Forum / Fit & Gesund / Essstörungen - Anorexie, Magersucht, Bulimie…

"Hassliebe" zum Leistungsdruck - wie damit umgehen?

5. Juli 2014 um 19:14 Letzte Antwort: 7. Juli 2014 um 17:14

Hallo ihr Lieben,
ich bräuchte mal wieder eure Tipps und / oder Meinungen... Vermutlich werden das Problem hier einige kennen, wenn es um Leistungen geht, gerade bei Prüfungen. Ich habe gerade die Abschlussprüfung meiner Ausbildung hinter mich gebracht, jetzt stehen die Uni-Klausuren vor der Tür. Dooferweise kann ich da sowieso nicht alle wie geplant schreiben und das Semester ist etwas "durcheinander".

Jetzt steigere ich mich aktuell schon wieder viel zu sehr rein - ich weiß es ja genau und komme trotzdem leider nicht dagegen an. Die Gedanken kreisen die ganze Zeit um die Lernerei, wenn ich lerne, mache ich viel zu viel und bis gar nichts mehr geht, versuche ich mich abzulenken, kommt sofort das schlechte Gewissen und ich rattere trotzdem den Stoff im Kopf rauf und runter. Je näher die Prüfungen kommen desto schlimmer wird es dann und leider auch von Prüfung zu Prüfung extremer. Meist geht dann der "Teufelskreis" los - nachts nicht einschlafen können, morgens bin ich aber wach und das schlechte Gewissen treibt mich doch gleich wieder an den Schreibtisch, was aber durch den Schlafmangel nur sehr wenig produktiv ist, so dass ich nur noch mehr die Panik und das "du schaffst das nicht" Gefühl krieg. Dann traue ich mich noch weniger, etwas "Schönes" mittenrein einzubauen und versuche mit der Brechstange, noch was in den Kopf zu kriegen, obwohl ich genau weiß, dass es nichts bringt.

Ich hatte zwar schon immer Prüfungsangst, aber es wird immer extremer und mittlerweile ist es sogar so schlimm, dass ich an Überlegen bin, das Studium was mir an sich super viel Spaß macht, abzubrechen und zu arbeiten, damit die Prüfungen nicht mehr sind. Mit (unbenoteten) Präsentationen oder Hausarbeiten oder sonstiger Arbeit (auch unter Druck) und Stress habe ich überhaupt kein Problem, im Gegenteil, ich liebe die Herausforderungen. Nur sobald es um Noten geht, ist es vorbei.

Noch schlimmer fühle ich mich dann meist nur nach den Prüfungen. Anstatt einem "Erleichterungsgefühl" kommen dann die Selbstvorwürfe und Selbstzweifel, dass das sicher misserabel war, ich bestimmt durchgefallen bin und warum ich nicht mehr gelernt habt -> Also, für die nächste Prüfung noch mehr (!) lernen .

Kennt ihr das auch? Wie geht ihr denn damit um?

Ganz liebe Grüße

Mehr lesen

6. Juli 2014 um 20:10

Hey
ich glaube viele von uns haben hier ähnliche Probleme, besonders Perfektionismus ist ja ein altbekanntes Problem bei Essgestörten.

Bei mir kommt es auch oft vor, dass ich weine wegen dem Schulstress, dieser mich triggert usw. Trotzdem kann ich ohne diesen Stress auch nicht leben, dann fühle ich mich nutzlos.
Ich denke du solltest versuchen ein Mittelmaß zu finden, wie wäre es wenn du dir eine Art Plan (nicht zu streng!) machst.
Du könntest dich an Freundinnen orientieren, sie fragen wieviel sie lernen und dann nach der "Lernzeit" mit ihnen zusammen etwas schönes unternehmen. So bist du entspannt genug um überhaupt wieder aufnahmefähig zu sein.

Die Prüfungsangst kann ich auch nur allzu gut nachvollziehen, mir hilft es dann das Ergebnis der letzten Prüfung nochmal anzusehen und dann auszurechnen welche Note ich im schlimmsten Fall auf dem Zeugnis bekommen könnte (wir schreiben 2 Klausuren pro Quartal, wenn die erste zum Beispiel 2 war und ich dann von einer 4 ausgehe, komme ich mit dem mündlichen immernoch auf eine 2 )

Gefällt mir

7. Juli 2014 um 17:14

Hallo Lucky
dein Problem ist mir leider bekannt. Auch ich litt lange Zeit, vor allem in der 13. Klasse während des ABI-Jahres unter dem enormen Leistungsdruck. Das ist auch eines der Gründe meiner Essstörung gewesen.
Ich habe zwar nicht so extrem viel gelernt, wie du es in deinem Beitrag beschreibst, aber die Angst zu versagen war wirklich hoch. Ich hatte Angst, schlechte Noten zu schreiben, aber genauso schlecht ging es mir bei einer mittelmäßigen Note. Meine Ansprüche habe ich mir schon immer zu hoch gestellt. Dennoch habe ich viel gelernt, ich wollte meine "Disziplin" durchsetzen, ansonsten wäre ich mir zu "unehrgeizig" vorgekommen. Wenn ich mal nicht gelernt habe, fühlte ich mich nutzlos.
Vor allen Dingen ging es mir aber darum, vor meinen Mitmenschen nicht als "Versager" oder "Durchschnittstyp" zu gelten. Ich wollte schon immer "herausstechen" im wahrsten Sinne des Wortes.

Resultiert bei dir die Angst vor den Prüfungen vor allem in der Hinsicht, dass du anderen Menschen überlegen sein willst bzw.zeigen möchtest, dass du nicht "normal" bist wie die anderen? Oder interpretiere ich den Ursprung falsch?

Zur Zeit studiere ich an der Uni. Es ist dort ganz anders als in der Schule. In der Schule ging es immer um DIESEN Abschluss, damit man ja nicht "in der Gosse" landet. Ein Studium ist allerdings freiwillig. Mir geht es dort jedenfalls viiiieeeel besser, auch ist der Leistungsdruck verschwunden.
Ich bin zwar immer noch fleißig am Lernen und erwarte natürlich gute Noten, aber ich gehe das Ganze viel lockerer an.
Mir hilft es auch, mich an einen Lernplan zu halten. Wie Weltenmalerin schon erwähnt hat, kann man sich damit wirklich ein Mittelmaß zurechtschneiden, um nicht zu viel zu lernen und dennoch etwas getan zu haben, allerdings mit einer seligen Portion Freizeit.

Ich würde es dir auf jeden Fall empfehlen, dir die Zeit zu nehmen, dir etwas Gutes zu tun. Lernen kannst du ja immer noch. Aber nach dem Abschnitt: Mach eine Pause, gehe spazieren, sonne dich im Garten oder chill in der Badewanne.

LG

Gefällt mir

Diskussionen dieses Nutzers