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Anas Geständnis (Recovery)

25. Juli 2011 um 10:25 Letzte Antwort: 25. Juli 2011 um 15:15

Liebe Freundin,

ich muss dir etwas gestehen.
Ich habe dir so viel erzählt, als wir uns kennengelernt haben.
Es war nicht alles die Wahrheit. Aber ich habe teilweise eine Wahrheit erzählt, die tief in dir verborgen war. Die du erkanntest, während viele aus deiner Familie es nicht sehen konnten.
Und deshalb hast du mir auch sonst alles geglaubt, was ich dir erzählt habe.
Es war richtig, dass deine Ernährung vorher nicht optimal war, dass du zuviel Fast Food gegessen hast, zu viele Süßigkeiten und zuviel Weißbrot. Aber ich habe dich angelogen und dir erzählt, dass du gar nichts mehr essen darfst, dass du nach jedem Bissen ein schlechtes Gewissen haben sollst, dass du dich qualvoll erbrechen sollst, wenn du doch mal mehr gegessen hast.

[...]

Wir werden nicht mehr lange befreundet sein.
Denn ich bin keine gute Freundin. Wir waren nie befreundet, ich habe dich beherrscht. Dafür habe ich dir auch Sicherheit gegeben, die Sicherheit, dass dir niemand sonst mehr wehtut. Aber ich habe dir mehr wehgetan, als es jeder andere tun kann. Denn du warst nicht meine Freundin, sondern meine Sklavin. Und du hast dich befreit.

[...]

Du hast gelernt, wie man lebt. Du hast dir in einsamen Stunden, wo du gegen mich gekämpft hast, zurechtgelegt, wie du dein Leben gestalten kannst. Und du hast auch in deiner Therapie viel gelernt. Nicht, wie man die Vergangenheit unterdrückt, was ich dir ja so ausführlich beigebracht hat, sondern wie man mit ihr umgeht und sogar noch Kraft daraus zieht.
Und wie man Erlebnisse in der Gegenwart positiv erleben kann. Wenn du traurig bist, dann kannst du dir deine Gitarre nehmen und die Traurigkeit in schöne Melodien umsetzen, während ich dir alle kreativen Energien geraubt habe, alles, was du hast, auf den rasenden Wunsch umgelenkt habe, immer dünner zu werden.
Du weißt nun, wie du dich anders ausdrücken kannst, wenn es dir nicht gut geht, als mit einem ausgemergelten Körper herumzulaufen. Du kannst schreiben, Musik machen, Malen, kreativ werden. Aus Kummer entstehen so schöne Gedichte, viel schöner als es ein sterbender Körper jemals sein kann.

Ich habe dich immer angelogen, um Macht über dich zu bekommen und diese Macht über dich zu erhalten, aber nun verabschiede ich mich von dir und gebe mich geschlagen.

Du hast gewonnen, du darfst leben.



Noia



Diesen Text habe ich für unser Forum geschrieben, wenn ihr die vollständige Version lesen wollt, schaut mal vorbei:

http://traumland.phpbb8.de/informationen-f95/anas-gestandnis-recovery-t1008.html


glg Noia

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25. Juli 2011 um 15:15

Späte Einsicht
Danke Noia für die Stunde der Wahrheit.

LG Nus

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