Home / Forum / Fit & Gesund / Erfahrungsbericht zum Thema "Analfissur"

Erfahrungsbericht zum Thema "Analfissur"

22. Oktober 2010 um 18:09

Hallo Leidensgenossen!

Eine konkrete Frage zum Thema ist mein Beitrag nicht, eher eine Art "Erfahrungsbericht" und Anlaß, anderen Betroffenen in dieser doch etwas peinlichen Situation Mut zu machen.

Seit gut eineinhalb Jahren plagt mich das Thema "Analfissur". Retrospektiv betrachtet, hatte ich auch schon zu meiner Bundeswehrzeit eine akute Episode mit heftigem, stechendem Schmerz und reichlich Blut in der Toilettenschüssel - inzwischen bin ich 40.

Damals wie heute waren der Auslöser mit einiger Sicherheit die oftmals zitierte Schwachstelle auf "6 Uhr, Steißbeinlage" - erschwerend hinzu kamen Verstopfung, Streß, Zeitdruck auf dem Klo und folglich übermäßiges Pressen und im neuerlichen Fall auch unbehandelte Hämorrhoiden 2. Grades.

Während damals die Fissur ohne großartiges Zutun spontan nach etwa 1-2 Wochen abheilte, kam es im aktuellen Fall zu einem mehrmaligen Aufflammen der Symptomatik. In der beschwerdefreien Zeit habe ich einen Proktologen aufgesucht und bin gegen meine Hämorhoiden zunächst mit Verödungen durch Einspritzung einer öligen Flüssigkeit (meiner Erinnerung nach gereinigtes Erdnußöl) und schließlich, da sich keine zufriedenstellende und vor allem langfristige Besserung zeigte, mit einer Gummibandligatur vorgegangen. Dabei werden die vergößerten Knoten in drei Sitzungen einzeln mit einem Gummiband abgebunden - ein etwas unangenehmer aber schmerzfreier Prozeß.

Leider führte auch das nicht zur vollständigen Ausheilung der Fissur, sie wurde chronisch. Durch die z. T. sehr heftigen Schmerzen beim Stuhlgang, die mitunter mehrere Stunden anhielten und auch meine sportlichen Ambitionen sehr stark einschränkten (der salzige Schweiß ist bei einer offenen Wunde am/im Enddarm definitiv kein Zuckerschlecken!) wurde eine recht ausgedehnte Schließmuskelverkrampfung ausgelöst, die auch die verschriebene Nitrosalbe nicht kurieren konnte.

Insbesondere litt ich bei deren regelmäßigen (3-5x täglich) Anwendung unter Kopfschmerzen, auch die Vorgang des "Eincremens" selbst war recht schmerzhaft, der Stuhlgang selbst verständlicherweise erschwert. Kurz gesagt: Ich hatte regelrecht Angst, aufs Klo zu gehen.

Während dieser Zeit begann ich, mich im Internet zum Thema schlau zu machen und erkannte, daß ich weder mit diesem Problem allein war, noch daß es neben "aussitzen" und "regelmäßig eincremen" keinerlei weitere Optionen gab.

Von einer Botoxinjektion war da die Rede, ebenfalls von einer "Fissurektomie" (d. h. die operative Ausschälung der Fissur mit Entfernung der Wucherungen unter Allgemeinanästhesie - auch als "Vollnarkose" bekannt) mit oder ohne angeschlossener Schließmuskeldehnung oder Teildurchtrennung ("Sphinkterotomie").

Die operativen Varianten erschienen mir bei weitem zu invasiv, insbesondere, da man in der einschlägigen Literatur von Stuhlinkontinenzen (meist bei Kombination der Fissurektomie mit der Sphinkterotomie, Stichwort hier das sog. "Schlüssellochphänomen") berichtete und von recht länglichen, schmerzhaften Heilungsverläufen (z. T. mehrere Monate) wegen der bei der prekären örtlichen Lage notwendigen offenen Wundheilung, während derer man regelmäßige Sitzbäder und strenge Hygiene halten muß. Im Berufsleben ein unhaltbarer Zustand. Man hätte mich für einen Monat krankschreiben können.

Ich entschied mich daher für die Botoxinjektion. Allerdings war hierfür der Wechsel meines behandelnden Arztes notwendig - der Vorgänger meinte lapidar "Entweder es hilft nichts oder Sie sind nachher nicht mehr dicht!" und lehnte diese Methode schlicht ab. Eine Operation dieser "Lifestyleproblematik" kam für ihn ebenfalls nicht in Frage, er riet mir zur Umstellung meines Lebenswandels - als ob das so einfach wäre!

Im Beratungsbusiness und als Softwareentwickler arbeitet man nunmal eben vorwiegend sitzend - und mehr als einige Male die Woche die rund 40km via Fahrrad in die Arbeit und regelmäßiges Fitneßtraining ist beim besten Willen nicht drin. Auch kann ich mich nicht unbedingt als Ballaststoffmuffel bezeichnen - im Gegenteil: Ich esse sehr viel Salat, Gemüse und Vollkornprodukte.

Die Botoxinjektion selbst, die nicht durch den Anus sondern von außen in den Schließmuskel erfolgte, war dank der feinen Nadel und wegen des geringen Volumens nur sehr wenig schmerzhaft und ich habe im Folgenden subjektiv eigentlich nur einen recht geringen Unterschied gespürt. Bei der Kontrolluntersuchung einige Wochen später wurde mir aber durchaus ein entspannterer Schließmuskel attestiert, leider wirkte sich daswenig auf mein eigentliches Problem aus.

