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Hungern als Kompensation

3. Juli 2011 um 9:27

Hallo ihr Lieben,

Ich hatte stets ein normales Verhältnis zum Essen und zu meinem Körper. Mein Gewicht war immer im Normalbereich und ich machte mir wenig aus Körperlichkeit. Vor ein paar Monaten begann ich aber von einem Tag auf den anderen zu Hungern. Mein Hunger ging weit über die Grenzen von Körperkult heraus und begann mit meiner zerstörerischen Ehe, in welcher ich den Mut zur Flucht nicht aufbrachte. Das Hungern gab mir die Möglichkeit meine Sehnsüchte und Ängste auf ein unwichtiges, kleines, genau bestimmtes Problem zu zügeln, auf welchem ich Kontrolle ausüben konnte. So eine Art Kompensation. Etwa zur gleichen Zeit verliebte ich mich in einen Mann (Verheiratet, viele Jahre älter als ich, Kaderposition), denn ich verehrte als Mentor betrachtete und in die Kategorie unpassender Autoritätsperson fiel. Mit ihm nahm mein Hungern an einem Anmass an, welches ich vielleicht nicht hätte zulassen sollen. Neben dem nichts essen begann ich Laxantien einzunehmen und extensiv Sport zu treiben. Innerhalb kürzester Zeit nahm ich 10kg ab und verlor jedes normale Verhältnis zu Körperbewusstsein und Essverhalten. Der Mann, nach dem ich hungerte war, er ist es noch immer, Leitender Arzt in der Klinik in welcher ich arbeite, und deshalb ist es auch ziemlich naheliegend dass mein verzweifelter Hilferuf nicht lange unbeachtet blieb. Mit ihm hatte ich jemanden gefunden der mich überlaut gehört und gesehen hat, und die Möglichkeit besass mir zu helfen. Ich selber war inzwischen schon zu krank (litt unter schweren Depressionen und hatte schon mehrere erfolglose Psychiatrieaufenthalte hinter mir) um die Hand nach Hilfe auszustrecken, er aber war der festen Überzeugung mir helfen zu können und erklärte sich bereit dazu, die Verantwortung für mich zu übernehmen. Das war eine für mich sehr bedeutsame Entscheidung, denn ich war inzwischen immer wieder suizidal und konnte für nichts garantieren. Er aber versprach mir, nichts gegen meinen Willen zu unternehmen und verlangte im Gegenzug absolute Offenheit. Dafür war ich dankbar. Aber es machte mich gleichzeitig auch wahnsinnig, wenn ich laut meinen Tod plante und kein Entsetzen in seinem Gesicht darüber feststellen konnte sondern bloss zu hören bekam dass ich wertvoll bin. So schaffte er es aber auf eine für mich unerklärliche Art und Weise, mich ins Leben zurückgeführen, und zeigte mir dass es sich absolut lohnt, dieses Leben, und dass es wichtig ist mich darin zu wissen. Er vermittelte mir das Gefühl etwas Besonderes zu sein, was ich verzweifelt brauchte und gab mir einen Rahmen, in dem meine guten wie auch schwierigen Momente fürsorglich aufgehoben waren und ich mich entdecken durfte. Jedenfalls schaffte ich es mich aus der zerstörrerischer Ehe zu befreien und wieder ein Stück weit mich selber zu finden. Für mich war unser Kontakt so etwas wie eine therapeutische Beziehung, also nicht auf der gleichen Ebene, sondern in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnis, wie das immer bei therapeutischen Beziehungen der Fall ist, selbst wenn es von mir so etwas wie Verlangen nach Nähe gab, so liess ich keinen Gedanken zu, dass es in seiner Position hätte aufgenommen und erwidert werden könnte. Aber obwohl die äusseren Umständen allesamt dagegen sprachen, für das was wir dann schlussendlich doch taten, waren wir beide der Ansicht, dass wir dieses Verbindung unmöglich an uns vorbei gehen lassen können weil es sich einfach so wahrhaftig anfühlte. Die moralische Seite dieses Entscheides mal ausser Acht gelassen. Er kennt meinen Hunger, versucht ihn mir aber weder auszureden noch schenkt er meinem Essverhalten grosse Beachtung. Er weiss, dass wenn er es tun würde, mein Drang nack Kontrolle noch mehr zunehmen würde und denkt sogar dass es ganz gut ist wenn ich diese Kompensation noch etwas aufrecht erhalte bis ich mich wirklich wieder in diesem Leben zu wissen weiss. Obwohl dieser Mann nicht der meine ist, und es nie sein wird, weiss ich dass er mir immer erhalten bleiben wird, und ich keine Angst haben muss dass er nur da ist weil ich sein Fürsorgniss erregt habe. Das er damals Verantwortung für mich übernommen hat bedeute das er auch da sein wird wenn ich wieder aufwache und gesund zu werden beginne. Diese Gewissheit ist mir sehr bedeutsam, denn sie hindert mich daran am nicht gesund werden wollen. Ich will, darf und kann also gesund werden, ohne Angst haben zu müssen ihn dadurch zu verlieren.. Was verdammt nochmals, hindert mich also daran? Ich habe inzwischen damit aufgehört Laxanzien zu schlucken und mache nur noch in einem gesunden Ausmass Sport. Denke sogar dass ich es schaffen könnte wieder ein normales Essverhalten zu erreichen, sprich ausgewogen, gesund und regelmässig zu essen, weil ein Anteil an mir doch noch sehr gesund und vernünftig ist. Aber das Gefühl zu viel gegessen zu haben das Schwächegefühl und die abstarkte Idee dem Druck nicht standzuhalten würden dennoch bleiben...

