Home / Forum / Fit & Gesund / Adiopositas - Wie kann ich die Essstörung besiegen?

Adiopositas - Wie kann ich die Essstörung besiegen?

8. September 2015 um 13:20

Hallo ihr Lieben

Seit meiner Kindheit habe ich ein Problem mit dem Essen. Aber nicht dass ich zu wenig esse, sondern zu viel. Ich habe schon vieles ausprobiert: Kur, Ernährungsberatung, Diäten, Psychotherapie, Hypnose, Selbsthilfegruppe und dieses Jahr sogar eine Magenverkleinerung.

Ich kann super wenig essen, aber leider brauchen sehr kalorienhaltige Nahrungsmittel auch nur super wenig Platz. Ich habe in den ersten 3 Monaten 20kg abgenommen und seit dem nichts mehr. Ich habe richtige Fressanfälle, wo ich so viel esse, dass ich mich sogar manchmal davon übergeben muss.

Ich bin da echt verzweifelt .. Ich bin 26 Jahre jung und habe Angst, ganz früh zu sterben oder an Diabetes o.ä. zu erkranken.

Weiß jemand vielleicht noch was ich tun kann?

Liebe Grüße
Annika

Mehr lesen

11. September 2015 um 12:10

Hallo Annika,
also zuerst muss ich sagen, dass ich extrem enttäuscht von deinen Ärzt*innen bin, dass sie einer Magenverkleinerung zugestimmt haben, obwohl du an Essanfällen leidest. Das ist unglaublich gefährlich. Finde ich absolut unverantwortlich von deinen Ärzt*innen. Falls deine Ärzt*innen aber nicht von deiner Essstörung wissen/wussten, dann hast du absolut unverantwortlich gehandelt. Man kann nicht einfach auf eigene Faust am Symptom alleine herumdoktorn, das klappt nicht und hat noch nie bei irgendjemandem jemals geklappt.

Du sagst du hast bereits eine Psychotherapie ausprobiert. Was für eine war das (Verhaltenstherapie, Psychoanalyse, Tiefenpsychologie)? Abgeschlossen oder abgebrochen?

Was kannst du tun? Auf jeden Fall regelmäßig ärztliche Untersuchungen, damit du körperlich gesund bleibst. Du musst aber auf jeden Fall wieder begleitet werden. Klinik wäre auch eine Option, die ich dir sehr ans Herz legen möchte. Ich war früher als Kind/Jugendliche von Essanfällen betroffen (wusste das aber so in dem Sinne irgendwie nicht), mit 17/18 ist es dann in Bulimie umgeschlagen.
Nun, damals bin ich auch im Forum angekommen und hab um Rat gebeten und ehrlich gesagt hab ich mir in den Arsch gebissen, weil ich nicht in die Klinik gegangen bin.

Eine stationäre Therapie, bei der du natürlich geschützt wirst vor Essanfällen, dich gesund ernähren kannst, dich bewegst, mit Leidensgenoss*innen zusammen bist, dich austauschen kannst, ein therapeutisches Programm hast und jederzeit professionelle Ansprechpartner*innen hast, ist einfach ein guter erster Schritt um in einer akuten Phase den ersten Schritt zu machen. Anschließend ist es ratsam sich ambulant Hilfe zu nehmen, oder alternativ in eine therapeutische Wohngemeinschaft zu ziehen um den Übergang zwischen Klinik und selbstständigem Leben therapeutisch und pädagogisch zu begleiten. (Natürlich ist alles auch esstherapeutisch begleitet!)

Die Binge-Eater und Bulimiker*innen lernen sich mit Hobbies und Bewegung auszugleichen. Wir sind meistens richtige Powerpakete, aber durch fehlende Handlungs- und Bewältigungskompetenzen sind wir in eine Essstörung gerutscht und powern so volle Lotte gegen uns selbst. Du wirst lernen auf dich zu achten und dich fürsorglich um dich selbst zu kümmern, sodass du nicht mehr (oder selten) in diese extremen Zustände rutscht.
Es ist nie zu spät und kämpfen lohnt sich!

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

11. September 2015 um 13:39
In Antwort auf blamimibla

Hallo Annika,
also zuerst muss ich sagen, dass ich extrem enttäuscht von deinen Ärzt*innen bin, dass sie einer Magenverkleinerung zugestimmt haben, obwohl du an Essanfällen leidest. Das ist unglaublich gefährlich. Finde ich absolut unverantwortlich von deinen Ärzt*innen. Falls deine Ärzt*innen aber nicht von deiner Essstörung wissen/wussten, dann hast du absolut unverantwortlich gehandelt. Man kann nicht einfach auf eigene Faust am Symptom alleine herumdoktorn, das klappt nicht und hat noch nie bei irgendjemandem jemals geklappt.

Du sagst du hast bereits eine Psychotherapie ausprobiert. Was für eine war das (Verhaltenstherapie, Psychoanalyse, Tiefenpsychologie)? Abgeschlossen oder abgebrochen?

Was kannst du tun? Auf jeden Fall regelmäßig ärztliche Untersuchungen, damit du körperlich gesund bleibst. Du musst aber auf jeden Fall wieder begleitet werden. Klinik wäre auch eine Option, die ich dir sehr ans Herz legen möchte. Ich war früher als Kind/Jugendliche von Essanfällen betroffen (wusste das aber so in dem Sinne irgendwie nicht), mit 17/18 ist es dann in Bulimie umgeschlagen.
Nun, damals bin ich auch im Forum angekommen und hab um Rat gebeten und ehrlich gesagt hab ich mir in den Arsch gebissen, weil ich nicht in die Klinik gegangen bin.