Die Fissur blieb bestehen und es hatte sich inzwischen eine Vernarbung gebildet, die bei der direkten Manipulation mit Salben sehr schmerzhaft reagierte. Als ich nach weiteren zwei Monaten diese Erkenntnis meinem Arzt vorgetragen habe und der den Riß nochmals zu meinem großen Vergnügen mit dem Instrument betastete, hieß es "Austherapiert. Für Sie kommt nur noch eine Operation in Frage.".

Von der Sphinkterotomie hielt er übrigens überhaupt nichts, auch die Dehnung des Muskels unter Narkose sei wegen der korrekten Wahl der Dosierung gefährlich und daher abzulehnen.

Nach reiflicher Überlegung und angesichts etlicher Horrorberichte und -bilder im Internet entschied ich mich zu einem letzten radikalen, konservativen Anlauf: NULLDIÄT.

Aus der logischen Anschauung heraus sollte eine Wunde (selbst wenn sie chronisch und daher vernarbt und minderdurchblutet ist) besser abheilen können, wenn sie nicht dauernd strapaziert wird. Oder lapidar: Wo nichts hineingeht, kann auch nichts herauskommen.

Ich besorgte mir in der Apotheke eine Packung "Endofalk Tropic" (ein Makrogol mit Mineralien welches man mit Wasser anmischt und auch zu Darmreinigung bei Darmspiegelungen eingesetzt wird), die ich von einer endoskopischen Krebsvorsorgeuntersuchung schon kannte. "Endofalk" kostet um die 15 Euro und ist in Apotheken frei erhältlich.

Da der Darm in meinem Fall nicht blitzeblank sein mußte, taten auch zwei (von acht) Beutel ausreichende Wirkung. Im Zweifel hätte ich eben noch einen Beutel nachgeworfen.

Die nun folgende Fastenphase kann ich nicht anders als "ziemlich hart" beschreiben. Die Kreislaufumstellung des Körpers, verbunden mit Schwäche, Frösteln, Konzentrationsschwierigkeiten und anderen Nebenwirkungen sollte sich nur zumuten, wer 1. über ausreichend Reserven verfügt, 2. seinem inneren Schweinehund Paroli bieten kann und 3. bis auf das Problem an der Kehrseite kerngesund ist.

Ich habe über einen Zeitraum von gut drei Wochen bestenfalls flüssige Nahrung (Wasser, Saft, Tee) zu mir genommen und ein eisernes Kreislauftrainingsprogramm gehalten, um dem übermäßigen Eiweißabbau vorzubeugen. Während der Kur verliert man nämlich nicht nur Fett, sondern bevorzugt Muskelmasse welche man hernach mühevoll wieder aufbauen muß.

Flankierend habe ich die Fissur regelmäßig mit einer weißen Paste namens "Pasta Zinci mollis" behandelt - diese Zinkpaste besteht aus einer Cremegrundlage, feinem Znkoxidstaub und Olivenöl, hält die Haut geschmeidig und wirkt bis zu einem gewissen Grad auch keimtötend (d. h. antiseptisch) und austrocknend.

Gelegentlich mußte ich dann doch das stille Örtchen aufsuchen, möglicherweise waren noch Reste "loszuwerden" oder es handelte sich um Rückstände aus der Darmschleimhaut und/oder Abbauprodukte der Säfte.

Die Resultate:

Schon nach kurzer Zeit ließ das lästige Brennen und schneidende Stechen, das sich nach dem Stuhlgang oft über Stunden Richtung dumpf-pochend-ziehend entwickelte, deutlich nach und ich konnte mit sanften Dehnungsübungen des malträtierten Schließmuskels beginnen. Dafür (d. h. als Gleitmittel) eignet sich ebenfalls die Zinksalbe - wer keine weißen Finger mag, der möge sich der in Apotheken erhältlichen Fingerlinge bedienen und zusätzlich eine Salbe mit Lokalanästhetikum verwenden.

Zwei Wochen später hatte sich auch mein Kreislauf wieder einigermaßen stabilisiert, die Fasterei war mehr und mehr zur "Kopfsache" geworden: Ich mußte einfach der Versuchung widerstehen und mein Sportprogramm beharrlich weiter verfolgen.

Nach ziemlich exakt 22 Tagen war ich 15 Kilogramm leichter geworden (von 85 auf etwa 70, als 188cm großer Mann), ein Teil davon ist freilich auf den komplett entleerten Darm zurückzuführen. Da sich die Fissur in meinem Inneren inzwischen zwar etwas "schwielig" und immer noch empfindlich anfühlte, aber selbst bei forcierter Behandlung nicht mehr schmerzte (wer einmal beim Arzt eine Austastung einer frischen oder chronischen Fissur mit der Sonde erlebt hat, der versteht, was ich meine), entschloß ich, das Fasten zu brechen.

Unter den üblichen Vorkehrungen (Banane, etwas pürierte Suppe, reichlich trinken, später Haferschmelzflocken mit einigen Dörrpflaumen zur Anregung der Verdauung, Joghurt zum Aufbau der Darmflora, dann leichtes, wenig gewürztes Essen, Obst, Gemüse, kein Alkohol) brachte ich mein Verdauungssystem langsam wieder auf Trab. Im Internet gibt es dazu bei Bedarf reichlich Anleitungen.

Als hilfreich hat sich außerdem ein Produkt aus gemahlenen, indischen Flohsamenschalen erwiesen (ein Handelname ist "Mucofalk Orange" - nein, ich mache keine Werbung für diesen Hersteller, das Produkt war eben verfügbar), welches in Wasser aufgelöst wird und dank seiner Quellwirkung zu einer Normalisierung der Stuhlkonsistenz eingesetzt wird. D. h. es hilft bei Durchfall, aber auch bei Verstopfung. Ich nahm Morgens und Abends je ein Glas mit 500ml Wasser und ein bis zwei Meßlöffeln davon.