Ich verbleibe mit herzlichem Gruss,

Sehnsucht91

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3. Juli 2011 um 10:15

Wow...
...da hast ja echt einiges durch. Also das du so hin und her gerissen bist, ist irgendwo verständlich, weil die Zeit vorher bestimmt schön war wie er sich um dich gekümmert hat und das willst du bestimmt nur wieder haben, jemanden der sich um dich kümmert und alles was dazu gehört, einfach das gefühl ne allein zu sein. Du hast aber immerhin schon mal ein guten ansatz gemacht mit weniger Sport und versuchen ein normales Essverhalten zu bekommen...wieviel hast du denn dann im Endeffekt noch gewogen?
Du kannst ihm aber echt mehr als nur sehr dankbar sein, das er für dich da war/ist in den momenten. Ich hatte auch damals mein Freund gehabt, der mich auch aus meiner "scheiße" rausgezogen hat und jetzt ist leider kein Kontakt mehr da, was ich sehr bedauer, weil ich es echt schätze, was er damals gemacht hat.
Auch wenn du nicht mit ihm jemals zusammen kommen wirst, ist es doch immerhin ein anfang, das er es bestättigt das er bei dir bleibt um dich weiterhin zu unterstützen.
Mach das beste raus und versuche so in deinem je nachdem altes oder jetzt neues Leben zurück zu finden, es wird schwer sein, aber denke du wirst auch Tag für Tag immer mehr sehen das es besser wird.
Alles gute

