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Freundin leidet unter Essstörung und Depressionen

20. Februar 2011 um 14:00 Letzte Antwort: 2. September 2011 um 8:20

Guten Tag,

ich hoffe dass ich die richtige Wahl getroffen habe, indem ich mich an euch wende. Das Problem bedarf einer etwas umfangreicheren Ausführung:

Zunächst vielleicht ein paar grundlegende Informationen. Ich bin 22 Jahre alt und habe eine 18 jährige Freundin. Sie sieht unheimlich gut aus, ist 169cm groß und wiegt 59kg. Ich selbst komme bei Frauen eigentlich auch sehr gut an, bin 179cm groß und wiege ca 72kg. Wir beide sind jetzt seit fast genau 1,5 Jahren zusammen und im Grunde auch noch glücklich zusammen. Es ist für uns beide die erste ernsthafte Beziehung. Ich bin der Typ Mann, der alles für seine Freundin/Frau tun würde und habe im Grunde immer alles für sie getan und sie auch sehr verhätschelt.

Nun zum eigentlichen Problem: Als wir zusammen kamen wog meine Freundin noch weniger als 55kg. Dann fing sie an die Pille zu nehmen. Dazu kommt meiner Meinung nach auch noch, dass sie mit der Zeit einfach die typisch weiblichen Kurven angenommen hat, somit nahm sie natürlich zu. Leider kann sie sich beim besten Willen nicht damit abfinden. Im Laufe der Monate wurde es immer schlimmer. Sie schiebt all ihre Probleme und Sorgen auf ihr Gewicht, hungert sich die ersten Tage der Woche zu Tode, fängt dann meist ab Mitte der Woche wieder an etwas zu essen und kann dann, wie sie selber sagt, nicht mehr damit aufhören. Sie plündert also den Kühlschrank und alles was sie sonst noch zuhause finden kann.
Da sie in ihrer Familie kein offenes Ohr für ihre Probleme findet (außerdem hat sie nie gelernt sich zu öffnen) und sie auch keine wirklich besten Freunde/Freundinnen hat, bin ich der Einzige, an den sie sich dann wenden kann wenn es ihr nicht gut geht. Jedoch sagt sie mir dann nie was eigentlich los ist, sondern ist einfach ruhig und verschlossen, so dass ich es quasi erraten muss was mit ihr los ist. Mittlerweile geht sie nur noch zum Arbeiten aus dem Haus. Unternimmt nur ganz selten etwas mit anderen Mädels und wir beide sehen uns eigentlich nur noch wenn ich sie besuche. Ein Besuch im Kino oder ähnliches kommt so gut wie gar nicht mehr vor. Sie selbst sagt, alles sei langweilig, also kann sie sich auch alleine zuhause langweilen. Sie verliert einfach derzeit jegliche Freude am leben, betont auch, ihre Welt "wäre schon lange Untergegangen".

Nun habe ich mich schon öfter gefragt, ob vielleicht ich der Grund bin, wieso es ihr so schlecht geht. Jedoch versichert sie mir immer wieder, dass sie mich braucht und sagt mir auch dass sie mich liebt. Liebesgeständnisse fallen ihr aber zunehmen schwerer. Vielleicht, weil sie mit sich selbst überhaupt nicht mehr zufrieden ist!?
Ich kann es ihr nicht mehr recht machen, denn dafür müsste ich Tag und Nacht per Telefon zu ihrer freien Verfügung stehen. Wenn ich wirklich einmal etwas mit Freunden unternehmen möchte, legt sie mir zwar keine Steine in den Weg, die Quittung dafür bekomme ich dann aber Tagelang durch ihre schlechte Stimmung zu spüren.

Ich weiß einfach nicht mehr weiter!

Gruß,
Fichtenelch

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20. Februar 2011 um 16:01

Therapie
Hallo,

erstmal finde ich es ganz großartig, dass du dir so gedanken um deine freundin machst...

es ist interessant, das ganze mal aus der sicht des freundes zu sehen..
ich selbst hab auch einen freund, und ehrlich gesagt bewundere ich, dass ihr nicht gleich das weite sucht..

..macht deine freundin eine therapie? das sollte ihr helfen. du musst sie dazu bringen, dass sie eine therapie beginnt. du darfst sie nicht aufgeben, immer wieder ermutigen.
man braucht als Essgestörte eine ganz große stütze. sie hat sich dir anvertraut, du weißt, was mit ihr los ist, das zeigt schon viel vertrauen ihrerseits. du bist wahrhscheinlich der einzige, der sie noch zu irgendwas Gutem bewegen kann

Ich weiß nicht, wie deine freundin an und für sich drauf ist, aber sag ihr, sie soll für dich/für euch eine therapie machen.

ich denke, das ist die einzige lösung. alleine kommt sie da nicht wieder raus..

und ich denke, du bist ihr wirklich wichtig, auch, wenn sie das nicht mehr so äußert. sonst hätte sie schon längst sich von dir abgekapselt und wohlmöglich schluss gemacht. denn sie ist ja schon sehr extrem in ihrer depression und gibt auch keine acht mehr auf den rest ihrer welt..nur auf dich..

