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Das ist unfassbar...

1. Mai 2011 um 22:36

Ich muss das einfach mal loswerden...ich weiß Schweigepflicht und so...aber es verpfeift mich hier ja hoffentlich niemand...

Heute hatte ich mit einer Kollegin Frühschicht und um halb 8 gings los.
Ich habe mich ums Frühstück gekümmert und sie hat in der Zeit die Badeaktion gestartet.
Sie hatte einen Mann fertig geduscht und wollte nun die anderen nacheinander herholen.

Plötzlich hörte ich nur ein: "Ach du scheiße...!"
Sie stürmte zu mir i.d. Küche und erzählte mir, dass "X" wohl einen epileptischen Anfall heute Früh hatte und aus dem Bett gestürzt ist...ich rannte mit ihr in sein Zimmer und er lag mit einer enormen Platzwunde, triefend blutig, zitternd und weinend auf dem Boden, neben ihm eine Blutlache...

Ich habe noch nie so etwas Erschrechendes gesehen.
Der Bewohner ist auch noch mein Liebling.
Es muss kurz bevor wir unsere Frühschicht begonnen, geschehen sein...die Nachtwache hat "angeblich" nichts mitbekommen...aber das Blut war schon verdächtig an seinem ganzen Körper angetrocknet... (sehr mysteriös!!!).

Sie alarmierte den Krankenwagen und ich blieb bei ihm und streichelte und beruhigte meinen Liebling
Dann fuhr sie mit ihm mit und ich musste mich, notgedrungen, um die restl. 9 Männer allein kümmern incl. duschen, Frühstück machen, Wäsche richten, 3 Bäder putzen, sein Zimmer auch (das war eine große Überwindung, da es heftig aussah und stank und ich immer an ihn denken musste und ob er heute wieder entlassen würde...)
Aber es musste weiterlaufen und ich habe trotz allem, alles alleine geschafft, mit viel Stress verbunden, aber sorgsam und ich war stolz auf meine Leistung!

Um halb 12 rief der Mitarbeiter, der für die Spätschicht zuständig war, an und erinnerte mich daran ihm sein Mitarbeiteressen mit zu bringen.
Ich erzählte ihm von der Situation und dass ich eben mit den Männern alleine sei...
Er meinte, dass ich mich lieber um die Männer kümmern soll und sein Zimmer abschließen soll.
Hatte ihm dann gesagt, dass ich es bereits geputzt habe. Nun gut, er wollte sich beeilen und schnellstmöglich kommen.

Also kümmerte ich mich um die Kerle und konnte ja auch schlecht weggehen, um Mittagessen zu holen, da ich sie allein hätte lassen müssen und wenn dann noch was passiert wäre...oha!

Dann kam er, zeitgl. auch die Krankenhausfahrer (und der Bewohner war schon wieder guter Dinge )
Aber dann dachte ich, ich sei im falschen Film...

Der Mitarbeiter begrüßte mich nicht einmal sondern fragte gleich genervt, ob ich das Essen geholt habe???
Welch eine Frage, natürlich nicht, wie auch...?
Hatten wir uns jetzt missverstanden-ich sollte doch bei den anderen bleiben...?
Dann sagte er, besser, er befahl mir, das Essen zu holen.

Ich war fix und alle...ich hatte den ganzen Tag gerödelt, war geschockt von dem Ereignis.
Ich hatte gehofft, dass die Mitarbeiter so viel Menschlichkeit besitzen würde und mich fragen, wie es mir denn damit gehen würde und auch anmerken würden, oder zu Kenntnis nehmen, was ich trotz allem geschafft habe und alles erledigt habe...einpaar liebe, kollegiale Worte...

Ich holte das Essen und war den ganzen Weg am Weinen über diese Ungerechtigkeit.
Ich bin nun mal ein fühlender Mensch und so etwas lässt mich nicht kalt, wenn ein Bewohner so sehr leidet und ich habe trotzdem "funktioniert" und Übermenschliches gegeben!

Den restl. Tag haben die beiden Mitarbeiter mich wie Luft beachtet-nämlich garnicht-und ich habe mich so furchtbar gefühlt...
Ist es nicht normal, dass man sich austauscht, grad in solch einer Extremsituation, kurz nachhakt, wie es während dessen bei mir gelaufen ist und was dieses Ereignis mit mir gemacht hat?

Ich kanns nicht fassen...ich bin froh, wenn ich da weg bin!!!!

Tut mir leid, ist sehr lang geworden...vll. liest es ja trotzdem jnd.?!

Mein Freund meinte eben:" Ich habe das Gefühl, dass du der einzige Mensch dort bist, der seine Arbeit richtig macht, die richtigen Vorstellungen von der Arbeit mit Behinderten hat und auch richtig handelt...

Aber es tut so schrecklich weh...

Danke fürs lesen! Susi

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1. Mai 2011 um 23:05

Dank dir!
Ich bin eher immer motivierter und weiß worauf ich meinen Fokus legen muss...Ich bleib bei meiner Vorstellung, denn nur so kann ich dem Menschen mit Unterstützungsbedarf helfen und nur so kann ich wirklich ich selbst sein.
Gleich was andere tun-ich habe meine Vorstellung und es bestätigt sich, dass ich damit den zu Betreuenden Gutes tu.

Der arme Kerle hat sich nämlich meine Hand genommen um sie feste zu drücken...ganz von sich aus und nicht die Hand der Mitarbeiterin...hihi

Schlaf du auch schön!

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1. Mai 2011 um 23:12

Danke dir...
du hast Recht mit dem was du sagst...
Ich habe innerhalb meines FSJ miterlebt wie 2 Kinder gestorben sind. Ich denke schon, dass ich Berufliches von Privatem sehr gut trennen kann. Ich fühle mit-leiden würde ich es nicht nennen.

Ich hätte mir nur gewünscht, dass die Mitarbeiter ein Stück weit auf mich eingehen oder wenigstens mit mir sprechen würden...mehr eigentlich nicht.
Der Bewohner stand an erster Stelle-nicht ich-und das ist auch gut so.
Aber wir alle sollten (grad im Sozialen Beruf) auch sozial handeln und auf das Wohl aller achten, oder?
Nur so kann das ganze System auch funktionieren, wenn es allen Parteien gut geht!

Liebe Grüße, Susi

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