knuddlfussl

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3. Juli 2011 um 10:52

Das ging aber schnell...
Danke für deine lieben Worte, welche mich dazu ermutigen den Weg denn ich zu gehen glauben muss, weiterzuschreiten. Zu deiner Frage; Ich war nie im starken UG, sprich habe jetzt bei 173cm immer noch ein Gewicht von 50kg. Was mich beunruhigte war und ist auch weniger die rasche Gewichtsabnahme als das damit verbunden Gefühl im Sinne von; schlechtes Gewissen zu haben nachdem bloss ein Apfel gegessen. Und ja, ich bin dankbar das er da ist, vorallem jetzt wenn andere so langsam wieder aus meinem Leben zu verschwinden scheinen weil man eben oft nur so lange für jemanden da ist bis er über den grössten Berg ist. Um wirklich an Stabilität zu gewinnen, sind meiner Meinung nach aber die Menschen wichtig die dir nachhaltig erhalten bleiben. Das was ich von im will ist ja auch weniger etwas körperliches, viellmehr liebe ich das Gefühl das er in mir ausslösst. Das was er in mir bewirkt. Leben hald. Ich danke dir jedenfalls für deine motivierenden Worte die mir das Gefühl vermitteln auf dem richtigen Weg zu sein! Ich möchte auch dir auf diesem Weg viel Kraft wünschen - und gib Bescheid wenn dir das Leben wieder mal zu schwer wird <3 Sehnsucht91

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3. Juli 2011 um 16:03
In Antwort auf tomte_12356604

Das ging aber schnell...
Danke für deine lieben Worte, welche mich dazu ermutigen den Weg denn ich zu gehen glauben muss, weiterzuschreiten. Zu deiner Frage; Ich war nie im starken UG, sprich habe jetzt bei 173cm immer noch ein Gewicht von 50kg. Was mich beunruhigte war und ist auch weniger die rasche Gewichtsabnahme als das damit verbunden Gefühl im Sinne von; schlechtes Gewissen zu haben nachdem bloss ein Apfel gegessen. Und ja, ich bin dankbar das er da ist, vorallem jetzt wenn andere so langsam wieder aus meinem Leben zu verschwinden scheinen weil man eben oft nur so lange für jemanden da ist bis er über den grössten Berg ist. Um wirklich an Stabilität zu gewinnen, sind meiner Meinung nach aber die Menschen wichtig die dir nachhaltig erhalten bleiben. Das was ich von im will ist ja auch weniger etwas körperliches, viellmehr liebe ich das Gefühl das er in mir ausslösst. Das was er in mir bewirkt. Leben hald. Ich danke dir jedenfalls für deine motivierenden Worte die mir das Gefühl vermitteln auf dem richtigen Weg zu sein! Ich möchte auch dir auf diesem Weg viel Kraft wünschen - und gib Bescheid wenn dir das Leben wieder mal zu schwer wird <3 Sehnsucht91

Und nochmal ich^^
Bitte schön, immer wieder gern und hoffe hab ich allgemein auch noch bissl aufgebaut und es hat wirklich was genützt, aber denke wirklich das du auf dem richtigen Weg bist. Und da gebe ich dir recht, das die menschen, die bis zum Schluss bleiben, man viel mehr schätzen kann, als die die danach gleich wieder gehen, weil sie denken, jetzt braucht sie mich ne mehr, aber genau das ist eigentlich falsch.
Du kannst wirklich Stolz sein, das du so jemanden hast, ich wünschte ich habe auch im moment jemanden um mich herum der mich bissl aufmuntert weil ich im moment auch ne wirklich zurecht komme. Hab letztes Jahr ziemlich viel durch machen müssen, weshalb ich auch in eine ES geraten bin. Manchmal schaffe ich es eine woche lang durch zu halten und dafür die nächste woche nicht. Und langsam kommt dieser gedanke du wirst immer fetter und es kommen schon solche Gedanken wie Magersucht ins spiel, einfach mal verzichten mir wieder zeigen das ich die kontrolle habe und nicht mein kopf...weil anfang letzten jahres habe ich gefastet 3 tage lang und hab wunderbar durchgehalten und jetzt schaffe ich grad mal noch so ein tag...das ist so deprimierent...also wenn du ein rat hast, dann bitte immer wieder gern, her damti, da nutze ich gleich mal dein liebes angebot
Ich finde es voll toll, das du die nötige stabilität hast und wieder gefunden hast, weil das bringt dich echt ziemlich viel weiter und du kommst auch besser davon los.

