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Ich bin am Ende

1. Februar 2016 um 19:25

Hallo ihr Lieben.

Ich habe beschlossen mich in diesem Forum anzumelden in der Hoffnung,hier Rat und evt. Hilfe zu bekommen.
Ich weiß gar nicht genau wo ich überhaupt anfangen soll,deshalb entschuldige ich mich im Voraus für Fehler,ich bin ziemlich aufgewühlt.
Ich bin 14 Jahre alt und leide (glaube ich,wurde nicht direkt diagnostiziert) an einer Essstörung mit mittelschweren Depressionen.
Ich versuche mich kurz zu halten,da die Geschichte sonst zu lange wird.

Alles fing an als ich 12 Jahre alt war und in eine neue Klasse kam.
Zwar hatte ich noch Freunde,allerdings fühlte ich mich sehr unwohl.
Es kam einfach so schleichend,hatte keinen Grund.
Plötzlich ging es mir schlecht und jeden Tag schlechter,es war eine Qual.
Nach ca. 2 Monaten habe ich mich ENDLICH meiner Mutter anvertraut,welche die Situation jedoch lediglich als 'Phase' abstempelte und sich nicht weiter um mich kümmerte.
Ihr müsst wissen dass meine Mutter jeden Tag 12 Stunden arbeitet und ich sie so gut wie nie sehe.
An Wochenenden geht sie mit meinem Stiefvater trinken und auch dann sehe ich sie nicht wirklich.

Ich verbrachte einen weiteren Monat mit täglichem weinen,kaum essen und den Versuchen mich selbst zu 'heilen' (tagebuch schreiben,zeichen,ablenken)
Teilweise erbrach ich morgens aus lauter Angst vor der Schule,was NICHT beabsichtigt war.
Als ich kurz vor meinem 13. Geburtstag in der Früh zusammenbrach versprach mir mein Vater,dass ich zu einem Psychologen darf.
Meine Mutter wollte mit diesem 'Kram' nichts zu tun haben,weshalb mein Vater mich begleitete.
Ich musste Fragebögen ausfüllen und habe ca. eine Stunde mit meinem Psychologen geredet,was mir ganz gut tat.
Ich tankte neue Hoffnung.
Als er mir allerdings den nächsten Termin in 4 Wochen gab,hätte ich am liebsten alles zusammen geschlagen.
Natürlich,viele brauchen Termine,aber dass er mich in diesen 4 Wochen nicht weitergibt oder aufpasst was passiert,fande ich so schlimm,dass ich ihn sofort nicht mehr mochte.

In diesen 4 Wochen hatte ich meine erste Panikattacke im Unterricht.
Mein Lehrer brachte mich in seiner Hilflosigkeit zu meinem Psychologen,welcher mir eine Klinik vorschlug,was meine Mutter allerdings ablehnte.

Am nächstem Tag erzählte ich jedem ich hätte nur Bauchweh gehabt und schon war die Sache gegesssen.

Ich isolierte mich immer mehr,machte nichts mehr mit Freunden und weinen wurde für mich zur Routine.
Schlafprobleme hatte ich jedoch nie.

Hausaufgaben machte ich gar nicht mehr und lernen war auch ein Fremdwort da mein Körper dann teilweise so sehr zitterete,dass es unerträglich wurde.
Ich schrieb nur noch 6en und wurde ein kaputter Mensch,kaum erträglich.
Ich wollte nur noch weg,in einen Bus steigen und einfach abhauen,aber das hätte ja nichts geändert.
Heute kann ich kaum fassen wie ich das alles ausgehalten habe.
Meine Mutter brach die Therapie ab und ich stand wieder alleine da.


An Silvester wollte ich etwas ändern.
Erst wollte ich mich einer Freundin anvertrauen,was ich dann aber für eine schlechte Idee hielt.
Das war dann auch die Zeit in der ich anfing mich so sehr zu hassen wie noch nie.
Ich ging an jedem Spiegel vorbei.
Und was wollte mein 13 Jähriges Ich ?
Natürlich abnehmen....wieso habe ich es nicht gelassen ?
Weil ich dachte so würde ich mich mögen.
Ich habe mich so wiederlich gefühlt.
Ich denke Gewichtsangaben sind nicht erwünscht,deshalb unterlasse ich das,aber ich war zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr im Normalbereich sondern schon Untergewichtig.

