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Eine Freundin von mir ist betroffen - Was soll ich machen?

28. Juni 2010 um 18:28 Letzte Antwort: 8. Juli 2010 um 20:14

Hallo, Leute!

Ich habe eine Schulfreundin, die ich schon seit der 7. Klasse kenne. Unsere kleine Freundesgruppe ist schon ziemlich verzweifelt und auch Leute, die sie nicht so gut kennen, sind schon am reden. Das Problem: Sie ist eindeutig zu dünn.

Vielleicht ist das Problem nicht unbedingt Magersucht, aber davon gehe ich mittlerweile stark aus. Fakt ist, dass sie für ihre Größe (ca. 1,75 oder so?) arg dürr ist. Sie sagt ja sogar, es wäre schön, wenn sie noch mehr abnehmen könnte.

Wir haben mit ihr geredet, sie meinte zwar, sie sei froh, dass es Leute gibt, die sich um sie sorgen, aber dass es ihr "noch nie so gut ging, wie jetzt".

Wir sind schulisch alle sehr eingespannt und verbringen viel Zeit dort. Wenn wir zusammen die Mittagspause verbringen, isst sie ein Stück Apfel, braucht eine Ewigkeit, oder vielleicht vier, fünf Scheibchen Möhren, für die sie die ganze Stunde Mittagspause braucht. Sie sagt, zu Hause isst sie auch nochmal, aber das kann ja keiner von uns kontrollieren. Sie sagt übrigens, dass sie außerdem jeden Tag 'ne halbe Stunde joggt, einfach um "fit zu bleiben".

Selbst wenn sie einfach nur "sehr dünn" ist und nicht magersüchtig, ist es meiner Meinung nach gefährlich. 2007 hat sie etwas über 50 Kilo gewogen. Jetzt dürfte es aber weniger sein, weil sie viel dünner ist und nicht gewachsen. Ich habe keine Ahnung, was das genaue Gewicht jetzt ist. Ich geh frag sie auch nicht, vor allem weil ich selbst eher der "korpulenten" Art angehöre. Das wäre indiskret...

Auf Parties, wo's Nudeln oder Schokolade gibt, isst sie aber fast mehr als ich. Da haut sie richtig rein. Liegt es vielleicht doch nur am Stress?

Was ich aber auf jeden Fall noch beobachtet habe, ist, dass sich auch ihr Wesen sehr verändert hat.

Da ist die Sache, dass ihre beste Freundin jetzt die Schule abbricht und zu ihrem Freund zieht. Ein Jahr vorm Abi, eigentlich ja Wahnsinn. Wir haben alle protestiert, aber sie war die erste, die sagte, mach doch, werd doch glücklich. Fast so, als ob sie es gar nicht interessiert.

Das nächste Beispiel war letzten Montag. Da ist ein Abiturient von unserer Schule und noch zwei andere Leute tödlich verunglückt und es gab 'ne Trauerfeier. Sie kam mit einer Expression zwischen Wut und Trauer zu dieser Trauerfeier und meinte, dass heute echt nicht ihr Tag wäre. Erst verschlafe sie, und dann kriege sie die Nachricht vom Tod von F. Da war ich auch etwas schockiert... Meint sie, die hätten lieber an 'nem anderen Tag sterben sollen? Wo es ihr besser passt?

Und das letzte Beispiel sind ihre enoooormen schulischen Leistungen. Zur Zeit hat sie irgendwie nur 14, 15 Punkte aufm Zeugnis (also nur 1en). Klar, dass es gute Schüler gibt, aber ihr Ehrgeiz ist manchmal ein wenig beängstigend. Sie hat fast geweint, als ich ihr sagte, dass aus unserem Kurs unsere "Starschülerin" in ihren Kurs wechselt. Sie sagte, dass das ihre ganzen Sommerferien versaut. Außerdem muss sie den Englischkurs wechseln, von einer Lehrerin, die sie mag, zu einer anderen, und sie meinte, sie müsse in den Ferien einen Sprachkurs belegen.

Insgesamt fällt mir ein Kontrollzwang auf. Sie wollte von uns allen die genauen Daten wissen, wo wir in den Ferien sind. Sie wollte davon nichts wissen, dass wir es noch nicht wissen, wann wir da sind und wann nicht, sondern penibel genau erfahren, wann wir uns jetzt treffen können.

Kontrollzwang, Wesensveränderung und vor allem die Sache mit dem wenigen Essen und dem dünn sein... das sind doch eigentlich Symptome für die Magersucht, oder nicht?

Sie war immer schon dünn gewesen. Aber jetzt mache ich mir sorgen. Man sieht beim Umziehen ihre Beckenknochen, und das am Rücken! Ihre Arme und Hände sind sehnig, ihre Haut trocken, ihr Haar spröde, kaum Becken, Beine exakt gleich breit, ihre Augen glasig und ihre Haut im Gesicht schlecht.

Ich will ihr unbedingt helfen. Allerdings bin ich völlig ratlos, an wen ich mich wenden soll. Wir haben keinen Schulpsychologen. Außerdem ist sie19, also zu einem Arztbesuch zwingen kann sie keiner. Selbst wenn es gar nicht so schlimm sein sollte, kann es so nicht weitergehen. Der Stress in der Schule wird ja nicht weniger! Und ihr Abi abbrechen wird sie für irgendwelche Behandlungen nie!

