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Angst vor Kontrollverlust

29. November 2010 um 14:08

Hallo zusammen,

ich bin gerade etwas verzweifelt bzw. erschrocken über mich selbst und muss mir das nun mal kurz von der seele schreiben.
Ich habe schon seit einigen Jahren ein "gestörtes" Verhalten zum Essen. Das heißt, ich kontrolliere sehr stark, was ich esse, teile Essen in erlaubte und verbotene Sachen ein, esse fett- und möglichst zuckerfrei (-arm). Daran habe ich mich mittlerweile gewöhnt und es gehört irgendwie zu meinem Leben dazu, auch wenns oft sehr anstrengend ist, nicht das essen zu "dürfen", worauf man vielleicht gerade Lust hat (Pizza z.B., auch streng verboten, aber lecker wärs natürlich). Mein Kopf sagt "Nein", dagegen kann ich nichts tun, leider. Da ich mich gewichtsmäßig aber noch im unteren Normalbereich befinde, hatte ich bisher noch alles ganz gut im Griff, ich esse zwar wenig und für Außenstehende "komisch", aber solange es mir körperlich gut geht, ist es doch ok...
Ich tue das Ganze ja, um unter keinen Umständen zuzunehmen. In letzter Zeit ist es immer schlimmer geworden, ich habe meine Nahrung sehr reduziert und esse wirklich nur noch sehr wenig. ich KANN es einfach nicht mehr essen, ich habe fast Angst davor. Da habe ich mir das erste Mal gedacht "Mh, irgendwie läuft das langsam aus dem Ruder...".
Zum Einkaufen habe ich schon immer sehr lange gebraucht, da ich mir die Kalorienangaben immer genau anschaue, vergleiche etc. Und die meisten Sachen stelle ich dann im Endeffekt sowieso wieder zurück ins Regal (nachdem sie schon bei mir im Einkaufswagen lagen). Ich muss immer aussehen wie ein verwirrtes Huhn, kreuz und quer durch den supermarkt, erst nehmen, dann wieder hinstellen, fünfmal die selben Gänge entlanglaufen. Inzwischen kaufe ich nur noch Rohkost und ein wenig Obst. Das erleichtert die Geschichte, macht mir aber auch ein wenig Angst. Angst vor der "Angst vorm Essen" quasi. Das ist alles schon komisch und ich fange mir wie gesagt langsam wirklich an Sorgen zu machen, ob ich das alles wirklich noch so gut unter Kontrolle habe, wie ich dachte.

Und gestern ist etwas passiert, was mich doch sehr geschockt hat. Ich mache mir immer so Tagespläne, was ich alles essen "darf", halt mal wieder der Kontrolle wegen. Manchmal bekomme ich dann aber so einen Heißhunger, dass ich noch ein bisschen mehr esse. Nie viel, also keine fressanfälle, nur einen Joghurt oder 2 Äpfel mehr als auf meinem Plan stehen. Ich habe auch nie was anderes im Haus,da ich das dann wahrscheinlich auch essen würde, kekse oder so.
Na ja, gestern wars dann wieder so weit, ich habe einen apfel und eine packung körnigen frischkäse "zusätzlich" gegessen. Mist! Und dann habe ich es getan: Ich habe mich übergeben!! Absichtlich, weil ich es nicht ertragen konnte, zu viel gegessen zu haben! Das war das erste Mal, das ich das getan habe, und es macht mir Angst... Ich habe nun noch mehr panik vor dem Essen, da ich nicht noch einmal kotzen möchte. Aber ich habe Angst, das ich es wieder tue, wenn ich wieder außer der Reihe esse. Ich fand es widerlich und mein hals tut heute immer noch ein bisschen weh davon. aber ich kann mir selbst leider nicht garantieren, das es beim nächsten heißhungeranfall nicht wieder passiert.

Ich erwarte jetzt keine konkreten Antworten von euch, ich musste das nur irgendjemandem mitteilen, ich muss da die ganze zeit noch drüber nachdenken und ich bin so erschrocken über mich selbst. Ich hätte nie nie gedacht, das ich soweit gehen könnte, mit dem erbrechen meine ich. Es verwirrt mich doch arg und ich hab wirklich Angst, die Kontrolle zu verlieren. Es ging doch die letzten Jahre gut, warum auf einmal?

Danke fürs Zuhören/lesen, ist doch recht lang geworden...

Lieben Gruß!

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29. November 2010 um 14:56

Hallo Krisma,
Essstörungen können sich auch sehr langsam, quasi über Jahre entwickeln, wobei sich die Symptome immer weiter verstärken.Es ist letztlich nur eine Frage der Zeit, wann man die vermeintliche Kontrolle über die Krankheit verliert. Ich wundere mich daher nicht über deinen Bericht. Für mich ist es eine normale Anamnese.

LG Nus

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2. Dezember 2010 um 12:30
In Antwort auf nus1951

Hallo Krisma,
Essstörungen können sich auch sehr langsam, quasi über Jahre entwickeln, wobei sich die Symptome immer weiter verstärken.Es ist letztlich nur eine Frage der Zeit, wann man die vermeintliche Kontrolle über die Krankheit verliert. Ich wundere mich daher nicht über deinen Bericht. Für mich ist es eine normale Anamnese.