Natürlich sah ich dem "ersten" Stuhlgang mit einiger Sorge entgegen, schließlich könnte sich die ganze Aktion buchstäblich als "Griff ins Klo" erweisen, wenn die Fissur quasi nur in eine stille Phase eingetreten wäre und bei geringster Belastung wieder aufreißen würde.

Das Gegenteil war jedoch der Fall, die Aktion ging vollkommen schmerz- und anstrengungsfrei vonstatten, ich duschte und trocknete meinen Hintern kurz ab und konnte ihn mühelos mit der Zinksalbe präparieren. So leicht hatte ich mir das nicht vorgestellt.

Auch nach zwei Wochen, währendderer ich mir auch mal die eine oder andere Sünde wie Schokolade gönnte (Kakao gilt als verstopfungsfördernd und ist daher nicht unbedingt in so einer Situation ratsam) gab es keine nennenswerten Vorkommnisse - ich schöpfte Mut und wollte die Situation auch beim Proktologen objektivieren.

Der späht durch sein Rektoskop und betastete die Narbe mit der Sonde eingehend, was zwar unangenehm war aber im Vergleich mit den vorangegangenen Erlebnissen quasi einem Spaziergang gleichkam. Das Fazit: Eine "mäßig ausgebildete Vorpostenfalte, eine konsolidierte, leicht wulstige aber insgesamt voll belastbare Narbe und eine normalisierter Sphinktertonus".

Na bitte! Alles im grünen Bereich. Wir diskutierten kurz die Option, zu einem späteren Zeitpunkt die Narbe in örtlicher Betäubung etwas einzuebnen und ggfs. die Vorpostenfalte zu entfernen. Allerdings wäre das in meinem Fall mehr ein kosmetisches als ein hygienisches Problem - ich sollte also fürs erste schlicht abwarten und mich in einem Vierteljahr nochmals vorstellen.

Bis dahin wäre ballaststoffreiches Essen und Entspannung auf dem Pott ohne Zeitnot und eine regelmäßige Massage der Narbe (zur Förderung der Durchblutung und Regeneration) angesagt und ich konnte nach Shake-Hands mit einem Rezept über eine weitere Dose Flohsamenschalen samt Zinkpaste den Heimweg antreten.

Und die Moral von der Geschicht'?

Weder mit vergrößerten Hämorrhoiden noch mit einer Analfissur ist zu spaßen. Meistens kommt letztere mit ersteren im Doppelpack daher und wenn man gegen erstere frühzeitig etwas unternimmt, kann man oft letztere vermeiden.

Trotz des etwas unangenehmen Themas sollte man FRÜHZEITIG den Gang zum Arzt wagen, dort offen berichten und im Dialog Therapiemöglichkeiten erörtern. Sehr oft muß eine frische Fissur mit der zeitigen und richtigen Behandlung nicht chronisch werden und heilt vollkommen komplikationsfrei ab.

Der Schmerzkreislauf Fissur-Stuhlgang-Schmerzen-Schließmuskelverkrampfung-Beschwerden/Angst beim Stuhlgang-übermäßiges Pressen-Schmerzen ist unbedingt zu vermeiden. Heldentum nützt überhaupt nichts, es geht hier um unterbewußte, reflexartige Vorgänge gegen die man mit entspannenden Salben und Schmerzmedikamenten vorgehen kann und muß.

Menschen, die es vertragen, können die von mir durchgeführte Fastenkur versuchen - im aktuten Fall reicht oft schon eine Woche bis 10 Tage um den Schleimhautriß vollkommen abheilen zu lassen. Der regelmäßige ("wohlgeformte") Stuhlgang erfüllt zwar auch eine gewisse (und notwendige) Dehnungsfunktion, verkeimt aber die Wunde mit Fäkalbakterien und Verdauungsenzymen was die Wundheilung stört. Im Zweifel kann man auch "manuell" dehnen, man muß sich nur trauen und das rein optische Problem eines weißen Streifens in der Unterhose ignorieren, der Trend geht ja auch wieder zu weißen Schlüpfern...

Im Zweifel steht die Therapie im Vordergrund, Ekel- und Schamgefühle können da getrost zurückstehen. Und, ja, es kann jeden treffen. Personen jeglichen Alters, willkürliche Berufe und beiderlei Geschlechter.

Nur Mut - Heilung _ist_ möglich!


Viel Erfolg!

Mehr lesen

15. Mai 2011 um 18:59

Zinkpaste
Toll!!!
habe aber eine Frage, würde die Zinkpast nicht alles austrocknen und somit die Haut rissiger machen?

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

4. September 2012 um 10:13

Analfissur Reloaded
Zahlreichen Zuschriften zeigen, daß mein Artikel sich selbst nach so langer Zeit offensichtlich noch großen Interesses erfreut. Es handelt sich also um ein weitverbreitetes Problem und der Leidensdruck ist enorm.

Zur Kehrseite der Kehrseite:

Ein Fissur, die nach fünf Wochen nicht abgeheilt ist, bezeichnet man als chronisch. So traurig es klingt, aber im chronischen Stadium sind die Chancen einer spontane Abheilung nur noch relativ gering, da der Riß mittlererweile nicht mehr frisch ist, sondern entzündlich, unterdurchblutet und, wie der Patient ja selber erlebt, der Schließmuskel wegen der Schmerzangst kontinuierlich verengt.