Liebe Grüße

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20. Februar 2011 um 16:08

Hallo Fichtenelch,
deine Freundin leidet an Bulimie und wahrscheinlich auch an Depressionen. Dabei handelt es sich um psychische Krankheiten, die behandlungsbedürftig und heilbar sind.Du selbst trägst an ihrer Krankheit keine Schuld.Mit solchen Gedanken solltest du dich nicht befassen. Du selbst wirst ihr kaum helfen können, da sie professionelle Hilfe benötigt.

Ich bezweifel aber, dass es dir gelingen wird, sie zu einem Arztbesuch zu bewegen. Notwendig wäre die Konsultation eines Fachartes für Psychiatrie, der eine medikamentöse Behandlung mit einem Antidepressivum prüfen und deine Freundin in eine Psychotherapie vermitteln würde.

LG Nus

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20. Februar 2011 um 17:21

Hallo!
Ersteinmal finde ich es sehr schön, dass du uns hier befragst und mit deinem Problemen und Sorgen nicht allein bleiben willst.
Das kannst du auch nicht und du hast richtig entschieden, dass es so nicht weitergeht und deine Freundin ein ernsthaftes Problem hat!

Das klingt für mich eindeutig nach Depressionen, weil ich selbst welche hatte und die Gefühlslage zu gut kenne, die deine Freundin im Moment hat.
Diese Gefangenheit in sich selbst und die Unfähigkeit soziale Kontakte aufrecht zu erhalten, geschweige denn am Leben wirklich teilhaben zu können. Sie steckt in einem tiefen Loch!

Das erste was du dir sagen musst ist, dass du keinerlei Schuld daran hast;es liegt nicht an dir, dass sie sich so fühlt!!!!! Ganz wichtig!
Ihre Laune, ihr Umgang mit sich und mit dir sind eben Symptome ihres Krankheitsbildes. Kompletter Rückzug aufgrund der Essstörung und der (begleitenden) Depression.

Du solltest sie wirklich auf ihr Problem vermehrt ansprechen, grad weil du im Moment der einzige zu sein scheinst, den sie hat.
Depressionen sind sehr schlimm und ich konnte sie ohne Medikamente, besiegen!!!!
Das ist aber ein harter Kampf und bedarf viel eigener Kraft und einem "verborgenen" Lebenswillen!
Den ich glücklicherweise hatte (auch wenn er sehr tief in mir schlummerte) und ich ihn in meiner Lethargie kaum zu finden geglaubt habe...

Wenn sie abwechselndes Essverhalten hat; mal hungern, mal Essattacken und sehr dünn ist, bzw. abnimmt, dann gehe ich auch wie Nus davon aus, dass sie erbricht und Bulimie hat.

Es hilft nichts-du MUSST sie direkt mit deiner Vermutung vertraut machen und ihr ins Gewissen reden, sich professionelle Hilfe zu holen.
Du solltest ihr sagen, was es mit dir macht, dass auch du darunter leidest und sie unterstützen möchtest, weil du sie liebst!

Nur so, durch den direkten Weg, kannst du ihr helfen!

Viel viel Glück!
Deine Freundin kann sich sehr glücklich schätzen, dass sie dich hat!!!! Deine PatchSu

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20. Februar 2011 um 21:42

Bulimie - unwahrscheinlich
Danke für die netten und ausführlichen Antworten!

Also Bulimie denke ich ausschließen zu können. Sie sagt mir zwar öfter dass sie sich wünscht zu kotzen, aber sie beteuert, sich noch niemals den Finger in den Hals gesteckt zu haben. Das glaube ich ihr auch, da ihr die Vorstellung, wie sie selbst sagt, nicht gefällt. In Situationen, in denen sie mir dann ein schlechtes Gewissen machen will, schreibt sie mir dann auch des Öfteren, dass sie "wegen mir" nicht soweit gehen wird!

Wir beide haben Anfang März einen Termin bei einer Beratungsstelle für Essstörungen. Ich habe große Hoffnungen, dass ihr dadurch die Augen geöffnet werden und sich danach vielleicht die Möglichkeit ergibt, eine Therapie bei einem Psychologen zu beginnen. Allerdings habe ich Angst, der Termin könnte platzen. Aus dem einfachen Grund, dass sie sehr unter Stimmungsschwankungen leidet, und nur weil sie zugesagt hat, heißt das nicht, dass sie am besagten Tag auch wirklich bereit ist, den Termin wahrzunehmen...

