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Bulimie Rückfall verhindern

15. August 2017 um 21:35

Hallo,
ich habe schon viele Beiträge gelesen aber ich konnte mich mit keinem so richtig identifizieren. Ich hab aber gesehen dass die Antworten den Fragenden vermutlich immer sehr geholfen haben, deswegen versuch ich es jetzt auch auf dem individuellen Weg. Also: ich bin mit 19 in die Bulimie gerutsch, eigentlich klassisch, zuerst hat es angefangen damit dass ich auf mein Gewicht geschaut habe, nur ein zwei Kilo abnehmen war das Ziel durch gesunde Ernährung und mehr Sport. Dann hab ich Spass daran gefunden und plötzlich war ich von 63kg (W, 1.73m) auf 54kg. Bald darauf hab ich an einer sehr guten Uni ein relativ strenges Studium begonnen, worauf ich dann schnell realisierte, dass ich es mit so wenig Energie nicht schaffen würde, und ich begann zu essen. Bald darauf haben die Essatacken angefangen, der natürliche Jojo halt, ich hab das aber natürlich damals nie als Indikator für eine folgend Bulimie anerkannt. Als ich darauf an Gewicht zunahm kam das erste Mal erbrechen - und schon war ich drin. Ein Jahr lange ging das so, mit regelmässigem Erbrechen, jede Woche, mehrmals, bis ich plötzlich realisiert habe: ich glaube ich hab so etwas wie Bulimie. Nach ettlicher Überwindung habe ich es dann geschafft meinem Vater (eine Mutter gibt es nicht) meine Situation zu erklären. Er half mir eine Therapie zu suchen und er fragte immer wieder nach, er war natürlich sehr geschockt. In der Therapie wurde mir die Angst vor dem Essen ein bisschen genommen. Darauf hin habe mich gezwungen nicht mehr zu erbrechen, wirklich gezwungen und ich habe auch gedacht: Scheiss aufs Gewicht, ich will einfach nur gesund werden. Ich hab auf 73kg zugenommen. Diese Essstörung hatte etwa 2 Jahre lang mein Leben beherrscht, nun kam der nächste Abschnitt, nämlich dass ich mich nur noch unwohl und dick fühlte. Alles bezüglich dieser Esstörung war sehr turbulent, bis ich vor etwa einem Jahr meinen Bachelor abgeschlossen habe und in einem Zwischenjahr begonnen habe zu arbeiten. Dieser regelmässige Rythmus hat mir geholfen mein Lebensstil zu normalisieren, zu normalen Essenzeiten mit anderen Menschen zu essen, geregelte Pausen, nach der Arbeit ins Sport, genug Ablenkung....Das Erbrechen hat sich zeitenweise ganz reduziert, ab und zu hatte ich vielleicht einen Rückfall innerhalb eines Monats. Durch die Arbeit habe ich wieder abgenommen auf eine gesunde Art und Weise diesmal aber, auf etwa 58-60kg innerhalb eines Jahres. Ich habe mich super wohl gefühlt, ich war richtig zufrieden mit mir und konnte voll durchstarten im Job. Ich fühlte mich wirklich gesund. Ich bin inzwischen 24ig. Ich hab einen Freund gefunden der super ist. Seit etwa einem Monat merke ich aber, dass ich rückfällig werde, ich kann nicht genau sagen wieso, vielleicht habe ich durch die Verliebtheit ein paar Kilo zugelegt (bin jetzt so 63kg) und ich will nicht wieder 10kg zulegen, ich konnte nicht so viel Sport machen oder hatte keine Lust. Irgendetwas im Hintergrund läuft auch nicht gut, was genau hab ich selber noch nicht identifizieren können, vielleicht liegt es daran dass ich mit meiner Mutter ein sehr schlechtes Verhältnis habe und mein Freund für einen Monat am Reisen ist. Seit diesem Monat habe ich wieder angefangen zu fasten, zu essen und zu viel zu essen und ich dachte eines Abends ich könnte dieses eine Mal wieder erbrechen und am nächsten Tag wieder normal essen. Und es ist unglaublich, ich will nicht, aber ich bin sofort wieder mitten drin. Ich will nicht rückfällig werden, aber es ist unglaublich wie wenig Disziplin ich im Moment habe, die Krankheit beherrschte mich sofort wieder. Wenn ich alleine zuhause bin beginne ich etwas zu essen und kann nicht mehr stoppen. Ich hab im letzten Monat jedes Wochenenede erbrochen, selten auch unter der Woche. Sonst weiss es niemand, nur mein Vater, es ist schlimm mit niemandem darüber sprechen zu können. Rückblickend muss ich sagen, dass ich eigentlich nie wirklich ganz aus der Krankheit raus war. Erbrochen hatte ich immer wieder dann und wann sehr selten, aber nicht mehr so extrem wie damals und nicht so extrem wie jetzt. Diese Krankheit in der Psyche lässt einem nie wirklich los, kann das sein? Meinem Vater habe ich nichts gesagt weil ich Angst habe ihn zu nerven. Letztens hat er mich gefragt: Das mit dem Essen hat sich doch wieder normalisiert oder? Dann hab ich gelogen. Bitte helft mir was ich tun soll, dieses immer wieder rückfällig werden bringt mich aus der Lebenskontrolle. Immer wieder hab ich das Gefühl es im Griff zu haben, aber eigentlich hatte ich es nie vollkommen im Griff. Sollte ich definitiv mal in eine längerfristige Therapie? Oder muss ich jetzt einfach mich damit abfinden dass ich diese Krankheit ein bisschen hab? Gibt es hier auch Leute die immer wieder rückfällig werden? Was tut ihr dagegen? Ich bin froh um jeden Tipp, egal was, ob ich es einer Freundin erzählen soll, ein Tagebuch führen soll, eine Auszeit nehmen soll, mein Job wechseln soll, viel Wasser trinken, 5 Mahlzeiten am Tag, keine Ahnung ich bin so ratlos....? Leute die es geschafft haben, verschwendet ihr wirklich keinen Gedanken mehr an Essen und Gewicht? Danke für eure Hilfe!

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