Mein Erfolgsbericht im Forum ist aus vielerlei Gründen nicht mehr aktuell - ich habe mich über 2 Jahre mit dieser Fissur herumgequält und die Auskunft von sicher 6 unterschiedlichen Medizinern/Proktologen eingeholt und will die gesammelten Erfahrungen hier zum Wohle meiner Leidensgenossen wiedergeben. Auf der einen Seite des Spektrums riet man mir weiter zur konservativen Behandlung (Salben, Bäder, Schmerzmittel, Botoxspritzen, ...) auf der anderen Seite gab man mir zur verstehen, daß ich ein Kandidat für eine Fissurektomie (=Ausschneidung der Fissur in Narkose) wäre.

Ja, einige "old school"-Chirurgen wollten sogar die in Deutschland wegen langfristigem Inkontinenzrisiko und statistisch nicht geringeren Rezidifraten (=Wiederauftreten der Fissur) seit Jahren nicht mehr zum Standard gehörende Sphinkterotomie (=Teildurchtrennung des Schließmuskels) an mir durchführen.

Nachem alle o. a. konservativen Maßnahmen fehlgeschlagen incl. der fünfwöchigen Fastenkur (wo es geschätzt einen Monat nach Fastenbruch zum Wiederauftreten der Blutungen/Schmerzen kam) sind und ich die Faxen dick und objektiv keine andere Alternative hatte, wurde ich im Enddarmzentrum München (http://www.enddarmzentrum-mb.de) vom sehr sympathischen Dr. Grundei anno Dezember 2010 operiert.

Dabei liest sich im OP-Bericht Folgendes:

"[...] Intraoperativ zeigt sich eine Fistelöffnung bei 6 Uhr SSL im mittleren Analkanal. Nach Darstellung mit der Sonde und Farbstoff fand sich ein inkompletter Fistelgang der sich in den S.ani externus verfolgen ließ. Die Fistel wurde gespalten, bei erheblicher präoperativer Sphinkterspastik wurden ja 50 Units Azzalure bei 5 und 7 Uhr SSL in die Puborektalis-Schleife injiziert. Zusätzlich wurden Hämorrhoiden 2. Grades bei 3 Uhr SSL mit einer Umstechungsligatur abgebunden. Weiter offene Wundbehandlung durch regelmäßiges Ausdushcen und Bougierungen mit Heilsalbe. Analgesie mit Ibuprofen 400 3x1 und Valoron N 10 Trpf bei Bedarf. [...]".

Wie ich inzwischen weiß, wählte Dr. Grundei dabei die Version "mit kleinem Drainagedreieck", die unterschiedlichen Schulen sind sich nicht ganz einig, ob man am Darmausgang eher einen größeren oder kleineren Hautlappen wegschneiden soll. Sinn der Sache ist eine Ausheilung "von innen nach außen", d. h. die Vermeidung von weiteren Unterhöhlungen, die zu komplizierten Fistelgängen und in der Folge ausbleibender Heilungstendenz führen können.

Um die Sache interessanter zu gestalten, trat bei mir eine nicht ganz unübliche Komplikation namens "Perianalthrombose" auf, dabei handelt es sich um ein sehr schmerzhaftes, aber nicht besonders ernstes Blutgerinnsel in einer kleinen Analvene. Sowas läßt man üblicherweise normal ausheilen, in meinem speziellen Fall und wegen der erheblichen Größe (etwa die einer Walnuß) wurde auch dieses Problem operativ (in Lokalanästhesie) versorgt. Die detaillierte Beschreibung des Vorgangs erspare ich dem Leser an dieser Stelle - wer auf Splatterfilme steht, darf mir gerne eine diesbezügliche Privatnachricht schicken.

Zurück zum eigentlichen Thema:

Ich will keine falschen Erwartungen wecken: So eine Fissur-OP gehört zwar zum allgemeinüblichen und weithin praktizierten Standard, vom Patienten erfordert sie aber einige Geduld und auch Disziplin: Analvorlagen und Schmierblutungen gehören während der ersten postoperativen Woche zur Tagesordnung, regelmäßige Ausduschungen, peinlich genaue Stuhlkontrolle mit Flohsamen und Movicol/Makrogol (nur in Ausnahmefällen auch Abführmittel wie Laxoberal), eine entsprechende Ernährung sind notwendig und die vorsichtige "Bougierung" (allseitige Dehnung mit Latexfingerling) nebst Einbringen von Heilsalbe (ich habe zunächst PVP-Jod verwendet, auch als "Betaisodona" bekannt, nach einigen Tagen das viel weniger schmutzende Bepanthen) begleitet von medikamentöser Schmerztherapie.

Unter Termindruck sollte der Patient ebenfalls nicht sein - eine sogenannte "offene Wundheilung" wie diese dauert gerne mal ihre 5-6 Wochen, einen Monat ist man sicher krankgeschrieben, auch wenn ich schon Gegenteiliges gehört habe.

Zur Rezidivgefahr (=Wiederauftreten der Erkrankung): Im Verlauf des Jahres 2011 kam es immer wieder einmal zu leichten Blutungen, die aber nicht allzusehr schmerzten. Mit dem Finger war auf 6 Uhr SSL - der Standardposition für derartige Fissuren - eine recht derbe Narbe zu tasten. Nach Aussage Dr. Grundei "schwitzt es gelegentlich ein Bißchen", das sei normal. Nachdem wieder einige Monate ins Land gegangen waren, es sich mit dieser Schwitzerei aber nicht gab und der Stuhlgang auch da und dort wieder schmerzhaft wurde, holte ich entnervt zu einem Rundumschlag aus und besuchte alle mir im Umkreis zugänglichen Kompetenzträger, um das Problem von seiner statistischen Seite anzugehen.

