Home / Forum / Fit & Gesund / Für Angehörige - was tun? wie helfen?

Für Angehörige - was tun? wie helfen?

18. Januar 2010 um 14:43 Letzte Antwort: 21. März 2010 um 7:29


Warnen Antworten
Was kann man als (letzte) Angehörige tun?
Hallo, ich bin froh, dieses Forum gefunden zu haben!

Es geht zwar nicht um mich, sondern um einen Freund, der unter starken Depressionen leidet und ich nicht weiß, wie ich ihm helfen und wie ich mir weiterhelfen kann.

Aber der Reihe nach.

M. ist 41 Jahre alt, und hatte ein bewegtes Leben, in dem er sehr viele Negativerfahrungen machen musste; zum einen hat die Mutter früh die Familie verlassen, mit dem Vater (der sich nie für ihn interessierte) ist das Verhältnis angespannt. Dass Desinteresse seines VAters, das dazu gefüghrt hat dass es keinen Kontakt mehr gibt, belastet ihn schwer.
Auch war er Helfer im Kriegsgebiet des ehem. Jugoslawien, die traumatisierten Menschen konnte er nie vergessen.
Mit den Frauen hat es auch schlecht geklappt, er wurde meistens ausgenutzt und belogen. (Hierzu muss ich sagen, dass ich ihn damals noch nicht kannte und aus diesem Grund nur "seine Versionen" schildern kann.)

Auch berufliche Erfolge gab es keine Nennenswerten, in den letzten Jahren war er arbeitslos. Da er -wie er sagte- sich zu sehr schämen würde, Arbeitslosengeld zu bekommen, hat er nie welches beantragt. Heute glaube ich, dass das damals schon ein erstes Anzeichen der Depression (Antriebslosigkeit) war.

Obwohl er zwar grundsätzlich ein geselliger Mensch ist, hat er sich in den letzten Jahren immer mehr von seinen Mitmenschen zurückgezogen, sie vergrault, in dem er sie teilweise übel beschimpft hat. Es kam wie es kommen musste - im Endeffekt bin ihm nur mehr ich geblieben. Natürlich ist ER daran nicht schuld, alle anderen würden nur darauf warten, bis sie seine Existenz zerstören können, das waren seine Worte.

Ich, die aber nicht mehr weiter weiß. Denn auch ich bin ständigen Beschimpfungen und Beleidigungen ausgesetzt. "Ich wolle ihm gar nicht helfen, ich nutze ihn auch nur aus, ich würde ihn nicht verstehen, ich bin auch so eine Schl*** wie alle anderen,", das sind die Sätze, die ich mittlerweile täglich (wir mailen oder telefonieren, da er in Franken lebt und ich in Bayern).

Als es dann vor einigen Monaten zum Eklat kam (er bedrohte mich und beleidigte mich), fiel es mir wie Schuppen von den Augen - das Zurückziehen, dieses Verhalten (von [gespielter] Ferundlichkeit zu bedenklichsten Aggressionsschüben), der Selbst"hass",... Depression!

In stundenlangen Gesprächen konnte ich ihm ein wenig die Augen öffnen und ihn dazu bringen, seinen status quo ein wenig selbst zu reflektieren. Er sah es ein, denn mit seinem Zustand ist er sehr unglücklich und allein. Er ging zu einem Psychologen, allerdings nur 3 mal. Der attestierte ihm eine "Sozialphobie", gab ihm Medikamente.

Allerdings hat sich sein Zustand in keinster Weise gebessert, im Gegenteilt. Er ist noch depressiver und aggressiver. Und ich (als die letzte "Verbliebene"!!), ich kann nicht mehr. Ich will ihm auch nicht im Stich lassen, aber ich habe Angst, dass dieser "Sog" mich noch weiter hinunterzieht. Ich versuche wirklich, ihm zu helfen. Aber er lässt niemanden an sich heran, will alles schlecht sehen; ja, mir kommt es hin und wieder sogar vor, dass er sich selbst absichtlich hinunterzieht, sein Leid "genießt" aber gleichzeitig die "anderen" als den Ursprung für all sein Leid beschuldigt.

Ich habe ihm gesagt, er sollte sich "kleine Ziele" stecken, damit er wieder für sich ein Erfolgserlebnis verbuchen kann. Er muss lernen, sich selbst wieder "zu lieben", erst dann kann es ein anderer auch tun. Und ER und nur er muss es wollen, dass dieser Zustand aufhört. Ja, ich kann mich nicht in ihn hineniversetzen, aber die einzige Antwort, die es darauf gibt, ist "WAS soll ich tun? WIE soll ich das tun? Du hast keine Ahnung, es hat keinen Sinn."

Habt ihr auch ähnliche Erfahrungen und Erlebnisse? Würde mich sehr über Austausch freuen, und vor allem über Ratschläge, was man als Angehöriger, als letzter gebliebener Freund, tun könnte... ab und zu, zum Beispiel seit gestern Abend, denke ich mir, ich solle den Kontakt am besten abbrechen. Aber das könnte ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren.


Danke!!!

Mehr lesen

18. Januar 2010 um 20:50

Danke, aber das ist schwierig...
Hallo,
erstmals danke für die Antwort, ich bin über jeden Erfahrungsbericht, jedes Wort dankbar!

Ja, deine Worte verstehe ich, und glaub mir - ich kann sie so gut nachvollziehen! Nur, ich hab einfach Angst, dass, wenn ich auch noch dahin bin, dass er sich was antut. Denn dann ist er wirklich ganz allein, dann gibt es niemanden mehr.