Die Sache mit der Pille ist natürlich eine interessante Option! Es könnte durchaus sein, dass sich dadurch einiges zum Besseren wenden könnte! Denkt ihr wirklich dass es so "leicht" ginge?

Nochmals vielen lieben Dank, ihr seid spitze!

Fichtenelch

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21. Februar 2011 um 13:34
In Antwort auf hiroto_12645558

Bulimie - unwahrscheinlich
Danke für die netten und ausführlichen Antworten!

Also Bulimie denke ich ausschließen zu können. Sie sagt mir zwar öfter dass sie sich wünscht zu kotzen, aber sie beteuert, sich noch niemals den Finger in den Hals gesteckt zu haben. Das glaube ich ihr auch, da ihr die Vorstellung, wie sie selbst sagt, nicht gefällt. In Situationen, in denen sie mir dann ein schlechtes Gewissen machen will, schreibt sie mir dann auch des Öfteren, dass sie "wegen mir" nicht soweit gehen wird!

Wir beide haben Anfang März einen Termin bei einer Beratungsstelle für Essstörungen. Ich habe große Hoffnungen, dass ihr dadurch die Augen geöffnet werden und sich danach vielleicht die Möglichkeit ergibt, eine Therapie bei einem Psychologen zu beginnen. Allerdings habe ich Angst, der Termin könnte platzen. Aus dem einfachen Grund, dass sie sehr unter Stimmungsschwankungen leidet, und nur weil sie zugesagt hat, heißt das nicht, dass sie am besagten Tag auch wirklich bereit ist, den Termin wahrzunehmen...

Die Sache mit der Pille ist natürlich eine interessante Option! Es könnte durchaus sein, dass sich dadurch einiges zum Besseren wenden könnte! Denkt ihr wirklich dass es so "leicht" ginge?

Nochmals vielen lieben Dank, ihr seid spitze!

Fichtenelch

Planung
Hallo ihr Lieben!

Also gut, ich habe mit ihr gesprochen und gesagt, ich "hätte von gehört" dass die Pille der Auslöser für ihre Probleme sein könnte. Wir beide sind uns allerdings einig, dass es fürs erste sinnvoll wäre, mit ihrer Frauenärztin über ihre Probleme zu sprechen und evtl erst mal eine anderes Präparat der Pille auszuprobieren. (Hoffentlich traut sie sich dann auch im entscheidenden Moment ihrer Ärztin alles zu erzählen!) Ich persönlich hätte auch kein Problem damit, dass sie die Pille absetzt. Aber ich habe eben auch schon öfter gelesen, dass Frauen nach dem Umstieg auf ein anderes Pillen-Präparat keinerlei Beschwerden mehr hatten. Zudem kann die Frauenärztin ihr vielleicht auch einfach weiterhelfen, wenn meine Freundin ihr von ihren Problemen berichtet... Leider ist ihr nächster Termin auch erst Anfang März, soll heißen, so lange werden wir uns wohl noch gedulden müssen...
Bis dahin werde ich mich aber bestimmt immer wieder mal melden um mir den Frust von der Seele zu schreiben! Denn eure Antworten sind unheimlich gut und helfen mir wirklich weiter!

Ganz liebe Grüße,
Fichtenelch

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1. September 2011 um 13:58

Ähnliches Problem
Lieber Fichtenelch,

Ich war gerade auf der Suche nach Rat bezüglich meiner Beziehung mit meiner Freundin. Wir sind nun 4 einhalb Monate zusammen. Dies ist zwar keine lange Zeit, trotzdem weiß ich, dass ich meine Freundin sehr liebe und wir haben in dieser Zeit auch schon einiges durchgemacht. Ich bin jetzt 19 Jahre alt (genau wie meine Freundin).

Als ich mir deinen Beitrag durchgelesen habe fühlte ich mich direkt angesprochen, da ich ein ähnliches Problem habe. Meine Freundin hatte viel Pech mit der Auswahl ihrer früheren Freunde. Vor ihren beiden Exfreunden war sie ein sehr lebensfroher Mensch, doch nachdem sie behaupteten, dass meine Freundin zu dick sei rutschte sie in die Magersucht. Sie wollte nichts mehr essen, trieb wahnsinnig viel Sport und wog am Ende bei einer Größe von 165 cm nur noch 42 Kilo.(Insgesamt hat sie um die 20 Kilogramm abgenommen)

