Home / Forum / Fit & Gesund / Hungerstoffwechsel umstritten ?

Hungerstoffwechsel umstritten ?

16. Oktober 2015 um 7:58 Letzte Antwort: 16. Oktober 2015 um 10:17

Ich war aufgrund diverser Beschwerden bei einem Professor in der Privatambulanz in der Uniklinik.
Unter anderem kamen wir auch auf das Thema Hungerstoffwechsel zu sprechen, und er reagierte da leicht "allergisch".
Er meinte, man dürfe nicht jeden heruntergefahrenen Stoffwechsel als Hungerstoffwechsel bezeichnen, den echten Hungerstoffwechsel gäbe es selbst bei Anorektikerinnen nicht so oft, man müsse weitaus unter 5% Körperfettanteil haben.
Das, was in der Wissenschaft als Hungerstoffwechsel bezeichnet wird, kommt in Europa selten vor.

Die Gewichtsstagnation und das Herunterfahren des "Verbrauchs" hat er ganz logisch erklärt, für mich als Biologin war das zumindest einleuchtend, allerdings habe ich ein Problem mit seinem Ansatz, man müsse alle 3 Tage über der erniedrigten Kalorienzahl essen, dann wiederzwei Tage herunterfahren, etc...
So vermeidet man wohl starke Gewichtszunahme , wenn man diese kopfmäßig nicht auf die Reihe bekommt. An den Tagen mit mehr Kalorien, sollen diese aus KH oder Eiweiß bestehen, sind es mehr KH, empfiehlt er an diesen Tagen Ausdauer/Cardiotraining, isst man mehr proteinlastig, eher Krafttraining. An den anderen Tagen keinen Sport. Dann irgendwann nicht mehr jeden dritten Tag erhöhen, sondern ein Tag wenig, ein Tag mehr, und das sehr lange Zeit beibehalten.
Er hätte damit gute Erfahrungen, bei Patientinnen, die keine Gewichtszunahme ins mittlere NG zulassen konnten / wollten und lieber im 17er / 18er Bereich bleiben wollten. (Viele Traumapatientinnen mit PTBS).
Ich grüble, ob das eine Lösung wäre ?
Nach all den Jahren und Therapien.
Die Frage, die ich mir stelle, ist, ob das "körperlich gesund" ist, dauerhaft im oberen UG zu bleiben. Aber ist andererseits nicht die seelische "Gesundheit" genauso wichtig ?

Mehr lesen

16. Oktober 2015 um 9:13

Hallo Schafschubserin,
es wäre hilfreich, wenn sich "dein" Professor an allgemein anerkannte Definitionen halten würde. Unter Hungerstoffwechsel wird die erfolgte Anpassung des Stoffwechsels an eine längere Phase der Unterernährung verstanden. Mit einem bestimmten Körperfettanteil hat das absolut gar nichts zu tun. Für essgestörte Frauen sind auch die verschiedenen und komplizierten Veränderungen im Stoffwechsel unwichtig.

Es reicht aus, wenn man weiß, dass der Körper die Energieversorgung nur durch den Abbau von vorhandenen Fett- und Eiweißzellen bewerkstelligen kann.Um die Reserven zu schonen wird dabei nach 3 Tagen der Grundumsatz schrittweise erniedrigt. Der Kalorienbedarf sinkt. Der Professor hat also Recht, dass man die Herabsetzung des Grundumsatzes verhindert, wenn man am 3 Tag wieder ausreichernd isst. Ob man allerdings diesen Wechsel von 2 Hungertagen und einem Tag mit ausreichender Ernährung beliebig lange fortsetzen kann, ohne dass der Stoffwechsel darauf reagiert, ist eine ganz andere Frage. Diese Ausführungen gelten ohnehin nicht für Anorektikerinnen oder Bulimikerinnen im unteren Normalgewicht, die ja überhaupt nicht abnehmen dürfen und für die eine gleichmäßige Ernährung wichtig ist.