Aber ich würde am liebsten alles hinschmeissen und ihn seinem Schicksal überlassen. In seinem letzten Mail unterstellte er mir, "ich hätte Spaß an seiner Krankheit, ich halte ihn für blöd und verrückt und krank, ich nehme ihn nicht ernst, mich freuen, dass er krank ist und ihn zum Arzt abschiebe" und so weiter. Klaaaaar. Mir ist echt zum weinen zumute!!

Wie lange hat das bei dir gedauert, bis du dich gelöst hast? Und was geschah mit deinem Bekannten (du musst mir das natürlich nicht sagen, wenn du nicht willst)?

Würde mich freuen, wenn wir ein wenig in Mailkontakt treten könnten, ich bin für jede "Hilfe", jeden Erfahrungsaustausch unendlich froh!

Wünsche dir noch alles Gute, Aventine

Gefällt mir
22. Januar 2010 um 15:25

Helfersyndrom?! Nein...
Hallo,

ehrlich gesagt, Helfersyndrom... nein. Sollte es so rüber gekommen sein, muss ich das hiermit wiederlegen.

Ich denke, dass es eher was mit Freundschaft zu tun hat, denn - eine jahrelange (und positive) Freundschaft bei einem (zugegebenermaßen ernsten) Problem hinzuschmeißen, finde ich nicht ganz korrekt.

Er hat ja schon eingesehen, dass er Hilfe benötigt und hat auch gestern (!!) wieder seinen Therapeuten besucht. Na schau ma mal...

Gefällt mir
12. März 2010 um 15:43

Was Du nicht willst, das man Dir tut.......
das füg` auch keinem andern zu!
Das Sprichwort kennt wohl jeder. Aber Dein Bekannter hat sich darüber wohl noch keine Gedanken gemacht. Er behandelt andere Menschen so, wie er es selbst erfahren hat. Für mich ist er ein großer Egoist, zieht alle Aufmerksamkeiten auf sich, verhält sich hilflos und wenn man ihm helfen will, stößt er die Menschen zurück, die es gut meinen. Schade, das du nicht schreibst, wie alt Du selbst bist. Scheiß auf Dein Gewissen, jeder ist sich selbst der Nächste. Der Typ zieht Dich psychisch herunter. Geh auf Distanz und lass ihn allein. Wenn er Dich braucht, wird er sich schon melden.

Gefällt mir
21. März 2010 um 7:29
In Antwort auf bjork_12117363

Danke, aber das ist schwierig...
Hallo,
erstmals danke für die Antwort, ich bin über jeden Erfahrungsbericht, jedes Wort dankbar!

Ja, deine Worte verstehe ich, und glaub mir - ich kann sie so gut nachvollziehen! Nur, ich hab einfach Angst, dass, wenn ich auch noch dahin bin, dass er sich was antut. Denn dann ist er wirklich ganz allein, dann gibt es niemanden mehr.

Aber ich würde am liebsten alles hinschmeissen und ihn seinem Schicksal überlassen. In seinem letzten Mail unterstellte er mir, "ich hätte Spaß an seiner Krankheit, ich halte ihn für blöd und verrückt und krank, ich nehme ihn nicht ernst, mich freuen, dass er krank ist und ihn zum Arzt abschiebe" und so weiter. Klaaaaar. Mir ist echt zum weinen zumute!!

Wie lange hat das bei dir gedauert, bis du dich gelöst hast? Und was geschah mit deinem Bekannten (du musst mir das natürlich nicht sagen, wenn du nicht willst)?

Würde mich freuen, wenn wir ein wenig in Mailkontakt treten könnten, ich bin für jede "Hilfe", jeden Erfahrungsaustausch unendlich froh!

Wünsche dir noch alles Gute, Aventine


Hey Aventine,

ich glaube du bist eine super freundin.Es ist echt lieb, dass du unter diesen schweren umständen zu diesem freund stehst und dir die freundschaft wichtig ist.

dein freund hat ein ernsthaftes problem bzw. ist krank.
da du kein arzt/therapeut bist, ist es nicht verwunderlich, dass du dich mit der situation überfordert fühlst. vielleicht solltest du ihm das sagen. du schiebst ihn keineswegs zum azrt ab im gegenteil. du kannst ihm keine so qualifizierte hilfestellung geben und möchtest, dass er professionelle hilfe in anspruch nimmt. das ist mehr als legitim.

ich glaube auch nicht, dass er das wirklich ernst meint, wenn er dir vorwirft, dass du ihn im stich läßt oder der gleichen. sondern dass dies mehr seine
art ist zum ausdruck zu bringen, dass er wirklich hilfe braucht. aber wie gesagt, gerade männer tun sich sehr schwer damit das verständlich zu formulieren.

ich würde raten, dass der arzt ihn überweisen soll in eine klinik. entweder stationär oder in eine sogenannte tagesklinik.
dort hat er ein umfeld wo es ihm sicher leichter fallen wird seine probleme anzugehen.

erstens ,was therapeutische maßnahmen angeht oder auch medikamentös.es gibt auch kliniken, die informationsbroschüren oder - tage für "angehörige" haben.
zur aufklärung und als hilfestellung. da kannst du mal bei dir in der umgebung dich schlau machen. vielleicht hilft dir das weiter. da werden sie dir bestimmt helfen können, wie du den umgang mit deinem freund für dich erträglicher gestalten kannst.

grade bei männern ist es schwer mit psychischen krankheiten.
die hemmungen sich hilfe zu holen - das sieht man hier in vielen beiträgen- sind groß.

was nicht zuletzt an solchen ignoranten menschen wie www liegt.
wenn jemand ein egoist per definitionem ist" , ja dann wohl du: " jeder ist sich selbst der nächste" .

Kein verständnis von der materie und gibst so einen unqualifizierten rat ab. da wird einem ganz anders. schande über dich.

Gefällt mir