Als ich mit ihr zusammen kam wog sie ungefähr 49 Kilogramm. Ihr Essverhalten änderte sich jedoch komplett und nun ist es ungefähr wie bei deiner Freundin nur noch etwas schlimmer. Sie isst entweder nichts oder in Massen. Jedoch ist es zur Zeit so, dass ich sie kaum mehr vom Essen abhalten kann. Sie wiegt nun ungefähr 60 Kilogramm. Dies finde ICH überhaupt nicht schlimm. Im Gegenteil. Ihre weiblichen Rundungen gefallen mir sehr. Für mich ist sie perfekt und wunderhübsch (Dies sage ich ihr auch immer wieder). Doch sie kommt mit ihrer Figur überhaupt nicht zurecht. Täglich ist sie unzufrieden und sie wird zunehmend depressiver. Ich versuche mein bestmögliches für sie zu tun. Die Pille hat meine Freundin seit 1 Monat abgesetzt. Außerdem haben wir einen Essensplan für ein geregeltes Essen aufgestellt und ich versuche alles, damit wir ein gesundes Maß zwischen zu viel und zu wenig Essen finden. Doch ihre Essattacken machen mir immer mehr zu schaffen. Sie nutzt jede Gelegenheit um Essen zu sich zu nehmen, wenn sie nicht beobachtet wird. Während ich mich beispielsweise nur 5 Minuten dusche rennt sie in die Speisekammer und isst, was sie findet obwohl es ihr nicht einmal schmeckt. Kurze Zeit darauf bereut sie alles, betrachtet sich die ganze Zeit im Spiegel und frägt mich andauernd, ob sie dicker geworden ist etc.

Genau wie bei dir, lieber Fichtenelch kapselt sie sich von all ihren Freunden ab und will nur noch was mit mir machen. Mit ihrer Familie streitet sie nur noch. Ich weiß jedoch nicht mehr wie es weiter gehen soll. Ich bin (laut meiner Freundin) der einzige Mensch der sie glücklich macht und der ihr noch Freude am Leben gibt. Jedoch kann ich nicht die ganze Zeit für sie da sein und sie "bewachen", wenn sie ihre Essattacken hat, da ich jetzt dann zum Studieren beginne, Fußballtraining habe und eigentlich auch was mit meinen Freunden machen will. Meine Freunde kehren mir immer mehr den Rücken zu, da ich versuche möglichst viel Zeit mit meiner Freundin zu verbringen. Jedes mal, wenn ich nichts mit ihr mache plagt mich das schlechte Gewissen. Jedoch kann ich meine Freundin auch nicht zu meinen Freunden mitnehmen, wenn wir beispielsweise am Abend weggehen oder wir zum schwimmen gehen wollen, da sie sich in ihrem Körper schämt und am liebsten den ganzen Tag im Bett verbringen würde. Deshalb sage ich meinen Freunden eigentlich immer ab. Obwohl ich (und das sage ich ohne eingebildet wirken zu wollen) ziemlich beliebt bin, melden sich meine Freunde kaum mehr bei mir, da ich ihnen eigentlich eh nur absagen kann...

"Ich kann es ihr nicht recht machen, denn dafür müsste ich Tag und Nacht per Telefon zu ihrer freien Verfügung stehen. Wenn ich wirklich einmal etwas mit Freunden unternehmen möchte, legt sie mir zwar keine Steine in den Weg, die Quittung dafür bekomme ich dann aber Tagelang durch ihre schlechte Stimmung zu spüren. " Dies ist ein Auszug aus deinem Kommentar, der meine Situation 1 zu 1 beschreibt!

Ich rede täglich stundenlang mit ihr, ob sie nicht in Behandlung gehen möchte, doch sie verneint jedes mal, da sie während ihrer Phase in der sie weit untergewichtig war, schlechte Erfahrungen gemacht hat. Außerdem hat sie heute ihre Ausbildung begonnen und möchte diese nicht sofort abbrechen. Ich weiß einfach nicht mehr, was ich machen soll, da ich mich selbst ausgelaugt und schlecht fühle. Ich möchte einfach nur, dass meine Freundin wieder glücklich wird und den Spaß am Leben wieder findet. Dafür werde ich alles tun, weil ich sie so sehr liebe.

Nun frage ich dich, lieber Fichtenelch: Wie ist der Termin bim Psychologen verlaufen? Hat sich die Situation gebessert? Was soll ich tun?

Liebe Grüße,

ailton92

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2. September 2011 um 8:20

Flunkern
Sorry, aber kann es sein dass sich hinter den zwei besorgen Männern hier eher besorgte Muttis oder Freundinnen verstecken. Kerle würden in dem Stil nicht schreiben und sich auch nicht mit "Lieber...." anreden.

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