Ansonsten sollen wohl Menschen im oberen Normalgewicht die längste Lebenserwartung haben. Man wird es als körperlich gesund bezeichnen müssen.

LG Nus

Gefällt mir
16. Oktober 2015 um 9:36
In Antwort auf selver_11957295

Hallo Schafschubserin,
es wäre hilfreich, wenn sich "dein" Professor an allgemein anerkannte Definitionen halten würde. Unter Hungerstoffwechsel wird die erfolgte Anpassung des Stoffwechsels an eine längere Phase der Unterernährung verstanden. Mit einem bestimmten Körperfettanteil hat das absolut gar nichts zu tun. Für essgestörte Frauen sind auch die verschiedenen und komplizierten Veränderungen im Stoffwechsel unwichtig.

Es reicht aus, wenn man weiß, dass der Körper die Energieversorgung nur durch den Abbau von vorhandenen Fett- und Eiweißzellen bewerkstelligen kann.Um die Reserven zu schonen wird dabei nach 3 Tagen der Grundumsatz schrittweise erniedrigt. Der Kalorienbedarf sinkt. Der Professor hat also Recht, dass man die Herabsetzung des Grundumsatzes verhindert, wenn man am 3 Tag wieder ausreichernd isst. Ob man allerdings diesen Wechsel von 2 Hungertagen und einem Tag mit ausreichender Ernährung beliebig lange fortsetzen kann, ohne dass der Stoffwechsel darauf reagiert, ist eine ganz andere Frage. Diese Ausführungen gelten ohnehin nicht für Anorektikerinnen oder Bulimikerinnen im unteren Normalgewicht, die ja überhaupt nicht abnehmen dürfen und für die eine gleichmäßige Ernährung wichtig ist.

Ansonsten sollen wohl Menschen im oberen Normalgewicht die längste Lebenserwartung haben. Man wird es als körperlich gesund bezeichnen müssen.

LG Nus

Danke
manchmal hört man das, was man hören will.
Es klang sehr einleuchtend und kam mir zur Zeit gerade gelegen.
Da ist es gut, wenn jemand wie Du einen wieder auf den Boden der Tatsachen holt.
Ich war eigentlich wegen internistischer Beschwerden dort, und danach den ganzen Tag wieder im Gewichtszunahme-Phobie-Kopfkino gefangen.
Habe mir nun mehrfach deine Zeilen durchgelesen und fühle mich wieder klarer.
Vielen Dank für deine Mühe hier im Forum.
Ich bin momentan "therapielos" und konnte mich mit niemandem über die Theorien und "Anleitungen" des Profs austauschen.

Gefällt mir
16. Oktober 2015 um 10:17
In Antwort auf gereon_12076287

Danke
manchmal hört man das, was man hören will.
Es klang sehr einleuchtend und kam mir zur Zeit gerade gelegen.
Da ist es gut, wenn jemand wie Du einen wieder auf den Boden der Tatsachen holt.
Ich war eigentlich wegen internistischer Beschwerden dort, und danach den ganzen Tag wieder im Gewichtszunahme-Phobie-Kopfkino gefangen.
Habe mir nun mehrfach deine Zeilen durchgelesen und fühle mich wieder klarer.
Vielen Dank für deine Mühe hier im Forum.
Ich bin momentan "therapielos" und konnte mich mit niemandem über die Theorien und "Anleitungen" des Profs austauschen.

WHO
Laut WHO spricht man von Unterernährung ab einem BMI unter 18,5.
Fakt ist auch, dass die Sterblichkeit bei Untergewicht deutlich höher ist als mit Normalgewicht und Übergewicht. Alle 5 Sekunden stirbt ein Kind infolge von Hunger!
Reicht das aus an den Folgen?
Gesundheit bedeutet auch ein Normalgewicht anzustreben!
Und zu normalen Essen gehört auch sich ausgewogen zu ernähren und nicht nur einseitig.
Was der Professor erzählt ist total verantwortungslos!

Gefällt mir
Diskussionen dieses Nutzers