Am Anfang ging es mir besser weil ich wirklich dachte,jetzt ist da etwas,das mir sagt was ich machen muss.
Ich dachte ich könnte jetzt 'leben'
Doch als es schlimmer wurde,da war es schon zu spät.
Essen war für mich ein Fremdwort und trinken wollte ich auch kaum noch.
Ich musste jeden Tag minderstens 1h Sport machen,sonst hätte ich niemals einschlafen können.

Habe ich doch gegessen so habe ich mich kaum zur Schule getraut aus Angst alle würden sehen dass ich dick geworden war,das ist so absurd,aber leider die Wahrheit.

Lehrer sprachen mich an,drohten mir meine Eltern zu kontaktieren,drohten mit dem Jugendamt.
War mir alles egal.
Ich fühlte nichts mehr,kein Schmerz der Welt wäre genug gewesen.
Ich erinnere mich noch genau an diesen einen Abend.
Meine Tante besuchte uns,ich hatte sie seit einem halben Jahr nicht mehr gesehen.
Ich hatte seit einer Woche nichts gegessen und konnte vor Müdigkeit kaum laufen,deshalb kam sie in mein Zimmer.
Als sie mich sah sagte sie nichts,sie weinte nur.
Ich konnte nichts sagen,es war alles so leer,ich weiß gar nicht wie ich das beschreiben soll.
Am nächsten Morgen fuhr meine Mutter mich wiederwillig ins Krankenhaus.
Ihre 'Das ist nur eine Phase' Einstellung war allerding nicht mehr ganz so hoch.
Zum ersten Mal seit langem sah sie mich richtig,wie ich da stand,ganz blass,ganz klein,so wie ich war.
Ich wurde gewogen und der Arzt meldete das sofort dem Jugendamt.
Ein Krankenwagen kam und ich wurde auf einer Trage transportiert und in ein Klinikum mit psychologischer-Hilfe gebracht.
BMI 12,3
Wieso meine Mutter nichts getan hat ?
Ich weiß es nicht,vielleicht hatte sie zu viel zu tun.
Das Jugendamt meinte wenn sowas nochmal passiert,dann muss ich weg.
In diesem Moment habe ich mir nichts sehnlicher gewünscht als das.
Im Klinikum wurde ich an 100 Geräte angeschlossen und schlief 2 Tage lang durch.
Es entschied sich ob ich es überleben werde oder ob ich sterbe.
Ich war nie Suizid-gefährdet,aber ich muss wirklich sagen,dass es für mich damals okay gewesen wäre,wirklich okay.
Meine Mutter sagte dem Arzt sie würde mich mit einer Ernährungsberaterin unterstützen.
Nach langen Diskussionen wurde ich entlassen.
Ohne Diagnosen.

Entlassen wurde ich am 10.03.2015
Nichts ist besser geworden.
Ich musste die Klasse wiederholen und habe neue Freunde.
Ich erinnere mich an letztes Jahr und es zerfetzt mein Herz zu wissen,dass ich nicht so dünn bin wie damals.
Ich sollte nicht so denken,das weiß ich,aber es geht mir schlimmer denn je.
Ich hab mit der Vergangenheit nie abgeschlossen.
Obwohl ich keinen Stress mehr habe merke ich wie es schlimmer wird.
Durch zahlreiche Fressanfälle habe ich über 12 kg zugenommen und bin immer noch im untersten Bereich des Normalgewichts.
Ich kann kaum beschreiben wie ekelhaft ich mich fühle und wie sehr ich mich schäme sowas zu sagen.
Ich mache immer irgendwas falsch und ich kann nichts dagegen machen.
Diese Stimme in meinem Kopf ist SO stark !

Ich weiß dass mein Vater mir beistehen würde,aber ich will das gar nicht,ist das nicht krank ?
Ich will wieder so sein,obwohl es mir so schlecht ging.
Bin ich denn komplett irre oder bin ich einfach nur zu dumm zum leben ?
Bin ich zu naiv ?
Ich habe so viele Fehler gemacht und doch lerne ich nichts aus ihnen.

