger gefühlt und jetzt weiß ich auch nicht so wirklich wie ich mit dieser Welle von Emotionen umgehen soll.
Es kommt anscheinden häufig vor, dass man von der magersucht in die Depression rutscht, weil man doch viel Halt und "Lebensinhalt" verliert.
Ich weiß mich momentan einfach nicht zu definieren, früher war ich krank- gesund bin ich aber auch nicht. Ich weiß ich will nicht zurück in die Krankheit, aber wirklich leben kann ich auch nicht
Wie du, habe ich Angst vor die Tür zugehen, mich mit Menschen auseinander zu setzen und einfach zu leben. Wir haben uns solange versteckt, ich denke es ist normal das man erstmal Angst hat.
Das ist gerade eine sehr schwierige Zeit, aber es wird leicht werden sobald du/ wir uns wieder an das leben gewöhnt haben.
Sprich auf jeden Fall mit deiner Therapeutin über deine Ängste.

Mir persönlich hat es auch geholfen mein soziales Umfeld einzuweihen ( sprich: meine Freunde können damit umgehen, wenn mir alles zuviel wird und ich kurzfristig absage) das finde ich sehr befreiend.
Außerdem weiß bei mir auch die Schule bescheid, ( aufgrund der Fehlzeiten usw.) und es kam wirklich keine negative Reaktion. Wenn ich eine Panikattacke kriege, kann ich das genauso sagen und muss mich nicht als faul oder sonst was abstempeln lassen. Ich bin da erstaunlicherweiße auch viel Verständnis gestoßen und das nimmt einfach sehr viel negativen Druck. Weil ich weiß, keiner verurteilt mich wenn ich mal nicht so leistungsfähig bin oder nicht kommen kann.

Alles Gute

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