Als da wären:

Dr. med. R. Dietrich,
Dr. med. G. Bauer,
Dres. med. Grundei, Osterholzer,
Dr. med. E. Dorweiler,
Dr. med. R. Ruppert,
Dr. med. J. Schimmler.

Die Auswertung (jedoch ohne öffentlich Zuordnung der Namen, jeder möge sich selbst auf den einschlägigen Bewertungsplattformen ein Bild machen):

* "Sie haben ein Rezidiv. Die Auffrischung der Wunde mit Silbernitratlösung (die treffenderweise mit einem Applikator namens "Höllenstein" aufgetragen wird) wirkt. Keine Indikation für eine OP, weitere konservative Behandlung mit Diltiazem zur Entspannung des Schließmuskels, Wiedervorstellung in ca. 3 Wochen. [Abwarten und Tee respektive Flohsamen trinken]".

* "Es ist nicht sicher, daß ihre Fissur nach der OP im Dezember 2011 ÜBERHAUPT je vollständig verheilt ist. Das, was sie da haben ist definitiv behandlungswürdig und wird aller Erfahrung nach NICHT konservativ vergehen, weil es einen entzündlichen, narbigen Prozeß und möglicherweise Fisteln gibt, die damals womöglich nicht erkannt wurden. Ich würde in ambulanter Allgemeinanästhesie zumindest das fibrotische Gewebe entfernen und akribisch nach weiteren Veränderungen suchen. Das alles unter maximalmöglicher Schonung des Schließmuskels. Motto: 'Der Täter befindet sich am Tatort'. [OP-Termin vorgeschlagen]".

* "Einmal operiert, immer operiert. Die Sache verheilt nicht spontan, sie hätten schon ganz am Anfang anstatt OP mit Nitrosalbe behandeln müssen [was ich freilich tat, das nur am Rande...], das über lange Zeit. Jetzt würde ich großzügig über die Linea Dentata hinaus ausschneiden, damit elastische Schleimhaut einwächst. Keine Spinkterotomie, denn der Schließmuskel ist nicht sklerotisch - und das wäre die einzige Indikation für sowas. [Keine weitere Therapieoption angeboten]".

* "Ich habe mit Spinkterotomie gute Erfolge gehabt, durch den dergestalt geschwächten Schließmuskel löst sich der Krampf und die Durchblutung verbessert sich. Bei Männern besteht wegen des großen Muskels so gut wie kein Inkontinenzrisiko.".

* "Nitro, Diltiazem, Botox und vor allem die Spinkterotomie sind in der neuzeitlichen proktologischen Praxis verpönt. Der innere Schließmuskel ist glatte Muskulatur der Darmwand und nicht der Willkür unterworfen. Da können Sie nichts entspannen und zu einem Spasmus kommt es nur reflektorisch bei Schmerz und Entzündung. Über 1000 Analfissuren in meiner Praxis bestätigen das. Nach unkomplizierten und fachmännischen OPs heilt die Geschichte mehr oder weniger schnell - aber in jedem Fall vollständig aus, sodaß Verstopfung, harter Stuhl, Lebensumstände etc. KEINE Indikation sind. Sonst hätten alle meine Praxisassistentinnen eine chronische Fissur. [OP-Termin vorgeschlagen]"

Um es einmal mit den Worten meines großen Kollegen Albert Einstein zu sagen: "Gott würfelt nicht!" und hinzuzufügen: "... Proktologen aber scheinbar doch.".

Nachdem ich die Frustration verdaut hatte, landete ich schließlich bei Dr. Schimmler (Grünwalder Straße 14a, 81547 München), da dieser zwei wesentliche Eigenschaften eines Mediziners auf sich vereint: Er kann aufmerksam, geduldig und sinnentnehmend zuhören und gibt pragmatische Ratschläge, die ausschließlich dem Wohle des Patienten (und nicht seiner Geldbörse) dienen.

Schimmler riet mir, mich weiterhin in Geduld zu üben, seine "Spezialsalbe" zu benutzen, die einerseits ein Kortikoid und andererseits ein Adstringens enthielt, auf einer Salbengrundlage von Zinkoxid und Olivenöl. Wer sich das selber mischen lassen will, hier das Rezept:

Advantan-Creme 10,0
Bismut subgallic 1,0 - Ol.Olivarum 5,0
Pasta zinci mollis ad 50,0

Ob es nun dem Onkel Doktor, einem Wunder, meinen Nehmerqualitäten, der Zinksalbe oder den veränderten Lebensumständen (auch eine Aussage, die ich mir im Behandlungsraum gelegentlich anhören mußte, zusammen mit "Lösen Sie sich gedanklich von Ihrem Rektum" - *LOL*, niedlich, wenn das so einfach wäre...) zuzuschreiben ist - nach einigen weiteren Wochen lautete die offizielle Diagnose "Die Fissur ist zu. Mit der Narbe gewinnen Sie keinen Schönheitspreis, aber das spielt keine Rolle.", die sich auch bei einer Visite beim Chefarzt der Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie, endokrine Chirurgie und Coloproktologie im Klinikum Neuperlach, Dr. med. R. Ruppert bestätigte.

Auch bei den regelmäßigen Kontrolluntersuchungen hat sich an diesem Befund kaum etwas geändert, gelegentlich (d. h. bei Verstopfungen) gibt es geringe Blutanschmutzungen, die darauf hindeuten, daß die Analschleimhaut oberflächlich einreißt oder eine vergrößerte Hämorrhoide besteht - allerdings ohne große Schmerzen und mit objektiv folgenloser Abheilung. Ob man in diesem Zusammenhang also von einer 100%ig erfolgreichen Therapie sprechen kann, überlasse ich dem geneigten Leser. Hinsichtlich des Leidensdrucks ist fraglos eine erhebliche Besserung eingetreten.