Im Moment hungere ich,oder ich fresse alles in mich hinein und ich kann es nicht stoppen,ich bin zu schwach !
Zum 1. mal kann ich wirklich sagen,dass die Hoffnungslosigkeit so stark ist,dass es mir die Luft abschnürt.
Ich kann nicht mit Licht duschen,an keinem Spiegel mehr anhalten und fühle mich so furchtbar in meiner eigenen Haut.
Meine Mutter macht mir das Leben nicht einfacher,aber ich kann ihr keine Vorwürfe machen,sie hat selbst genug um die Ohren.
Mein Vater wohnt in einem ziemlichen Kaff,was mir also auch nichts bringt.
Natürlich,ich habe Freunde,aber das alles bringt mir nichts,diese Stimme nimmt mir alles.

Bitte helft mir,ich weiß nicht weiter..





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1. Februar 2016 um 20:03

Hey,
erstmal toll, dass du dich so geöffnet hast! Ich kenne einige deiner Situationen und war auch mal an diesem Punkt. Ich habe eine Art Bulimie, aber ich verliere sie immer mehr und deshalb will ich dir jetzt sagen, wie du es auch schaffen kannst. Erstmal diesen ganzen Hass, den du gegen dich richtest, den richtest du nur gegen dich, weil du deine Mutter, Familie etc. nicht belasten willst. Du hast keinen Hass auf dich, sondern eher auf deine Mutter. Hass ist auch immer Trauer und da musst du hinter kommen. Hinter deiner Essstörung stecken tausend Gefühle, die du mit dieser versteckst. Mir ging es auch so, ich hab mich auch nie getraut in den Spiegel zu schauen, aber irgendwann hab ich meiner Mutter gesagt, was mich verletzt hat und warum ich so sauer auf sie bin. Ich konnte ihr das sagen, weil ich den ganzen Hass endlich nicht mehr auf mich gerichtet habe, sondern auf sie! Das hat sie natürlich fertig gemacht, aber irgendwann ist ihr klar geworden, dass sie für mich mehr da sein muss und seitdem reden wir unendlich viel und unser Verhältnis ist besser. Und genau das musst du auch machen, sag deiner Mutter was dich verletzt und wenn sie es gar nicht einsieht, musst du dir selbst klar machen, dass du dein Leben doch nicht zerstören darfst, nur weil jemand anderes sein Leben selbst nicht lieben will. Also dein Leben ist so wertvoll und wenn du Tod bist, bist du tot! Und stell dir mal vor alle werden sagen " Ja, sie hatte so viele Probleme, die arme, aber sie hat ja auch nichts gesagt! Sie ist an ihrer eigenen Schuld gestorben" und jeder wird dich bemitleiden, aber auch schnell wieder vergessen. Das ist zwar etwas gemein, aber war, also mach dein leben positiver. sag dir was du an dir magst, es gibt IMMER etwas ( auch Handgelenke sind hübsch ) Und versuche auf deinen Körper zu hören. Du hast diese Fressanfälle, weil sich dein Körper die lebenswichtigen Nährstoffe zurück holen will. Es ist auch normal, das hatte ich auch, aber wenn du wieder langsam anfängst regelmäßig zu essen, wird es weniger werden! Du schaffst das! Du bist nicht umsonst geboren worden! Und wenn du mal nicht weiter weißt, frag dich hier mal durch, es wird dir geholfen! Gib nicht auf!
So laaange Rede kurzer Sinn. LEBE!

Liebe Grüße!

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1. Februar 2016 um 20:19
In Antwort auf jorie_12757074