Eine stationäre Therapie, bei der du natürlich geschützt wirst vor Essanfällen, dich gesund ernähren kannst, dich bewegst, mit Leidensgenoss*innen zusammen bist, dich austauschen kannst, ein therapeutisches Programm hast und jederzeit professionelle Ansprechpartner*innen hast, ist einfach ein guter erster Schritt um in einer akuten Phase den ersten Schritt zu machen. Anschließend ist es ratsam sich ambulant Hilfe zu nehmen, oder alternativ in eine therapeutische Wohngemeinschaft zu ziehen um den Übergang zwischen Klinik und selbstständigem Leben therapeutisch und pädagogisch zu begleiten. (Natürlich ist alles auch esstherapeutisch begleitet!)

Die Binge-Eater und Bulimiker*innen lernen sich mit Hobbies und Bewegung auszugleichen. Wir sind meistens richtige Powerpakete, aber durch fehlende Handlungs- und Bewältigungskompetenzen sind wir in eine Essstörung gerutscht und powern so volle Lotte gegen uns selbst. Du wirst lernen auf dich zu achten und dich fürsorglich um dich selbst zu kümmern, sodass du nicht mehr (oder selten) in diese extremen Zustände rutscht.
Es ist nie zu spät und kämpfen lohnt sich!

Vielen Dank für deine Antwort
Ich hab Kontakt zu einer anderen Patientin, die auch Fressanfälle hatte und operiert wurde. Da man ja trotzdem etwas abnimmt (10-40 kg) kann ich schon verstehen warum sie trotzdem operieren. Immerhin ist so starkes Übergewicht ja sehr gefährlich.

Ich bin gerade noch in einer Therapie. Da geht es drum mein Selbstbewusstsein zu stärken und die Vergangenheit aufzuarbeiten, damit ich vom Essen als Tröster wegkomme. Allerdings habe ich das Gefühl, dass es mir beim Essen nicht so hilft. Beim Rest aber schon. Ich bin derweil schon auf anderen Wartelisten zu Therapeuten.

Vielleicht wäre eine Klinik hilfreich. Ich bin nur irgendwie noch total traumatisiert von meiner ersten Erfahrung. Da war ich da mit 8 Jahren und wurde trotz einer Mittelohrentzündung von den Betreuerinnen angeschrien und von den anderen älteren Mädchen (15 Jahre) auch körperlich angegriffen und ich hab die ganze Zeit nicht verstanden was ich falsch mache und was an mir nicht stimmt. Aber vermutlich sind da Kliniken für Erwachsene besser

Ich mache später mal einen Termin bei meinem Hausarzt.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

12. September 2015 um 14:10
In Antwort auf annika293

Vielen Dank für deine Antwort
Ich hab Kontakt zu einer anderen Patientin, die auch Fressanfälle hatte und operiert wurde. Da man ja trotzdem etwas abnimmt (10-40 kg) kann ich schon verstehen warum sie trotzdem operieren. Immerhin ist so starkes Übergewicht ja sehr gefährlich.

Ich bin gerade noch in einer Therapie. Da geht es drum mein Selbstbewusstsein zu stärken und die Vergangenheit aufzuarbeiten, damit ich vom Essen als Tröster wegkomme. Allerdings habe ich das Gefühl, dass es mir beim Essen nicht so hilft. Beim Rest aber schon. Ich bin derweil schon auf anderen Wartelisten zu Therapeuten.

Vielleicht wäre eine Klinik hilfreich. Ich bin nur irgendwie noch total traumatisiert von meiner ersten Erfahrung. Da war ich da mit 8 Jahren und wurde trotz einer Mittelohrentzündung von den Betreuerinnen angeschrien und von den anderen älteren Mädchen (15 Jahre) auch körperlich angegriffen und ich hab die ganze Zeit nicht verstanden was ich falsch mache und was an mir nicht stimmt. Aber vermutlich sind da Kliniken für Erwachsene besser

Ich mache später mal einen Termin bei meinem Hausarzt.

Hallo Annika,
oh Gott, das ist ja wirklich eine schreckliche Erfahrung.

Eine stationäre Therapie macht immer Sinn, wenn die ambulante Therapie keine, oder nur wenig Wirkung zeigt.
Bspw. in der Klinik Lüneburger Heide gibts ja ein Programm für "Adipositas" - eigentlich Binge Eater*innen. Es gibt sicherlich noch X andere Kliniken, die sich diesem Krankheitsbild widmen und es multiprofessionell mit dir aufarbeiten. Lass dich von deiner ersten Erfahrung nicht bremsen, um Gesund zu werden müssen wir alle Risiken nehmen und die Hürden überwinden.

Es ist großartig, dass du dich weiterhin um ambulante Hilfe kümmerst! Es ist wichtig, dass du nicht diätest, sondern dich eher normal und ausgewogen ernährst. Diät halten garantiert dir den nächsten Essanfall. Mit gesunder Ernährung kannst du die natürlich auch haben, aber sie sind entweder nicht so schlimm, oder sehr viel weniger. Die Diät erhöht vor allem den psychischen Druck - dazu noch wiegen, oder ständig der kritische Blick in den Spiegel, vielleicht eine Hose die (eingebildet?) zwickt, usw... Das sind alles Dinge die zusammen schon mehr als genug Druck für den nächsten großen Anfall geben.

Pass gut auf dich auf. Alles Gute für dich.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

Frühere Diskussionen
Lust auf mehr Farbe in deinem Leben?
wallpaper