Über mögliche (und selbst erlebte) Komplikationen bei einer Gummibandligatur von vergrößerten Hämorrhoiden, die auf Wikipedia und in der Fachliterator nüchtern mit "[...] Bei der Ausbildung des Ulcus kann es zu einer, in der Regel geringgradigen Blutung kommen. In 0,5 % der Fälle tritt eine starke Blutung auf, die endoskopisch gestillt werden muss. [...]" gelistet werden und was das mit einem 0,5%-igen, nächtlichen Notarzteinsatz zu tun hat, schreibe ich vielleicht ein andermal etwas.

Meine belletristischen Ambitionen sind fürs Erste befriedigt.

Was ich demjenigen raten kann, der aktuell (und chronisch) unter seiner Fissur leidet:
- IN JEDEM FALL EIN GANG ZUM ARZT,
- Schmerztherapie,
- Salbenbehandlung,
- regelmäßige Kontrolluntersuchung und
- bei hartnäckig therapieresistenter Entwicklung eine Fissurektomie in kompetenten und routinierten Händen
- mit gleichzeitiger Versorgung etwaiger Begleiterkrankungen wie vergrößerte Hämorrhoiden etc.

Um es kurz zu machen: Wer lange Zeit unter einer Fissur leidet, hat oft auch eine Fistel. Diese heilen in der überwiegenden Zahl der Fälle nicht mehr konservativ aus.

Viele Grüße und gute Besserung!

2 LikesGefällt mir Hiflreiche Antwort !

4. April 2014 um 17:01
In Antwort auf sachie_12698636

Analfissur Reloaded
Zahlreichen Zuschriften zeigen, daß mein Artikel sich selbst nach so langer Zeit offensichtlich noch großen Interesses erfreut. Es handelt sich also um ein weitverbreitetes Problem und der Leidensdruck ist enorm.

Zur Kehrseite der Kehrseite:

Ein Fissur, die nach fünf Wochen nicht abgeheilt ist, bezeichnet man als chronisch. So traurig es klingt, aber im chronischen Stadium sind die Chancen einer spontane Abheilung nur noch relativ gering, da der Riß mittlererweile nicht mehr frisch ist, sondern entzündlich, unterdurchblutet und, wie der Patient ja selber erlebt, der Schließmuskel wegen der Schmerzangst kontinuierlich verengt.

Mein Erfolgsbericht im Forum ist aus vielerlei Gründen nicht mehr aktuell - ich habe mich über 2 Jahre mit dieser Fissur herumgequält und die Auskunft von sicher 6 unterschiedlichen Medizinern/Proktologen eingeholt und will die gesammelten Erfahrungen hier zum Wohle meiner Leidensgenossen wiedergeben. Auf der einen Seite des Spektrums riet man mir weiter zur konservativen Behandlung (Salben, Bäder, Schmerzmittel, Botoxspritzen, ...) auf der anderen Seite gab man mir zur verstehen, daß ich ein Kandidat für eine Fissurektomie (=Ausschneidung der Fissur in Narkose) wäre.

Ja, einige "old school"-Chirurgen wollten sogar die in Deutschland wegen langfristigem Inkontinenzrisiko und statistisch nicht geringeren Rezidifraten (=Wiederauftreten der Fissur) seit Jahren nicht mehr zum Standard gehörende Sphinkterotomie (=Teildurchtrennung des Schließmuskels) an mir durchführen.

Nachem alle o. a. konservativen Maßnahmen fehlgeschlagen incl. der fünfwöchigen Fastenkur (wo es geschätzt einen Monat nach Fastenbruch zum Wiederauftreten der Blutungen/Schmerzen kam) sind und ich die Faxen dick und objektiv keine andere Alternative hatte, wurde ich im Enddarmzentrum München (http://www.enddarmzentrum-mb.de) vom sehr sympathischen Dr. Grundei anno Dezember 2010 operiert.

Dabei liest sich im OP-Bericht Folgendes:

"[...] Intraoperativ zeigt sich eine Fistelöffnung bei 6 Uhr SSL im mittleren Analkanal. Nach Darstellung mit der Sonde und Farbstoff fand sich ein inkompletter Fistelgang der sich in den S.ani externus verfolgen ließ. Die Fistel wurde gespalten, bei erheblicher präoperativer Sphinkterspastik wurden ja 50 Units Azzalure bei 5 und 7 Uhr SSL in die Puborektalis-Schleife injiziert. Zusätzlich wurden Hämorrhoiden 2. Grades bei 3 Uhr SSL mit einer Umstechungsligatur abgebunden. Weiter offene Wundbehandlung durch regelmäßiges Ausdushcen und Bougierungen mit Heilsalbe. Analgesie mit Ibuprofen 400 3x1 und Valoron N 10 Trpf bei Bedarf. [...]".

Wie ich inzwischen weiß, wählte Dr. Grundei dabei die Version "mit kleinem Drainagedreieck", die unterschiedlichen Schulen sind sich nicht ganz einig, ob man am Darmausgang eher einen größeren oder kleineren Hautlappen wegschneiden soll. Sinn der Sache ist eine Ausheilung "von innen nach außen", d. h. die Vermeidung von weiteren Unterhöhlungen, die zu komplizierten Fistelgängen und in der Folge ausbleibender Heilungstendenz führen können.