Hey,
erstmal toll, dass du dich so geöffnet hast! Ich kenne einige deiner Situationen und war auch mal an diesem Punkt. Ich habe eine Art Bulimie, aber ich verliere sie immer mehr und deshalb will ich dir jetzt sagen, wie du es auch schaffen kannst. Erstmal diesen ganzen Hass, den du gegen dich richtest, den richtest du nur gegen dich, weil du deine Mutter, Familie etc. nicht belasten willst. Du hast keinen Hass auf dich, sondern eher auf deine Mutter. Hass ist auch immer Trauer und da musst du hinter kommen. Hinter deiner Essstörung stecken tausend Gefühle, die du mit dieser versteckst. Mir ging es auch so, ich hab mich auch nie getraut in den Spiegel zu schauen, aber irgendwann hab ich meiner Mutter gesagt, was mich verletzt hat und warum ich so sauer auf sie bin. Ich konnte ihr das sagen, weil ich den ganzen Hass endlich nicht mehr auf mich gerichtet habe, sondern auf sie! Das hat sie natürlich fertig gemacht, aber irgendwann ist ihr klar geworden, dass sie für mich mehr da sein muss und seitdem reden wir unendlich viel und unser Verhältnis ist besser. Und genau das musst du auch machen, sag deiner Mutter was dich verletzt und wenn sie es gar nicht einsieht, musst du dir selbst klar machen, dass du dein Leben doch nicht zerstören darfst, nur weil jemand anderes sein Leben selbst nicht lieben will. Also dein Leben ist so wertvoll und wenn du Tod bist, bist du tot! Und stell dir mal vor alle werden sagen " Ja, sie hatte so viele Probleme, die arme, aber sie hat ja auch nichts gesagt! Sie ist an ihrer eigenen Schuld gestorben" und jeder wird dich bemitleiden, aber auch schnell wieder vergessen. Das ist zwar etwas gemein, aber war, also mach dein leben positiver. sag dir was du an dir magst, es gibt IMMER etwas ( auch Handgelenke sind hübsch ) Und versuche auf deinen Körper zu hören. Du hast diese Fressanfälle, weil sich dein Körper die lebenswichtigen Nährstoffe zurück holen will. Es ist auch normal, das hatte ich auch, aber wenn du wieder langsam anfängst regelmäßig zu essen, wird es weniger werden! Du schaffst das! Du bist nicht umsonst geboren worden! Und wenn du mal nicht weiter weißt, frag dich hier mal durch, es wird dir geholfen! Gib nicht auf!
So laaange Rede kurzer Sinn. LEBE!

Liebe Grüße!

Dankeschön
für die Tipps die du mir gegeben hast und für die Lieben Worte
Ich werde auf jeden Fall versuchen mit meiner Mutter zu reden.

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2. Februar 2016 um 9:19


Als ich deinen langen Text gelesen habe, fing ich echt an zu weinen. So etwas ist mir noch nie passiert,dass hat mich echt berührt. Du bist noch so jung, gerade mal 14 Jahre alt. Das erinnert mich alles ein bisschen an meine Geschichte, bei mir fing die erste Essstörung auch mit 12 an, war nach einem 3 Monatigen Klinikaufenthalt dann aber Geschichte.
Ich schlage dir auch vor, mit deiner Mutter dringend zu reden.
Wenn sie dich nicht ernst nimmt oder ignoriert was du sagst und du das Gefühl hast wieder in diesen Teufelskreis zu geraten,kannst du dich an dein Jugendamt wenden. Wenn du weißt wer dein Jugendamt ist (wovon ich mal ausgehe,da es ja schon in deiner Situation involviert ist/war), kannst du es um ein Gespräch bitten. Du bist 14 und hast Mitspracherecht, du kannst deine Bedenken und deine Wünsche äußern, wie zB. eine ambulante Therapie, Familienhilfe etc. und wenn alle Stricke reißen, kannst du jeder Zeit in eine psychiatrische Einrichtung. Du müsstest dann nur gucken welche Kinder und Jugendpsychiatrie in deinem Ort für dich zuständig ist, dass kriegst du natürlich mit Hilfe des Internets raus. Solltest du das nicht alleine schaffen, wende dich an dein Jugendamt.

Wenn du noch Fragen hast, melde dich ganz viel Kraft wünsche ich dir

Liebe Grüße

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2. Februar 2016 um 11:02

Liebe exmra,
wende dich ans Jugendamt und bitte um einen Auszug. Am Besten in einer störungsspezifische Wohneinrichtung.

Was deine Mutter da über die Jahre gemacht hat ist einfach nur Kindeswohlgefährdung. Daran gibt es nichts zu beschönen. Sie hat ihre sämtlichen Pflichten verletzt.

Wenn du ein Leben, Gesundheit und eine Zukunft möchtest, dann musst du raus da.

Liebe Grüße

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