Ich brauche dringend euren Rat! Danke, dass ihr bis hier her gelesen habt! Das hat mir schon geholfen, alles mal runter zu schreiben. Wie sollen wir als ihre Freunde uns verhalten, wird sie das überhaupt annehmen, wenn wir abschreckend "fetten" Leute ihr was sagen? Wie kann man ihr helfen? Ich weiß einfach nicht mehr weiter...

Dankeschön, Leuts.

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28. Juni 2010 um 20:53


hast du sie denn schon einmal darauf angesprochen?

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29. Juni 2010 um 10:57
In Antwort auf an0N_1264102399z


hast du sie denn schon einmal darauf angesprochen?

Ja...
und dann hieß es, dass es ihr noch nie besser ging :/

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29. Juni 2010 um 11:08

Au weia...
Vielen Dank für deine sehr ausführliche und authentische Antwort.

Ja, sie lebt noch zu Hause, in 'ner ziemlich intakten Familie. Der große Bruder ist ausgezogen, sonst noch der kleiner Bruder und Mom und Dad. Angeblich hat der kleine Bruder auch schon rumgefragt, ob nur sie das Problem sehen, oder ob das anderen auch auffällt. (Ich war allerdings nicht dabei. Das weiß ich nur von 'ner Bekannten von dem kleinen Bruder.)

Das Dumme ist, dass ihre Mutter ja selbst so'n Hungerhaken ist. Das Mädel hat mal erzählt, dass die Mutter auch kaum was isst und wenn dann immer nur so gesunde Sachen, gedünstetes Gemüse oder so.

Also sind die Eltern die letzte Möglichkeit. Gut, ich werde mal gucken, wie wir das machen können... :/

Danke dir nochmal!

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29. Juni 2010 um 11:48
In Antwort auf elpis_12336698

Ja...
und dann hieß es, dass es ihr noch nie besser ging :/

Tut mir Leid
aber ich glaube, da kannst Du nicht viel machen.

Sie muss selber einsehen, was passiert. Erst dann kannst (und solltest) Du sie unterstzützen wo es nur geht.
Aber die Einsicht muss von ihr kommen (war zumindest bei mir so)

Wenn Du einen guten Draht zu ihren Eltern hast, kannst Du vielleicht mit Ihnen reden. Vielleicht zeigt sie sich vor ihren Eltern nur in unförmiger Kleidung, so dass sie noch gar nicht gesehen haben, wie schlimm sie aussieht.
Ihre Eltern können sie einweisen lassen, wenn es zu schlimm wird.

Ich weiß jetzt nicht wie weit es ist aber es wäre auf jeden Fall besser, wenn sie Ihre Einsicht alleine bekommt (nicht in der Klinik) aber bedenke: Magersucht ist die psychische Krankheit mit der höchsten Sterblichkeitsrate.

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8. Juli 2010 um 20:14
In Antwort auf lottie_12135605

Tut mir Leid
aber ich glaube, da kannst Du nicht viel machen.

Sie muss selber einsehen, was passiert. Erst dann kannst (und solltest) Du sie unterstzützen wo es nur geht.
Aber die Einsicht muss von ihr kommen (war zumindest bei mir so)

Wenn Du einen guten Draht zu ihren Eltern hast, kannst Du vielleicht mit Ihnen reden. Vielleicht zeigt sie sich vor ihren Eltern nur in unförmiger Kleidung, so dass sie noch gar nicht gesehen haben, wie schlimm sie aussieht.
Ihre Eltern können sie einweisen lassen, wenn es zu schlimm wird.

Ich weiß jetzt nicht wie weit es ist aber es wäre auf jeden Fall besser, wenn sie Ihre Einsicht alleine bekommt (nicht in der Klinik) aber bedenke: Magersucht ist die psychische Krankheit mit der höchsten Sterblichkeitsrate.

Denke auch, dass
die Einsicht auf jeden Fall von ihr kommen muss. Wie gesagt, zwingen kann man sie mit 19 nicht mehr.

Eine sehr gute Freundin von mir war in einer ähnlichne Situation. Immer schon extrem aufs lernen fixiert und auch schon recht dünn. Auf Freizeiten etc.. bekamen wir dann mit, dass sie z.b. maximal ein Gummibärchen unterwegs gegessen hat, oder ein viertel von diesen mini- ritter- sport- tafeln. Das zog sich dann, sie sagte immer es ginge ihr gut und in der Schule hat sie ja auch immer ihr Frühstück dabei gehabt und gegessen. Nun ja, in der Oberstufe wars dann ganz schlimm, besonders als es Sommer wurde. Nachdem ich sie Dutzende male angesprochen hatte, kündigte sie dann einen Arztbesuch an. Jeder wusste warum, auch wenn sie es nie erwähnt hätte. Als dann die Ferien kamen hieß es, sie ginge in die Klinik. Eben wgen MS. Es blieb dann nicht bei 2 Wochen aufenthalt, sondern es wurde ein halbes Jahr draus, dann ein weiteres Jahr in einer anderen Klinik plus Intensivstation und danach eine ambulante Therapie. Sie war 17 und deshalb konnten ihre Eltern sie eben zwingen. Bis dann aber endlich der Schalter im Kopf umgelegt war, verging ne lange Zeit. Sie fängt jetzt eine zweite ambulante Thera an, weil es ihr wieder schlechter geht. Ich denke, es ist besonders schlimm, die Angst vor bestimmten Lebensmitteln zu überwinden. Manche Dinge will sie essen, bringt es aber einfach nicht über sich.

Bei deiner Freundin wird es aber wohl Zeit, den Nothebel zu ziehen! Irgendwas muss passieren! Sonst ist sie schon auf dem direkten Weg zur Intensivstation...

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