Um die Sache interessanter zu gestalten, trat bei mir eine nicht ganz unübliche Komplikation namens "Perianalthrombose" auf, dabei handelt es sich um ein sehr schmerzhaftes, aber nicht besonders ernstes Blutgerinnsel in einer kleinen Analvene. Sowas läßt man üblicherweise normal ausheilen, in meinem speziellen Fall und wegen der erheblichen Größe (etwa die einer Walnuß) wurde auch dieses Problem operativ (in Lokalanästhesie) versorgt. Die detaillierte Beschreibung des Vorgangs erspare ich dem Leser an dieser Stelle - wer auf Splatterfilme steht, darf mir gerne eine diesbezügliche Privatnachricht schicken.

Zurück zum eigentlichen Thema:

Ich will keine falschen Erwartungen wecken: So eine Fissur-OP gehört zwar zum allgemeinüblichen und weithin praktizierten Standard, vom Patienten erfordert sie aber einige Geduld und auch Disziplin: Analvorlagen und Schmierblutungen gehören während der ersten postoperativen Woche zur Tagesordnung, regelmäßige Ausduschungen, peinlich genaue Stuhlkontrolle mit Flohsamen und Movicol/Makrogol (nur in Ausnahmefällen auch Abführmittel wie Laxoberal), eine entsprechende Ernährung sind notwendig und die vorsichtige "Bougierung" (allseitige Dehnung mit Latexfingerling) nebst Einbringen von Heilsalbe (ich habe zunächst PVP-Jod verwendet, auch als "Betaisodona" bekannt, nach einigen Tagen das viel weniger schmutzende Bepanthen) begleitet von medikamentöser Schmerztherapie.

Unter Termindruck sollte der Patient ebenfalls nicht sein - eine sogenannte "offene Wundheilung" wie diese dauert gerne mal ihre 5-6 Wochen, einen Monat ist man sicher krankgeschrieben, auch wenn ich schon Gegenteiliges gehört habe.

Zur Rezidivgefahr (=Wiederauftreten der Erkrankung): Im Verlauf des Jahres 2011 kam es immer wieder einmal zu leichten Blutungen, die aber nicht allzusehr schmerzten. Mit dem Finger war auf 6 Uhr SSL - der Standardposition für derartige Fissuren - eine recht derbe Narbe zu tasten. Nach Aussage Dr. Grundei "schwitzt es gelegentlich ein Bißchen", das sei normal. Nachdem wieder einige Monate ins Land gegangen waren, es sich mit dieser Schwitzerei aber nicht gab und der Stuhlgang auch da und dort wieder schmerzhaft wurde, holte ich entnervt zu einem Rundumschlag aus und besuchte alle mir im Umkreis zugänglichen Kompetenzträger, um das Problem von seiner statistischen Seite anzugehen.

Als da wären:

Dr. med. R. Dietrich,
Dr. med. G. Bauer,
Dres. med. Grundei, Osterholzer,
Dr. med. E. Dorweiler,
Dr. med. R. Ruppert,
Dr. med. J. Schimmler.

Die Auswertung (jedoch ohne öffentlich Zuordnung der Namen, jeder möge sich selbst auf den einschlägigen Bewertungsplattformen ein Bild machen):

* "Sie haben ein Rezidiv. Die Auffrischung der Wunde mit Silbernitratlösung (die treffenderweise mit einem Applikator namens "Höllenstein" aufgetragen wird) wirkt. Keine Indikation für eine OP, weitere konservative Behandlung mit Diltiazem zur Entspannung des Schließmuskels, Wiedervorstellung in ca. 3 Wochen. [Abwarten und Tee respektive Flohsamen trinken]".

* "Es ist nicht sicher, daß ihre Fissur nach der OP im Dezember 2011 ÜBERHAUPT je vollständig verheilt ist. Das, was sie da haben ist definitiv behandlungswürdig und wird aller Erfahrung nach NICHT konservativ vergehen, weil es einen entzündlichen, narbigen Prozeß und möglicherweise Fisteln gibt, die damals womöglich nicht erkannt wurden. Ich würde in ambulanter Allgemeinanästhesie zumindest das fibrotische Gewebe entfernen und akribisch nach weiteren Veränderungen suchen. Das alles unter maximalmöglicher Schonung des Schließmuskels. Motto: 'Der Täter befindet sich am Tatort'. [OP-Termin vorgeschlagen]".

* "Einmal operiert, immer operiert. Die Sache verheilt nicht spontan, sie hätten schon ganz am Anfang anstatt OP mit Nitrosalbe behandeln müssen [was ich freilich tat, das nur am Rande...], das über lange Zeit. Jetzt würde ich großzügig über die Linea Dentata hinaus ausschneiden, damit elastische Schleimhaut einwächst. Keine Spinkterotomie, denn der Schließmuskel ist nicht sklerotisch - und das wäre die einzige Indikation für sowas. [Keine weitere Therapieoption angeboten]".

* "Ich habe mit Spinkterotomie gute Erfolge gehabt, durch den dergestalt geschwächten Schließmuskel löst sich der Krampf und die Durchblutung verbessert sich. Bei Männern besteht wegen des großen Muskels so gut wie kein Inkontinenzrisiko.".

* "Nitro, Diltiazem, Botox und vor allem die Spinkterotomie sind in der neuzeitlichen proktologischen Praxis verpönt. Der innere Schließmuskel ist glatte Muskulatur der Darmwand und nicht der Willkür unterworfen. Da können Sie nichts entspannen und zu einem Spasmus kommt es nur reflektorisch bei Schmerz und Entzündung. Über 1000 Analfissuren in meiner Praxis bestätigen das. Nach unkomplizierten und fachmännischen OPs heilt die Geschichte mehr oder weniger schnell - aber in jedem Fall vollständig aus, sodaß Verstopfung, harter Stuhl, Lebensumstände etc. KEINE Indikation sind. Sonst hätten alle meine Praxisassistentinnen eine chronische Fissur. [OP-Termin vorgeschlagen]"

Um es einmal mit den Worten meines großen Kollegen Albert Einstein zu sagen: "Gott würfelt nicht!" und hinzuzufügen: "... Proktologen aber scheinbar doch.".