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27. Juli 2011 um 21:29

Kontrollverlust
Ich glaube heute ist das erste Mal dass ich nicht einfach irgendetwas poste um mir von der Seele zu schreiben. Heute weiss ich mir wirklich nicht mehr selbst zu helfen und bin nah dran verrückt zu werden. Noch verrückter, versteht sich. Nach 4 Monatigem hungern schaffte ich es nicht länger gegen meine Bedürfnisse anzukämpfen. Oder besser gesagt, mir vorzumachen dass ich keine habe. Durch den Kontrollverlust, wurde ich depressiv. Die Tage und Nächte wurden zu einem einzigen durcheinander und ich schaffte es die vergangenen Wochen kaum mich zur Arbeit zu schleppen. Eine FA folgte der nächsten und mittlerweilen ist mein Essverhalten so ausser Kontroller geraten dass ich mich seit vier Tagen in meiner Wohung eingeschlossen habe und nichts anderes tu als essen und brechen (Das Erbrechen ist nicht selbst herbeigeführt, nur esse ich so viel bis hin zum erbrechen). Ich weiss nicht über was ich mehr frustriert bin, über die Tatsache, innert kürzester Zeit wieder so viel zugenommen zu haben, dadurch depressiv zu sein, oder über den Kontrollverlust. Wahrscheinlich aber ist es einfach das Gefühl, welches ich beim Hungern so liebte und so faszinierend war; Das reine Adrenalin, das den Körper durchflutete- einem fast high machte,- und die erhöte Intensität des Erlebens, die mit der Essstörung einhergeht; Alles schmeckt intensiver, der Tastsinn ist erheblich sensibler als sonst, man hat mehr Energie und Antribskraft, ist übermässig konzentriert und zielstrebig. Ausserdem hat man das sehr intensive Gefühl der Macht...FA bewirken genau das Gegenteil: Kontroll und Machtverlust, man ist Energielos, müde, erschöpft etc. Kurz und Gut: Es fühlt sich an wie jeden Tag aufs neue zu sterben... Ich habe alles versucht mich selbst aus disem gestörten Verhalten herauszuziehen, ohne Erfolg. Ich bin mir durchaus bewusst durch was diese Leere entstanden ist, die ich jetzt zu füllen versuche aber kann im Moment nichts an dieser Ursache ändern. An was ich aber sehr wohl etwas ändern kann und auch muss, ist, eine alternative zum Essen zu finden. Ich denke dass Morgen ein guter Start dazu ist, da dann meine Ferien beginnen und ich etwas Abstand bekomme zum Geschehen welches mir im Moment sehr nahe geht. Jedenfalls habe ich gerade den ersten Schritt getan und meine Küche aufgeräumt. Sprich alle Lebensmittel entsorgt und meinen Kühschrank nur noch mit Wasserflaschen und O-Saft gefüllt. Ich befürchte nicht, dass ich durch das, dass ich jetzt ein paar Tage sehr wenig essen werde, Heisshungerattacken befürchten muss, denn auch die vergangenen Tage hatte ich nie FA wegen eines Hungergerfühls sondern ass einfach aus Verzweiflung und um die Leere zu füllen. Von daher gesehen, denke ich kann ich es mir leisten mindestens 2 Tage gar nichts zu essen. Ich will nicht hungern, aber habe das Gefühl meinen Körper erst wieder etwas reinigen zu müssen von diesen ganzen FA. Selbst wenn es mir nur psychologisch hilft, dass Bild dass mein Körper wieder gereinigt und auf Neuanfang engestellt wird, bevor ich ihm versuchen möchte, wieder ein ganz gesundes Essverhalten zu erlernen... Okay, vielleicht doch etwas aus der Seele geschrieben.

PS: Werde einen Blog erstellen mit Essstagebuch. So kann ich nähmlich gar nicht so viel fressen wie ich es die letzten Tage tat, dies aufzuliesten wäre dann selbst mir zu peinlich...

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