LG Nus


Ja, ich hatte schon einmal, vor zwei Jahren etwa, eine Phase, in der ich dachte, das ganze wird schlimmer. Aber da hat mich meine Ma ganz gut aufgefangen, zum Glück. Und nun ist es schon wieder sehr grenzwertig. Ich verstehe garnicht so recht, warum, und das ist mit das schlimmste daran. Mir geht es eigentlich gut, ich habe alles, was ich brauche. Na ja, mehr oder weniger, aber eigentlich kann ich mich nicht beklagen. Dürfte ich ich mich nicht beklagen...
Am sonntag habe ich mich ja das erste Mal erbrochen, nach dem Essen. Was eigentlich ja gar kein richtiges Essen war, bloß ein Apfel und ein wenig Magerkäse. Es fühlte sich dennoch zu viel an.
Und gestern ist es wieder passiert!! Ich will das nicht, aber ich hatte so ein schlechtes Gefühl nach dem Essen. Ich weiß nun, das ich es "kann", das mit dem Erbrechen, das ist wahrscheinlich das fatale daran. Ja, ich saß schon desöfteren vor dem Klo, in der Phase vor zwei Jahren zum Beispiel. Ich habe es aber nie über mich gebracht und war am Ende auch sehr froh darüber.

Ich hoffe sehr, dass diese Phase schnell wieder vorbei geht und es sich nicht zu einem Kreislauf entwickelt. Im Moment habe ich einfach nur Angst, zu essen, damit ich es nicht wieder tue. Minimale Nahrungsaufnahme also, damit ich gar nicht erst in die "Routine" des Erbrechens komme.

Alles wird gut - hoffentlich...

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2. Dezember 2010 um 13:04
In Antwort auf hendel_12357275


Ja, ich hatte schon einmal, vor zwei Jahren etwa, eine Phase, in der ich dachte, das ganze wird schlimmer. Aber da hat mich meine Ma ganz gut aufgefangen, zum Glück. Und nun ist es schon wieder sehr grenzwertig. Ich verstehe garnicht so recht, warum, und das ist mit das schlimmste daran. Mir geht es eigentlich gut, ich habe alles, was ich brauche. Na ja, mehr oder weniger, aber eigentlich kann ich mich nicht beklagen. Dürfte ich ich mich nicht beklagen...
Am sonntag habe ich mich ja das erste Mal erbrochen, nach dem Essen. Was eigentlich ja gar kein richtiges Essen war, bloß ein Apfel und ein wenig Magerkäse. Es fühlte sich dennoch zu viel an.
Und gestern ist es wieder passiert!! Ich will das nicht, aber ich hatte so ein schlechtes Gefühl nach dem Essen. Ich weiß nun, das ich es "kann", das mit dem Erbrechen, das ist wahrscheinlich das fatale daran. Ja, ich saß schon desöfteren vor dem Klo, in der Phase vor zwei Jahren zum Beispiel. Ich habe es aber nie über mich gebracht und war am Ende auch sehr froh darüber.

Ich hoffe sehr, dass diese Phase schnell wieder vorbei geht und es sich nicht zu einem Kreislauf entwickelt. Im Moment habe ich einfach nur Angst, zu essen, damit ich es nicht wieder tue. Minimale Nahrungsaufnahme also, damit ich gar nicht erst in die "Routine" des Erbrechens komme.

Alles wird gut - hoffentlich...

Hallo Krisma,
mit einer minimalen Nahrungsaufnahme wirst du keinen Ausstieg aus deiner Essstörung erreichen, ganz im Gegenteil , mit solchen Diäten löst du nur Heißhunger oder sogar Essattacken aus und anschließendes Erbrechen. Bei dir hat sich das Krankheitsbild schon so verfestigt, dass du nach meiner Einschätzung eine Heilung nicht aus eigener Kraft schaffen wirst. Ich würde dir empfehlen, professionelle Hilfe zuzulassen und eine Psychotherapie zu machen.

LG Nus

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2. Dezember 2010 um 13:06
In Antwort auf hendel_12357275


Ja, ich hatte schon einmal, vor zwei Jahren etwa, eine Phase, in der ich dachte, das ganze wird schlimmer. Aber da hat mich meine Ma ganz gut aufgefangen, zum Glück. Und nun ist es schon wieder sehr grenzwertig. Ich verstehe garnicht so recht, warum, und das ist mit das schlimmste daran. Mir geht es eigentlich gut, ich habe alles, was ich brauche. Na ja, mehr oder weniger, aber eigentlich kann ich mich nicht beklagen. Dürfte ich ich mich nicht beklagen...
Am sonntag habe ich mich ja das erste Mal erbrochen, nach dem Essen. Was eigentlich ja gar kein richtiges Essen war, bloß ein Apfel und ein wenig Magerkäse. Es fühlte sich dennoch zu viel an.
Und gestern ist es wieder passiert!! Ich will das nicht, aber ich hatte so ein schlechtes Gefühl nach dem Essen. Ich weiß nun, das ich es "kann", das mit dem Erbrechen, das ist wahrscheinlich das fatale daran. Ja, ich saß schon desöfteren vor dem Klo, in der Phase vor zwei Jahren zum Beispiel. Ich habe es aber nie über mich gebracht und war am Ende auch sehr froh darüber.

Ich hoffe sehr, dass diese Phase schnell wieder vorbei geht und es sich nicht zu einem Kreislauf entwickelt. Im Moment habe ich einfach nur Angst, zu essen, damit ich es nicht wieder tue. Minimale Nahrungsaufnahme also, damit ich gar nicht erst in die "Routine" des Erbrechens komme.

Alles wird gut - hoffentlich...

Hey
Wenn du nur hoffst, dass es nicht wieder passiert, kann sich nichts ändern.
Und irgendwann wird es wieder passieren. Die "Phase" kann sich nämlich manifestieren und dann sitzt du in der tiefen "Scheiße".
Glück hast du, wenn die Phase vergeht, aber allein weil du schon sagtest, dass du jetzt weißt, dass du dich erbrechen kannst, macht es für mich fragwürdig, ob du freiwillig dieses Verhalten nach ein paar Tagen/Wochen wieder ablegen wirst.

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