Nachdem ich die Frustration verdaut hatte, landete ich schließlich bei Dr. Schimmler (Grünwalder Straße 14a, 81547 München), da dieser zwei wesentliche Eigenschaften eines Mediziners auf sich vereint: Er kann aufmerksam, geduldig und sinnentnehmend zuhören und gibt pragmatische Ratschläge, die ausschließlich dem Wohle des Patienten (und nicht seiner Geldbörse) dienen.

Schimmler riet mir, mich weiterhin in Geduld zu üben, seine "Spezialsalbe" zu benutzen, die einerseits ein Kortikoid und andererseits ein Adstringens enthielt, auf einer Salbengrundlage von Zinkoxid und Olivenöl. Wer sich das selber mischen lassen will, hier das Rezept:

Advantan-Creme 10,0
Bismut subgallic 1,0 - Ol.Olivarum 5,0
Pasta zinci mollis ad 50,0

Ob es nun dem Onkel Doktor, einem Wunder, meinen Nehmerqualitäten, der Zinksalbe oder den veränderten Lebensumständen (auch eine Aussage, die ich mir im Behandlungsraum gelegentlich anhören mußte, zusammen mit "Lösen Sie sich gedanklich von Ihrem Rektum" - *LOL*, niedlich, wenn das so einfach wäre...) zuzuschreiben ist - nach einigen weiteren Wochen lautete die offizielle Diagnose "Die Fissur ist zu. Mit der Narbe gewinnen Sie keinen Schönheitspreis, aber das spielt keine Rolle.", die sich auch bei einer Visite beim Chefarzt der Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie, endokrine Chirurgie und Coloproktologie im Klinikum Neuperlach, Dr. med. R. Ruppert bestätigte.

Auch bei den regelmäßigen Kontrolluntersuchungen hat sich an diesem Befund kaum etwas geändert, gelegentlich (d. h. bei Verstopfungen) gibt es geringe Blutanschmutzungen, die darauf hindeuten, daß die Analschleimhaut oberflächlich einreißt oder eine vergrößerte Hämorrhoide besteht - allerdings ohne große Schmerzen und mit objektiv folgenloser Abheilung. Ob man in diesem Zusammenhang also von einer 100%ig erfolgreichen Therapie sprechen kann, überlasse ich dem geneigten Leser. Hinsichtlich des Leidensdrucks ist fraglos eine erhebliche Besserung eingetreten.

Über mögliche (und selbst erlebte) Komplikationen bei einer Gummibandligatur von vergrößerten Hämorrhoiden, die auf Wikipedia und in der Fachliterator nüchtern mit "[...] Bei der Ausbildung des Ulcus kann es zu einer, in der Regel geringgradigen Blutung kommen. In 0,5 % der Fälle tritt eine starke Blutung auf, die endoskopisch gestillt werden muss. [...]" gelistet werden und was das mit einem 0,5%-igen, nächtlichen Notarzteinsatz zu tun hat, schreibe ich vielleicht ein andermal etwas.

Meine belletristischen Ambitionen sind fürs Erste befriedigt.

Was ich demjenigen raten kann, der aktuell (und chronisch) unter seiner Fissur leidet:
- IN JEDEM FALL EIN GANG ZUM ARZT,
- Schmerztherapie,
- Salbenbehandlung,
- regelmäßige Kontrolluntersuchung und
- bei hartnäckig therapieresistenter Entwicklung eine Fissurektomie in kompetenten und routinierten Händen
- mit gleichzeitiger Versorgung etwaiger Begleiterkrankungen wie vergrößerte Hämorrhoiden etc.

Um es kurz zu machen: Wer lange Zeit unter einer Fissur leidet, hat oft auch eine Fistel. Diese heilen in der überwiegenden Zahl der Fälle nicht mehr konservativ aus.

Viele Grüße und gute Besserung!

Grossartiger Bericht!
Hallo
ich habe mit grossem Interesse Deinen Artikel gelesen da ich
auch eine Analfissur hatte (!!!!!)
Vielen Dank für den ausführlichen Bericht der
a) fundiert
b) informativ
c) hilfreich
war. Ich nehme auch jetzt noch Flosamen (mein Proktologe meinte es wäre sinnvoll auch bei einer abgeheilten Fissur weiterhin Flosamen zu nehmen und sehr auf eine ballaststoffreiche Ernährung zu achten.
Deine Erfahrung mit uns zu teilen hat auf jeden Fall mir in den 'dunklen' Stunden sehr geholfen
Beste Grüsse
magda

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

8. August 2014 um 20:35

Das hilft
olivenöl VOR und NACH dem toilettengang mit etwas klopapier auf den after auftragen (wenn ihr es schon versucht habt, versucht es noch einmal, es hiflt wirklich, aber habt geduldt)

viel osbt essen

viel wasser trinken

etwas bewegung (auch wenns nur 5-10 minuten täglich joggen sind)

vor dem toilettengang ein warmes gesäßbad nehmen (entspannt die muskeln)

an eurer einstellung arbeiten: redet euch selbst ein, dass es zwar gleich schmerzt, aber danach ist es vorbei - dadurch verkrampft ihr weniger...

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

Frühere Diskussionen
Weightwatchers abnehmen durch Punktezählen
Von: kaila_12525146
neu
8. August 2014 um 16:20
Wir machen deinen Tag bunter!
instagram

Das könnte dir auch gefallen

vom Redaktionsteam